Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Gehe zu ... Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum

Artikel als
=eMail=
weiterleiten

Aus der Neuen Solidarität Nr. 29/2005

Jetzt
Archiv-CD
bestellen!

  Physische Wirtschaft
  Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Kernenergie
  Die Kriegsfraktion
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Terror - Cui bono?
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken

"Strategie der Spannung" in London

Ganz schnell haben die Medien und die Regierung Blair vier "islamische Selbstmordbomber" für die verheerenden Anschläge in London verantortlich gemacht. Aber wem nützen die Bombenattentate inmitten einer finanziellen und politischen Existenzkrise wirklich?


Blair beschuldigt Al Qaida
Bologna 1980 - London 2005

Tatsächliche Spuren

Auf die Tatsache, daß sich die Bombenanschläge vom 7. Juli in London inmitten einer eskalierenden internationalen Finanzkrise ereigneten, wies Lyndon LaRouche am 9. Juli in einem Memorandum hin. Darin zählt er folgende "strategische Indizien" auf, ohne die eine angemessene Beurteilung der Ereignisse in London nicht möglich sei:

Des weiteren müsse untersucht werden, so LaRouche, was nach den terroristischen Anschlägen geschah:

Am Ende seines Memorandums fragte LaRouche in Anspielung auf den "Reichstagsbrand": "Wo war der 'Geist' Hermann Görings am Vorabend der Panik, die am folgenden Morgen ausbrach?"

Blair beschuldigt Al Qaida

Als direkte Reaktion auf die Anschläge machten Blair und Straw sofort "Al Qaida" für die mehr als 50 Toten und über 700 Verletzten verantwortlich. Doch ihre Schnellschuß-Verurteilung war dann doch etwas überzogen. Am 8. Juli sagte Innenminister Charles Clarke, der für die Untersuchung der Anschläge verantwortlich ist, eine Verbindung zu Al Qaida sei zwar "durchaus wahrscheinlich, aber das ist auch alles... Ich kann absolut nicht sagen, daß wir glauben, daß es die Gruppe X oder Y war... Wir schließen nichts aus, wahrscheinlich sind die Anschläge von der gleichen Machart wie in Madrid... Wir schließen andere Terrororganisationen nicht aus, auch nicht irische Terroristen." Polizei und Sicherheitskräfte könnten erst dann die Täter eingrenzen, wenn nach eingehender kriminaltechischer Untersuchung "der Tatorte der modus operandi der Terroristen erkannt" sei.

Am gleichen Tag veröffentlichte der beim Londoner Guardian zuständige Korrespondent für Sicherheitsfragen Richard Norton-Taylor, der für seine guten Recherchen bekannt ist, daß das JTAC (Gemeinsames Zentrum für Terroranalysen der britischen Regierung) letzten Monat die Bedrohung durch Al-Qaida-Terroristen herabgestuft hatte, weil deren Führer nicht mehr in der Lage seien, einen koordinierten Anschlag in England auszuführen.

Auch auf dem Kontinent kommen Terrorexperten, mit denen EIR sprach, zu ähnlichen Einschätzungen: Man bezweifele, daß die Bomben in London das Werk Al Qaidas gewesen seien. Insbesondere die angeblichen Selbstbezichtigungen Al Qaidas seien nicht sehr überzeugend. Angesichts der weltstrategischen Lage, insbesondere der Finanzkrise, sollten die Londoner Anschläge eigentlich nicht überraschen, meinte ein britischer Experte: "Wegen der Überschuldung stimme ich mit der Einschätzung überein, daß das Finanzsystem extrem verwundbar ist. Auch als Ökonom halte ich immer nach etwas Ausschau, was einen Kollaps auslösen könnte, beispielsweise die Immobilienblase." Er verwies auf den höchst seltsamen "Zufall", daß die Bomben zur gleichen Zeit hochgingen, als die Märkte kollabierten - wobei die Anschläge dafür sicher nicht die "Ursache" waren - , und wie die Märkte sich auf wundersame Weise erholten, als die Zentralbanken enorme Mengen Liquidität in das System pumpten.

Bologna 1980 - London 2005

In der Woche nach den Londoner Anschlägen hämmerten die Medien der Welt ein, die vier angeblichen Täter seien britische Untertanen pakistanischer Abstammung, "geboren und aufgewachsen" in Großbritannien. "Nette Jungs von nebenan", unauffällig und nicht vorbestraft, hätten sie eine perfekte terroristische Doppelexistenz geführt, die nicht zu erkennen gewesen sei. Aber bei den Anschlägen selbst hinterließen die vier "islamischen Selbstmordbomber" jede Menge Spuren. Trotz der massiven Medienkampagne über die "islamischen Terroristen" als die angeblichen Urheber der Londoner Anschläge, gibt es bis jetzt keinerlei öffentliche Verlautbarung irgendeiner offiziellen britischen Stelle, die das in den Massenmedien Berichtete bestätigen.

Viele ziehen derzeit Parallelen zu den Anschlägen in Madrid 2004 und denen von Casablanca 2003 oder zum 11. September 2001. Am ehesten kann man die Londoner Anschläge mit den Terroranschlägen der 70er und 80er Jahre in Italien und Deutschland vergleichen, die als "Strategie der Spannung" bekannt wurden. Heute wissen wir, daß sie von den mit NATO-Strukturen verknüpften "Gladio"-Netzwerken verübt wurden, die als "Rote Brigaden" oder "Rote Armee Fraktion" auftraten. Wenn man die Begriffe austauscht - Londoner U-Bahn mit Hauptbahnhof Bologna, Rote Brigaden oder RAF mit "islamischen Terror" oder Al Qaida, "Entführung und Ermordung" mit "Selbstmordattentätern", "Kalter Krieg der Supermächte" mit "Kampf der Kulturen" - dann ergeben sich erstaunliche Ähnlichkeiten. Damals wie heute haben geheimdienstliche Strukturen verschiedener Couleur die Anschläge manipuliert und im Hintergrund gesteuert. Die synarchistische Finanzoligarchie, die von den terroristischen Operationen profitiert, ist die gleiche geblieben.

Der französischen Geheimdienstkreisen nahestehende Pressedienst Reseau Voltaire, dessen Berichterstattung über den 11. September 2001 und die Madrider Anschläge höchst verdienstvoll war, hat in seiner jüngsten Ausgabe die Londoner Anschläge als Teil einer neuen Phase der "Strategie der Spannung" bezeichnet. Reseau Voltaire verweist auf die führende Rolle britischer Geheimdienststrukturen in den "Gladio"-Netzwerken während des Kalten Krieges.

Zeitgleich mit der immensen finanziellen Instabilität - dem drohenden Kollaps der Hedgefonds und der Immobilienblase - und dem G8-Gipfel im schottischen Gleneagles gingen die Bomben in London hoch. Da hätte man eigentlich über diese Krise diskutieren müssen - und über eine Lösung nach Art von LaRouches Neuem Bretton Woods. Tatsächlich aber war der erste Tag des Gipfeltreffens beherrscht von der Nachricht, daß Präsident Bush mit seinem Fahrrad einen Polizisten angefahren hatte. Den Rest des Treffens dominierten die Londoner Bombenanschläge und Bushs und Blairs Gezeter gegen den internationalen Terrorismus.

Tatsächliche Spuren

Aus Gesprächen mit verschiedenen Geheimdienstexperten ergibt sich, daß wir mit einer neuen Variante der "Strategie der Spannung" konfrontiert sind. Folgendes sollte bedacht werden:

1. Obwohl die Anschläge, nach der Zahl der Opfer, ohne Beispiel in Großbritannien sind, verglich sie ein anglo-irischer Journalist, der den größten Teil seiner Karriere damit verbrachte, über den Bürgerkrieg in Nordirland zu berichten, mit den Anschlägen des "blutigen Freitags" 1972. Damals ließ die Irische Republikanische Armee (IRA) - eine von britischen Geheimdiensten weitgehend infiltrierte Terrorgruppe - innerhalb von 72 Minuten nicht weniger als 22 Bomben in Belfast hochgehen. Obwohl jeweils 50 bis 100 kg Sprengstoff zur Explosion gebracht wurden und Belfast relativ überschaubar ist, behaupteten die britischen Behörden, sie seien "völlig überrascht" gewesen.

Anders als die Londoner Attentäter gab die IRA vor den Anschlägen Warnungen heraus, um die Zahl der zivilen Opfer gering zu halten. Der Journalist wies darauf hin, daß die britischen Behörden in vielen Fällen, wenn sie Warnungen erhielten, diese nicht bekanntmachten, weil sie die IRA durch zivile Opfer diskreditieren wollte. Das sollte bedacht werden, wenn von "völliger Überraschung" am 7. Juli die Rede ist.

2. Es sei hier auch darauf hingewiesen, daß am 7. Juli ein sichtlich geschockter Vertreter der privaten Sicherheitsfirma "Visor" im britischen Fernsehsender ITV auftrat und erklärte, seine Firma habe am Morgen eine "Übung" abgehalten, deren "Szenario" exakt mit den tatsächlichen Mehrfachbombenanschlägen auf U-Bahn und Busse übereinstimmte. An der Übung seien Polizei, Geheimdienste, Rettungsdienste und Banken beteiligt gewesen. Eine nähere Untersuchung der Umstände dieser "Übung" wäre auch ein Test für die Glaubwürdigkeit der britischen Behörden. Schließlich fand am Morgen des 11. September 2001 auch eine Übung des US-Luftverteidigungskommandos NORAD statt, bei der es um terroristische Anschläge auf die Zivilluftfahrt ging.

3. Einheiten der britischen Armee bezogen kurz nach den Anschlägen Stellung am Buckingham Palace, anderen Amtsgebäuden und Botschaften - Positionen, wie sie sie sonst im Falle eines Putsches oder Aufstandes beziehen würde. Sie wurden jedoch ebenso schnell wieder abgezogen, wie sie eingesetzt wurden.

4. Behörden verhängten eine totale Informationskontrolle, die bislang nicht aufgehoben wurde. Während offiziell nichts Definitives gemeldet wurde, gab es immer neue "Lecks", Gerüchte und Berichte seitens der Behörden an die Medien.

Da wie beim 11. September 2001 und den Anschlägen von Madrid sämtliche Verdächtigten tot sind, können sie sich gegen derlei Vorwürfe nicht wehren.

5. Eine Bombendrohung führte am 9. Juli, zwei Tage nach den Londoner Anschlägen, zur Evakuierung von nicht weniger als 30 000 Menschen aus der Birminghamer Innenstadt. "Das sah wie eine vorgeplante Übung aus", kommentierte ein Geheimdienstmann, mit dem offensichtlichen Ziel, die Spannungen im Land weiter anzuheizen.

6. Da Großbritannien zur Zeit die EU-Präsidentschaft übernommen hat und "erstes Opfer von Selbstmordanschlägen" in Europa ist, verlangt die Regierung Blair lauthals Polizeistaatsmaßnahmen in der EU.

7. Die Londoner Anschläge werden gegen die Moslems in Europa instrumentalisiert. In ganz Europa ist die "islamische Terrorgefahr" ins Zentrum der Medienberichterstattung gerückt - auf Kosten einer vernünftigen Diskussion über die Finanz- und Wirtschaftskrise. Darum geht es offensichtlich bei dieser neuen Phase der Strategie der Spannung in Europa.

Dean Andromidas

 

Aktuelle Ausgabe Diese Ausgabe Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum