|
|
|
|
|
| Kernthemen | Suchen | Abonnieren | Leserforum |
|
Aus der Neuen Solidarität Nr. 47/2005 |
|
|
|
Von Lyndon LaRouche
Vor rund 240 Gästen in Washington skizzierte Lyndon LaRouche bei seinem Internetforum am 16. November die nach der Entmachtung von Vizepräsident Cheney anstehenden Aufgaben. Unter den Gästen in Washington waren auch drei Dutzend Gewerkschaftsführer, meist Vertreter der Gewerkschaft der Automobilarbeiter, die derzeit an vorderster Front im Kampf für die Erhaltung der Automobilindustrie steht, Landtagsabgeordnete, Stadträte und rund 100 Mitglieder der LaRouche-Jugendbewegung. Neben den Gästen in Washington verfolgten zahlreiche Zuschauer in aller Welt die Rede über das Internet.
Anschließend beantwortete LaRouche eine Reihe von Fragen aus dem Senat und dem Repräsentantenhaus.
LaRouche betonte, man habe zwar einen gewissen Sieg errungen, der gemessen an der Lage vor einem Jahr beinahe ein "Wunder" sei, denn Vizepräsident Cheney stehe dank der Transformation der Demokratischen Partei und anderer Kräfte vor dem Sturz. Nun aber müsse man fragen: "Was machen wir mit diesem Sieg? Was für einen Frieden wollen wir schaffen, der die Fragen löst, um die es in diesem Krieg ging?"
Das größte Problem sei, daß die meisten Menschen in den Vereinigten Staaten nicht wissen, wie eine produktive Wirtschaft funktioniert und wofür sie kämpfen sollen. Man müsse daher eine strategische Vision vermitteln, wie eine solche Wirtschaft, wie sie zum Überleben notwendig sei, aufgebaut werden könne - eine Wirtschaft auf der Grundlage des Maschinenbauprinzips, des wissenschaftlichen Fortschritts und der weltweiten Zusammenarbeit beim Bau wichtiger Infrastrukturen, die eine Grundlage für einen dauerhaften Frieden und Prosperität für die kommenden zwei oder drei Generationen schafft.
Vorweg zwei Dinge zum Aufwärmen. Erstens eine hochinteressante Nachricht aus der Presse: Es besteht der Verdacht, daß der alte Bob Woodward in Wirklichkeit die Judith Miller der Washington Post ist. (Gelächter) Zweitens besteht der Verdacht, daß bald Schlüsselpersonen der US-Regierung mit hängenden Köpfen ins Gefängnis wandern werden ...
Wir sind an einem hochinteressanten Punkt angelangt. Es gab in der jüngsten Zeit einen sehr wichtigen Sieg. Aber es war nur ein Sieg in einer Serie von Schlachten. Der Krieg ist noch nicht gewonnen.
Ich möchte mich heute auf ein Thema konzentrieren, das vielleicht weit entfernt von dem scheint, was Sie denken. Nämlich: Was wird mit dem Krieg? Wenn man einen Krieg führt, dann hat man selbstverständlich vor, ihn zu gewinnen. Aber was macht man dann mit dem Sieg? Wie soll der Frieden aussehen, den man erreichen will, um die Ursachen des Krieges zu beseitigen?
Die große Schwierigkeit besteht darin, daß heute die ganze Welt in der größten Finanzkrise der Neuzeit steckt. Es gibt heute kein Bankensystem in irgendeinem Teil der Welt - Japan, Europa, Amerika - , das nicht hoffnungslos bankrott wäre. Die Federal Reserve ist nur noch eine Ansammlung hoffnungslos bankrotter Banken. Alle Banken darin sind bankrott, vor allem wegen der Derivatspekulation. In Europa ist es das gleiche. Vielleicht gibt es ein paar Ecken, die noch nicht bankrott sind, aber die großen Bankensysteme wie die Federal Reserve sind bankrott.
Das heißt, wir müssen z.B. hier in den USA das ganze Federal-Reserve-System unter Konkursverwaltung der Regierung stellen. Das einzige, was jetzt noch hilft, ist, daß die Regierung die Federal Reserve übernimmt, um sicherzustellen, daß die wesentlichen Aufgaben der Finanzwelt weiter erfüllt werden, daß die Renten gezahlt werden usw. Und ganz ähnlich ist es in Europa und auf der ganzen Welt.
Nun stellen sich unmittelbar mehrere Probleme. Vor allem: Wie stabilisiert man eine völlig bankrotte Welt?...
An welchem Tag der große Zusammenbruch erfolgen wird, weiß niemand, denn Menschen können Entscheidungen treffen, die dieses oder jenes Ereignis hinauszögern. Allerdings wird es dann teurer. Je länger man einen Bankrott hinausschiebt, desto bankrotter wird man. Je länger man den Aufschwung verschiebt, desto schlimmer wird es.
Heute sind hier im Saal Vertreter der Gewerkschaft der Autoarbeiter (UAW). General Motors steht kurz davor, seine Produktion einzustellen, zumindest hier im Inland. D.h. ein ganzer Bereich der amerikanischen Volkswirtschaft steht kurz vor der Stillegung, und wenn wir die Autoindustrie schließen und einen Teil der Luftfahrtindustrie aufgeben, dann haben wir keinen Maschinen- und Anlagenbau mehr in Amerika. Dann sind wir kein souveränes Land mehr. Einige Leute wollen einfach tatenlos zusehen, wie wir unsere Souveränität und unsere Existenzgrundlage verlieren. Es gibt nur eine Möglichkeit, das aufzuhalten: den ganzen Kram unter Konkursverwaltung stellen, damit die Räder sich weiter drehen.
Wenn man sich die Sache im Weltmaßstab ansieht, wird es komplizierter. Hier muß man strategisch denken, und die meisten Menschen tun das eher nicht. Aber jemand muß es tun, und ich glaube, das bleibt an uns hängen.
Es gibt nur ein Land auf der Welt, das eine wirtschaftliche Erholung irgendwo auf der Welt in Gang setzen kann, und das sind die Vereinigten Staaten. Wenn wir Amerikaner nicht ein Konkursverfahren für das Weltfinanzsystem in Gang bringen, gibt es keine Hoffnung für irgendeinen Teil der Welt.
Die Gefahr ist nicht, daß eine Depression kommt. Die hatten wir schon, im Oktober 1987. Das war eine Depression wie 1929, und wir haben sehr töricht darauf reagiert. Dann brach das Sowjetsystem zusammen, und wir beuteten es aus. Wir haben uns auf Kosten des alten Sowjetsystems bedient - wir haben sozusagen seine Eingeweide zum Mittag verspeist. Inzwischen ist das auch aufgebraucht.
Wir haben die Industrie zerstört. Amerika hat sich selbst ruiniert, ganz ähnlich wie Präsident Hoover uns in seiner Amtszeit ab 1929 ruinierte. Die amerikanische Wirtschaft ist unter Hoover um die Hälfte geschrumpft. Sie brach nicht wegen des Börsenkrachs von 1929 zusammen, sondern wegen Hoovers Politik ab 1929. Dabei war Hoover noch genial verglichen mit dem, was die gegenwärtige Regierung tut. Wir haben den Punkt des internationalen Bankrotts erreicht, d.h. das Weltfinanzsystem, so wie es in den letzten 40 Jahren lief, ist nicht mehr lebensfähig. Das ganze Finanzsystem ist am Ende, so oder so. Die Frage ist nur: Werden wir die Nationen und die Volkswirtschaften retten?
Manche Leute meinen, eine Volkswirtschaft sei das Produkt eines Finanzsystems. Sie sagen: "Die Bankiers können sicher etwas dagegen tun." Sicher werden die etwas tun: Nachdem sie einen Hitler an die Macht gebracht haben! Wer keine Hitler-Lösung will, der muß etwas anderes finden: Man muß die Bankiers unter Konkursverwaltung stellen.
Schauen wir uns an, wie die Wirtschaft zerstört wurde... Betrachten wir den Kern unserer Wirtschaft. Man kann jeden großen Konzern nehmen, z.B. General Motors. Die amerikanische Autoindustrie stellt keine Automobile mehr her - sie setzt sie nur zusammen! Die Teile werden von Zulieferern entworfen, sie kommen meistens von kleineren Betrieben. Wir haben den Kern unserer Wirtschaft, die Leute, die produzieren, arbeitslos gemacht. "Dienstleistungswirtschaft" nennt man das. So wie die "Dienste", die die Leute in einem Bordell in Anspruch nehmen. Es ist keine richtige Wirtschaft.
Beispielsweise sollte man Firma Monsanto wegen geistigen Bankrotts schließen. Weil es ein paar Gene entschlüsselt hat, behauptet Monsanto, es habe die Gene erfunden. "Die Gene gehören uns. Wer eins haben will, muß es bei uns mieten, zu unseren Preisen." Deshalb dürfen die Farmer kein Saatgut mehr erzeugen. Sie können dafür ins Gefängnis wandern. Sie müssen es bei Monsanto kaufen.
Das führt auch zu einer ökologischen Katastrophe. Die Kette der Nahrungsmittelversorgung beruht heute auf der Vereinheitlichung der verschiedenen Lebensmittel für die Weltwirtschaft. Aber - und das ist nur ein Beispiel von vielen - einer der großen Vorteile für die Sicherheit der Nahrungsmittel war immer die Vielfalt... Heute ist alles vereinheitlicht: Es gibt eine Welttomate, eine Weltorange, eine Weltbanane. Und schon eine einzige Katastrophe in Form einer Pflanzenkrankheit kann das ganze weltweite Angebot ausrotten. Das hat uns Monsanto angetan...
All das war kein Irrtum, es war Absicht. Es ist ein Verbrechen. Seit Henry Kissinger und Brzezinski regierten, wurde alles systematisch kaputtgemacht, angefangen mit der Aufhebung des Währungssystems der festen Wechselkurse 1971-72. Und alle Teile der Wirtschaft, die unser Land oder andere Länder wirtschaftlich unabhängig machten, wurden einer nach dem andern zerstört. Durch "Umweltschutz", durch Globalisierung, durch Methoden, wie ich sie gerade beschrieben habe.
Vom freien Unternehmertum als Kernstück der Beschäftigung und Produktion in der Volkswirtschaft der USA oder anderer Länder kann heute keine Rede mehr sein. Es gibt nur noch Großkonzerne. Das sind keine Produzenten, das sind Sklavenhalter. Hinter ihnen stehen internationale Geldinteressen, die in den USA nichts zu suchen haben. Die meisten dieser Riesen fühlen sich keinem Land und keiner Regierung verpflichtet, auch nicht den Vereinigten Staaten. Wir sind globalisiert. Alles ist international. Es ist praktisch eine Art Weltregierung unter der Knute dieser bankrotten Geldinstitute.
Diese Kreise wollen alle souveränen Staaten abschaffen, den produktiven Teil der Volkswirtschaften als Machtfaktor auszuschalten, alles globalisieren und eine Weltwirtschaft aufbauen, in der internationaler Geldreichtum die oberste Macht auf der Welt ist. Beispielhaft ist die Mentalität von Leuten wie Felix Rohatyn, die einer internationalen Kabale angehören, derselben Kabale, die uns schon in den 20er und 30er Jahren in kleinerem Maßstab den Faschismus bescherte: der Synarchistischen Internationale.
1922 kam der Faschismus in Italien. Dann kam in Deutschland Hitler dran dank der Unterstützung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und Hjalmar Schachts. Wer stand hinter Schacht? Der Chef der Bank von England, Montagu Norman. Und wer half ihm noch? Der Großvater des heutigen amerikanischen Präsidenten, der der bankrotten Nazi-Partei gerade noch rechtzeitig Geld überwies, damit Hitler zum Reichskanzler ernannt werden konnte.
Die gleichen internationalen Finanzinteressen steuern inzwischen in viel größerer, aufgeblähter Form auf eine Weltregierung hin. Wie kam es dazu?
Die Vereinigten Staaten kamen bekanntlich aus der Depression als die größte Wirtschaftsmacht heraus, die die Welt je gesehen hat. Schon bevor wir 1941-42 in den Krieg eintraten, waren wir die stärkste Volkswirtschaft der Welt. Nicht der Krieg hat uns stark gemacht, sondern wir waren stark genug, den Krieg zu führen. Wo andere Länder ein paar hundert Kilo Material pro Soldat hatten, hatten wir Tonnen! Es war die größte logistische Macht, die die Welt je gesehen hat. Und wir haben die Welt gerettet - dank Franklin Roosevelt, der wußte, was er tat.
Dann starb Roosevelt, und es kam Harry Truman. Harry Truman war kein Mann mit eigenen Ideen. Er arbeitete für die Leute, die die Befehle gaben, darunter auch die Leute hinter Winston Churchill. Wir waren auf dem Weg in den dritten Weltkrieg, bevor der zweite überhaupt zuende war. Winston Churchill etwa wollte einen Krieg gegen die Sowjetunion, während wir noch gegen Hitler kämpften. Als Roosevelt starb, setzte er das dann ziemlich erfolgreich durch.
Wir hatten drei Atombomben, eine für Testzwecke und zwei Prototypen. Der eine war eine Uranbombe, der andere eine Plutoniumbombe. Ursprünglich war die Absicht, eine davon auf Berlin abzuwerfen, aber bevor wir so weit waren, hatte Deutschland schon kapituliert. Wir zerstörten aber, unter britischer Anleitung, viele unschuldige Städte, die keine militärischen Ziele waren, nur um zu beweisen, wie bösartig wir sein konnten. Als dann Truman Präsident wurde, erzählte man ihm von den Atombomben, und auf Anweisung der Briten warfen wir sie auf zivile Ziele, auf Hiroshima und Nagasaki ab. Wir setzten sie ein, weil wir sie hatten und weil wir den atomaren Dritten Weltkrieg anfangen wollten.
Doch Ende der 40er Jahr entwickelten die Sowjets auch Kernwaffen, und sie waren beim Bau einer einsatzfähigen Wasserstoffbombe sogar überlegen. Deshalb wechselte Amerika zu einer anderen Politik.
Es war alles Absicht. Es war eine Wende nach rechts. Die Ermittlungen gegen die Geldgeber der Nazis, die Nazibanker, wurden eingestellt. Allen Dulles, der CIA-Chef wurde, holte den harten Kern des Nazisystems in den Sicherheitsapparat der Alliierten, u.a. in die CIA. Darum geht es bei dem Folterskandal. Die USA und die Briten haben die Foltermechanismen der Nazis vereinnahmt...
Die Vereinigten Staaten als Nation sollten dabei beseitigt werden. Denn solange sie in der verfassungsmäßigen Form, für die Roosevelt stand, existierten, konnte der Faschismus nicht zurückkommen. Das Finanzkapital konnte nicht das Raubtier werden, das die ganze Welt auffrißt. Deshalb wollte man den Amerikanern Franklin Roosevelt austreiben. Das Amerikanische System der agro-industriellen Volkswirtschaft sollte zerstört werden.
Als Präsident Kennedy ermordet wurde, lief dieses Programm mit voller Stärke an, obwohl Eisenhower noch davor gewarnt hatte. So war Amerika seit der Zeit, als es den Vietnamkrieg anfing, auf dem Weg in die Selbstzerstörung...
Schauen Sie sich die Folgen an! Schauen wir uns den Lebensstandard der ärmeren 80% der amerikanischen Familien an: Er ist seit 1977 ständig gesunken. Schauen Sie sich die Entwicklung in den einzelnen Bundesstaaten an: Michigan, Ohio, das westliche Pennsylvania. Die frühere Industriegürtel im Norden, der Getreidegürtel: Alles ist weg...
Mit dem Konzil von Florenz im 15. Jh. kam die Geburt des modernen Nationalstaats. Aber dann wurde versucht, das ab 1492 durch Religionskriege wieder kaputtzumachen, das ging so bis zum Westfälischen Frieden 1648. Und gerade als man gedacht hatte, man hätte sich wieder erholt, kam etwas Neues, das britische Empire, das fing praktisch 1763 an. Seit der Zeit bis heute beherrschte dieses Empire - man kann es auch das anglo-holländische liberale System nennen oder die Venezianische Partei - die ganze Welt, mit Ausnahme einer kleinen Republik, aus der ein Riese wurde, den Vereinigten Staaten.
Das Gute auf diesem Planeten ging seitdem im wesentlichen immer von den USA aus. Ein Beispiel. Nachdem wir die Sklaverei besiegt hatten - die Sklaverei hatten uns die Briten eingebrockt, sie wollten, daß wir daran zugrunde gehen, von den 20er Jahren des 19. Jhs. bis zum Bürgerkrieg - , nachdem wir diese besiegt hatten, wechselten wir vom Freihandel wieder zurück zum Protektionismus, zum Amerikanischen System, und wurden eine Großmacht. Spätestens als 1876 die Jahrhundertfeier in Philadelphia stattfand, waren wir als Großmacht anerkannt. Und 1877-78 übernahm Bismarck-Deutschland das Amerikanische System als Modell eines Industriestaats, eingeschlossen das soziale Netz, das bis heute gehalten hat und heute wieder zerstört werden soll.
Oder Rußland. Der große Wissenschaftler Mendelejew war in Philadelphia und wandte sich hinterher an Zar Alexander III., und es begann die große Industrialisierung des Landesinnern Rußlands, u.a. mit der Transsibirischen Eisenbahn. Japan wurde ab 1877 von den USA ausgehend zur Industrienation entwickelt und kam auf den Weg, die Macht zu werden, die es heute ist. Ähnlich ging es später mit China im Ringen um das Neue China unter Sun Yat-sen.
Ab 1888-90 setzte das Empire auf Krieg. Bismarck wurde gestürzt, und das öffnete dem Krieg die Tore. Auch der französische Präsident (S. Carnot) wurde deswegen ermordet...
Immer wieder wollte man die USA zerstören. Nicht weil wir so gut waren. Wir waren niemals so gut. Wir hatten einige ziemlich schlechte Präsidenten, und es gab üble Leute und Machenschaften. Aber das Wesen unserer Nation, der Grundgedanke unserer Nation als Staat stammt aus dem besten Denken der europäischen Zivilisation. Menschen aus Europa haben die Vereinigten Staaten aufgebaut, weil sie ein Bollwerk und Vorbild haben wollten, damit sie selbst auch Freiheit bekämen.
Und die Vertreter der Vorstellung vom Finanzimperium oder der weltweiten Dienstleistungsgesellschaft - was dasselbe ist wie Sklaverei - waren und sind fest entschlossen, diese Vereinigten Staaten zu zerstören. Als sie es nicht mit einem direkten Angriff von außen schafften, versuchten sie es durch Unterwandern im Innern. Wenn die Vereinigten Staaten kaputtgemacht werden, dann von innen und nicht durch äußere Feinde. Uns könnte kein äußerer Feind schlagen, wenn wir uns nicht vorher selbst von innen zerstört haben. Das muß man verstehen.
Aus dem Gesagten ergibt sich für uns eine Aufgabe. Wir haben eine Mission in der Geschichte, die noch weit vor das 18. Jh. und den Beginn unseres Freiheitskampfes 1763 zurückgeht. Unsere Aufgabe ist, auf der Erde eine Gesellschaft souveräner Nationalstaaten aufzubauen, die für die kommenden Generationen der Menschheit eine dauerhafte Lebensform darstellt.
Wir haben nun den Punkt erreicht, an dem die mächtigen Finanzkreise, die diese jüngste Katastrophe über uns gebracht haben und die auch hinter unserem armen närrischen Präsidenten und diesem armen, deprimierten, moralisch verkommenen Kriminellen Cheney stehen, als Werkzeug gegen uns eingesetzt werden. Die Frage ist, was wir dagegen tun. Es gibt inzwischen gute Anzeichen dafür, daß unsere Institutionen noch funktionieren. Der Kongreß, der Senat hat bewiesen, daß er noch richtig arbeitet. Trotz aller Unvollkommenheiten funktioniert unser Staatswesen noch...
Wir haben einen Sieg errungen. In gewissem Sinn haben wir unser Land zurückerobert. Die Demokratische Partei hatte sich in eine Anti-Roosevelt-Partei verwandelt, aber seit dem Sommer letzten Jahres richtet sie sich wieder am Erbe Roosevelts aus. Die Haltung ist: "Wir können das wieder so machen." Es ist nicht vollkommen, aber der Senat hat bewiesen - und andere Stellen reagieren darauf - , daß es in diesem Land immer noch das Potential gibt, es wieder zu dem zu machen, was es eigentlich verkörpert. Es geschieht viel Gutes, z.B. daß jetzt einige vor dem Gang ins Gefängnis stehen.
Aber darüber hinaus haben wir es mit einem umfassenderen Problem zu tun. Wir als USA können nicht isoliert in einer Welt leben, die zusammenbricht. Deshalb müssen wir darüber nachdenken, was für eine Weltordnung notwendig ist: nicht damit wir es der Welt aufzwingen, so wie George Bush der Welt seine Vorstellung von Demokratie aufzwingen will, sondern weil andere Nationen - die in vielem mit uns übereinstimmen mögen oder nicht - oft wissen, daß es klug wäre, gemeinsam mit uns am Aufbau dieses Weltsystems zu arbeiten.
Wenn wir über ein Weltsystem sprechen, meinen wir in erster Linie den amerikanischen Kontinent und Europa. Die Länder in Mittel- und Südamerika haben sich aus verschiedenen Gründen seit Lincolns Sieg (im amerikanischen Bürgerkrieg) zunehmend am nordamerikanischen System ausgerichtet. Wenn wir es richtig machen, wird es uns nicht schwerfallen, mit jemandem wie dem argentinischen Präsidenten Kirchner oder anderen eine gemeinsame Politik zu finden und das System der souveränen Staaten Amerikas zu erneuern...
In Europa ist die Lage etwas komplizierter, vor allem weil die Briten dort sitzen und weil die Franzosen so oft von ihnen vereinnahmt wurden, vor allem seit der Französischen Revolution und Napoleon Bonaparte. Daher war seit dem Bürgerkrieg und der Hundertjahrfeier unserer Unabhängigkeitserklärung 1876 meistens Deutschland der wichtigste Bezugspunkt für die amerikanische Außenpolitik außerhalb unseres Kontinents und ist es auch jetzt.
Ein Beispiel ist, wie Bismarck das System der Industrialisierung Amerikas übernahm und Deutschland dadurch völlig verwandelt wurde, mit Industrialisierung und Protektionismus und sozialem Netz. Die Politik der USA etwa bis zur Jahrhundertwende, solange Bismarck im Amt war und auch noch länger, setzte auf Frieden zwischen Deutschland und Rußland. Dahinter steckte die Sorge, daß Englands Strategie war, einen Krieg zwischen Deutschland und Rußland vom Zaun zu brechen und dafür die Habsburger in Frankreich zu benutzen. So wollte es Europa zerstören, indem es einen Teil gegen den anderen ausspielt.
Seit etwa der Zeit von John Quincy Adams war Amerikas Politik, einen Krieg zwischen Rußland und Deutschland zu verhindern und Frankreich - das Frankreich Lafayettes - zu einer Zusammenarbeit mit Deutschland zu bewegen. Diese Achse Rußland-Frankreich-Deutschland sollte eine starke Macht gegen England sein und sich am Vorbild des Amerikanischen Systems orientieren. Rußland übernahm Ende des 19. Jhs. unter Alexander III. das Amerikanische System. Wir hatten Freunde in Rußland, in Deutschland, potentiell in Frankreich, wenn man Napoleons Erbe abschütteln konnte.
So versuchte auch de Gaulle mit seinem Abkommen mit Adenauer eine Partnerschaft mit Deutschland auf gleichberechtigter Grundlage zu schaffen, eine Partnerschaft zwischen West- und Osteuropa auf der Grundlage russisch-deutscher friedlicher Zusammenarbeit.
Heute hat die Aufgabe einen viel größeren Maßstab. Da ist Eurasien und Afrika. Die Länder Eurasiens - China, Indien, andere - stehen an der Schwelle zu neuzeitlichen Verhältnissen, aber noch nicht wirklich. China wird die USA nicht verdrängen, Indien ebensowenig. 70 Prozent der Bevölkerung in Indien lebt in verzweifelten Verhältnissen, die sich in vieler Hinsicht sogar noch weiter verschlechtern. Deshalb kann man die indische Wirtschaft nicht als Erfolgsmodell verkaufen, denn sie beruht darauf, ihre Waren zu Preisen zu verkaufen, die das Land zwingen, 70 Prozent seiner Bevölkerung in sklavenähnlichem Zustand zu halten. So sieht keine wachsende Großmacht aus. Bei der letzten Parlamentswahl in Indien hat Ministerpräsident Vajpayee, der ein fähiger Regierungschef war, die Wiederwahl nicht geschafft, weil die Armen dagegen protestierten, daß seine Partei das Gemeinwohl der ärmeren 70 Prozent der Inder völlig außer acht ließ.
In China ist die Lage anders, aber vergleichbar. China hängt bei seinen Exporten vom Einsatz von Billiglohnarbeitern ab. Eigentlich sind die Arbeitskosten in China nicht geringer als bei uns, der Unterschied ist nur, daß wir in den USA ein soziales Netz haben. Wir zahlen Renten. Wir erhalten soziale Strukturen für die ganze Bevölkerung. China hat das auch vor, aber China kann die eigene arme Bevölkerung im Landesinneren nicht entwickeln, ohne die Preise stark zu erhöhen. Und was wird aus China, wenn der amerikanische Markt zusammenbricht? Es gerät selbst in eine Zusammenbruchsspirale. Was wird aus Europa? Was wird aus Indien, wenn Europa und die USA zusammenbrechen?
Wir sehen eine Welt, die in großer Gefahr steckt, und schuld daran ist der Freihandel. Man wird auf der Erde keinen sicheren Ort finden, solange man am Freihandel und der Globalisierung festhält. Wir brauchen ein protektionistisches System nach amerikanischem Vorbild, in dem es Handelsschranken gibt...
Allgemein fließt in einer modernen Volkswirtschaft die Hälfte aller Investitionen in die Infrastruktur. Diese Investitionen haben eine Lebensdauer von 25-50 Jahren. Hier geht es um Investitionen etwa in Dämme, Kraftwerke, Wasserwirtschaft, Massenverkehr. Hochgeschwindigkeits-Massenverkehr statt dieser Unmenge von Lastwagen, die die Autobahnen verstopfen und in Stoßzeiten regelmäßig in Parkplätze verwandeln. Und es geht um Kraftwerke, die Energie in der von uns benötigten Energiedichte erzeugen. Wir müssen unsere Umwelt erhalten, unsere Wälder, die produktive biologische Struktur unserer Nation. Das kostet Geld und Zeit, und wir müssen diese Kosten als einen Teil der Produktionskosten betrachten.
Auch die Renten sind Teil der Produktionskosten. Die Altersvorsorge gehört zu den Produktionskosten, weil die Alten, genau wie die Kinder, Teil des Systems sind. Sie arbeiten vielleicht nicht. Sie haben vielleicht keinen Arbeitsplatz, aber sie sind ein wesentlicher Teil des Systems, und man muß das ganze System bezahlen. Das haben wir in Amerika seit der Depression und den Erfahrungen des Erfolges unter Roosevelt besser verstanden. Die Welt braucht ein Franklin-Roosevelt-System...
Wir sprechen hier von langfristigen Investitionen über einen Zeitraum von 10-25 Jahren. Eine gute Werkzeugmaschine hält sehr lange, sie läßt sich an viele Neuerungen anpassen. Aber es ist eine notwendige Investition, die erhalten werden muß.
Das alles macht ein System fester Wechselkurse notwendig. Man muß den Wert der Währungen untereinander festschreiben, damit Preise, Welchselkurse und Investitionskosten nicht ständig schwanken. Auf diese Weise kann man dauerhafte Vereinbarungen treffen.
Woher bekommen wir das Geld zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft? Die Banken sind ja bankrott! Es gibt kein Bankensystem, das das Finanzkapital für einen Aufschwung liefern könnte. Woher kommt das Geld dann? Von Kreditschöpfung der Regierungen - in einem regulierten System! Die Regierungen stellen langfristige Kredite zu festen Kosten für Investitionen in die Infrastruktur, für Kapitalgüterinvestitionen in nützliche Industrie und Landwirtschaft bereit.
Diese Kredite mit langfristigen Zinsen zwischen 1-2 Prozent werden über ein Nationalbanksystem vergeben werden, in das auch Privatbanken unter Aufsicht und Koordination der Regierung eingebunden sind. So schöpfen wir Kredit, wie während des Zweiten Weltkriegs, für Ziele, die im nationalen Interesse liegen.
Als erstes muß man versuchen, den Anteil der in der Produktion Beschäftigten zu erhöhen, bis man über die Gewinnschwelle kommt. Dann hat man schon eine Menge erreicht.
Wenn man das geschafft hat, sorgt man für technischen Fortschritt, der die Arbeitsproduktivkraft erhöht. So erhält man wirkliches Wachstum. Und der kommenden Generation wird es dann besser gehen als der gegenwärtigen. Das ist das Amerikanische System in Vollendung.
Die notwendige Grundlage dafür wurde am Ende des Krieges geschaffen, mit Franklin Roosevelts Bretton-Woods-System. Die Freunde von Henry Kissinger und Shultz haben das dann 1971-72 unter Nixon zerstört. Der Vietnamkrieg hatte schon vorher zur dieser Zerstörung beigetragen. Wir richteten statt dessen ein System frei schwankender Wechselkurse ein und zerstörten damit die Weltwirtschaft. Es gab kein stabiles Kreditsystem mehr, das Kredite mit langen Laufzeiten absicherte, mit dem man die Entwicklung von Volkswirtschaften im großen Stil hätte erreichen können.
Deshalb müssen wir wieder ein solches System einrichten. Aber diesmal muß es nicht nur den amerikanischen Kontinent und Europa, sondern auch Asien einschließen. Und wenn wir das tun, haben wir auch die Mittel, den großen Schandfleck auf unserem Gewissen zu beseitigen: nämlich dem, was Henry Kissinger Afrika angetan hat.
Afrika wird viel Hilfe aus diesen Ländern brauchen - weniger in Form von Krediten, sondern in Form von Infrastruktur. Denn was wir Afrika südlich der Sahara angetan haben, ist ein Verbrechen, das alle Vorstellungen übersteigt. Es kann sich nicht aus eigener Kraft erholen...
Wenn wir in den USA überlegen, vor welchen Aufgaben der Senat steht, müssen wir nach vorne blicken. Wir befinden uns in einem Krieg, und der Feind sind die Finanzinstitutionen, die unsere Menschen verdorben und uns als Nation fast zugrunde gerichtet haben. Wir müssen das zerstörte System wieder herstellen und die Nation wieder aufbauen. Wir müssen darüber nachdenken, die Welt wieder aufzubauen - entlang der Überlegungen, die ich angegeben habe...
Wir müssen ein Weltsystem auf der Grundlage der Zusammenarbeit souveräner Staaten aufbauen... Wir brauchen auf der Erde ein System, das die Beziehungen zwischen den Staaten in den kommenden 50-100 Jahren regeln wird. Wir brauchen ein System der Zusammenarbeit. Wir brauchen klare Visionen, wohin wir gehen wollen. Wir brauchen ein Wertesystem und wir brauchen eine Orientierung für unsere Kinder, vor allem für unsere Jugendlichen, die noch 50 Jahre Arbeit und Einfluß vor sich haben. Ohne sie haben wir keine Zukunft. Deshalb ist ihr Schicksal in den kommenden 50 Jahren für uns entscheidend. Wir werden sterben, aber ob unser Leben einen Sinn hatte, wird davon abhängen, was in 50 Jahren den jungen Menschen widerfährt, davon, was für eine Welt wir für sie schaffen.
Das ist Strategie. Nicht für den Krieg, sondern für den Frieden - für den Aufbau eines Systems, das so gut ist, daß die Menschen es nicht verletzen wollen und deshalb Frieden herrscht.
|
|
| Kernthemen | Suchen | Abonnieren | Leserforum |