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Aus der Neuen Solidarität Nr. 42/2005

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Folgt auf Delphi-Bankrott der GM-Konkurs?

Der Konkursantrag des Autozulieferers Delphi droht auch General Motors in den Abgrund zu ziehen. LaRouche verlangt, daß der Kongreß jetzt endlich handelt, um die Industriebasis der USA zu retten.


Delphi soll "ausgeschlachtet" werden
Krise weitete sich aus

Am 8. Oktober stellte der größte amerikanische Autozulieferer einen Insolvenzantrag nach Chapter 11 des US-Konkursrechtes, was so viel heißt wie: Delphi ist pleite, kann aber seine Geschäfte zeitlich begrenzt und geschützt vor den Gläubigern weiterführen. Der Konzern ist mit einem Jahresumsatz von 28 Mrd. Dollar und weltweit 158 000 Mitarbeitern nach Bosch der zweitgrößte Autozulieferer der Welt. Nun drohen auch den etwa 3 500 Delphi-Zulieferern massive Schwierigkeiten. Vor einigen Jahren war Delphi von General Motors "ausgegliedert" worden, nun könnte sein Bankrott zum Vorspiel des Bankrotts und/oder der Zerschlagung der ehemaligen Muttergesellschaft werden.

Die Bankrotterklärung seines eigentlich überlebensfähigen Unternehmens ist zugleich der zynische Versuch des Delphi-Vorstandschefs Robert Steve Miller, die Löhne zu senken und die Verpflichtungen für Renten und Krankenkassenzahlungen loszuwerden. Miller verfährt dabei ganz wie der Vorstandschef der amerikanischen Fluggesellschaft Northwest Airlines, Douglas Steenland. Nun drohen Massenentlassungen, Streiks und die Schließung vieler Werke in den USA, denn die nicht-amerikanischen Aktivitäten von Delphi, vorwiegend in "Billiglohnländern", sind von dem Bankrott nicht betroffen. Gleichzeitig erhalten die Vorstandsmitglieder von Delphi großzügige Bonuszahlungen, damit sie bei der Zerschlagung des Unternehmens mitmachen. Die freiwerdenden Gelder sollen spekulativ investiert und die übrigbleibende Produktion gänzlich in Billiglohnregionen außerhalb der USA ausgelagert werden.

Diese Machenschaften waren absehbar, als "Heuschrecke" Miller vor drei Monaten die Szene betrat. Zuvor war er schon als Chef großer amerikanischen Stahlerzeuger nach demselben Muster vorgegangen: Bei LTV, dann Bethlehem Steel und schließlich Morrison-Knudsen benutzte er die Konkurssituation dazu, die Unternehmen erst "auszuschlachten", dann zu zerschlagen und sie schließlich an Finanzfonds zu verkaufen. Zunächst wurden diese Stahlfirmen an den "Finanzinvestor" Wilbur Ross verkauft, der sie dann an Lakshmi Mittal, einen engen Freund und politischen Unterstützer Tony Blairs, weiterverkaufte. Die Mittal Steel Corp. wurde so zum größten Stahlproduzenten der Welt und ist dafür bekannt, daß die technische Ausstattung veraltet und verschlissen ist sowie niedrige Löhne und keine Betriebsrenten gezahlt werden.

Vor einem halben Jahr, kurz nach Ausbruch der Krise bei General Motors und Ford, hatte sich Lyndon LaRouche mit verschiedenen Denkschriften an den amerikanischen Kongreß gewandt und gefordert, der Staat müsse die amerikanische Industriebasis erhalten und modernisieren. Nur so könne gewährleistet werden, daß die USA die unverzichtbare industrielle Infrastruktur wiederaufbauen können. Vom Verlust der vielen qualifizierten Arbeitskräfte und der Maschinenbau- und Werkzeugmaschinenbaukapazitäten, der droht, wenn die Automobilindustrie nach den Plänen der "Heuschrecken" und Hedgefonds "abgewickelt" und ausgelagert wird, könne sich die amerikanische Wirtschaft kaum noch erholen. Am 13. April 2005 hatte LaRouche vorgeschlagen, der US-Senat solle Notmaßnahmen beschließen, um den Automobilsektor umzustrukturieren und auf die Herstellung von Investitionsgütern insbesondere in den Bereichen Infrastruktur (Hochgeschwindigkeitsbahn, Magnetbahnprojekte, Komponenten für Kraftwerke usw.) umzustellen.

Delphi soll "ausgeschlachtet" werden

Im Zusammenhang mit dem Konkursantrag hatte Delphi-Chef Miller Finanzberater der Rothschild Inc. aus New York und Bankrottspezialisten der Kanzlei Skadden Arps angeheuert. Der erwähnte "Finanzinvestor" Wilbur Ross erklärte bereits am 27. September gegenüber der Presse, er werde vielleicht nach dem Konkursverfahren und einer "Reorganisation" Delphi kaufen. Miller war bestrebt, den Konkursantrag noch vor dem 17. Oktober zu stellen, weil an dem Tag ein verändertes Konkursrecht in Kraft tritt, das die Plünderungsmöglichkeiten für Miller und Konsorten einschränkt.

Miller stellte den 24 000 amerikanischen Beschäftigten, die gewerkschaftlich von den United Auto Workers (UAW) vertreten werden, ein Ultimatum: Kürzungen der Löhne um 63 Prozent sowie Streichungen bei Renten und Gesundheitszahlungen in ähnlicher Größenordnung. Insgesamt beschäftigt Delphi rund 50 000 Arbeitnehmer in den USA, von denen 32 000 in der Produktion beschäftigt sind. Im einzelnen fordert er:

Nach dem Antrag auf Gläubigerschutz ("Chapter 11") haben Management und Arbeitnehmervertreter zwei Monate Zeit, eine Vereinbarung auszuhandeln. Am 8. Oktober drohte Miller damit, wenn die UAW seine Forderungen nicht akzeptiere, werde er beim Konkursrichter beantragen, den Tarifvertrag mit der UAW aufkündigen zu können, um dann einseitig seine Forderungen durchzusetzen. Einige Ortsverbände der Gewerkschaft haben bereits ihre Streikbereitschaft erklärt. Bereits 1998 hatten Arbeitsniederlegungen in zwei Delphi-Fabriken dazu geführt, daß GM in den ganzen USA zwei Monate lang nicht produzieren konnte.

Was die Delphi-Manager angeht, fordert Miller keine so harten Einschnitte. Er schlug vielmehr vor, fast 500 dieser geplagten Führungskräfte insgesamt 88 Mio. Dollar an Bonuszahlungen zukommen zu lassen. LaRouche sagte am 7. Oktober dazu: "Diese Leute haben jede Moral aus ihren Finanzplänen herausgestrichen. Warum sollte man diese selbstsüchtigen Erhöhungen bei den Bezügen inkompetenter und unmoralischer Führungskräfte zulassen? Unter dem neuen Konkursgesetz wären diese Erhöhungen nicht mehr erlaubt, deshalb versuchen sie noch schnell ihre Boni einzusacken, bevor das alte Gesetz erlischt. Ich finde, man sollte ihre Gehälter kürzen. Ich frage die Manager von Delphi und GM: Haben Sie denn gar kein Schamgefühl?".

Darüber hinaus erklärte der Delphi-Vorstand, er wolle unter dem Gläubigerschutz große Teile der 23 amerikanischen Produktionsstätten nach Übersee in Billiglohnländer auslagern. In den verbleibenden amerikanischen Betrieben sollen dann nur noch ein Minimalbestand an Arbeitskräften beschäftigt werden, deren Bezahlung kaum das Existenzminimum absicherte.

Krise weitete sich aus

Schon jetzt zeichnen sich bei den Delphi-Zulieferern Schwierigkeiten ab, weil Delphi seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommt. Zudem könnte der Delphi-Konkurs die Probleme bei GM massiv - bis zum Konkurs - verstärken, was dann wiederum zum Zusammenbruch des Derivatmarktes und Hedgefondssektors führen könnte. Schon jetzt drohen auch den Kreditderivatmärkten mit einem Volumen von schätzungsweise 12 Billionen Dollar heftige Turbulenzen. Die Kosten für Kreditderivate sind bereits in die Höhe geschnellt. Die Financial Times merkte an, Befürchtungen der Anleger, die Krise bei Delphi könne GM endgültig den Todesstoß versetzen, habe die - bereits sehr hohen - Zinsen für GM-Anleihen innerhalb der zwei Tage vom 11.-12. Oktober weiter ansteigen lassen. Zudem erklärten Analysten der Ratingagentur Standard & Poor's am 11. Oktober, eine Abspaltung und ein Verkauf von GMAC - der Finanzgeschäftsbereich von GM - sei wahrscheinlich. Das ist wohl auch das Ziel des "Finanzinvestors" Kerkorian, der 10% des GM-Aktienkapitals hält.

Bereits im März hatte LaRouche vor den verheerenden Folgen eines Konkurses von GM, Ford und den Zulieferern gewarnt und den US-Kongreß zum Handeln aufgefordert. Bislang hat der Kongreß nicht gehandelt, aber der Bankrott Delphis mit seinen wahrscheinlichen Folgewirkungen auf GM und die Finanzmärkte der USA und international wird es unmöglich machen, LaRouches Maßnahmenpaket zur Rettung der amerikanischen Industriebasis weiter zu ignorieren.

Richard Freeman

Lesen Sie dazu bitte auch:
Rettet den Maschinenbau der Autoindustrie! Neue Solidarität Nr. 20/2005
Autokrise: Der Senat muß eingreifen Neue Solidarität Nr. 22/2005
Zum Problem strategischer Bankrotte Neue Solidarität Nr. 21/2005

 

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