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Aus der Neuen Solidarität Nr. 33/2005 |
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Von Lyndon LaRouche
In einem Memorandum stellte mein Mitarbeiter John Hoefle unlängst die Frage: In welchem Maße können die entsprechenden politischen und finanziellen Kreise den Zeitpunkt des überfälligen allgemeinen finanziellen Zusammenbruchs mit ihren Entscheidungen selbst bestimmen? Zur Antwort will ich die Frage anders formulieren: In welchem Maße erzwingt der Pulsschlag des herannahenden Finanzkrachs Entscheidungen, die man in der späteren Geschichte wahrscheinlich als bewußte Auslöser eines überfälligen finanziellen Zusammenbruchs betrachten wird?
Um die gleiche Frage anders, praktischer zu stellen: In welchem Maße sind die Vorstöße synarchistenhafter Finanzinteressen um den liberal-imperialen britischen Premier Tony Blair und das Mopsgesicht Dick Cheney von Panik angesichts der Endphase der Weltwährungs- und Finanzkrise angetrieben? Solange selbst einige Experten aus der Finanzwelt noch meinen, das "Auslösen" des Krachs sei eine ziemlich willkürliche Entscheidung seitens der maßgeblichen ausführenden Leute der Oligarchie, wird völlig überschätzt, wieviel Spielraum diese Kreise bei den politischen Entscheidungen, die wahrscheinlich die eigentliche Währungs- und Finanzexplosion auslösen werden, überhaupt noch haben.
Unausgesprochen fragt John Hoefle: Ist das eine wissenschaftliche Frage, oder kann man nur Vermutungen anstellen über eine weitgehend subjektive Entscheidung, die diese Kabale "freiwillig" trifft?
Die richtige Antwort darauf lautet: Die Möglichkeit der entsprechenden einflußreichen Kreise zur bewußten Entscheidung wird hinsichtlich des Zeitpunkts von den Wechselwirkungen zwischen den Volkswirtschaften und dem Zustand des Finanzsystems begrenzt. Wenn keine Änderung - so oder so - der axiomatischen Eigenschaften dieses Systems vorgenommen wird, dann wird die Bandbreite der verfügbaren Wahlmöglichkeiten jetzt rasch immer enger.
Man kann treffend über die europäische Zivilisation der Neuzeit sagen: Das Motiv für Kriege, besonders für Kriege, die groß oder lang wurden - wie z.B. der offizielle Beginn der "Sackgasse" des amerikanischen Krieges in Indochina - war sehr oft die Angst vor dem Frieden. Diese Angst entspringt führenden Kreisen der Gesellschaft, verbreitet sich aber in etwas anderen Verkleidungen in der allgemeinen Bevölkerung. Man sieht im Krieg die weniger unerwünschte oder gar erwünschte Lösung, weil die Bedingungen, die mit einer Fortsetzung des Friedens verbunden sind, unerträglich erscheinen.
Wenn im Volk der Widerstand gegen Krieg nachläßt, ist das gewöhnlich eine schafherdenartige Widerspiegelung der Stimmung, die von führenden, oft verschwörerischen Kreisen ausstrahlt. Ein Beispiel dafür lieferten die Fabianer in England, die mithalfen, den von König Edward VII. gewünschten Krieg vorzubereiten, weil bei einem fortdauernden Frieden die Gefahr bestand, daß das Amerikanische System immer mehr Einfluß gewonnen hätte, bis das britisch beherrschte imperiale Weltfinanzsystem ruiniert gewesen wäre. Ähnliche Überlegungen bewegten die US-Präsidenten Theodore Roosevelt zum Vorgehen gegen Iberoamerika, und Woodrow Wilson zu dem Komplott, das zum Ersten Weltkrieg führte.
Dies hat nicht erst mit der Britischen Ostindiengesellschaft und ihrer liberal-imperialistischen Erben angefangen. Das war schon das Motiv der "alten Partei" Venedigs, die spanische Inquisition und den Großteil der Religionskriege des 16. Jahrhunderts zu entfesseln, sowie Paolo Sarpis "neuer Venezianischer Partei", den 30jährigen Krieg 1618-48 anzuzetteln. Diese Angst vor dem Frieden war die Ursache sämtlicher großen Kriege, die die anglo-holländischen Nachfolger von Sarpis Venedig inszenierten - von den Kriegen Ludwigs XIV. von Frankreich über den Siebenjährigen Krieg, die Napoleonischen Kriege, den Krimkrieg, die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts bis zum Kalten Krieg, jenem quasi-Weltkrieg des sog. Atomzeitalters, den Winston Churchill anfing, als Präsident Franklin Roosevelt schrecklich überarbeitet schon dem Tode nahe war. Es war der Grund, warum Churchill und seine amerikanischen Komplizen die Politik der vorbeugenden Atomkriege begannen, die in Hiroshima und Nagasaki gegen das schon besiegte Japan erstmals umgesetzt wurde.
Das gleiche gilt für die anglo-amerikanischen Kriege der Regierungen Thatcher, Blair, G. Bush und W. Bush seit 1989.
In allen diesen Fällen - am deutlichsten, seit die anglo-holländische liberale Partei Venedig als führende imperiale Kraft auf der Erde abgelöst hat - wurden die Kriege betrieben und angefangen von den Mächten der Venezianischen Partei und ihrer anglo-holländisch-liberalen Nachfolger, wann immer sie die voraussichtliche Wirkung einer Fortsetzung des Friedens auf der gegenwärtigen Grundlage für ihre Fraktion für nicht hinnehmbar hielten. Brzezinskis und Huntingtons Plan für weltweiten Religionskrieg gegen den Islam ist nur ein besonderer Ausdruck dieser Politik, Krieg zu führen, um der mit dem Frieden verbundenen Bedrohung zu entgehen. In allen diesen Fällen wurde der Friede selbst zum Feind, den es zu zerstören galt, und nicht irgendeine Nation, die zufällig im Weg war. Wie Dick Cheney - bekannt als der größte Drückebergerfalke der Welt - die gegenwärtige Kriegspolitik der Regierung George W. Bush schon Anfang 2001 in Gang setzen half, ist ein Beispiel für Krieg gegen die Gefahr einer Fortsetzung des Friedens als eigentlichem Feind, der unter jedem beliebigen Vorwand betrieben wird, und sei er an den Haaren herbeigezogen.
Wie ich an anderer Stelle beschrieben habe, bildete der amerikanische Börsenkrach vom Oktober 1987 das Gegenstück zum Hoover-Krach 1929. Die Ereignisse, die in den Oktober 1987 mündeten, machten es für bestimmte führende Finanzkreise dringlich, daß ich von der politischen Bühne entfernt wurde. Das war das anschaulichste Beispiel für ihre Angst an jenem kritischen Zeitpunkt. Die panischen Bestrebungen der entsprechenden Kreise im "Establishment", mich so bald wie möglich umzubringen oder wenigstens gründlich zu verleumden, war ein vielsagender Ausdruck der wachsenden Angst im anglo-amerikanischen Finanzestablishment, seit Präsident Ronald Reagan am 23. März 1983 sein Angebot der SDI bekannt machte.
Das war noch nicht alles. Alan Greenspans Ernennung zum Nachfolger des Federal-Reserve-Vorsitzenden Paul Volcker ist der Schlüssel zur Geschichte der Hauptmerkmale der heutigen Weltlage, wie sie sich von 1987 bis 2005 entwickelt hat. Der Unterschied zwischen der Lage im Oktober 1987 und heute ist der: Der Oktober 1987 war ein Echo des Hoover-Krachs von 1929, und die gegenwärtige Krise ist eine allgemeine Zusammenbruchskrise des ganzen derzeitigen Weltwährungs- und Finanzsystems. In diesem Zusammenbruch wird man in der künftigen Geschichte (wenn es eine gibt) das Einmalige an der langen Regentschaft des Fed-Vorsitzenden Greenspan sehen. Man nennt diese Krise auch das Platzen der "Großen Derivatblase".
Das nahe Platzen der großen Derivatblase bedeutet aus der Sicht derer, die Greenspan als ihr politisches Werkzeug benutzt haben, daß es keine annehmbare Möglichkeit mehr gibt, die gegenwärtige politische und wirtschaftliche Weltordnung beizubehalten. Diese Finanzinteressen sehen inzwischen in einem Frieden unter diesem System eine viel größere Gefahr als selbst im schrecklichsten Krieg. Deshalb brachte man einen Fall für den Psychiater ins Weiße Haus und läßt ihn von einem heruntergekommenen Schlägertypen, Vizepräsident Cheney, überwachen und steuern.
Cheney an sich ist nicht die Ursache der Gefahr. Die Gefahr bilden die Leute, die sagen: Stellt euch Cheney, bei dem, was er jetzt ausführt, jetzt nicht in den Weg. "Greift Cheney jetzt nicht an, dann bekommt ihr von uns Geld für eure gegenwärtigen politischen Vorhaben." So bringt die Verlockung der Freundschaft und des Geldes dieser Leute neue Judasse hervor. Das Römische Reich des Tiberius in seiner heutigen Inkarnation benutzt seinen Vertreter Pontius Pilatus für einen Justizmord an Jesus Christus, und Rom herrscht und vernichtet noch viele Generationen.
Die wirtschaftlichen Vorgänge, die jetzt ablaufen, sind die natürliche Folge der gegenwärtigen Struktur der Wirtschaft. Schuld an der Krise, die in den falschen Prämissen der Arbeitsweise dieser Weltwirtschaft angelegt ist, ist der Einfluß der Geldwechsler auf die Volkswirtschaft.
Da die Geldwechsler die Art von Wirtschaft, die eine wirkliche Alternative zu dem jetzt selbstverschuldet zusammenbrechenden System wäre, hassen, kommt nun der Zusammenbruch, weil die Geldwechsler einschreiten und vernünftige Reformen, die Abhilfe schaffen würden, verhindern können. Der heraneilende Zusammenbruch führt dazu, daß die Macht der Geldwechsler bedroht ist, und deshalb halten sie eine Fortsetzung des Friedens für unannehmbar. Deshalb stellen sie Schläger an, um eine brutale Diktatur zu errichten und zu versuchen, in einem Moment, in dem sie wirtschaftlich zunehmend diskreditiert und daher politisch bald sehr geschwächt sind, den Verlust ihrer Macht zu verhindern. Deshalb schlagen sie voller Wut um sich und nutzen jedes Werkzeug des Verrats und des Terrors, das sie finden können, um die Bevölkerung zu verleiten, sich selbst zu zerstören.
Das ist der Ursprung der Angst vor dem Frieden. Das ist der Ursprung aller großen Kriege der neueren europäischen Geschichte. Der Krieg ist eine Willenshandlung - aber wer steuert den Willen?
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