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Aus der Neuen Solidarität Nr. 11/2003

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- Interview -

Wirtschaftsaufbau statt Irakkrieg

Jack Stockwell führte in seiner Radiosendung "K-Talk" im Sender KTKK in Salt Lake City am 3.März ein einstündiges Interview mit Lyndon LaRouche. Wir bringen Auszüge.

LaRouche: Ich glaube, in der Hinsicht besteht keine Gefahr. Die Gefahr scheint mir eher von den Leuten auszugehen, die lieber Cheney als Präsidenten hätten.

LaRouche: Das Problem ist, daß die ganze Regierung nicht zurechnungsfähig ist, einschließlich der Nationalen Sicherheitsberaterin des Präsidenten, Condoleezza Rice, die von Strategie überhaupt nichts versteht. In ihrem Falle liegt das wahrscheinlich an ihrer schlechten Ausbildung u.a. bei Madeleine Albrights Vater, der einmal ihr Mentor war.

Seit 1988-89, und besonders unter der heutigen "Cheney-Administration" - wie man die jetzige Politik wohl am treffendsten umschreibt - mißachten die Vereinigten Staaten, was jeder kompetente Militärbefehlshaber in Amerika, Europa oder anderswo gelernt hat. Ich meine die Lehren aus dem Peloponnesischen Krieg. Die Entscheidung für den Peloponnesischen Krieg zog den Niedergang Athens und der griechischen Zivilisation nach sich. Heute tun die USA mit ihrer Absicht, einen Krieg gegen den Irak zu führen, genau dasselbe.

Was die gegenwärtige Regierung mit irgendwelchen nebulösen Begründungen - "Scheich soundso oder Kalif soundso und der 11.September" - vorhat, ist ein Wahnsinn, der die Zerstörung der USA als Nation bedeuten könnte. Alle wesentlichen Elemente dieser [heutigen] Kriegspolitik - der Irakkrieg usw. - wurden schon während der Regierung Bush senior vom damaligen Verteidigungsminister Cheney geplant. Damals haben Präsident Bush sen., Scowcroft, James Baker III. und andere Cheneys Pläne gebremst. Nun ist Cheney Vizepräsident, und er betreibt wieder diese Politik, die er 1991-92 entwarf - also lange, bevor irgendjemand von einem 11.September redete. Die Behauptung, diese Politik wäre eine Reaktion auf den 11.September, ist eine Lüge. Diese Politik wurde in jeder Hinsicht, einschließlich der Pläne zum Einsatz von Atomwaffen, bereits von Cheney 1991-92 entworfen, als er Verteidigungsminister der ersten Bush-Administration war; Präsident George Bush sen. ließ sie aber in der Schublade.

LaRouche: Wir haben Al Qaida doch selbst aufgebaut - wir und Großbritannien, mit israelischer Hilfe. Wir haben Osama Bin Laden und andere aufgebaut. Genauso wie Donald Rumsfeld unter der ersten Regierung Bush dem Irak chemische Waffen gab.

LaRouche: Was einige Idioten in Washington nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion begonnen haben, ist genau derselbe Fehler wie der Peloponnesische Krieg im antiken Griechenland. Die Griechen - Athen und Sparta u.a. - schlossen sich in einem Bündnis zusammen und besiegten das Persische Reich. Sie vernichteten es nicht, das tat später Alexander der Große, aber sie besiegten es. Dann versuchte Athen, seine imperiale Macht auszunutzen, um die Verbündeten auszubeuten und den Bündnispartnern alles zu diktieren, genauso wie die Bush-Administration heute Europa diktieren will. Das war die Ursache des Peloponnesischen Krieges. Die Griechen unterdrückten gewaltsam einen ihrer eigenen Verbündeten [Melos], weil er sich weigerte, vor ihnen zu Kreuze zu kriechen. Noch schlimmer war die Entscheidung zum Krieg gegen die griechische Kultur in Süditalien und Sizilien, und das Ergebnis war der Untergang der griechischen Zivilisation, so daß statt dessen das Römische Reich aufsteigen konnte. Auf diese Weise wurde Griechenland zerstört.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben einige Leute, die Dinge wie Thukydides'Peloponnesischen Krieg nie gelesen haben, gegenüber unseren Verbündeten in Europa und anderswo genauso gehandelt wie Athen unter Perikles und Alkibiades, als es den Peloponnesischen Krieg anzettelte, der ganz Griechenland zerstörte.

Wir verlieren nicht nur unsere Wirtschaftskraft, wir verlieren auch die Beziehungen zu unseren Freunden und Verbündeten rund um die Welt. Deshalb fehlt uns eine Macht, die wichtiger ist als militärische Stärke, nämlich die diplomatische, die außenpolitische Stärke. Wir verlieren unsere Verbündeten. Unsere Nation isoliert sich und zerstört sich selbst, während gleichzeitig ihre Wirtschaft zusammenbricht. Wenn es so weitergeht, hat George Bush bald ein Haushaltsdefizit von mehr als einer Billion Dollar. Wenn das Newt Gingrich hört!

LaRouche: Aber der Präsident wird benutzt. Eine Gruppe um Cheney und ein paar andere manipuliert ihn für ihre Zwecke. Ich kenne diese Leute.

LaRouche: Nicht nur sie. Die Mega-Gruppe spiegelt es nur wider. Vergessen Sie nicht, daß die rechts-faschistische Fraktion innerhalb des Zionismus von anglo-amerikanischen Interessen geschaffen wurde. Bedenken Sie: Wenn Israel unter den gegenwärtigen Bedingungen im Nahen Osten einen Krieg führt, wird es das gleiche Schicksal erleiden wie eine Handgranate, die auf ein Ziel geworfen wird. Es wird vielleicht das Ziel mit seinen Atomwaffen zerstören, aber die Handgranate selbst löst sich dabei in Splitter auf. Wenn Israel die Politik von Scharon und Cheney mitmacht, wird es untergehen.

Die Mega-Gruppe hat zwar viel Einfluß in den USA, aber sie hat diese Politik nicht erfunden. Es stecken andere Leute dahinter, die diese Politik ersonnen haben. Zugegeben, die Mega-Gruppe kontrolliert die "Gangster-Fraktion" im Parteivorstand der Demokraten (DNC) um den Democratic Leadership Council (DLC) - aber sie ist nicht der eigentlich bestimmende Faktor. Sie ist nur ein Werkzeug, ein korruptes Werkzeug der Interessen, die diese verrückte Strategie geplant haben.

LaRouche: 80% der türkischen Bevölkerung wollen mit dem Krieg nichts zu tun haben.

LaRouche: Das Gute ist, daß sich in Europa zwischen Rußland, Deutschland und Frankreich eine starke Partnerschaft entwickelt. Die Regierung Blair wird vermutlich bald gestürzt werden - wir wissen noch nicht genau, wann, aber die Briten wollen die Regierung loswerden, weil sie zu Europa gehören wollen. Die Türkei möchte in die Europäische Union. Diese Länder hoffen auf eine wirtschaftliche Partnerschaft mit Nordasien: Japan, Korea, China, Südostasien (ASEAN) und Indien. Diese Partnerschaft ist für Eurasien die einzige Hoffnung auf eine Überwindung der schwersten Depression der neueren Geschichte. Wenn die Vereinigten Staaten ihren Verstand beisammen hätten, würden sie sich wünschen, auch dabei mitzumachen, um an dieser allgemeinen wirtschaftlichen Erholung teilzuhaben.

LaRouche: Es gibt Leute, die nach Wegen suchen, wie der Präsident aus der Sache auf - sagen wir einmal - "bequeme" Art und Weise wieder herauskommen kann. Darunter befinden sich Leute in der Republikanischen Partei und aus Bushs Umfeld.

Unter anderem wurde die Idee aufgebracht, die etwa 200000 amerikanischen Soldaten im Mittleren Osten auf irgendeine Weise in der Region einzusetzen. Ein Vorschlag war, Gebiete an der Grenze zwischen Iran und Pakistan anzugreifen, die eine Art Niemandsland und Unterschlupf für Terroristen sind. Dann könnte man hinterher sagen: So, denen haben wir's gezeigt, und jetzt packen wir ein und fahren wieder nach Hause.

Diese Sache mit Khalid Muhammed riecht nach so etwas oder ähnlichem... Warum bringt jemand diese Sache jetzt groß heraus? Einerseits wissen wir, daß das nicht die Leute waren, die das, was am 11.September geschah, geplant haben. Aber es existiert tatsächlich ein Terrorpotential, das die Briten, die USA und Israel aufgebaut haben. Unter Brzezinski und dann im Rahmen der Iran-Contra-Operationen rekrutierten wir viele Leute für Al Qaida gegen die Sowjetunion. Heute benutzen wir sie gegen Rußland in Tschetschenien. Es läuft also heute noch weiter. Man könnte sich vornehmen, diese Terrorkapazitäten, die wir selbst in Gang gesetzt haben, wieder dichtzumachen. So sagen einige Leute, warum sollte Bush nicht einen Sieg gegen diese internationale Terrororganisation erzielen?

Ansonsten muß ich feststellen, daß die Spitze der Demokratischen Partei kläglich versagt hat. Es gibt aber Leute wie Kennedy, Dianne Feinstein und Daschle, die gerne vom Krieg wegkämen und statt dessen die Wirtschaftsfrage in den Mittelpunkt stellen wollen. Man sollte die Amerikaner für einen Wirtschaftsaufschwung mobilisieren. Sie müssen erkennen, wie schlimm es um die Wirtschaft wirklich steht. Wir zerstören unsere Fähigkeit zu produzieren - was wird dann aus uns? Wenn die Menschen das erkennen, werden sie auch die Zusammenarbeit mit unseren Freunden in Südamerika, Europa und Asien suchen, um eine allgemeine wirtschaftliche Erholung auf den Weg zu bringen.

Das ist meiner Ansicht nach der wirkliche Ausweg aus der Kriegsmanie.

 

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