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Aus der Neuen Solidarität Nr. 14/2005 |
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Von Helga Zepp-LaRouche,
Bundesvorsitzende der Bürgerrechtsbewegung Solidarität
In ihrem 3. Offenen Brief an die Wähler in Nordrhein-Westfalen forderte die BüSo-Vorsitzende die Bevölkerung auf, sich an der Mobilisierung der BüSo zu beteiligen.
Liebe Wähler!
Von all den vielen Schwachstellen, die das Weltfinanzsystem heute hat, ist der potentielle Bankrott der amerikanischen Autofirma General Motors (GM), der Muttergesellschaft von Opel, eine der gefährlichsten. Aufgrund einer völlig verfehlten Unternehmensstrategie, wie der unseriösen Verkaufspraxis mit Preisnachlässen bis zu 5 000 Dollar pro Wagen, haben GM und das angegliederte Finanzunternehmen General Motors Acceptance Corporation (GMAC) inzwischen 310 Milliarden Dollar Schulden (!) angehäuft. Als GM statt des erwarteten Profits für das erste Quartal 850 Millionen Dollar Verluste anmelden mußte, stufte die Ratingagentur Standard & Poors die Firmenanleihen von GM am 16. März bis auf nur noch eine Stufe über Ramschanleihen herunter. Die Aktien von GM verloren an einem einzigen Tag 14 Prozent.
GM hatte gehofft, 2005 rund zwei Milliarden Dollar Gewinn zu machen (bei 310 Milliarden Dollar Schulden nicht gerade üppig), jetzt sieht es eher wie 2-5 Milliarden Verlust aus; dazu werden, bei noch rund 23 Milliarden Dollar Reserven, in den nächsten zwölf Monaten an die 50 Milliarden Dollar Schuldenleistungen fällig. Schon jetzt müssen fast 10 Prozent Zinsen für GM-Anleihen gezahlt werden, das ist mehr als für die Anleihen Brasiliens. Angesichts der Höhe der Schulden von GM hat dies den gesamten Anleihemarkt weltweit auf eine abschüssige Bahn geschickt.
Am 22. März zog GE Capital, das Finanzunternehmen von General Electric, Finanzierungszusagen für GM-Zulieferer in Höhe von zwei Milliarden Dollar zurück und signalisierte damit, daß sie die noch weitere mögliche Abwertung auf Ramschanleihestatus bei GM nicht ausschließen. Aber es ist nicht nur GM - auch Ford und die großen Zulieferer Delphi und Visteon könnten in kurzer Zeit vor dem Bankrott stehen. Schon der nächste kleine Tropfen könnte das Faß zum Überlaufen bringen, und der ganze amerikanische Automobilsektor mit 750 000 bis 1 Million Arbeitsplätzen könnten verloren gehen. Was wären die Folgen für Opel? Und auf das Ruhrgebiet?
Da der Automobilsektor der produktivste Teil der zivilen Wirtschaft ist, an dem letztlich jeder sechste Arbeitsplatz hängt, hätte ein solcher Kollaps unabsehbare wirtschaftliche, finanzielle und politische Folgen. Deshalb hat der ehemalige demokratische Präsidentschaftskandidat und Ökonom Lyndon LaRouche in den USA eine umfangreiche Mobilisierung in Gang gesetzt, um diese wertvollen industriellen Kapazitäten zu retten. Da der Paradigmawandel, der die USA in den letzten 40 Jahren von der größten Industrienation in eine Gesellschaft von Konsumenten, Spekulanten und Dienstleistungsnutzern verwandelt hat, ist z.B. der Bedarf an Infrastruktur enorm. Es gibt kein nationales Eisenbahnnetz, viele Straßen und Brücken sind eigentlich nicht mehr betriebsfähig, und es fehlen massive Investitionen im Energiebereich usw.
Umgekehrt gibt es viele Ingenieure, Energieexperten, Städte- oder Projektplaner, die ganz konkrete Entwürfe erarbeitet haben, wie man das Verkehrswesen, Energieproduktion und -verteilung sowie das Kommunikationswesen in Gang bringen könnte. Aber diese Vorschläge wurden nicht verwirklicht, weil sie nicht zur Philosophie des schnellen Geldes paßten. Mit seiner Mobilisierung, an der sich viele führende Demokraten, Gewerkschafter und Experten beteiligen, will LaRouche diese Pläne für die Rettung und teilweise Umwandlung der Autoindustrie in die Tat umsetzen.
Dieselbe Kombination von Kräften sowie Teile der Republikanischen Partei sind dabei, die Pläne der Neokonservativen für die Privatisierung der Sozialsysteme und massive Kürzungen bei den Gesundheitsausgaben zu verhindern.
Genau das gleiche müssen wir im Ruhrgebiet und ganz Nordrhein-Westfalen auch tun! Wir müssen die wertvollen industriellen Kapazitäten im Auto- und Zuliefererbereich retten, und dafür müssen sich auch Sozialdemokraten, nichtneokonservative Christdemokraten, Gewerkschafter, Betriebsräte und Fachleute zusammen mit der BüSo mobilisieren. Wir brauchen die Verwirklichung eines Gesamtkonzepts für die Reindustrialisierung von Nordrhein-Westfalen, modernen Anlagenbau, für moderne Verkehrstechnologie wie den CargoCap, für die Entlastung der Autobahnen vom Güterverkehr, Luft- und Raumfahrttechnologie, neue synthetische Brennstoffe und inhärent sichere Energiequellen wie den Hochtemperaturreaktor usw.
Wenn wir die kostbaren industriellen Kapazitäten Deutschlands retten und neue Arbeitsplätze schaffen wollen, dann brauchen wir diese Mobilisierung jetzt.
Denn der systemische Kollaps des Finanzsystems ist nur noch die Frage einer sehr, sehr kurzen Zeit, Auslöser können der Bankrott von GM oder neue Einbrüche beim Derivatgeschäft sein. Vielleicht haben die Asiaten bald auch keine Lust mehr, den Dollar auf ewige Zeiten zu sanieren und gleichzeitig Ziel geostrategischer Provokationen zu sein. Und dann gibt es nur eine einzige Lösung: das von LaRouche vorgeschlagene neue Bretton Woods-System und ein "New Deal" in der Tradition von Franklin D. Roosevelt, die jetzt in der Demokratischen Partei in den USA offen diskutiert werden. Und wenn sich die Lage in den USA ändert, gibt es auch Hoffnung für Europa!
Es ist gut, daß der Stabilitätspakt außer Kraft gesetzt ist: Jetzt muß das positive Wiederaufbauprogramm der BüSo umgesetzt werden!
Beteiligen Sie sich an unserer Kampagne! Schreiben Sie mir, machen Sie selber Vorschläge, wie wir die Krise überwinden können!
Und im Schillerjahr 2005 gilt umso mehr: Der Mensch ist größer als sein Schicksal!
Ihre Helga Zepp-LaRouche
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