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Aus der Neuen Solidarität Nr. 45/2003

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Schöne grüne Welt

Umweltschutz. Eine Preisverleihung der anderen Art in Cancun (Mexiko) verdeutlichte, wie der "Öko-Imperialismus" der Dritten Welt Tod und (auch Umwelt-) Zerstörung bringt.

"Und der Preisträger ist Greenpeace", so etwas hörte der professionelle Weltspendeneintreiber seit Jahrzehnten häufig und gerne. Dieses Mal werden die Experten für Meinungsmanipulation den lautschallenden Worten von Niger Innis am Rande des Treffens der gescheiterten Konferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Cancun, Mexiko (vgl. Neue Solidarität vom 24. September 2003) mit gemischten Gefühlen gelauscht haben, wenn sie sich von ihrem Platz am Tisch der Herren dieser Welt weg zur Veranstaltung des Kongresses für Rassengleichheit (CORE), deren Sprecher Innis ist, bequemt haben sollten. Der Preis, den Innis vergab, war der "Green Power - Black Death Award" (Grüne Gewalt - Schwarzer Tod).

"Ich möchte den Moskitos dafür danken", erklärte ganz im Stile der Oskarverleihung eine in Schwarz gekleidete Grim Peapers als angebliche Vertreterin der "ehrenwerten" Umweltorganisation bei der Entgegennahme des Preises, "daß sie die Malaria in die unterentwickelten Länder zurückgebracht haben. Mehr noch möchte ich den Millionen Kindern danken, die starben und dadurch diesen Preis möglich gemacht haben." Mit solchem Sarkasmus zeigten die Vertreter der Entwicklungsländer auf diesem Welthandelstreffen, daß sie endlich den Zynismus verstanden haben, den die Erste Welt mit der sogenannten Umweltschutzbewegung betreibt. Sie hoben mit der Preisverleihung die tödlichen Folgen der von den Umweltschutzaktivisten betriebenen Politik hervor und stellten die Gruppen heraus, die sich am meisten dafür engagiert haben, "Not, Elend und Tod in den Entwicklungsländern" zu verbreiten. Neben Greenpeace wurden vor allem die "Freunde der Erde" und die Gruppe "Food First" "geehrt", die sich angeblich für die armen Länder engagieren, aber tatsächlich das Gegenteil bewirken, und das - jedenfalls auf den oberen Führungsebenen - durchaus nicht ohne Wissen und Absicht.

Neben dem Preis für die Frontorganisationen gab es auch einen entsprechenden Preis für Regierungen und Stiftungen. Hier drängten sich die Europäische Kommission, Oxfam International und der Pew Charitable Trust kaum unterscheidbar auf den ersten drei Plätzen. Eine weitere Preisklasse, der sogenannte "Onkel-Tom"-Preis, wurde an Nichtregierungsorganisationen in der Dritten Welt vergeben, die "am bereitwilligsten ihr eigenes Volk für Geldzuwendungen von Stiftungen der ersten Welt verkaufen". Hier wurden besonders "Pesticide Action Network" in Malaysia und das "Vanda Shivas 3. Welt-Netzwerk" "geehrt".

Zu den Initiatoren dieser Veranstaltung in dem Zentrum der Nichtregierungsorganisationen (NGO) beim WTO-Kongress gehörte neben CORE, einer der ältesten und renommiertesten Bürgerrechtsbewegungen der USA, auch das "Komitee für ein Konstruktives Morgen" (CFACT), eine Denkfabrik in Washington D.C.

"Die Umweltschutzpolitik stellt einen tödlichen Öko-Imperialismus dar", erklärte Innis zur Erläuterung der Aktion. "Die Umweltschutzaktivisten wissen, daß ihre Earth-First-Politik die Familien und Gemeinden zerstört und jährlich Millionen Tote fordert, und trotzdem setzen sie weiterhin immer neue, fehlgeleitete Gesetze, Regelungen und Verträge durch, die diejenigen behindern, welche nur noch um das nackte Überleben kämpfen müssen. Wir haben uns das NGO-Zentrum für unsere Ehrung ausgewählt, weil diese und die Medien mit den Auswirkungen ihrer Politik für die Ärmsten auf unserem Planeten konfrontiert werden müssen".

Einige ihrer Umweltmaßnahmen mögen ja für Industrieländer angemessen sein, in denen Malaria, Typhus, Ruhr und Unterernährung, die die armen Nationen noch plagen, überwunden sind. "Doch wenn die reichen Nationen den Armen vorschreiben, sie müßten die übertriebenen Umweltbestimmungen einhalten, um den esoterischen Bedenken der industrialisierten Welt gerecht zu werden, und darüber die wirklichen und unmittelbaren Überlebensfragen in Afrika, Indien und Mexiko hintanstellen, dann ist das mehr als heuchlerisch."

Zwei Milliarden Menschen verfügen noch immer über keinen Stromanschluß, und an den Folgen der Malaria sterben jährlich über 2 Millionen Menschen, zum größten Teil Kinder in Afrika. Ruhr und Unterernährung töten rund eine Million Erwachsene und 3 Millionen Kinder in Entwicklungsländern, an Lungenkrankheiten sterben rund eine Million Frauen sowie 4 Millionen Säuglinge und Kleinkinder. Ungezählte Millionen sterben an Unterernährung und Hunger. Die Wasserversorgung ist eines der größten Probleme. "Doch die Organisationen der Grünen Gewalt und des Schwarzen Todes lassen nichts unversucht, um sicherzustellen, daß dieser Massenmord fortschreitet", rief Innis den Zuhörern zu: "Dafür müssen sie an den Pranger gestellt werden."

Die meisten Anwesenden hörten bedrückt zu. Nur zwei, die ihren Namen nicht nennen wollten, riefen dazwischen, das seien alles Lügen, und die Afrikaner stünden nicht hinter solchen Behauptungen. Das reizte James Shikwati, den Präsidenten des "Regionen übergreifenden Wirtschaftsnetzwerks" in Kenia, zum Widerspruch: "Ich bin aus Kenia, und ich unterschreibe alles, was hier gesagt wurde, und das tun die meisten Menschen, mit denen ich spreche und zu tun habe."

Das mutige Auftreten von CORE hat den grünen Gruppen, die im öffentlichen Bewußtsein bisher fast ausschließlich die Debatte über Entwicklungspolitik und Umweltschutz bestimmen durften, die Schau gestohlen und ihre wahre Natur enthüllt. Allerdings muß die Kritik an der Umweltschutzbewegung noch weiter gehen, sie sollte auch deren wirtschaftspolitische Bedeutung für die derzeitige Spekulationswirtschaft in der sogenannten Ersten Welt herausstellen. Dabei ist vor allem zwischen Maßnahmen, die tatsächlich dem durchaus wichtigen Umweltschutz dienen, und solchen, die aus den hier angeprangerten Gründen von den NGOs und Medien verbreitet werden, zu unterscheiden.

(Die Informationen stammen von Paul Driessen, dessen vor kurzem erschienenes Buch Eco-Imperialism: Green Power - Black Death, den Anstoß zu dieser Intervention gegeben hat).

Dr. Helmut Böttiger

 

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