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Aus der Neuen Solidarität Nr. 14/2005 |
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Während die Neue Solidarität schon vor zehn Jahren vor den drohenden Folgen der Finanzspekulation warnte, erfahren Spiegel -Leser erst jetzt, daß auf den "Finanzmärkten" Ungemach droht.
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Der Spiegel 2005
"Das größte Problem der Welt ist zuviel Geld"...Nichts fürchten Händler und Spekulanten derzeit mehr als kräftig steigende Zinsen. Eine unvorhersehbare Kettenreaktion könnte die Folge sein, die einen Markt nach dem anderen erfaßt - und in den Abgrund zieht. Denn fast unbemerkt von der völlig auf Aktienkurse fixierten Öffentlichkeit haben sich in den unterschiedlichsten Regionen der Welt neue, spekulative Finanzblasen gebildet. Jahrelang versuchten die Notenbanker der Welt, Greenspan voran, die Wirtschaft mit einer beispiellosen Serie von Zinssenkungen anzuheizen. Zusätzlich druckten die Amerikaner mehr Dollar-Noten, um ihr gigantisches Handelsbilanzdefizit zu finanzieren. Doch das viele Geld floß selten in Investitionen der Unternehmen, es suchte sich, rund um den Globus, lukrativere Anlageformen. Und so stiegen in den vergangenen Jahren auch nicht die Verbraucherpreise, wie es bei einer derartigen Liquiditätsschwemme eigentlich zu erwarten wäre, sondern die Preise für Vermögenswerte. Das Geld floß vor allem in Anleihen, Immobilien und, seit infolge des China-Booms die Preise anzogen, auch in Rohstoffe. Der Ölpreis hat sich binnen dreier Jahre verdreifacht. "Da steckt auch viel Geld von Spekulanten drin, die sich mit langfristigen Kontrakten eingedeckt haben", sagt ein Frankfurter Finanzexperte. "Das größte Problem der Welt", so Andy Xie, vielbeachteter Ökonom bei Morgan Stanley, "ist zu viel Geld." Finanzpolitiker und Notenbanker haben das Problem erkannt. Die globale Geldschwemme - und wie sie wieder kontrolliert werden kann - ist längst Thema vieler Tagungen. Der Handlungsspielraum wird jedoch immer enger. Denn je höher bestimmte Märkte bewertet sind, desto wahrscheinlicher ist der Crash... Mittlerweile ist die Situation so dramatisch, daß auch das Financial Stability Forum, ein internationaler Club zur Überwachung der globalen Finanzmärkte, vor den Risiken wachsender Spekulationsblasen warnt. Anfang März diskutierten die Finanzexperten und Notenbanker der G7-Staaten sowie Hongkongs, Singapur, der Niederlande und Australiens einen Tag lang ausschließlich über die Anfälligkeit des internationalen Finanzsystems durch die galoppierenden Preisanstiege bei Anleihen und Immobilien. Nüchtern stellten die Geldwächter in ihrer Abschlußerklärung fest, daß "die ausgemachten Risiken das Potential haben, die Finanzmärkte zu belasten"... Kann der Zusammenbruch der spekulativen Blasen überhaupt noch verhindert werden? Alles hängt davon ab, ob der weltweite Kaufrausch bei Anleihen und Immobilien noch gestoppt werden kann oder ob sich die Dynamik an diesen Märkten längst verselbständigt hat. Rettend eingreifen können nur die großen Zentralbanken, die amerikanische Federal Reserve, die Europäische Zentralbank und die japanische Notenbank. Viele Möglichkeiten, die unkontrollierte Geldschwemme in den Griff zu bekommen, haben die Notenbanker allerdings nicht... Mit dem Nichtstun steigt die Gefahr weiterer Übertreibungen an den Finanzmärkten. "Spätestens im dritten Quartal muß die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöhen und das hohe Liquiditätswachstum stoppen", sagt Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank in London. Wenn das nicht passiert, können "die Blasen an den eigenen Übertreibungen kaputtgehen"... Als besonders gefährdet für einen Preissturz auf dem Immobilienmarkt gelten Großbritannien und Australien. In der Euro-Zone werden vor allem Frankreich, Irland und Spanien als Anwärter für einen Zusammenbruch der Preise gehandelt. Brechen die Preise für Häuser und Bürogebäude in diesen Ländern so nachhaltig ein wie in Japan zu Beginn der neunziger Jahre, droht eine flächenbrandartige Ansteckung der Weltwirtschaft. Betroffene Bürger werden ihre Konsumausgaben weiter drosseln, Unternehmen streichen ihre Investitionspläne, und gleichzeitig müssen Banken faule Immobilienkredite abschreiben. Noch streiten die Ökonomen darüber, welches Szenario am wahrscheinlichsten ist. Doch in einem Punkt sind sich alle einig: Solange Unternehmen lieber auf den Finanzmärkten anlegen, statt in ihr eigentliches Geschäft zu investieren - weil die Bürger es vorziehen zu sparen, statt ihre Produkte zu kaufen - , wird die Situation noch schlimmer. (Sven Afhütte, Wolfgang Reuter: "Eine Welt voller Blasen" in: Der Spiegel 13/2005 v. 26.3.2005) | |
Neue Solidarität 1995
"Finanzoligarchen steigen
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