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Aus der Neuen Solidarität Nr. 4/2005

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Im Westen nichts Neues?

Nordrhein-Westfalen. Nach dem Vorbild ihrer erfolgreichen Kampagne in Sachsen im vergangenen Jahr setzt die LaRouche-Jugendbewegung ihre Kräfte nun im Ruhrgebiet ein, um auch dort die Bevölkerung aus ihrer kulturellen, wirtschaftlichen und emotionalen Depression herauszuholen.

Nach den Europawahlen 2004 entschloß sich die europäische LaRouche-Jugendbewegung, mit gebündelten Kräften in den Landtagswahlkampf in Sachsen einzugreifen und damit den Osten geistig-kulturell und realwirtschaftlich-infrastrukturell wieder in die Richtung zu entwickeln, die Deutschland vor 200 Jahren zum "Land der Dichter und Denker" gemacht hatte. Damals war noch überhaupt nicht abzusehen, welche Dynamik von nur wenigen Dutzend Jugendlichen ausgehen kann, wenn sie entschlossen sind, wirkliche Veränderungen durchzusetzen.

Nach dreimonatiger intensiver "Entwicklungsarbeit" im Osten, der Initiierung und konsequenten Durchführung der Montagsdemonstrationen auch über den Wahltermin und die Grenzen Sachsens hinaus, der großangelegten Verbreitung von Flugblättern und anderem Wahlkampfmaterial, vor allem aber der geistigen Weiterentwicklung der Bevölkerung und der Jugendlichen selbst, ist Sachsen nicht mehr das, was es vorher war!

Vor dieser "Sachsenkampagne" befand man sich auf einem fünftägigen Jugendseminar in Koblenz, also nicht weit entfernt von Nordrhein-Westfalen, das sich nun anschickt, eine der üblichen Landtagswahlen durchzuführen; so, wie das auch in Sachsen geplant war... Im Westen also nichts Neues? Angesichts einer Weltlage, die dem Inhalt des gleichnamigen Buchs von Erich Maria Remarque bedrückend nahe kommt, darf dies nicht zugelassen werden!

Deshalb beginnt die LaRouche-Jugendbewegung in diesen Tagen damit, auch im Westen dort anzuknüpfen, wo die intellektuelle und industrielle Entwicklungslinie vor einigen Jahrzehnten abgerissen ist. Denn ohne das Ruhrgebiet als industrielles Herz Europas hätte es keine Industrialisierung gegeben.

Das gilt auch für das Projekt der Eurasischen Landbrücke im 21. Jh. Um die von Lyndon LaRouche vorgeschlagenen Infrastrukturprogramme realisieren zu können, benötigt man ein Ballungszentrum mit engvernetzten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, modernste Energieerzeugung und -verteilung, eine ausgewogene Kombination von Mittelstand und Schwerindustrie mit hoher Produktivität sowie die dazu erforderlichen Finanzierungskapazitäten und -institutionen, die für die reibungslose Abwicklung der Bauvorhaben die benötigte Transportinfrastruktur natürlich voraussetzt. Dafür bietet das Ruhrgebiet aufgrund seiner entsprechend gewachsenen Struktur die idealen Voraussetzungen.

Wie gesagt: "Voraussetzungen". Denn um aus dem heutigen Zustand des Ruhrgebiets das zu machen, was man zu Recht als "hochproduktiv" bezeichnen darf, sind gewaltige Anstrengungen erforderlich! Genau hier muß derjenige ansetzen, der wirkliche Veränderungen vorantreiben will.

Und da die Jugendbewegung von Schiller gelernt hat, daß revolutionäre Veränderungen nur durch eine Änderung im Denken erzeugt werden können, hat sie damit begonnen, die Menschen in NRW zum Denken anzustoßen, also zunächst geistig zu mobilisieren. Die "Wunderwaffen" - intellektuelle Entwicklung und Kulturoptimismus, die Denkmethode von Carl Friedrich Gauß, Friedrich Schillers Konzept der "Fortschreitung" und Johann Sebastian Bachs musikalische Revolution - wirken dabei genauso erfolgreich wie bei der desillusionierten sächsischen Bevölkerung.

Ob man sich dabei im oberflächlich denkenden, realitätsfernen Rheinland, der depressiven Stimmung im Ruhrpott, oder der stoischen, unnahbaren Denkart Westfalens befindet, macht dabei keinen Unterschied. Der mehrstimmige Chor der "Jesu meine Freude" singenden Jugendlichen sowie ein mit provozierenden Schildern umstellter Informationstisch erzeugen stets den gleichen Effekt: die in den Innenstädten vorbeikommenden Passanten werden aus ihrem Alltagstrott regelrecht herausgerissen und durch Diskussionen und Dialoge über Politik, Wirtschaft, Geschichte, klassische Kultur sowie der frischen und doch konzentrierten Entschlossenheit der jungen BüSo-Aktivisten einer Realität zugeführt, die gerade hier in Deutschland gar nicht mehr für möglich erachtet wird: der Realität nämlich, Veränderungen zu erzeugen.

Wenn ein kurz vor der Rente stehender Schweizer Musikprofessor in Essen, eine fünfzehnjährige Schülerin in Düsseldorf, ein 43jähriger Langzeitarbeitsloser in Bielefeld oder ein unbedarfter BWL-Student in Köln oder Bonn auf die Jugendbewegung trifft, sind sie alle herausgefordert, sich mit dem Zusammenhang zwischen der verrückten Kriegspolitik der Regierung Bush, der Mission der Johanna von Orleans, der Zusammenbruchskrise des Weltfinanzsystems und Martin Luther Kings Kampf für die Menschenrechte zu beschäftigen.

Die Intention der jungen Menschen ist es dabei einerseits, "normale Bürger" aus der nordrhein-westfälischen Bevölkerung als BüSo-Kandidaten für die anstehenden Landtagswahlen zu gewinnen, andererseits aber diese Bürger, besonders aus der jüngeren Generation, herauszufordern, sich den gegenwärtigen Verfallserscheinungen unserer Gesellschaft entgegenzustellen.

Gerade ältere Menschen fragen sich dann vielfach, was junge Leute im Studentenalter dazu motiviert, bei zum Teil widrigsten Bedingungen (das Wetter oder den Gemütszustand der Leute betreffend) solch einen Optimismus und eine entsprechende Erfolgszuversicht auszustrahlen. Hört man den Jugendlichen aber genauer zu, wird schnell deutlich, daß dieser Optimismus aus dem Erkennen der Notwendigkeit zur grundlegenden Veränderung entsteht.

Für junge Leute, die sich illusionsfrei mit ihren Zukunftsaussichten auseinandersetzen, ist es offensichtlich, daß ihnen die Beibehaltung des derzeitigen politischen und gesellschaftlichen Kurses bestimmt keine lebenswerte Zukunft ermöglicht. Aus dieser Grundanalyse entsteht dann der Drang, sich dazu zu befähigen, entsprechende Änderungen im Denken und Handeln ihrer Mitmenschen zu erzeugen. Was liegt also näher, als sich mit den größten Ideen und Staatskonzeptionen der Geschichte auseinanderzusetzen?

Dieses intensive Studium der wichtigsten Durchbrüche in Wissenschaft und Kultur führt die internationale LaRouche-Jugendbewegung in Studiengruppen zu griechischer Geometrie, Renaissancekunst und klassischer Musik von Bach bis Brahms sowie zu den Grundlagen in politischer Ökonomie und Staatskunst der Antike bis zur Gegenwart. Und zu diesen Studiengruppen werden jeweils auch die interessierten Jugendlichen, die an den Infotischen getroffen wurden, direkt mit einbezogen. So wird schnellstmöglich eine möglichst breite Kreise der jungen Generationen erfassende Bewegung aufgebaut, die das geistige Rüstzeug erarbeitet hat, um Verantwortung für die Menschheit übernehmen zu können.

Ob dies dann zu Kandidaturen bei den anstehenden Landtagswahlen, einem Engagement im regionalen oder auch überregionalen Bereich oder sogar zu der Entscheidung führt, sich "hauptberuflich" für diese weltweite Entwicklungsbewegung einzusetzen, ergibt sich dann jeweils individuell über kurz oder lang.

Oder, um es in leichter Abwandlung einer Aussage Helga Zepp-LaRouches zu sagen, die als Bundesvorsitzende der Bürgerrechtsbewegung Solidarität und Gründerin des internationalen Schiller-Instituts entscheidenden Anteil an der Entwicklung der LaRouche-Jugendbewegung hat: "Sachsen war der 'Warm-up', jetzt kommen Pflicht und Kür zugleich!"

NRW darf sich also freuen...

Christoph Mohs

 

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