Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Gehe zu ... Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum

Artikel als
=eMail=
weiterleiten

Aus der Neuen Solidarität Nr. 7/2004

Jetzt
Archiv-CD
bestellen!

  Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken

"High Noon" für das globale Finanzsystem

LaRouches Warnungen finden ein immer größeres Echo. Sogar Manager großer US-Anlagefonds wie PIMCO warnen jetzt vor den Folgen einer "finanzbasierten Wirtschaft": einem beipiellosen Finanzkollaps und realwirtschaftlichen Einbruch.


Das böse Ende der Geschichte
Wutausbruch über möglichen neuen New Deal

Die Sorge über die völlig unhaltbare Lage an den Weltfinanzmärkten wächst - und damit die Debatte darüber, mit welchen finanziellen und wirtschaftlichen Notmaßnahmen die Gefahr einer neuen Großen Depression abgewendet werden kann. In der Tat stellt das Weltfinanzsystem zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine aberwitzige Konstruktion dar, bei der sich monströse Finanzblasen mit einem Gesamtvolumen von mehreren hundert Billionen Dollar gegenseitig abstützen und ihre am Ende unvermeidliche Implosion nur noch durch hemmungslose Liquiditätsschaffung der Zentralbanken hinausgezögert wird.

Diese katastrophale Fehlentwicklung, die innerhalb des bestehenden Systems schon lange nicht mehr reparierbar ist, verdanken wir der schrittweisen Abkehr von den erfolgreichen Wirtschaftsprinzipien, die den Wiederaufbau der führenden Industrieländer in der Nachkriegszeit garantierten.

In der Zwischenzeit hat man die Währungsordnung von Bretton Woods ersatzlos gestrichen. Die produktiven Sektoren in den USA und Westeuropa wurden radikal ausgedünnt oder ausgelagert, und die ehemals für die Investitionen des Mittelstands verantwortlichen Banken wurden auf den kurzfristigen, spekulativen Gewinn im weltweiten Spielkasino der Finanztitel und ihrer Derivate ausgerichtet. Inzwischen ist das Gesamtsystem so weit zerrüttet, daß schon die nächste größere Pleite oder eine bescheidene Zinserhöhung der Federal Reserve der Auslöser für einen umfassenden finanziellen Zusammenbruch sein könnten.

Von allen Bewerbern im US-Präsidentschaftswahlkampf hat bislang allein Lyndon LaRouche diese Zusammenhänge offen ausgesprochen und zugleich ein Programm zur Überwindung dieser größten finanziell-wirtschaftlichen Gefährdung seit Generationen vorgelegt. Aber mit einem Mal häufen sich die Stellungnahmen aus dem Finanzestablishment, die, ohne LaRouche direkt beim Namen zu nennen, in recht offensichtlicher Weise auf seine Herausforderung reagieren.

Da wäre einmal Bill Gross, Chef der größten auf Anleihen spezialisierten Fondgruppe der Welt mit Namen PIMCO (Pacific Investment Management Company). PIMCO verwaltet gegenwärtig rund 74 Mrd. Dollar Anlagegelder und zählt nach den asiatischen Zentralbanken zu den wichtigsten Käufern von US-Regierungsanleihen. In seinem neuesten Investment Outlook für Februar 2004, der von Tausenden von Anlegern in aller Welt sorgfältig gelesen wird, macht Gross Beobachtungen, die für einen Fondmanager höchst ungewöhnlich sind.

Unter ständiger Bezugnahme auf Helden und Antihelden bekannter amerikanischer Westernfilme beschreibt Gross die Degeneration der US-Wirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten. Synonym für diesen Prozeß sei der seit 1987 amtierende US-Notenbankchef Alan Greenspan, den Gross mit der Western-Komik-Figur Barney Fife vergleicht, dem immer alles mißlingt. Dabei ist "Greenspans Wirtschaft" völlig verschieden von der US-Wirtschaft früherer Zeiten. "Greenspans Wirtschaft ist eine globalisierte Wirtschaft", wo heimische Arbeitsplätze durch "billige Arbeitskraft in Asien und Lateinamerika ersetzt" wurden.

Sarkastisch fügt Gross hinzu, daß es in "Greenspans Wirtschaft" grandiose "technische Wunder" zu bestaunen gibt, wie etwa "das Internet, Handys, Hochgeschwindigkeits-Datentransfers und diese Dinge. Wir mögen zwar nicht mehr in der Lage sein, zum Mond zu fliegen, aber hier auf Mutter Erde ist doch richtig was los." Andererseits hätten wir es auch mit einer Wirtschaft zu tun, in der man sich Zinserhöhungen wie in den 80er Jahren überhaupt nicht mehr leisten könne, denn heute "ist das Fundament viel schwächer aufgrund des hohen Niveaus der Verschuldung quer durch den privaten und nun auch den öffentlichen Sektor". Der "wichtigste Wandel in den letzten 20 Jahren", so Gross, "war der Wandel der US-Wirtschaft von einer auf Industrie, dann auf Dienstleistungen und inzwischen auf Finanzen basierenden Wirtschaft".

Unternehmensgewinne und Arbeitsplätze seien in den USA heute "primär eine Funktion des Volumens von Schulden und finanzieller Hebelkraft sowie deren Kosten". Die US-Wirtschaft sei nunmehr eine "finanz-basierte Wirtschaft". Früher, "da produzierten wir Dinge und verkauften sie, weil wir es besser machten als unsere globalen Wettbewerber. Heute produzieren wir weniger von allem. Und das, was wir produzieren, verkaufen wir mit Nullzinsfinanzierungen." Beispielhaft für diesen Wandel sei General Electric (GE). Im Jahre 1980 kamen 92% des Gewinns von GE aus der industriellen Sparte. Im Jahre 2003 machte GE beinahe die Hälfte des Gewinns durch seine Finanzabteilungen mit Hilfe hochspekulativer Abenteuer aller Art.

Das böse Ende der Geschichte

Gross warnt sodann: "Aber Freunde - nehmt es mir nicht übel - ich muß euch schon im Voraus sagen, daß diese Geschichte oder dieser Film kein gutes Ende haben wird." Die "finanzbasierte Wirtschaft ist abhängig von mehr und mehr billigem Geld", und wenn das nicht mehr in ausreichendem Maße bereitgestellt werden kann, dann wird sie ihr ultimatives Schicksal erleben: "High Noon". (In dem berühmten Western High Noon müssen die scheinbar übermächtigen Bösewichter um "Zwölf Uhr mittags" allesamt ins Gras beißen.)

Das Verhältnis von Wirtschaftsleistung zu Schulden, betont Gross, ist in den letzten 20 Jahren geradezu explodiert und hat nun "historische Ausmaße erreicht, die bislang nur während der Depression der 30er Jahre schon einmal für kurze Zeit erreicht wurden". An irgendeinem Punkt dieses Schuldenwachstums "wird irgend jemand sagen no mas (nichts geht mehr). Vielleicht wird es PIMCO sein oder eine PIMCO-ähnliche Institution. Vielleicht sind es auch die ausländischen Besitzer von Anleihen, die es leid sind, der währungs- und inflationsbedingten Erosion ihres Kapitals zuzusehen. Vielleicht werden es die Risikoanleger der mit Hochzinsanleihen oder ,Emerging Markets' spekulierenden Fonds sein, die über die Gefahr einer künftigen LTCM-Krise zu Tode erschrecken. Schwer zu sagen. Aber ich kann euch sagen, es wird passieren - Hubschrauber oder kein Hubschrauber [ein Hinweis auf die wiederholte Zusicherung der Federal Reserve, einer allgemeinen Liquiditätskrise notfalls mit der Druckerpresse zu begegnen, so als würde man aus über den Städten kreisenden Helikoptern Geld abwerfen]." Und wenn es passiert, sagt Gross, muß man sich auf einen realwirtschaftlichen Einbruch gefaßt machen, der alles übersteigt, was man zumindest in den letzten 20 Jahren erlebt hat.

Wutausbruch über möglichen neuen New Deal

In ebenso offenkundiger Reaktion auf LaRouche empörte sich die Londoner Financial Times am 2. Februar über das Potential einer New-Deal-Politik seitens der künftigen US-Administration. In ihrer Kolumne, diesmal betitelt "Wir brauchen keinen weiteren New Deal", schäumt die ultraliberale und neokonservative amerikanische Kolumnistin Amity Shlaes regelrecht vor Wut über gewisse Tendenzen in der Demokratischen Partei. Noch immer stelle der New Deal, mit dem Franklin Roosevelt die Große Depression bekämpfte, "eines der stärksten politischen Symbole in Amerika" dar. Und fast alle demokratischen Präsidentschaftskandidaten, sogar ein paar republikanische, würden nun erneut "die New Deal-Phraseologie ausprobieren".

Um den Namen LaRouche auszusparen, wendet sich Shlaes sodann John Kerry zu. Dieser mache den New Deal sogar zum Hauptpunkt seiner Kampagne. Kerry spreche vom "Real Deal", und "er möchte eine Notstandsstimmung erzeugen, wie sie in den frühen 30er Jahren vorherrschend war".

Dabei gehe es uns doch prächtig, behauptet Shlaes. Natürlich gibt es da ein paar Probleme, etwa den "schmerzhaften Wandel von der Industriewirtschaft zur Dienstleistungswirtschaft", bei dem eben viele Industriearbeitsplätze verloren gingen. Auch im Finanzsektor gibt es ein paar Probleme: "Fannie Mae und Freddie Mac, die Hypothekenhändler mit dem Etikett too-big-to-fail [sie sind zu groß, als daß man sie untergehen lassen dürfte], könnten einstürzen und den Rest von uns mit sich reißen." Aber so weit wird es schon nicht kommen.

Die größte Gefahr jedenfalls, so Shlaes, sei nun, daß der "Bluff" von der wirtschaftlich-finanziellen Krise, die eine Rooseveltsche New-Deal-Politik erfordere, am Ende "Erfolg haben könnte". Dabei weiß jeder Kenner der Lage nur zu gut, daß John Kerry trotz seiner New-Deal-Rhetorik gerade auf dem Gebiet der Wirtschaft wenig Antworten zu bieten hat. Der eigentliche Adressat der Wutausbrüche des Finanzestablishments ist deshalb niemand anderer als LaRouche.

Lothar Komp

 

Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum