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Aus der Neuen Solidarität Nr. 52/2003

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Lyndon LaRouche in Berlin: "Ich stehe für die Roosevelt-Tradition"

Während im Bundestag um neue Spargesetze gerangelt wurde, hatte ein ausgewähltes Berliner Publikum die Gelegenheit, sich mit Lyndon LaRouche und dessen "großem Wurf" zur Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise vertraut zu machen. LaRouches Rede im "Berliner Salon" im Volltext.


Wahlkampf und Jugendbewegung

Am 18. Dezember fand in der Bundeshauptstadt eine ganz besondere Veranstaltung statt: Der "Berliner Salon" hatte den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Lyndon LaRouche aus den USA eingeladen, zum Thema "Auswege aus der Weltwirtschaftskrise" zu sprechen. Etwa 50 Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie diplomatische Vertreter aus mehreren arabischen Ländern, China und Finnland hörten LaRouches Vortrag. Der "Berliner Salon", anknüpfend an die Idee der Salons des 18. Jahrhunderts, bringt seit einigen Jahren Menschen aus Politik, Wirtschaft und Kultur in der Hauptstadt zusammen. Er setzt sich aktiv für den Dialog der Kulturen ein; so ist in diesem Jahr bereits der "Berliner Salon" in Moskau und St. Petersburg gegründet worden, und für nächstes Jahr steht die Gründung eines "Berliner Salons" in Peking auf dem Programm.

In seiner Einleitung betonte Dr. Manfred Boese, der Vorsitzende des "Berliner Salons", daß Herr LaRouche, der offiziell bei der US-Bundeswahlbehörde als Kandidat mit der zweitgrößten Anzahl von Unterstützern geführt wird, bereits in den 80er Jahren als Autor des SDI-Programms an führender Stelle die amerikanische Politik mitgestaltet habe. In den 90er Jahren sei LaRouche durch seine Initiative für ein neues Währungssystem, ein "Neues Bretton Woods", international bekannt geworden, womit er sein jahrelanges Engagement für eine neue, gerechte Weltwirtschaftsordnung fortgesetzt habe. In diesem Zusammenhang erwähnte Dr. Boese auch die Zusammenarbeit LaRouches mit Indira Gandhi und anderen Staatschefs aus den Entwicklungsländern. Seit zwei Jahren sei LaRouche in Amerika der prominenteste Kritiker des Irakkrieges und der dahinterstehenden militärischen Präventivkriegsdoktrin der Neokonservativen.

LaRouche sprach in seinem 45minütigen Vortrag zunächst über Europas Beitrag zur Überwindung der Weltwirtschaftskrise. Europa müsse in Zusammenarbeit mit Rußland, China und Indien das riesige Entwicklungspotential Eurasiens durch wissenschaftlich-technische Großprojekte zu einer Lokomotive des weltwirtschaftlichen Wiederaufbaus machen. Hierbei sei die Partnerschaft der USA entscheidend, denn nur in einem neugeordneten Weltwährungssystem seien solche eurasischen Projekte in Größenordnungen von mehreren Billionen Dollar finanzierbar. "Wenn ich US-Präsident wäre", so LaRouche, "würde ich als erstes die Regierungen Eurasiens einladen, um mit mir ein neues Weltwährungssystem zu gründen - und sie würden alle kommen."

Hiermit setzte er den Ton, um seine Rolle als führender Präsidentschaftsbewerber für 2004 zu umreißen. Die Europäer verstünden nicht wirklich die Bedeutung der Institution der amerikanischen Präsidentschaft - Individuen und Gruppen aus dem diplomatischen Dienst, Militär, den Nachrichtendiensten, politische Denker, Berater und Intellektuelle, die um den Präsidenten herum eine weithin unterschätzte, aber in Umbruchzeiten entscheidende Funktion in der politischen Gestaltung hätten. "Ich bin Teil dieser Institution Präsidentschaft", so LaRouche, "und in dieser Funktion ist es meine Aufgabe, die verschiedenen Kräfte weltweit, die an einer Überwindung der Krise mitarbeiten wollen, zusammenzuführen."

Weiter sagte er: "Im Unterschied zum britischen Modell des Parlamentarismus, wie es in Europa heute üblich ist, haben wir in den USA eine Verfassung, die keine Sammlung von Gesetzen ist, sondern die ein Prinzip verkörpert: die Verpflichtung zum Gemeinwohl für die lebenden und nachfolgenden Generationen. Dieses Prinzip habe sich in Krisenzeiten immer wieder bewährt, um einen verhängnisvollen politischen Kurs zu korrigieren."

LaRouche verwies dabei auf die europäischen geistigen Wurzeln der US-Verfassung, auf die "Leibniz-Colbert-Tradition, die über Benjamin Franklin und die Gründerväter in der jungen amerikanischen Republik verankert wurde". Er erwähnte den wesentlichen Beitrag der ersten Generation deutscher "Klassiker" wie Lessing, Moses Mendelssohn und Lessings Lehrer Abraham Kästner für die Ideengeschichte hinter der Amerikanischen Revolution.

Die Weiterführung dieser Tradition habe dann nicht zuletzt zu Franklin Roosevelts Politik des New Deal geführt. Die dabei angewandten staatlichen Finanzierungsmethoden zur Überwindung der Depression hätten sich nach dem Krieg in der Arbeit der Kreditanstalt für Wiederaufbau wiedergefunden. Diese Methode gelte es heute wieder anzuwenden: "Ich stehe für die Roosevelt-Tradition", so LaRouche.

Wahlkampf und Jugendbewegung

In der anschließenden Diskussion ging es vor allem darum, wie man Frieden im Nahen und Mittleren Osten schaffe könne und was es tatsächlich mit dem "Kampf gegen den Terrorismus" auf sich habe. LaRouche warnte eindringlich vor der Gefahr eines asymmetrischen Nuklearkrieges. Dies abzuwenden, sei unsere historische Aufgabe, während unter dem Etikett "Kampf gegen den Terrorismus" gerade diese Gefahr angeheizt werde. Im Nahen und Mittleren Osten müßten Syrien, die Türkei, der Iran und Ägypten als souveräne Staaten agieren, um auf der Grundlage eines wirtschaftlichen Entwicklungsprogramms Stabilität und Frieden in der Region zu schaffen.

In diesem Rahmen sei auch eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts möglich, denn selbst in Israel wachse die Einsicht, daß eine Fortsetzung des Kurses von Scharon letztlich selbstmörderisch wäre. LaRouche betonte allerdings unmißverständlich, Frieden in Palästina sei eine wesentliche Voraussetzung für den Frieden in der gesamten Region Westasien. Er unterstrich dabei nochmals die verhängnisvolle, gefährliche Rolle von Vizepräsident Dick Cheney.

Auf die Frage nach seinen Wahlchancen berichtete LaRouche von der überaus erfolgreichen Kampagne seiner Jugendbewegung, die gerade Washington - wo am 13. Januar die erste Vorwahl stattfindet - "auf den Kopf stellt". Diese jungen Leute seien die politisch effizienteste Kraft überhaupt, denn sie entwickelten eine neue Kultur: Zum Beispiel durch das Singen klassischer Lieder in den Gettos, aber gleichzeitig durch höchst unkonventionelle politische Kampagnen auf den Straßen Washingtons. "Die Armen und die Jungen werden den Ausgang der Wahlen entscheiden - und an die wendet sich meine Kampagne in einzigartiger Weise."

Auf eine Frage nach der Reorganisierung des Finanzsystems erläuterte LaRouche ausführlich sein Konzept für ein "geordnetes Konkursverfahren" der US-Wirtschaft wie der Weltwirtschaft. Das Ziel sei der Schutz der Menschen, d.h. man muß die lebenswichtigen produktiven Kapazitäten und soziale Infrastruktur jeder Nation verteidigen und ausbauen. Auf einer höheren, philosophischen Ebene müsse jede Lösung sich von der Idee des Erhabenen herleiten, wie es Friedrich Schiller verstand.

Der überwältigende Applaus nach zwei Stunden Vortrag und Diskussion zeigte, wie sehr man in der ansonsten trüben politischen Szene in Deutschland auf solchermaßen visionäre Ideen wartet. Beim anschließenden Empfang wurde dies mehrfach ausgedrückt, als die unterschiedlichsten Teilnehmer beteuerten, für die Verwirklichung großer historischer Visionen "brauchen wir die Amerikaner, wir allein können dies nicht schaffen". Der Gastgeber Dr. Boese bedankte sich bei Herrn LaRouche mit einem gerade veröffentlichten Bildband über Berlin - und nicht zuletzt mit einer Einladung in die "Berliner Salons" von Moskau und Peking.

Frank Hahn


Lesen Sie bitte auch LaRouches Rede!

 

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