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Aus der Neuen Solidarität Nr. 49/2003 |
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Der Club of Life und die BüSo forderten bei einer gemeinsamen Veranstaltung in Berlin die Bürger auf, Verantwortung zu übernehmen, damit die Systemkrise der Weltwirtschaft und deren Folgen im Gesundheitssektor überwunden werden können.
Bei der Veranstaltung des Club of Life und der BüSo am 19. November in Berlin zum Thema "Rettet das Gesundheitswesen!" ist vor allen Dingen eines klar geworden: Wir werden diese Krise unseres Gesundheitssystems nicht lösen, wenn wir nicht die Gewohnheit der meisten Menschen überwinden, klein zu denken.
Die jungen und alten Aktivisten der LaRouche-Bewegung hatten im Vorfeld der Veranstaltung in Berlin mit einer Flugblattkampagne die katastrophalen Verhältnisse angeprangert, um zu dieser Veranstaltung zu mobilisieren.
Mobilisieren und aktivieren waren auch die Stichworte, mit denen die Veranstaltung eingeleitet wurde. Alexander Pusch, Vollzeitaktivist in der internationalen LaRouche-Jugendbewegung stellte seine Überlegungen zum Thema Generationenvertrag dar. Es sei ein Symptom der Zeit, daß inzwischen die selbstverständlichsten Dinge wie das Verhältnis der jungen zur alten Generation auf derart absurde Art in Frage gestellt würden, wie dies im Augenblick in der öffentlichen Debatte geschieht. Ein Philipp Mißfelder von der Jungen Union sei mit seiner Bemerkung, 85jährige sollten keine künstlichen Hüftgelenke mehr bekommen, nur ein Beispiel. Die aufgesetzte und absolut folgenlose Entrüstung, die Spitzenpolitiker aller Parteien auf seine Worte an den Tag legten, bilde nur die andere Seite der gleichen unerfreulichen Medaille. Axiomatisch seien sich leider alle einig, daß nun einmal gespart werden müsse, da kein Geld mehr vorhanden sei.
Die eigentliche Frage sei hingegen: Was hält eine menschliche Gesellschaft zusammen? Die Antwort darauf könne nur lauten: Das gemeinsame Bild vom Menschen, vor allem aber die Liebe zum Menschen und zur Menschheit sind das Fundament und der Leim einer menschlichen Gesellschaft. Platon habe dies eindrücklich in seinem Dialog "Der Staat" beschrieben.
Dort wird Sokrates vom alten Kephalos gebeten, er möge sich doch öfter blicken lassen, denn sonst fehle dem Alten der geistige Austausch, an dem er zunehmend Freude empfinde. Sokrates erwidert darauf, er unterhalte sich in der Tat äußerst gern mit hochbetagten Männern, denn wie von Leuten, die uns einen Weg vorausgegangen seien, könne man von ihnen erfahren, wie dieser Weg beschaffen sei.
Ganz ähnlich, so Pusch, sei auch das Verhältnis der Jugend zu Lyndon LaRouche, der aufgrund seiner Lebenserfahrung und der Tatsache, daß er niemals seine Ideale verkauft habe, eine Quelle der Inspiration für die Jugendbewegung sei. Die Aufforderung, selber Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv in den Kampf gegen den totalen Ausverkauf des Gesundheitswesens einzuschalten, war an die Anwesenden gerichtet, und er richtet sich auch an Sie als Leser.
Den Hauptteil der Veranstaltung bildete die Beschreibung der aktuellen Situation im gesundheitlichen Kürzungskrieg gegen die Bevölkerung. Dr. Wolfgang Lillge, Arzt und Vorsitzender des Club of Life, stellte seiner Rede eine kurze Einleitung zur Geschichte des Club of Life und dessen Kampagnen voraus.
Der Club of Life wurde 1982 auf Initiative von Helga Zepp-LaRouche, dem Gewissen Deutschlands und der Vorsitzenden der BüSo, als eine offene Kriegserklärung an den Club of Rome gegründet. Dieser Club of Rome unternahm zu jener Zeit vehemente ideologische Angriffe auf die Gesellschaft, verbreitete irrationale Technologiefeindlichkeit und den Mythos von den "begrenzten Ressourcen", den "Grenzen des Wachstums" und der "Überbevölkerung". Die wirklichen Motive dahinter seien nach wie vor die oligarchischen Finanzinteressen gegen das Gemeinwohl, gepaart mit Rassismus und Gier.
Der Club of Life verteidige das Lebensrecht aller Völker der Erde und trete ein für eine neue gerechte Weltwirtschaftsordnung auf der Basis einer Prinzipiengemeinschaft souveräner Nationalstaaten und eine globale Renaissance des Humanismus.
Dr. Lillge beschrieb einige eklatante Beispiele von Angriffen auf die Unantastbarkeit menschlichen Lebens. Der umstrittene Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen (BAÄK) habe bereits im letzten Jahr eine Absenkung der Vergütung ambulanter Dialyse (Blutwäsche) beschlossen. Dialysepatienten diese überlebenswichtige Behandlung zu beschneiden, bedeute nicht nur eine massive Senkung der Lebensqualität der Betroffenen, sondern könne sogar direkt lebensverkürzend wirken.
Als weiteres Beispiel führte Dr. Lillge das neue Fallpauschalen-Abrechnungssystem für Krankenhäuser an, welches nur dazu diene, Kosten zu sparen. Besonders die Neonatologen (Fachärzte in den Neugeborenenabteilungen) seien Sturm gelaufen, als sie feststelltn, daß auf diesem Wege die Gelder zur Versorgung Frühgeborener fast um ein Viertel abgesenkt würden, was zu einer brutalen Auslese insbesondere bei der Behandlung der kleinsten Frühchen führen würde. Aufgeschreckt durch diesen empörenden Skandal hätten die Verantwortlichen zwar sofort die Finanzierung der Neugeborenenabteilungen zugesichert, trotzdem zeige dieser Fall, so Dr. Lillge, daß das ganze System nur auf reines Kosten-Nutzen-Denken abgestellt sei.
Besonders empörend sei die Spardebatte um die Sondennahrung, die für viele schwerstkranke Patienten überlebenswichtig ist. Der erste Vorstoß, die Finanzierung von Sondennahrung zu streichen, erfolgte 1998, als wiederum der Bundesausschuß der Ärzte und Krankenkassen versuchte, aufgrund eines Urteils des Bundessozialgerichts, die Kassen müßten nicht für "Reformhauskost" aufkommen, die Erstattung von Trink- und Sondennahrung komplett zu streichen. Dieser Vorstoß sei zwar gescheitert, doch zwei Jahre später folgte ein neuer Vorstoß, Sondennahrung nur noch als "Einheitskost" erstatten. Wichtige Indikationen für Spezialnahrung oder ballaststoffreiche Kost sollten wegfallen. Nach massiven Protestkampagnen u.a. vom Club of Life legte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt Einspruch ein, bei der Empfehlung des BAÄK seien "wissenschaftliche Erkenntnisse" nicht berücksichtigt worden.
Aber die Sparbarbaren geben immer noch nicht auf. Seit Juli 2003 werde nun von Finanzminister Eichel aktiv Gesundheitspolitik gemacht, indem er die Mehrwertsteuer für Sondennahrung von 7% auf 16% angehoben habe, denn Sondennahrung sei ein "Genußmittel"! Außerdem berichtete Dr. Lillge von einem erneuten Vorstoß des BAÄK, in Zukunft nur noch eine "Einheitsnahrung" zu finanzieren.
Die Penetranz, mit der in diesem Bereich vorgegangen wird, läßt vermuten, daß es hier gar nicht um die relativ geringen direkten Einsparbeträge geht, sondern der eigentliche Sparfaktor ganz woanders liegt. Wenn sich Patienten immer weniger Sondennahrung leisten könnten oder nur noch mit einer "Einheitsnahrung" versorgt würden, so bedeute dies, daß viele dieser Patienten, die gerade zu den "teuren Patienten" gerechnet würden, schlicht und einfach früher sterben, erklärte Dr. Lillge.
Um den Rahmen der Betrachtung zu weiten, präsentierte Monika Hahn, Landesvorsitzende der BüSo in Berlin, die sich zuspitzende Zusammenbruchskrise des Weltfinanzsystems einerseits, und andererseits die erfreulichen Entwicklungen in Asien, die auf LaRouches Konzept der Eurasischen Landbrücke zurückgehen.
Die Darstellung dieser Mißstände führte zu einer sehr angeregten Diskussion über die eigene Verantwortung, in einer Zeit wie der unseren nicht tatenlos zuzusehen. Dabei beteiligten sich die anwesenden Aktivisten der LaRouche-Jugendbewegung rege an diesem "Dialog der Generationen", in dem vor allem eines sehr klar wurde: Die Krise im Gesundheitswesen ist nur ein Aspekt einer sehr tiefen gesellschaftlichen Krise, und keiner von uns hat eine Aussicht auf eine Zukunft in Frieden und Wohlstand, wenn wir nicht diese gesellschaftliche Krise angehen.
Die Präsidentschaftskampagne von Lyndon LaRouche in den USA und die LaRouche-Jugendbewegung hat genau das zum Inhalt: eine klare Vorstellung, wie die Welt aussehen kann, wenn wir alle gemeinsam es schaffen, die Kleinheit und den Pessimismus zu überwinden und eine neue Renaissance einzuleiten. Jeder, der den Saal an diesem Abend verließ, sah sich mit der Herausforderung konfrontiert, sich über die Betrachtung der Schrecklichkeit einzelner Symptome dieser Systemkrise zu erheben und beim Aufbau einer neuen gerechten Weltwirtschaftsordnung durch LaRouche in den USA und seiner Ehefrau Helga Zepp-LaRouche in Deutschland zu mitzuhelfen.
acp
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