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Aus der Neuen Solidarität Nr. 31/2003

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Das Jahr 1968

In diesem nebenstehenden dritten und letzten Interview mit dem früheren Senator Eugene McCarthy geht es u.a. um die stürmischen Ereignisse im Zusammenhang mit dem Nominierungsparteitag der Demokraten in Chikago. McCarthy hatte offiziell seine Gegenkandidatur zum amtierenden demokratischen Präsidenten Lyndon B. Johnson erklärt. Innenpolitisch nahm die Opposition gegen den Vietnamkrieg ständig zu.

McCarthy wollte mit seiner Präsidentschaftskandidatur vor allem verhindern, daß die amerikanische Jugend in den Jakobinismus abglitt. Die Demokratische Partei und der nächste amerikanische Präsident sollten das Gemeinwohlprinzip wieder ins Zentrum der Politik rücken, wie es Franklin D. Roosevelt in der Zeit der Wirtschaftsdepression und auch der erst wenige Jahre zuvor ermordete Präsident John F. Kennedy getan hatten.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, einige Ereignisse des geschichtsträchtigen Jahres 1968 ins Gedächtnis zu rufen. Dies hilft auch dem Leser, die Schilderungen McCarthys und was eigentlich mit der 68er Generation geschah, besser einzuordnen.

Januar-Februar: Nach jahrelanger Eskalation des US-Verteidigungsministeriums unter Robert McNamara beginnen die Nordvietnamesen die "Tet-Offensive" mit 70 000 Soldaten. Die amerikanische Botschaft in Saigon wird sieben Stunden lang besetzt. Mitte Februar erreicht die Zahl der Kriegsopfer auf amerikanischer Seite ihren Höhepunkt: 543 Tote und 2547 Verwundete in einer Woche.

12. März: Senator McCarthy, der am 30. November 1967 seine Gegenkandidatur zum amtierenden Präsidenten Johnson um die Nominierung zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten angekündigt hatte, liegt bei der ersten Vorwahl der Demokraten im Bundesstaat New Hampshire nur 230 Stimmen hinter Johnson. McCarthy hat inzwischen, nachdem er anfangs nur ein paar Studenten als freiwillige Helfer hatte, für den Wahlkampf mehr als 2000 Studenten als Vollzeitkräfte und 5000 Teilzeitkräfte.

16. März: Robert (Bobby) Kennedy, der ehemalige Justizminister und Bruder des 1963 ermordeten Präsidenten John F. Kennedy, hatte lange offengelassen, ob er als Präsidentschaftskandidat antreten würde, und McCarthy zugesagt, er wolle sich nicht an den Vorwahlen beteiligen. Doch angesichts des Stimmenergebnisses von McCarthy in New Hampshire erklärt Robert Kennedy nun ebenfalls seine Kandidatur.

31. März: Präsident Lyndon B. Johnson überrascht die Nation mit der Erklärung, auf die Wiederwahl zu verzichten.

2.April: Senator McCarthy gewinnt die Vorwahl in Wisconsin.

3. April: Die bemerkenswerteste unter zahllosen studentischen Aktionen und Streiks an amerikanischen und europäischen Universitäten ist der Streik des mit Lyndon LaRouche verbundenen SDS-Labor Committee an der New Yorker Columbia University.

4. April: Dr. Martin Luther King, der angefangen hat, seine Bürgerrechtsbewegung auf den Widerstand gegen den Vietnamkrieg und die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften auszuweiten, wird in Memphis (Tennessee) ermordet. Bei den darauffolgenden Unruhen kommen mindestens 46 Menschen ums Leben. Allein in Chikago werden neun Schwarze getötet.

6. Mai: Am "blutigen Montag" kommt es in Paris zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Studenten und Sicherheitskräften.

Mai: McCarthy gewinnt die Vorwahl in Oregon.

10. Mai: Amerikaner und Nordvietnamesen beginnen Vorverhandlungen zu Friedensgesprächen in Paris.

5. Juni: Robert Kennedy wird ermordet, kurz nachdem er die Vorwahl in Kalifornien gewonnen hat.

8. August: Die Republikaner wählen den früheren Vizepräsidenten Richard Nixon zu ihrem Präsidentschaftskandidaten.

20. August: Mehr als 200 000 Soldaten des Warschauer Paktes marschieren in der Tschechoslowakei ein, um die Reformbewegung des "Prager Frühlings" zu zerschlagen.

26.-29. August: Auf dem Nominierungsparteitag der Demokraten in Chikago wird inmitten heftiger Zusammenstöße zwischen Tausenden Demonstranten und Polizisten Hubert Humphrey zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gewählt.

30. August: Die Polizei von Chikago dringt mit brutalem Vorgehen in die Büros von McCarthys Wahlkampfteam ein, mehrere Wahlkampfhelfer werden schwer verletzt.

5. November: Richard Nixon wird mit einem Stimmenvorsprung von weniger als 1,5 Prozent zum Präsidenten gewählt.

Nina Ogden

 

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