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Aus der Neuen Solidarität Nr. 45/2003

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Kriegsheimkehrer menschenwürdig versorgen

Europabesuch. Amelia Boynton-Robinson, Bürgerrechtsveteranin und Vorstandsmitglied des amerikanischen Schiller-Instituts auf Europa-Tournee.

Amelia Boynton-Robinson, die "große alte Dame der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung" ist wieder einmal in Europa zu Besuch. Sie wird in den nächsten Wochen in Italien, Frankreich und Deutschland unterwegs sein, um dort politische Unterstützung für Lyndon LaRouches Präsidentschaftskampagne zu gewinnen. Vor allem sind viele Treffen mit jungen Menschen geplant, die von den Aktivisten der LaRouche-Jugendbewegung mobilisiert werden. Wo sonst kann man von einer Zeitzeugin aus dem unmittelbaren Umkreis Martin Luther Kings die wahre Geschichte der Bürgerrechtsbewegung lernen - und wo sonst findet man eine solche Kämpferin, die auch heute, mit über 90 Jahren, unermüdlich vor der gefährlichen innenpolitischen Entwicklung in Amerika warnt, die die Errungenschaften des Bürgerrechtskampfes wieder zunichte macht?

Unmittelbar vor ihrer Abreise nach Europa hatte sich Frau Boynton-Robinson eingeschaltet, einen ungeheuren Skandal in den USA zu beenden: Nach einem Bericht des UPI-Journalisten Mark Benjamin vom 18. Oktober 2003 warten über 600 verletzte und kranke Reservisten der Armee und der Nationalgarde in Fort Stewart im US-Bundesstaat Georgia auf medizinische Behandlung, die ihnen meist erst nach wochenlangem Warten gewährt werden kann. "In der medizinischen Warteschlange" heißt das in der offiziellen Sprache der Armee. Die Soldaten liegen in feuchten, dunklen Gebäuden, etwa 60 Menschen pro Baracke. Die sanitären Einrichtungen sind mehr als dürftig: So müssen die Verletzten und Kranken - viele von ihnen an Krücken - über Sandboden bis zu einem Toilettenhaus gehen, wo nur Raumteiler, die eigentlich für Büros gedacht waren, etwas Diskretion schaffen. Etwa zwei Drittel der Verletzten und Kranken waren im Kriegseinsatz im Irak.

Aufgeschreckt von dem ersten UPI-Bericht untersuchten mehrere US-Senatoren die Zustände in Fort Stewart und bestätigten die Aussagen. In der Zwischenzeit ist auch bekanntgeworden, daß Fort Stewart kein Einzelfall ist: Etwa 400 weitere Soldaten liegen in Fort Knox (Kentucky) in der Warteschlange, unter ähnlich skandalösen Bedingungen: undichte Dächer, Schädlinge, keine Klimaanlagen im heißen Kentucky. Ein UPI-Bericht vom 29. Oktober zitiert einen Betroffenen: "Ich kam an, und wir wurden in Baracken aus dem Zweiten Weltkrieg untergebracht. Am 29. August wurden wir verlegt. Am 30. August brach das Dach ein. Wären wir nicht verlegt worden, wären einige jetzt tot. Einige Soldaten erklärten, sie fühlten sich grob vernachlässigt, gar als Bürger zweiter Klasse behandelt. "Mein Bruder will zur Armee gehen, ich werde ihm das jetzt ausreden", sagt ein anderer Soldat.

Die beiden Senatoren und Sprecher der Armee beteuern inzwischen, die Lage müsse schnellstens verbessert werden - konkrete Vorschläge, wie die Verbesserung aussehen soll, machen sie nicht, passiert ist bislang erst recht nichts.

Amelia Boynton-Robinson griff sofort ein: In einem Brief an die Zeitungen Montgomery Advertiser und Atlanta Journal vom 28. Oktober beschrieb sie es so:

"Vor meiner Abreise nach Europa, und noch bevor Berichte über die Lage und die Behandlung unserer Veteranen in Fort Stewart in der Presse erschienen, habe ich vom Büro des Schiller-Instituts in Leesburg in Virginia aus, versucht, Gouverneur Riley aus Alabama, die Veterans Administration sowie Vertreter von Stadt und Kreis meiner Heimatstadt Tuskegee anzurufen. Ich habe keinen von ihnen persönlich erreicht, ich habe nur mit Assistenten gesprochen. Ich habe den Abgeordneten und Senatoren aus Alabama ausrichten lassen, mich in Leesburg zurückzurufen. Ich habe mit dem Kongreßabgeordneten John Lewis gesprochen (er kam ans Telefon, um mit mir zu sprechen, obwohl er gerade in einer wichtigen Sitzung war). Seine Antwort war, er werde sich sofort mit den Abgeordneten von Alabama in Verbindung setzen, um ihnen meinen Vorschlag zu unterbreiten, die Tuskegee Veterans' Administration, in der es viele ungenutzte Gebäude gibt, für die Veteranen zu öffnen, damit sie zumindest gut untergebracht sind und medizinisch versorgt werden können.

Habe ich Kinder bei den Streitkräften? Nein, aber ich fühle mich dem Kind jeder Mutter nahe, und ihre schlechte Behandlung verletzt mich zutiefst, zumal sie ihr Geburtsland gegen feindliche Angriffe verteidigen, nur um bei ihrer Rückkehr schlimmer als im Kerker untergebracht zu werden. Warum? Warum sollten wir dies hinnehmen, wo doch das Tuskegee Veterans Hospital über leerstehende guterhaltene Gebäude verfügt. Alles, was wir tun müßten, ist die Türen zu öffnen und die Leute hineinzulassen."

In einem Vortrag vor Freunden in Wiesbaden beschrieb Amelia die Geschichte des Tuskegee Veterans Hospital, das schon kurz nach seiner Gründung 1924 vom Ku Klux Klan belagert wurde. Der Grund für die schlechte Behandlung der Veteranen heute, so sagt sie, liegt darin, daß Bush, Cheney, Ashcroft und andere verschleiern wollten, was wirklich im Irak passiert.

Ihr Hauptanliegen sei es, die LaRouche-Kampagne zu fördern. In den USA sei ein deutlicher Umschwung zu vermerken, immer mehr Menschen legen ihre bisherige Zurückhaltung ab, die oft aus Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder anderer Schwierigkeiten gespeist war, und schließen sich LaRouche an. Und wie in der Zeit der großen Märsche der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, so seien es auch heute die jungen Leute, die ihre Eltern mobilisieren.

Ortrun Cramer

 

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