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Aus der Neuen Solidarität Nr. 8/2003

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Für ein weltweites Klonverbot

Ethik. Die Chancen stehen gut, daß der vorliegende Antrag auf ein umfassendes Klonverbot im Bundestag eine Mehrheit finden wird.

Wie erwartet, gibt es heftige Störfeuer gegen den Versuch der Fraktionsvorstände von Union, SPD und Grünen, über ihren gemeinsamen interfraktionellen Antrag für ein umfassendes internationales Klonverbot im deutschen Bundestag abstimmen zu lassen. (Wir berichteten darüber in Neue Solidarität Nr. 5/2003, Wieder Hoffnung im Kampf um Menschenwürde). Nach einer Intervention von Bundeskanzler Schröder und der Kritik einiger Abgeordneter von SPD und Union, die das sogenannte "therapeutische Klonen" befürworten und sich in dieser Frage keinem Fraktionszwang unterwerfen wollen, soll nun statt dessen über eine Resolution abgestimmt werden, welche die Befürworter eines Totalverbots vorgelegt haben. Die Resolution wird voraussichtlich im März im Bundestag behandelt. Trotzdem rechnet man damit, daß der Antrag auf ein umfassendes Klonverbot im Bundestag eine Mehrheit finden wird.

Schröder hatte für erhebliche Irritation gesorgt, weil er - nach und trotz der vorhergegangenen interfraktionellen Einigung der Bundestagsfraktionen zu diesem Thema - noch mehrfach in der Öffentlichkeit erklärte, man müsse diskutieren, ob das sogenannte "therapeutische Klonen" nicht von einem Klonverbot ausgenommen werden müsse. Der Bundeskanzler sah sich danach ungewöhnlich scharfer Kritik aus den Reihen der SPD- und Unionsfraktion ausgesetzt. "Schröders Meinung ist nicht die Meinung der Bundestagsfraktion", betonte der SPD-Gesundheitspolitiker Wolfgang Wodarg. Auch in der SPD-Fraktionsspitze werde an einem strikten weltweiten Klonverbot festgehalten. Und es gebe bei ethischen Fragen eine "sehr gute Übung, gemeinsam als Bundestag über Fraktionsgrenzen hinweg zu entscheiden", legte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gudrun Schaich-Walch nach.

Die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion Maria Boehmer (CDU) nannte Schröders Bemerkungen "unerhört". Der Kanzler widerspreche geltendem deutschen Recht, einem Parlamentsbeschluß vom Sommer 2002 sowie dem vor wenigen Tagen bekundeten Willen seiner eigenen Fraktion und dem Votum von Bündnisgrünen und Union. Lebensschützer warfen Schröder zudem vor, nicht richtig informiert zu sein. "Die deutsche Rechtslage ist eindeutig. Sie unterscheidet aus guten Gründen nicht zwischen dem reproduktiven und dem sogenannten therapeutischen Klonen", so Kaminski von der Aktion Lebensrecht für alle. Und auch Ernst-Ludwig Winnacker, Präsident der deutschen Forschungsgemeinschaft, bezeichnete das sogenannte "therapeutische Klonen" als "Irrweg".

In Kürze wird das Parlament erneut eine mit Parlamentariern besetzte Enquetekommission zur Bioethik einsetzen, nachdem Bundeskanzler Schröders demokratisch nicht legitimierter Nationaler Ethikrat zunehmend auf Kritik stößt. Diesen Ethikrat hatte Schröder einberufen, nachdem die Bundestagsenquetekommission sich zuvor gegen die Liberalisierung in Sachen embryonaler Stammzellforschung, Klonen und PID ausgesprochen hatte, die der Kanzler selbst favorisierte.

Auch international wächst die Allianz gegen menschliche Klonversuche. Der französische Senat hat nach dem Verbot des reproduktiven Klonens nun auch für ein Verbot des sogenannten therapeutischen Klonens gestimmt. "Das therapeutische Klonen öffnet dem Klonen von Menschen Tür und Tor", sagte Gesundheitsminister Jean-François Mattei nach der Abstimmung in Paris. Verboten ist nach dem Willen der französischen Volksvertreter "jede Intervention mit dem Ziel der Schaffung eines Kindes, das mit einem anderen lebenden oder toten Menschen genetisch identisch ist", heißt es in dem Text, über den die Nationalversammlung noch beraten muß.

Der amerikanische Wissenschaftler David A. Pretence ließ sich - auf dem Weg zu einer Anhörung des Europäischen Parlaments - in Berlin vom deutschen Bundestagsabgeordneten Hüppe über besagte fraktionsübergreifende Initiative des Bundestages informieren, bei den Vereinten Nationen ein deutsches Eintreten für ein Totalverbot des Klonens zu erreichen. Er selbst berichtete, auch in seinem Land wachse die Erkenntnis, daß die Klontechnik menschenfeindlich und ineffizient ist und nicht zuletzt zu Lasten der Gesundheit der Frauen gehe.

Pretence wies auf das wichtige Faktum hin, daß - sofern die Klontechnik denn überhaupt jemals funktionieren werde - unzählige menschliche Eizellen verbraucht werden müßten, um im Rahmen des sogenannten "therapeutischen Klonens" auch nur einem einzigen Patienten helfen zu können. Seriösen Schätzungen zufolge müßten allein zur Behandlung der 17 Millionen Diabetiker Amerikas drei Milliarden Eizellen verbraucht werden. Immer mehr setze sich die Einsicht durch, (die im übrigen vom Club of Life von Anfang an vertreten wurde), daß bei der Duldung des therapeutischen Klonens Eizellen zu einer Handelsware würden, die man sich, da es in Amerika nicht genügend Spenderinnen gibt, aus der "Dritten Welt" beschaffen müsse.

Das Geschäft mit menschlichen Eizellen - für manche Forscher der "wertvollste Rohstoff" - ist keine Utopie mehr. Menschliche Eizellen sind begehrt und nur schwer zu bekommen; in den USA sind es Studentinnen, die Eizellen "spenden", um sich ihr Studium zu verdienen. Nach einer aufwendigen Hormontherapie können dann durchweg nicht nur eine Eizelle, sondern mehrere gewonnen werden. Die Belastung ist groß. Denn neben der Hormontherapie erfolgt die Entnahme invasiv durch die Bauchdecke. Kein Wunder, daß dies nur wenige wirklich freiwillig und gegen Bezahlung auf sich nehmen. Doch bei den Embryonenzüchtern und -zerstückelern, den Klonforschern und Eugenik-Aposteln ist der Bedarf und das Verlangen nach menschlichen Eizellen anscheinend geradezu unstillbar.

Und selbst die Präimplantationsdiagnostik, über die dieser Tage so heftig diskutiert wird, dient beileibe nicht in erster Linie der Aussortierung unerwünschter Embryonen (dazu gibt es ja auch die Abtreibung). Sie dient insbesondere der Gewinnung zusätzlicher Embryonen, an denen man Stammzellforschung betreiben kann.1

Insofern liegt es nahe, den "Markt" tatsächlich in der sogenannten "Dritten Welt" zu vermuten, wenn diesen Leuten nicht endlich wirkungsvoll in den Arm gefallen wird. Ansonsten könnten Eugeniker, Bevölkerungsplaner und -kontrolleure jedenfalls gleich mehrere ihrer menschenverachtenden Ziele realisieren. Statt Zwangssterilisationen gäbe es dann etwas Geld oder Brot für jede Eizelle. Dies sieht etwas humaner aus, doch viele Frauen werden entweder bei diesem Eingriff unter unsterilen Bedingungen unfruchtbar, oder sie sterben sogar daran, wie es beim Organhandel auch häufig geschieht. (Von den Risiken der vorangehenden Hormonstimulierung gar nicht erst zu reden). Warum auch Rücksicht nehmen? Verzweifelte Mütter, die ihre Kinder ernähren wollen, gibt es genug. Im Zeitalter neuer Angriffskriege wird es auch wieder denkbar, in den eroberten armen Ländern dann den "Rohstoff Frau" auszubeuten wie andere erbeutete Rohstoffe auch.

Der nächste lang erträumte Schritt, die "Keimbahnintervention" zur wahlweisen Herstellung von Ober- und Untermenschen durch anschließende Klonierung, spukt in den Hirnen so etlicher Wissenschaftler. Ob dies nun irgendwann funktionieren wird, ist nicht einmal die Frage. Denn aller Voraussicht wird es nicht funktionieren, weil das derzeitige Verständnis lebender Prozesse derart reduktionistisch ist, daß jeder Versuch früher oder später scheitern muß. Doch dabei werden ungezählte ungeborene, künstlich erzeugte Embryonen zerstückelt, geklont, mißbraucht, verbraucht. Und dies ist Verbrechen genug.2


Anmerkungen

1. Über die Präimplantationsdiagnostik wird in Kürze ein umfassender Artikel erscheinen.

2. Mehr dazu in Gentechnik und Menschenwürde auf der Club of Life-homepage www.club-of-life.de (oder beim Böttiger-Verlag gegen Rückporto zu bestellen).

Jutta Dinkermann

 

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