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Aus der Neuen Solidarität Nr. 5/2003

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Delphine als Therapie

Buchbesprechung. Kirsten Kuhnert, "Jeden Tag ein kleines Wunder. Das Geschenk der Delphine", Wilhelm Heyne Verlag, München, 254 Seiten, 18 Euro, ISBN 3-453-17282-5.

In der griechischen Mythologie galt der Delphin als magisches Wesen. Das sanftmütige und verspielte Meerestier wird vor allem in den USA und in Israel verstärkt als Therapeut für behinderte Kinder eingesetzt.

"Eine Delphin-Therapie bedeutet Lebensfreude. Und was können wir einem kranken Kind besseres geben als ein Lachen?", sagt Kirsten Kuhnert, die Vorsitzende von Dolphin Aid. Die zweifache Mutter, die den Verein 1995 nach einem tragischen Unfall ihres Sohnes Tim gründete, schrieb dieses Buch. Es ist die Geschichte eines kleinen Wunders, voll von Hoffnung, Wärme, Liebe und Lebenswillen. Und vor allem: Tim, der mehr als 16 Monate im Wachkoma lag, fand durch den Delphin "Spunky" sein Lächeln wieder.

Die Delphin-Therapie basiert auf den Studien des Verhaltensforschers und Psychologen Dr. David Nathanson in Florida, der bereits vor mehr als 20 Jahren nachweisen konnte, daß Delphine das Selbstbewußtsein ihrer Patienten steigern. Die Kinder konnten ihre Muskeln wieder besser kontrollieren. Bei der Therapie begleiten die Kinder den Delphintrainer auf ein schwimmendes Dock, von wo aus sie zunächst die Delphine füttern und mit ihnen spielen, um dann anschließend im Wasser mit ihnen zu schwimmen. Voller Spieltrieb kommen die freundlichen, zutraulichen Tiere auf die Kinder zu, plantschen und springen und lassen sich streicheln. Der freundliche Kontakt mit den Delphinen, die leichte Berührung mit der Schnauze, die Laute, die sie von sich geben, all das erfreut das Kind, und nach und nach können die Kinder die Impulse der Außenwelt besser aufnehmen. Selbst autistische Kinder werden auf diese Art und Weise mit der Außenwelt in Berührung gebracht.

Neben der Dolphin Human Therapy in Key Largo, Florida, die bereits für Kinder ab dem Säuglingsalter angeboten wird, gibt es seit sieben Jahren ein weiteres Delphin-Center in Eilat (Israel). Das Dolphin Reef, ein 14000 Quadratmeter großer Freiwasserbereich, ist nur durch ein Netz vom Roten Meer abgetrennt. Die Tiere können jederzeit ohne Schleusen ins offene Meer schwimmen. Hier liegt der Schwerpunkt auf geistig behinderten Kindern ab sieben Jahren.

In Deutschland hat sich die gemeinnützige Organisation Dolphin Aid e.V. mit Sitz in Düsseldorf zum Ziel gemacht, so vielen Kindern wie möglich die mindestens zweiwöchige therapeutische Begegnung mit Delphinen zu ermöglichen. Mehr als tausend Hilferufe erhält der Verein pro Jahr. 550 Familien haben seit 1995 an einer Delphin-Therapie in Key Largo in Florida teilnehmen können. Und dies bei nicht unerheblichen Kosten von 13000 Euro pro Familie. Die Therapiekosten werden von den Krankenkassen zwar nicht übernommen, aber immerhin wurde die Abzugsfähigkeit als außergewöhnliche Belastung in einem veröffentlichten Einzelfall vom Finanzamt im Sinne des Einkommenssteuerrechts anerkannt. (Finanzamt Crailsheim, Aktenzeichen 57027/65910). Unterstützt wird der Verein seit zwei Jahren von der Reederei Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten nach dem Motto: "Delphine begleiten unsere Schiffe, wir begleiten Dolphin Aid".

jut

 

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