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Aus der Neuen Solidarität Nr. 32/2003
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Cheneys Einfluß auf Bush
"Dick Cheney sah mich mit ruhiger Miene an... Später, als ich mir unser Gespräch vom Band anhörte, war ich erstaunt darüber, wie stark das Thema der Bedrohung der Vereinigten Staaten dominiert hatte - erstaunt, denn als Cheney sprach, hatte ich das Gefühl einer großen Selbstsicherheit. Seine Anwesenheit hatte eine Wirkung, als hinge ich an einem Tropf, mit dem mir ständig eine starke Dosis Serotonin-Hemmer eingeflößt wurde. Alles war gleichmäßig, keine Höhen, keine Tiefen. Er würde niemals flockig noch halbbacken sein und seine Ansichten nicht von seinen Emotionen beeinflussen lassen, und er würde mit Sicherheit weder weich noch naiv sein ... Die ganze Zeit, während Cheney sprach, stellte ich mir vor, wie es auf Präsident Bush wirken mußte, mehrmals täglich an diesen Tropf gehängt zu werden, und die erste Dosis schon um acht Uhr morgens zu bekommen."
(Aus: Nicholas Lemann, "Der stille Mann: Dick Cheneys Aufstieg zu beispielloser Macht", The New Yorker, New York, 7. Mai 2001.)
"Und wenn Sie an Bushs Leute denken, konzentrieren Sie sich auf Cheney! Er ist das Herz und die Seele und das Gehirn der Show. Er ist der ruhige Amerikaner, der stille Teilhaber, der Consigliere. Schon vor langer Zeit, in der Regierung Ford, war sein Geheimdienst-Deckname 'Rücksitz'. Er ist der Mann mit der Landkarte, der dem Fahrer leise den Weg weist ...
Hohe Beamte des Außenministeriums, die zum Oval Office kommen, machen oft die Bemerkung, daß dort immer ein Mann ist, der schweigt. Sein Lächeln scheint leutselig, seine Ruhe - für einige Anwesende - beunruhigend. Er ist der Buddha in der Ecke, der den Präsidenten immer im Blick hat. Cheney glaubt, daß er nur einen Kunden hat: den Präsidenten. Er ist der erste und letzte Mann, mit dem George W. Bush jeden Tag spricht. Er ist Bushs Enzyklopädie. Er ist ruhig. Er beruhigt. Er ist sich in seinen Ansichten immer völlig sicher ... Bush hält ihn für unverzichtbar. Er sagte: 'Wenn Sie mit Dick Cheney sprechen, sprechen Sie mit mir. Wenn Dick Cheney redet, rede ich.'"
(Aus: William Showcross, "Im Schatten von George", Sunday Times Magazine, London, 6. Juli 2003.)