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Aus der Neuen Solidarität Nr. 27/2004 |
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"Wo in aller Welt sind wir? In welcher Stadt leben wir? Welchen Staat haben wir?", fragte einst M.T. Cicero, und so fragen wir Bürger und Bürgerinnen heute. Der Vorstandschef J. Schrempp, Jahresgehalt 10 Mio. Euro, ist "nicht nur größter Kapitalvernichter in der Geschichte des Unternehmens, sondern auch der größte Arbeitsplatzvernichter". Sein Vertrag wird bis zum Jahr 2008 verlängert. Ist das etwa die Belohnung für besondere Leistungen? Der Aufsichtsratschef H. Kopper "soll künftig 225 000 Euro statt bisher 102 258 Euro erhalten - plus Spesen".
In einem der größten Wirtschaftsprozesse der Geschichte, der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone, erhielt Klaus Esser, einen "goldenen Handschlag", eine Abfindung von 30 Mio. Euro. War er käuflich? "Ein ungeheuerlicher Vorwurf", befindet Esser, "sein Verhalten sei geprägt gewesen von Distanz, Respekt, Pflichterfüllung". Ein Schelm, wer hier an Pharisäismus, Selbstgerechtigkeit, Heuchelei und Unmoral denkt.
Josef Ackermann, Vorstandschef der Deutschen Bank, Jahresgehalt 11,5 Mio. Euro, lächelnd, immer lächelnd - oder grinsend? - drückte mit seiner V-Geste aus: Hier in unserem Land herrscht das dicke Geld!
Im Blick nach oben: Die "Elite der Wirtschaft", ohne Unrechtsbewußtsein, statt dessen Selbstbedienungsmentalität, Beispiele skrupelloser Selbstbereicherung auf Kosten der Unternehmen, die ihnen nicht gehören. Eine Herrschaft ohne demokratischen Auftrag ist Plutokratie, eine "Krankheit des Staates", so Plato, Politeia 552c. Diese Krankheit gefährdet uns, die Zukunft von Staat und Gesellschaft!
Im Blick nach unten: M. Rogowski, der BDI-Präsident, fordert noch drastischere Einschnitte als die mißratene Agenda 2010 des Kanzlers, vor allem im Gesundheitssystem und bei den Renten. Wie entlarvend aber ist es für ihn, wenn er gleichzeitig beklagt, daß die Bezüge der obersten Manager deutscher Unternehmen hinter denen von US-Unternehmen zurückbleiben, "weil Gewerkschafter und Betriebsräte über die Bezüge der Vorstände mitbestimmen".
Dr. D. Hundt, der Präsident des BDA, geschäftsführender Gesellschafter der Allgaier Werke GmbH Uhingen, beschimpft die 300 000 Demonstranten gegen Sozialabbau (3.04.04) aus allen Lagern - DGB, Sozialverbände, Globalisierungsgegner, kirchliche Gruppen - als Wolf im Schafspelz, linke Antiamerikaner, Gutmenschen. Er schwingt die Keule: "Sie gefährden die Zukunft des Landes!" In einer sogenannten Agenda 2004 fordert er ein noch schärferes "Reformtempo", d.h. im sozialen Bereich Beiträge und Leistungen noch weiter und schneller als bisher abzusenken, teilweise durch private Absicherung zu ersetzen, in der Rentenversicherung soll die Hinterbliebenenversorgung geschleift werden! Die Wegnahme der Witwenrente - das wird seine Arbeiter, alle Arbeiter, motivieren! Daß sich dieser Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland nicht schämt!
Fragen des Bürgers an diese Wirtschaftsbosse: Wieviel Arbeitsplätze, wieviel Lehrstellen haben Sie geschaffen? Bezahlen Sie Steuern wie wir? Welche? Eigentum verpflichtet, GG Art. 14: Was haben Sie zum Gemeinwohl beigetragen? Wo, wann persönliche Opfer erbracht? Vorsicht: Der soziale Friede ist ein hohes, aber zerbrechliches Gut! Das Volk in die Armut zu treiben, ist gefährlich: Die Reichen waren stets die ersten Opfer des Zorns verarmter Völker, der blutigen Aufstände, wenn die Armen für mehr soziale Gerechtigkeit kämpften.
Eugen E. Ungerer, OStR a.D., 70374 Stuttgart
Den von der Neuen Solidarität vertretenen Prinzipien zur Beendigung des weltweiten Völkermordens stimme ich voll und ganz zu, obwohl ich bezweifle, daß eine Präsidentschaft LaRouches einen Wechsel der US-Politik bewirken würde. Wenn er sich zu weit aus dem Fenster wagt, wird das Kapital ihn daran hindern (siehe das Schicksal der Kennedys und Martin Luther Kings). Daß selbst die Demokraten ihm die notwendige Unterstützung verweigern, läßt das Schlimmste befürchten. Mit Vehemenz verteidigt das Kapital das seinen Interessen dienende Wechselbad der zwei großbürgerlichen Parteien mit den Multis, sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten. Republikaner und Demokraten pflegen sich in der Ausübung der Regierungsgewalt abzulösen. Für das Volk ändert sich nichts. Die Entwicklung einer echten Oppositionspartei, die eine Demokratie ausmacht, läßt man nicht zu.
Die "Demokratie" ist nur eine Maske, um den wachsenden Drang zur Weltherrschaft dieses humanistisch unterentwickelten Staates zu verdecken. Die USA sind ein Land, das einen langen, schweren Gesundungs- und Reifeprozeß vor sich hat, bis es für Europa und die übrige Welt nicht mehr Gefahr und Bedrohung darstellt, sondern einen echten Partner, mit dem sich gleich zu gleich leben läßt.
Alfred W. Hinzer, 32549 Bad Oeynhausen
Zum Artikel "Schockwellen in München" in Nr. 22/2004.
1. Wie kommen die Verfasser dazu, München zur nördlichsten Stadt Italiens zu erklären, in das Land Italien einzuverleiben? Vielleicht sehen diese sich eine einfache Landkarte an, um wenigstens die Grenzen der umliegenden Nachbarn Deutschlands kennenzulernen.
2. Wofür steht der Ausdruck "krautig"? Ich bin geborene Münchnerin und habe dieses Wort noch nie gehört. Um Veranstaltungen und Vorträge auszurichten, sollte man wenigstens in etwa die Mentalität der jeweiligen Bevölkerungsschichten kennen. Es genügt nicht, ein einmal gehörtes, unverstandenes Wort als Stempel einer Bevölkerungsschicht aufzuprägen. Ich nehme an, es geht um "grantig". Das kann der echte Münchner wohl werden.
3. Den Geist der Menschen anzusprechen, um aus der arroganten und ignoranten Oberflächlichkeit herauszukommen, ist schon richtig. Doch muß der Mensch, der dieses Ziel anstrebt, selbst schon einiges im Positiven verwirklicht haben, ehe er Menschen belehrt.
4. Das "verschlafene München" ist wieder so eine Überheblichkeit. Haben Sie Blitz und Donner erwartet? Der Geräuschpegel der internationalen Stadt dürfte mehr als ausreichend sein.
5. "München, die nördlichste Hauptstadt Italiens" paßt hervorragend zur Veranstaltung im "bayerisch-traditionell angehauchten Ambiente".
Dann bringen Sie immer wieder den Ausbau der Atomkraft. Es gibt seit vielen Jahren Wissenschaftler, die davor warnen. Ein hinreichender Beweis der größten Gefahr sind die mehrfachen Unfälle, der schrecklichste war Tschernobyl, dessen Folgen heute noch unabsehbar sind. Einige Bekannte lehnen aus diesem Grund Ihre Zeitung bzw. Ihre Partei ab, obwohl diese sonst vieles gut finden. Auch ich stimme dem Positiven, sofern es der Menschheit nicht schadet, bei. Regen Sie doch die vermehrte Forschung der Naturkraft an.
Erfreut wäre ich, wenn Sie Berichte, wobei zehn Zeilen und mehr in einem Atemzug gedruckt werden, durch einige Punkte unterteilen könnten. Es wäre der Sinn besser verständlich.
Zuletzt möchte ich der Jugend danken, daß sie sich für eine bessere Welt einsetzt. Ich wünsche ihr ein bewußtes tolerantes Arbeiten.
Anna Scherzl, München
Zur Doppelausgabe 24-25/2004 und Sparmaßnahmen an Versandkosten:
Die Neue Solidarität ist gewiß die interessanteste Zeitung in Deutschland, die international informiert und aktuell sonst nirgends erhältliche Hintergründe aufdeckt. Eine Zeitung, die nicht nur den Blick auf Deutschland richtet, sondern insbesondere die Geschehnisse in USA zeigt, wo nun einmal Entscheidungen getroffen werden, die Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Deshalb ist es wichtig, die Vorgänge dort verfolgen zu können. Außerdem werden geschichtliche Zusammenhänge erläutert, die ebenfalls nirgends sonst so dargestellt werden. Als Abonnent möchte ich deshalb auf keine Ausgabe verzichten und empfehle, den Bezugspreis entsprechend zu erhöhen.
Detlef Lemke, 71579 Spiegelberg
Bei der BüSo als ökumenischer Bewegung geht es oft um die Frage, daß der Mensch "Abbild des Schöpfers" sei. Dieser Begriff stammt aus althebräischen Schriften, wo es heißt, Gott habe den Menschen als sein Abbild geschaffen, und die Tiere seien dem Menschen untertan. Dieses Dogma wurde von den Christen übernommen und theologisch vertreten. Der Islam verbietet jegliche Art von Bilddarstellungen Allahs und betrachtet Jesus als Propheten, was wiederum von den Juden bestritten wird. Unter diesem Wirrwarr hat die Welt Jahrtausende lang gelitten. Kriege wurden geführt, und sogar heute hat Bush den Irakkrieg als Kreuzzug gegen den Islam bezeichnet.
Die Auffassung vom "Menschen als Abbild Gottes" wäre richtig, wenn der Mensch immer gut und lieb gewesen wäre. Aber das ist nicht der Fall, der Mensch ist oft böse und brutal, als wäre er ein Abbild des Teufels.
Außerdem ist es falsch, die Tiere als böswillige und bestialische Geschöpfe hinzustellen, weil ein Tier sich immer nur instinktiv verhalten kann. Selbstverständlich ist der Mensch gegenüber dem Tier viel fähiger und ihm weit überlegen, aufgrund seiner körperlichen und geistigen Eigenschaften. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß er gut und böse sein kann. Für die Folgen ist er selbst verantwortlich.
Heute besteht der Unterschied zwischen Mensch und Tier darin, daß die Tiere kein Geld besitzen. Der Mensch aber hat Geld und hat sich mit der technologischen und wirtschaftlichen Entwicklung völlig von der Finanzlage abhängig gemacht. Damit hängt die Zukunft unserer Erde von der Entscheidung einiger führender Köpfe ab, die politisch an der Macht sind. Unser Schicksal liegt in ihren Händen. Der Krieg auf Pump, d.h. der Krieg im Irak, zeigt deutlich, wie gefährlich ein derartiges Abenteuer ist. Denn die USA sind nicht in der Lage, einen Krieg auf Dauer zu führen, der plötzliche Verfall des Dollar ist ein Zeichen dafür, wie bankrott Amerika ist: finanziell, wirtschaftlich, militärisch und auch politisch.
Kollengode Natarajan, 51149 Köln-Porz
Das Mißverständnis klärt sich auf, wenn man zwischen zwei wichtigen Ideen unterscheidet: Der Wesensunterschied zwischen Mensch und Tier ist eine Sache, die abwertende Bedeutung von "Bestie" oder "bestialisch" eine andere. Beides darf nicht miteinander "kurzgeschlossen" werden. Erst in einem ganz bestimmten, weiteren Sinne hängt beides dann doch zusammen.
Der Mensch hat die Anlage zur schöpferischen Vernunft, darin ist er dem Schöpfer ähnlich, und das unterscheidet ihn vom Tier, welches, wie Leibniz sagt, eben eine kleinere, begrenztere Seele hat. Die Tiere sind nicht böse, sondern, wie Sie richtig sagen, einfach in ihrem Wesen beschränkter. Der Sinn dieser Idee ist, daß die Menschen sich darüber bewußt werden, was es heißt, Menschen zu sein.
Die Gabe der Vernunft bedeutet auch, daß der Mensch die Wahl zwischen Gut und Böse hat, die Tiere nicht. Menschen, die sich bewußt böse verhalten oder das Böse sogar zum Prinzip und Erfolgsrezept erheben, schänden damit das Bild vom Menschen als Abbild Gottes. Und für solche gilt der Ausdruck beast-man, der im Amerikanischen so einfach und offensichtlich ist, und mit dem wir armen Übersetzer uns im Deutschen so schwer tun. "Tiermensch" trifft die Sache ebenso wenig wie "menschliche Bestie" oder "Bestie in Menschengestalt". Nietzsches Ausdruck "blonde Bestie" ist auch ungeeignet, am besten schien uns noch "Barbar" oder "Unmensch".
Mit beast-man meinen wir nicht den unter Wölfen aufgewachsenen Moglie aus Kiplings Dschungelbuch, sondern den Vollstrecker einer bestimmten Staats- und Machtideologie, die auf Terror und rohe Gewalt setzt, wie sie etwa in der spanischen Inquisition, bei Hobbes, de Maistre oder Adolf Hitlers Holocaust-Regime zum Ausdruck kam.
Hermann Rauschning, Präsident des Senats der Freien Stadt Danzig von 1933-34, der dann sein Amt niederlegte und aus Nazideutschland floh, veröffentlichte 1939 in den USA sein Buch Gespräche mit Hitler. Darin berichtet er u.a., wie Hitler zu Anfang seiner Diktatur verbot, Folterpraktiken in den bereits existierenden KZs zu unterbinden, mit der Begründung: "Grausamkeit imponiert. Grausamkeit und rohe Kraft. Der einfache Mann auf der Straße läßt sich nur von brutaler Kraft und Rücksichtslosigkeit imponieren. Die Frauen übrigens auch, Frauen und Kinder. Die Leute brauchen den heilsamen Schrecken. Sie wollen sich vor etwas fürchten. Sie wollen, daß man ihnen bange macht und daß sie sich jemandem schaudernd unterwerfen... Meinetwegen soll man ein paar Leute bestrafen, damit diese deutschnationalen Esel beruhigt sind. Aber ich will nicht, daß man aus den Konzentrationslagern Pensionsanstalten macht. Der Terror ist das wirksamste politische Mittel. Ich werde mich nicht eines solchen berauben, nur weil es diesen einfältigen bürgerlichen Waschlappen einfällt, daran Anstoß zu nehmen. Es ist meine Pflicht, jedes Mittel anzuwenden, um das deutsche Volk zur Härte zu erziehen und auf den Krieg vorzubereiten."(S.79ff)
Wenn man das heute liest, denkt man natürlich an den Skandal um die Folterungen in Abu Ghraib und Guantánamo. Doch zurück zu unserem Thema: Im Vorwort schreibt Rauschning, Hitlers Weltanschauung sei damals kein Einzelfall gewesen. Wie im Zerrspiegel sehe man hier den Ausdruck "eines ganzen mit Verblendung geschlagenen Zeitalters". Wenn Hitler siege, "ändern sich nicht nur Staatsgrenzen. Dann hört alles auf, was bisher als Sinn und Wert des Menschentums galt... Es ist der Ausbruch des 'Tieres aus dem Abgrund'."
Hier steht "Tier" für das Böse schlechthin. in vielen Kulturen wird der Teufel als Tier dargestellt, entweder als angsteinflößendes gehörntes Ungeheuer oder als Metapher bestimmter als böse geltender menschlicher Eigenschaften, wie z.B. die Doppelzüngigkeit der Schlange. Wichtiger als die Tiermetapher ist aber der Begriff, der dahinter steckt. Einer der Männer des 20. Juli 1944 sagte vor dem Volksgerichtshof, Hitler sei für ihn der "große Vollstrecker des Bösen". Aber Rauschning hat auch recht, wenn er Hitler als "beschränkten, in seinen Instinkten tief sklavischen Menschen" beschreibt.
Hier liegt die Verbindung: Nicht die Tiere sind das Problem, denn kein Tier ist böse, sondern Menschen, die ihre eigene Menschlichkeit verleugnen und bewußt als Unmenschen handeln. Das Problem entsteht, wenn ein verkommener Zeitgeist, der den geistigen Unterschied zwischen Mensch und Tier bestreitet, auch die Menschlichkeit in der Tat, in der Politik, nicht mehr bewahren kann. Denn ein solcher Zeitgeist bringt unter bestimmten Umständen "Vollstrecker" wie die Clique um Hitler oder die Drahtzieher des Irakkrieges an die Macht.
Und deswegen ist es keine philosophische Liebhaberei, wenn wir über die Verpflichtung des Menschen zur Menschlichkeit so oft und so nachdrücklich diskutieren.
Gabriele Liebig
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