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Aus der Neuen Solidarität Nr. 31/2003 |
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Nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg studierte er an der Universität Wien Mathematik und Physik und war schon frühzeitig als Journalist bei der Arbeiterzeitung unter ihrem legendären Chefredakteur Friedrich Austerlitz tätig; später gehörte er mit dem heute noch bekannten Publizisten Dr. Günther Nenning zu den ersten Protagonisten des "Neuen Forums". In dieser Zeit zog es ihn aber immer mehr zur Erwachsenenbildung und Sozialpädagogik. Sein Charakter war zeitlebens von Menschlichkeit und Toleranz geprägt, er ist aber immer auch ein "homo politicus" geblieben.
Als 1978 die Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des ersten österreichischen Kernkraftwerks Zwentendorf verloren wurde, nahm Gottfried Pratschke im Auftrag der Regierung und führender Gewerkschafter den Kampf für die Einführung der Kernenergie wieder auf und wurde mit der organisatorischen Durchführung des Volksbegehrens "Pro Zwentendorf" betraut, welches einen Achtungserfolg erzielte. Seit damals gab er sich, im Gegensatz zum politischen Establishment seines Landes und seiner Partei, nicht geschlagen, sondern setzte als unermüdlicher Publizist und Leserbriefschreiber den - zunehmend einsamen - Kampf für Wissenschaft und Fortschritt fort. Als dann Kernkraftgegner und Naturschützer auch die Nutzung der Wasserkraft bekämpften, gründete er mit Freunden unter großen persönlichen Opfern die Zeitschrift Unser Strom.
Durch diese Tätigkeit kam er Mitte der 90er Jahre in Kontakt zum Schiller-Institut, das er nach Kräften unterstützte, und zur Neuen Solidarität, in der er gelegentlich Artikel und Leserbriefe veröffentlichte. In dieser Zeit war er bereits durch eine Krankheit weitgehend ans Bett gefesselt, was ihn jedoch nicht daran hinderte, seine publizistische Tätigkeit für die Wissenschaft und den Fortschritt der Menschheit fortzusetzen und eine wöchentliche Faxzeitschrift zu verfassen, in der er zu aktuellen Fragen der Politik Stellung bezog. Viele Beiträge aus diesem Journal erschienen auch wieder als Leserbriefe in österreichischen Zeitungen. Noch kurz vor seinem Tode nahm er auf diesem Wege das Schiller-Institut energisch gegen seine Verleumder in Schutz. Er starb am 3. Juni 2002.
Für Gottfried Pratschke war der Kampf für die Wissenschaft ein Kampf für den Erhalt der Kultur und Zivilisation. In diesem Sinne gab er - im Europäischen Verlag - Gedichtanthologien, Novellen und andere kleinere Schriften heraus. Im Geleitwort zu einer Sammlung ins Deutsche übersetzter altrussischer Fabeln schrieb er 1985: "Die von mir seit nahezu dreißig Jahren betreute Buchreihe, in der mehr als eintausend Titel erschienen sind, weist zweifellos in thematischer Hinsicht größte Vielfalt auf."
Er verfaßte - neben beruflich bedingten Schriften pädagogischen Inhalts - auch selbst Gedichte und Romane. Vieles deutet darauf hin, daß sein 1975 erschienener Roman Wenn die Hoffnung nicht wäre autobiographische Züge trägt; darum haben wir diesen Teil als Beitrag für unsere Reihe "Zeitgeschichte" ausgewählt.
Der Roman beschreibt das Schicksal mehrerer Familien in Österreich, vom Ende der Republik 1938 bis zum Untergang der Nazidiktatur. Während Toni Wendt sich aufgrund seiner Kriegserfahrungen dem Widerstand anschließt, ist der Vater seiner Braut Gisa Ortsgruppenleiter der NSDAP. Als solcher sorgt er dafür, daß Tonis eigentlich unpolitischer Vater ins KZ eingeliefert wird, wo dieser sich das Leben nimmt.
Unser Ausschnitt stammt vom Ende des Romans; er schildert, wie sich die Überlebenden unmittelbar nach dem Kriegsende in Wien wiedertreffen.
alh/ori
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