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Aus der Neuen Solidarität Nr. 42/2005 |
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Um es vorwegzunehmen, das Buch von Timothy Garton Ash, erschienen 2004, hat das Zeug, ein Klassiker zu werden, in einem Feld von Publikationen, die sich neuerdings gehäuft mit dem Spannungsdreieck USA-Europa-Asien und den offensichtlich sprunghaften Veränderungen der Kräfteverhältnisse innerhalb desselben befassen. Der "Huntington" ist schon ein Klassiker. Der Vergleich der beiden drängt sich auf, weil sie dasselbe gegenwartsgeschichtliche Untersuchungsobjekt bearbeiten, sich zunächst gar nicht widersprechen und trotzdem zu völlig unterschiedlichen, schicksalsträchtigen Schlüssen kommen. Der "Westen" oder nur Amerika auf dem Rückzug?
Leider bekommt heute jeder, der nicht weiterhin an die Größe der USA glaubt, sofort das Etikett angehängt, ein Anti-Amerikaner zu sein. Uns Europäer stimmt es wehmütig: Amerika, das uns so fröhliche Musik wie den Dixieland oder die Countrymusic schenkte, uns aus der größten Krise unserer Geschichte befreite, dieses Amerika scheint an der Macht des Faktischen und, beschleunigt, an seinem eigenen Neokonservativismus zu scheitern. Aber weder Huntington, Jahrgang 1927, Professor für Politikwissenschaften an der Harvard University, noch Garton Ash, seines Zeichens Brite, Jahrgang 1955 und Gegenwartshistoriker am St. Antony's College in Oxford, kann man einseitige Absichten unterstellen.
Beide kommen, unabhängig voneinander, zunächst zum selben Schluß, nur bezieht Huntington den Sachverhalt auf den ganzen Westen, Garton Ash zunächst nur auf die USA. Huntington spricht praktisch immer nur vom Westen und meint damit den ganzen christlichen und jüdischen Kulturkreis. Hier könnte noch ein anderer Klassiker erwähnt werden: E. Todt, Weltmacht USA. Ein Nachruf (Piper).
Für Huntington besteht die Welt aus Kulturräumen. Er glaubt, daß die kulturelle Identifikation gegenüber anderen Dimensionen der Identität (Verwandtschaft, Beruf, Territorium etc.) "dramatisch" an Bedeutung gewinnt. Sein Kollege hingegen teilt sie auf in geographische und Wirtschaftsräume, obwohl auch er die jeweilige Kulturgeschichte durchaus in seine Überlegungen miteinbezieht.
Huntingtons Buch entstand 1996 als Zusammenfassung verschiedener Schriften und Vorträge und stellte gleich von Anfang an die eigentliche Bibel der neokonservativen Bewegung in den USA dar. Daß sich seither viele Fundamentaldaten geändert und der Weg der Neokonservativen sich vor allem im Mittleren Osten in der Sackgasse befindet, ändert nichts daran (vergleiche Weltmacht im Treibsand von Peter Scholl-Latour, Propyläen).
Der ursprüngliche Titel der amerikanischen Originalausgabe hieß The Clash of Civilisations. Ist es Absicht oder Methode, daß die deutsche Übersetzung "Kampf der Kulturen" lautet? Soll hier auf die ursprüngliche Aussage noch eins draufgesetzt werden? Denn Clash heißt noch lange nicht Kampf und zwischen einer Zivilisation und einer Kultur besteht ein erheblicher Unterschied. Zwischen dem Umstand, daß irgendwo kulturelle Spannungsfelder entstehen können und dem Glauben, daß diese immer gleich durch Kriege gelöst werden müssen, ebenso.
Bezeichnenderweise heißt Huntingtons erstes Buch The Soldier and the State (1957) und nicht etwa The State and the Soldier. Nun hatten wir in unserem Jahrhundert schon einmal ein Buch, das den Begriff Kampf in seinem Titel trug, und so stimmt uns ein Buch, das noch eine "Chance" sieht, eher optimistisch.
Seit die Betrachtung Asiens aus der Phase der Geringschätzung in die Phase der höflichen Beachtung übergegangen ist, mußten sich wohl auch unsere zwei Autoren mit diesem Kontinent befassen. Es ist aber bereits nicht mehr sehr originell, eine aufsehenerregende Entwicklung in diesem Teil Eurasiens auszumachen. Interessant sind die Befunde von Huntington und Garton Ash, wenn sie die Volkswirtschaften dieser Welt auf einer längeren Zeitachse betrachten. Huntington: "Es ist anzunehmen, daß China über weite Strecken der Geschichte die größte Volkswirtschaft der Welt besessen hat." Garton Ash: "Noch um 1800 erreichte China allein einen größeren Anteil der Weltproduktion als der gesamte Westen, und dieser vollführte seinen beispiellosen kapitalistisch-industriellen Blitzstart auch mit Hilfe von Fähigkeiten und Techniken des Ostens." Na also!
Interessant ist, daß beide Autoren den Gleichstand Asiens mit dem "Westen" für ungefähr das Jahr 2020 voraussagen. Dies wäre also der Zeithorizont, um eine kluge, gemeinsam getragene Eurasienstrategie zu erarbeiten. Nun, die unausgesprochene Antwort Huntingtons heißt leider: Kampf. 1996, bei Erscheinen seines Buches, konnte er das Resultat davon noch nicht abschätzen, hat doch "9/11" seine Anhänger zu mehr Radikalismus getrieben als ihm heute wahrscheinlich selber lieb ist. Garton Ash seinerseits warnt ausdrücklich vor einem Kampf der Kulturen (Christentum gegen den Islam), weil dies für Europa Selbstmord wäre.
Ash befaßt sich nicht einfach nur mit dem Westen. Er beschreibt die gegensätzlichen Strömungen in Europa, "dem westlichsten Zipfel Eurasiens", und geht auf die beiden wesentlichen Strömungen, den Atlantizismus (Churchill) und den Eurozentrismus (de Gaulle) ein. Ein Kapitel ist auch Tony Blair gewidmet mit "Das Blairsche Brückenprojekt". Blair versteht sich demnach als Brücke zwischen Europa und Amerika. Doch wieso, so fragt der Autor, sollen der französische Staatschef oder der deutsche Bundeskanzler erst in London Station machen, bevor sie nach Washington gehen? "Blair... ein Mann, der im Spagat zwischen zwei in entgegengesetzte Richtungen steuernden Öltankern steht und sie allein mit der Kraft seiner Beine zusammenzuhalten versucht..."
Und noch zwei Hinweise, die einiges zu erklären vermögen: "Der amerikanische Glaube hat zwei Götter: Einer heißt Freiheit, der andere Gott." Ashs zweiter Hinweis: Man muß "die Religion mehr denn je als Kernstück amerikanischer Eigenart begreifen". Der amerikanische Traum? In Europa ist man diesbezüglich viel laizistischer. Daneben hat Europa durchaus Grund, sich als eigenständige Region zu begreifen. Seine militärische Macht ist brauchbar, wenngleich sie fraktioniert und diejenige der USA ungleich viel größer ist. Doch hat diese im Jahre 2005 eigentlich noch ein brauchbares Preis/Leistungsverhältnis? Die Wirtschaft Europas als Ganzes ist derjenigen Amerikas durchaus ebenbürtig. Daneben verfügt der "alte" Kontinent, vor allem in den Augen der Asiaten über eine überlegene "Softpower", das heißt, interkulturelle Fähigkeiten, eine leistungsfähige Diplomatie und vor allem eine lange Geschichte.
Die Chance kann nicht darin liegen, daß sich Europa einfach zum "Westen" schlagen läßt und sich damit automatisch auch an den offenen Rechnungen beteiligt, die nicht Festlandeuropa sondern andere im Namen des Anti-Islamismus im Nahen- und Mittleren Osten eröffnet haben. Aber Europa muß die Krise mit Amerika durch eine gemeinsame politische Vision beilegen, die Vision einer Freien Welt, die diesen Namen verdient. "Und wenn die Mauern (zwischen Amerika und Europa, aber auch zwischen dem Westen und Asien!) schließlich fallen, wird sich ein überraschender Anblick bieten; die Krise wird sich als eine große Chance erweisen".
Die über 530 Seiten des Buches von Huntington lesen sich eher schwer, wie dies bei einer Bibel halt so ist. Garton Ash, der übrigens perfekt Deutsch spricht, ist leicht zu lesen, weil ihm ein flüssiger, zuweilen schalkhafter Stil eigen ist. War es Ironie oder eher bitterer Ernst, als Ash unlängst im Schweizer Fernsehen in der Sendung "Sternstunde Philosophie" meinte: "Die Amerikaner sagen, daß es sich für den Amerikanischen Traum lohnt zu sterben - für den Europäischen Traum lohnt es sich zu leben!"
Dr. Franz Betschon, Heiden
These: Die Leetheorie gliedert im leicht verständlichen Beispiel ein unendliches System in Funktionsteile auf. Die Aufteilung ist für die Systemseite willkürlich und für die Teilerseite sinnvoll. Einfach zu erklären ist die Aufteilung des Systems der Natürlichen Zahlen mit Hilfe der Multiplikation von Primzahlen in Primzahlen und Nichtprimzahlen. Die Steigung der Multiplikation ist gleichmäßig, daher ergeben gleiche Abstände von Anfang plus Ende gleiche Summen. Das gleiche gilt natürlich auch für die von der Multiplikation nicht erfaßten Reste und diese Reste sind Primzahlen.
Beispiel: 2 mal 3 mal 5 ist 30. Die Primzahlen 2, 3 und 5 sind Faktoren von 30. Aber 1 plus 29, 7 plus 23, 11 plus 19 und 13 plus 17 bilden Primzahlpaare zur Stammzelle 30. In der Zellvermehrung jedoch erfährt die Stammzelle 30 Überschneidungen. So sind 30+19, 60+17, 90+1, 90+29, ... keine Primzahlen. Dagegen kommt bei einer größeren Stammzelle, etwa bei 210 die Summe 210+121 als Primzahl in Betracht, da in 121 keine Primzahl enthalten ist, die auch in 210 enthalten wäre.
1. Zellfaktoren (2, 3, 5),
2. Neutralelement (1),
3. Produktzelle, ohne Neutralelement (30),
3a. Zellsumme (30),
3b. Primzahlpaare ohne Zellfaktoren (1+29, 7+23, 11+19, 13+17 ),
4. Kehrwert der Primpaarteile ([30-1]+1, [30-7]+7, [30-11]+11, [30-13]+13, [30-17]+17,
5. Primzahlteiler von Wachstumszellen (30+19 = 7x7),
6. Primzahlprodukte für Wachstumszellen (11x11+210).
Aus der Aufteilung des Zahlensystems in Produkte und Produktlücken ergeben sich acht verschiedene Funktionsteile.
Die Leetheorie ergibt, daß sich das System nicht aus diesen Teilen zusammensetzt, aber trotzdem mit diesen Teilen beschrieben werden kann, weil sie nämlich ganzheitlich aus dem gemeinsamen Ganzen hergeleitet sind.
Die Menge der Natürlichen Zahlen ist nicht dasselbe wie ihre Aufteilung in Primzahlen und Nichtprimzahlen. In ähnlicher Weise wie die Leetheorie der Menge der Natürlichen Zahlen, sind die Quantentheorie, die Evolutionstheorie, die Psychoanalyse, die Relativitätstheorie der Natur nur aufgesetzt. Das sind Wissenschaften zweiten Grades, denen es nicht zusteht, die Erkenntnisse der Wissenschaften ersten Grades anzuzweifeln. Der Mensch kann nur linear denken. Um über die Linearität seines Denkens hinauszugelangen, benötigt er Hilfsmittel, aber er sollte dabei nie die Hilfsmittel mit der Wirklichkeit verwechseln.
Helmut Markl, Holzkirchen
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