|
|
|
|
|
| Kernthemen | Suchen | Abonnieren | Leserforum |
|
Aus der Neuen Solidarität Nr. 22/2005 |
|
|
|

Zum Kommentar des "Club of Life" über den Fall Terry Schiavo in der Neuen Solidarität vom 20. April 2005.
Als eine Amerikanerin, die seit 30 Jahren die selbstgerechte "Recht auf Leben"-Arbeit in den USA beobachtet, fand ich es unangemessen, diesen Kommentar über Terry Schiavo seines politischen Kontexts zu entkleiden. Das betrifft insbesondere die Machenschaften so prominenter "Recht auf Leben"-Verfechter wie Präsident George W. Bush, Gouverneur Jeb Bush und des Abgeordneten Tom DeLay, über die sogar hier in Deutschland ausführlich berichtet wurde.
Der Artikel begann zwar mit der Formulierung: "Es reicht nicht, einfach nur den moralischen Zeigefinger zu erheben und auf das bloße Lebensrecht zu pochen, wie selbstgerechte Fundamentalisten (nicht nur in den USA) es tun." Aber dies läßt einen bedeutenden Punkt vermissen. Das Problem ist nicht nur, daß die neokonservativen "Recht auf Leben"-Anhänger nichts gegen die großen Ungerechtigkeiten im Gesundheitswesen unternehmen. Das ist sicherlich eine Ebene ihrer Heuchelei. Denn während die Bushs und DeLay den Fall Schiavo skrupellos - wenn auch vergeblich - für sich auszunutzen trachteten, arbeiten sie politisch auf die Zerstörung der staatlichen Gesundheitsfürsorge Medicare, eines wesentlichen Teils der US-Sozialversicherung, hin. Immerhin zahlte Medicare viele Jahre lang für Frau Schiavos Behandlung!
Während Bush u.a. sich unter Verstoß gegen die amerikanische Verfassung für Sondergesetze im Fall Schiavo stark machten, hebeln sie gleichzeitig den wesentlichen Verfassungsgrundsatz aus, der das Gemeinwohl der gesamten Nation sicherstellen soll. Ihre Politik der tiefen Einschnitte in Medicare und andere Programme wird sehr viele Menschenleben kosten.
Bedeutender ist noch, daß die Weltanschauung der christlichen Fundamentalisten, wie sie sich um diesen Fall herum manifestierte, eben nicht christlich ist. Fundamentalisten sind Gnostiker, die die judeo-christliche Idee Gottes und der menschlichen Seele zurückweisen. Ihre vorgebliche Ablehnung der Euthanasie beruht nicht auf einem Verständnis, worin der Wert eines Menschenlebens besteht. Fundamentalisten sind daher nur in einem ganz materiellen Sinn gegen Euthanasie, wie es Tom DeLay - auch im deutschen Fernsehen - nicht deutlicher hätte zeigen können. Dieser Weg führt ins Verderben. Die vorgeblichen Verteidiger des "Rechts auf Leben" bedeuten für das Gemeinwohl eine nicht minder große Gefahr als ihre Gegner im Fall Schiavo.
Die wahre Antwort gegen Euthanasie und für die Förderung der Gesundheit und Glückseligkeit der Menschen im Leibnizschen Sinne besteht nicht darin, noch darüber hinaus zu gehen, was die Fundamentalisten so schrill verlangen, sondern in einer vollkommen anderen Herangehensweise. Am besten hat es Lyndon LaRouche in seiner Arbeit "Die Situation der Gesundheitspolitik: Was ist Infrastruktur?" vom 24. März ausgedrückt.
Mary Burdman
|
|
| Kernthemen | Suchen | Abonnieren | Leserforum |