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Aus der Neuen Solidarität Nr. 40/2003 |
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Kontroverse. Nach der Kritik des Club of Life an den "standesrechtlichen Empfehlungen" Schweizer Akademie für medizinische Wissenschaften reagierte diese mit Drohungen. Offenbar hat der CoL einen wunden Punkt getroffen, resümiert der CoL-Vorsitzende Dr. Wolfgang Lillge in einer Entgegnung.
In Neue Solidarität Nr. 35/2003 berichteten wir über eine ungeheuerliche "standesrechtliche Empfehlung", die die Schweizer Akademie für medizinische Wissenschaften (SAMW) im Juni dieses Jahres vorgelegt hatte. Darin will die SAMW Ärzten vorschreiben, dabei mitzuhelfen, alte Menschen durch "Suizid unter Beihilfe eines Dritten" in den Tod zu treiben - und das unter ausdrücklichem Verweis auf die steigenden Kosten im Gesundheitssektor (die Richtlinie ist im Internet abrufbar unter www.samw.ch). Der Club of Life sieht darin den Startschuß zu einem neuen Faschismus, denn unter keinen Umständen ließe sich eine ärztlich sanktionierte Tötung als "Hilfe" rechtfertigen. Wir riefen gleichzeitig zu massivem und kompromißlosen Widerstand gegen diese Ungeheuerlichkeit nicht nur in der Schweiz, sondern vor allem auch in Deutschland auf, da von Beschlüssen "international angesehener" medizinischer Institutionen in der Schweiz oft eine Signalwirkung für ärztliche Standesorganisationen in der ganzen Welt ausgehen.Auf die Verbreitung eines entsprechenden Aufrufes des Club of Life hat nun das Generalsekretariat der SAMW in Person des Vorsitzenden Prof. W. Stauffacher und der Generalsekretärin Dr. Margrit Leuthold mit einem Drohbrief reagiert, worin rechtliche Schritte angedroht werden, falls der Club of Life seine "Kampagne" gegen die neuen Richtlinien der SAMW nicht unverzüglich einstelle.
Es gibt indes keinen Anlaß, die Kritik an den "Empfehlungen" in irgendeiner Form zurückzunehmen oder in dem Bemühen nachzulassen, die Inkraftsetzung dieser "Empfehlungen" zu verhindern. Der Vorsitzende des Club of Life Dr. Wolfgang Lillge hat sich in einem Antwortschreiben an die SAMW vom 24. Sep. 2003 noch einmal klar zu dem Sachverhalt geäußert. Es folgen Auszüge aus diesem Schreiben.
"Sie behaupten, in der Stellungnahme des Club of Life zu den neuen medizinisch-ethischen Richtlinien und Empfehlungen zur Behandlung und Betreuung von älteren pflegebedürftigen Menschen seien 'Passagen aus ihrem Zusammenhang' gerissen, in 'einen anderen Kontext' gestellt, 'falsch wiedergegeben' und 'eigene Botschaften auf bewußt manipulative und ehrverletzende Art' verbreitet worden.
Dies sind pauschale und von Ihnen in keiner Weise belegte Vorwürfe. Vielmehr scheint unsere Stellungnahme genau jenen wunden Punkt Ihrer 'Richtlinien' getroffen zu haben, der schon zuvor von verschiedenen anderen Seiten angesprochen wurde. Jeder, der die 'Richtlinien' liest, merkt, daß mit dem darin implizierten Menschenbild etwas nicht in Ordnung ist. Wer nicht sofort den Zusammenhang zwischen den in der Präambel geschilderten düsteren Perspektiven für das Gesundheitswesen (nicht nur in der Schweiz) und den weiter hinten in dem Dokument gemachten Empfehlungen für den Umgang mit alten Menschen mit Selbstmordabsichten herstellt, hat nicht verstanden, worum es in der Debatte um 'Sterbehilfe' wirklich geht.
Wenn man zusätzlich noch die aggressiven Methoden der diversen Sterbehilfevereine in der Schweiz sowie der sie tragenden 'Bioethiker' mit ihrem inhumanen Menschenbild berücksichtigt, erscheinen die fraglichen Passagen in den 'Empfehlungen' der SAMW als reines Zugeständnis an diesen 'Zeitgeist', der sich gerade in Krisenzeiten immer wieder in den Vordergrund zu spielen pflegt.
Ich möchte Sie in diesem Zusammenhang noch einmal auf die eindringlichen Formulierungen in der Süddeutschen Zeitung vom 28. Juli 2003 verweisen, wo es schon im Untertitel mit Blick auf die Schweiz hieß: 'Ärzte sollen Sterbehilfe leisten, um Kosten zu sparen'. Im letzten Absatz des Artikels schreiben die Autoren: 'Mit der Schweiz sind nun in drei europäischen Ländern Patiententötungen durch Standes- und Landesrecht eingeführt und werden dort praktiziert. Dabei ist die Schweizer Begründung auf erschreckende und entlarvende Weise neu: Man errechnet den Pflege-Engpaß und trägt einfach Kostengründe vor. Das stille Töten nach diesem Muster hätte zweifellos Zukunft. Aber spätestens jetzt stellt sich der Medizin die Existenzfrage. Wer mit dieser Begründung tötet, kann kein Arzt mehr sein.'
Außerdem kommt das Denken, das sich jetzt in den 'Empfehlungen' niedergeschlagen hat, nicht aus heiterem Himmel. Die SAMW hatte bereits 1995 inmitten der kritischen Diskussionsphase um die Sterbehilfe einen umstrittenen Vorstoß gemacht, um das Kriterium, wann Schweizer Ärzte lebenserhaltende Maßnahmen abbrechen dürfen, von Patienten in der unmittelbaren Sterbephase auch auf solche Patienten auszudehnen, die sich keineswegs in der Sterbephase befinden. Gemeint waren damit zerebral schwerst Geschädigte, d.h. Koma- und Wachkomapatienten.
Der Club of Life hat dazu im September 1995 in einer Erklärung geschrieben: 'Zweierlei Gründe mögen die SAMW bewogen haben, Komapatienten in die Liste potentieller Euthanasieopfer aufzunehmen. Erstens eine weitgehende Unkenntnis oder Ignoranz über Behandlungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten komakranker Menschen, und zweitens der Wille zum Einsparen der durchweg hohen Behandlungskosten. In diesem Fall hätte sich die SAMW zum Handlanger derjenigen politischen Kräfte gemacht, die auch um den Preis von Menschenleben Leistungen des Gesundheitswesens zusammenstreichen wollen.'
Insofern paßt es in das Denken der SAMW, wenn in den neuen 'Empfehlungen' von diesem Jahr die Menschen in den Alten- und Pflegeheimen zur Zielscheibe werden, die 'am Ende ihrer Tage möglichst ökonomisch 'entsorgt' werden sollen' wie sich ein prominenter Beobachter der Schweizer Entwicklungen einmal ausdrückte."
In diesem Lichte ist in unserer Bewertung des Dokuments der SAMW nichts aus dem Zusammenhang gerissen, und wir haben schon gar nicht 'eigene Botschaften auf bewußt manipulative und ehrverletzende Art' verbreitet. Vielmehr liegt es an Ihnen, ganz zweifelsfrei den Anschein zu beseitigen, der von Ihnen empfohlene Umgang mit alten Menschen in der Schweiz beruhe auf dem oben beschriebenen Menschenbild.
Dr. med. Wolfgang Lillge
Vorsitzender des Club of Life e.V.
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