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Aus der Neuen Solidarität Nr. 11/2005

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"Schiller ist heute nötiger denn je!"

Von Helga Zepp-LaRouche

"Warum? Weil Schiller genau das Gegenteil von dem ist, was heute als Kultur vorgesehen ist."


Was uns Schiller heute bedeutet!

Zum Glück für Deutschland jährt sich in diesem Jahr das Todesjahr Schillers zum 200. Mal. Und weil in Deutschland derzeit so gut wie nichts mehr funktioniert, und weil das Volk der Dichter und Denker laut PISA-Studie auf einen peinlich hinteren Rang abgestürzt ist, ist es ein Segen, daß dieses Schillerjahr Gelegenheit gibt, die Ideen unseres Freiheitsdichters wieder lebendig werden zu lassen. Und wenn selbst unser werter Innenminister unter die Schiller-Rezitatoren geht, braucht einem um die Freiheit in Deutschland ja wirklich nicht bang zu sein!?

Schluß mit der staatsverordneten Kulturpolitik des "Kongresses für kulturelle Freiheit", der (als Geheimdienstoperation des Außenministeriums der Regierung Truman und Vorläufer der heutigen Neocons) kräftig bei der "Umerziehung" der Deutschen mithalf, die u.a. darin bestand, Deutschland von seiner klassischen Kultur abzuschneiden! Schluß auch mit den klassikfeindlichen Ideen der Frankfurter Schule, der Brandtschen Bildungsreform und ihren ungeratenen Ablegern bei der Bertelsmann-Stiftung, die für die Bildungsreform II in NRW maßgeblich mitverantwortlich sind!

Lassen wir statt dessen ein paar Jugendliche zu Worte kommen, warum sie Schiller toll finden.

Daniel: "Schiller bedeutet mir die Freiheit im Geiste, die Freiheit des Denkens. Die Liebe zur Menschheit, die bedingungslose Hingabe an seine Arbeit. Er hatte ein wirkliches Verständnis der Unsterblichkeit.

Für unsere Generation beantwortet er die Frage, ob wir überhaupt noch eine nationale Identität haben können, die nicht im Widerspruch zu unserem Verhältnis zur Weltbevölkerung steht, und das in einem Moment, wo alles orientierungslos geworden ist."

Markus: "Nu, der Schiller ist heute nötiger denn je, der war nicht nur ein Dichter, der war ein Kämpfer, der wollte die Menschen erziehen, erziehen zur Freiheit. Jeder junge Mensch sollte sich Schiller zum Vorbild nehmen.

Und außerdem ist der Schiller die beste Medizin gegen das Axiom, daß der einzelne sowieso nichts tun kann. Da muß man nur Wilhelm Tell lesen, vor allem die Szene mit dem Rütli-Schwur."

Simon: "Was der Schiller für mich ist? Daß er die ganzen Schwierigkeiten zusammenbringt, verständlich und begreifbar macht und löst. Er zeigt den Weg, für einen sehr persönlich und die ganze Menschheit, egal aus welchem Blickwinkel man kommt, ob es um Gott geht oder um die Wissenschaft. Und für mich persönlich ist es auch sehr wichtig, daß er auf deutsch geschrieben hat: da kann ich ihn ganz direkt lesen, ohne Distanz. Und er geht total gegen die Idee an, daß der Mensch schlecht sei."

Julia: "Schiller ist genau das Gegenteil von dem, was heute als Kultur vorgesehen ist. Das Problem ist, die Leute können das heute gar nicht mehr ausdrücken. Sie sind total verkrüppelt, weil sie überhaupt nicht mehr wissen, was ein Mensch ist - daß der Mensch eben kein Tier ist. Leute in meinem Alter denken, daß alles cool sein muß und abgehärtet. Aber Schiller ist total super, weil er zeigt, daß man doch nach seinen Gefühlen gehen kann.

Das Problem ist, wenn Schönheit nur relativ ist, macht man alles kaputt. Das rückt Schiller wieder gerade."

Lassen wir Schiller selber zu Worte kommen, um zu verstehen, warum er auf Jugendliche heute so wirkt.

Friedrich Schiller: "Über Anmut und Würde"

"Eine schöne Seele nennt man es, wenn sich das sittliche Gefühl aller Empfindungen des Menschen endlich bis zu dem Grad versichert hat, daß es dem Affekt die Leitung des Willens ohne Scheu überlassen darf und nie Gefahr läuft, mit den Entscheidungen desselben im Widerspruch zu stehen. Daher sind bei einer schönen Seele die einzelnen Handlungen nicht sittlich, sondern der ganze Charakter ist es. Die schöne Seele hat kein anderes Verdienst, als daß sie ist."

Friedrich Schiller: "Würde des Menschen"

"Nichts mehr davon, ich bitt euch. Zu essen gebt ihm, zu wohnen,
Habt ihr die Blöße bedeckt, gibt sich die Würde von selbst."

Friedrich Schiller: "Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon"

"Alles darf dem Besten des Staates zum Opfer gebracht werden, nur dasjenige nicht, dem der Staat selber nur als ein Mittel dient. Der Staat ist selbst niemals Zweck, er ist nur wichtig als eine Bedingung, unter welcher der Zweck der Menschheit erfüllt werden kann, und dieser Zweck ist kein anderer, als Ausbildung aller Kräfte des Menschen, Fortschreitung...

Überhaupt können wir bei der Beurteilung politischer Anstalten als eine Regel festsetzen, daß sie nur gut und lobenswürdig sind, insofern sie alle Kräfte, die im Menschen liegen, zur Ausbildung bringen, insofern sie die Fortschreitung der Kultur befördern, oder wenigstens nicht hemmen..."

Es ist ohne Frage, daß wir in Deutschland und auf weltpolitischer Ebene in eine Periode großer Herausforderungen eintreten. Und es dürfte auch klar sein, daß wir Deutsche, wenn wir bei unserer gegenwärtigen Mittelmäßigkeit bleiben, in der die Errungenschaften der Spaßgesellschaft die höchsten Trophäen sind, ganz jämmerlich aus der Wäsche schauen werden.

Das Gute ist, daß wir Schiller haben. Wir brauchen uns nur sein Gesamtwerk zu eigen zu machen, seine historischen Dramen, seine lyrischen und philosophischen Gedichte, seine ästhetischen, historischen und philosophischen Schriften, seine Briefe, seinen Lebenslauf - und wir werden die moralische Kraft und die Ebene des Erhabenen finden, von der allein Lösungen für die konkreten politischen Herausforderungen kommen können.

Das Schiller-Institut und die LaRouche-Jugendbewegung wollen diese Ideen in den nächsten Monaten auf Veranstaltungen in Berlin, Dresden, Leipzig, Wiesbaden, in NRW und überall in Deutschland darstellen, zu denen wir sie schon jetzt herzlich einladen. Wenn Sie im Schillerschen Sinn "einen hellen Geist und ein empfindendes Herz" haben, dann helfen Sie uns, das wahr zu machen, wofür wir seit über 25 Jahren kämpfen:

"Nun kommt die Schillerzeit!"

 

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