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Aus der Neuen Solidarität Nr. 16/2005

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US-Bischöfe für Abschaffung der Todesstrafe

Mit einer Pressekonferenz im Nationalen Presseklub eröffnete Kardinal Theodore McCarrick, Erzbischof der US-Hauptstadt Washington, am 31. März eine Kampagne der katholischen Kirche für die Abschaffung der Todesstrafe in den USA. McCarrick berief sich auf Papst Johannes Paul II., der erklärt habe, die Katholiken müßten "bedingungslos für das Leben" eintreten. Deshalb habe sich die Bischofskonferenz entschlossen, eine "beispiellose Kampagne zu beginnen..., um gegen die Idee des 'Auge um Auge' anzugehen". Mit dieser Kampagne würden "unsere Bemühungen um soziale Gerechtigkeit und für das Leben vereint".

Auf die Frage eines Reporters, ob es einen Unterschied gebe zwischen der Haltung der Kirche zur Abtreibung und zur Euthanasie und ihrer Ablehnung der Todesstrafe, antwortete McCarrick, die Kirche sei traditionell gegen Abtreibung und Euthanasie, mit ihrer neuen Kampagne gegen die Todesstrafe verleihe sie der "Achtung vor dem menschlichen Leben in allen seinen Phasen und unter allen Umständen größere Dringlichkeit und Einheit... Hier geht es nicht um Ideologie, sondern um die Achtung vor dem Leben."

Es ist nützlich, sich an die nur wenige Monate zurückliegende Zeit des letzten Präsidentschaftswahlkampfes zu erinnern, als Worte wie "für das Leben" oder "gleichgeschlechtliche Ehen" von den Politikern dazu genutzt wurden, Emotionen auszulösen. Präsident Bush attackierte vor religiösen Fundamentalisten bei jeder Gelegenheit die "Kultur des Todes". Das von Papst Johannes Paul II. vertretene Konzept der "Kultur des Lebens" ging dabei jedoch verloren. Auch die massiven Versuche führender Republikaner (die oft gleichzeitig für die Todesstrafe eintreten!), den Fall Terri Schiavo politisch auszuschlachten, zeigen, wie wichtig die neue Initiative der katholischen Kirche ist, um zu verhindern, daß die Frage des Lebensrechts als politischer Fußball verwendet und die katholische Kirche entlang politischer Frontlinien gespalten wird. Kardinal McCarrick betonte, daß die gesamte Kirche geschlossen hinter der neuen Kampagne stehe.

Tatsächlich zeichnet sich auch in der amerikanischen Bevölkerung ein drastischer Stimmungswandel in der Frage der Todesstrafe ab. Wie der Meinungsforscher John Zogby bei der Pressekonferenz berichtete, sei "ein erdrutschartiger Wandel in der Haltung der Katholiken zur Todesstrafe" festzustellen. Die Opposition gegen die Todesstrafe habe gewaltig zugenommen, selbst unter den "sogenannten konservativen Katholiken". Als Hauptgrund für diese Opposition werde die "Achtung vor dem Leben" angeführt. Viele Gegner der Todesstrafe seien besorgt darüber, was die Todesstrafe "uns als Volk und Land antut".

Nina Ogden

 

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