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Aus der Neuen Solidarität Nr. 49/2005

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Rosa Parks: Ohne Mut und Inspiration sterben die Träume von Freiheit und Frieden!
Die Fehler der Globalisierung

Rosa Parks: Ohne Mut und Inspiration sterben die Träume von Freiheit und Frieden!

Washington, was es noch nie gab: Bisher wurden im Kapitol die Präsidenten aufgebahrt, jetzt wurde einer schwarzen Bürgerin, Rosa Parks, diese hohe Ehre erwiesen, die, 92 Jahre alt, am 24. Oktober 2005 verstarb. Mit dieser noblen Ehrung dankte das demokratische Amerika dieser großen Bürgerin, gerühmt als Mutter der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

Wer ist diese Frau, deren Tod so beklagt wird, die das Gesicht Amerikas verändert hat? Sie ist eine Näherin, scheu, höflich, fromm, sie lebte damals in Montgomery, der Hauptstadt von Alabama, im Süden der USA - einem Brennpunkt des Rassenhasses. Die Schwarzen, als Nigger beschimpft, waren Menschen zweiter Klasse, überall gedemütigt, ins Gefängnis geworfen, in Kinos, Restaurants, Schulen und Bussen strikt getrennt von den Weißen, als ob sie unrein wären.

1. Dezember 1955, fast ein Alltagsgeschehen: Rosa Parks setzt sich, von langer Arbeit als Näherin im Kaufhaus erschöpft, auf einen Sitz in der Mitte. An der nächsten Station betritt ein Weißer den Bus. Die vorderen vier Reihen für Weiße sind besetzt. Rosa weigert sich, ihren Platz zu räumen. "Wenn Sie nicht aufstehen, muß ich die Polizei rufen und Sie verhaften lassen", droht der weiße Fahrer James Blake. Das ist die historische Situation. Rosa Parks entgegnet ruhig: "Das können Sie tun!"

Unvergeßlich dieser Mut der tapferen Frau, als ob Kleio, die Muse der Geschichte es ihr eingeflößt hatte: Dieser Akt zivilen Ungehorsams gegen ein ungerechtes Gesetz schrieb amerikanische Geschichte! Rosa Parks wurde 1996 mit der höchsten zivilen Auszeichnung der Nation, der Medal of Freedom, geehrt, Schulen und Plätze erhielten ihren Namen.

Die Folgen? Noch im Bus wird sie von der weißen Polizei verhaftet. Sie erhält eine Strafanzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses, wird fünf Tage ins Gefängnis gesperrt, vor Gericht zu 14 Dollar Strafe verurteilt, am Telefon oftmals bedroht und verliert ihren Arbeitsplatz. Ihr Mann muß kündigen, er erleidet einen Nervenzusammenbruch, beide flüchten nach Detroit.

Gibt es eine historische Gerechtigkeit? Wie ein Lauffeuer, ja wie ein Präriebrand verbreitet sich die Nachricht von Rosas Schicksal. Viele erleben, wie grausam, wie demütigend die Auswirkungen der Rassendiskriminierung sind. Die Wut der Schwarzen explodiert.

In dieser akuten Gefahr des Bürgerkriegs betritt ein bisher kaum bekannter Pfarrer - diesen rechten Augenblick nennen die Griechen kairós - , Martin Luther King, die historische Bühne, ein Verehrer des Reformators Martin Luther. Sein Vorbild ist Mahatma Gandhi. Zudem ist King ein begnadeter Redner. Er ruft seine Schwestern und Brüder auf zu friedlichem, gewaltlosem Widerstand. Er wird zum Führer der schwarzen Widerstandsbewegung, zum großen, berühmten Anführer der Bürgerrechtsbewegung in den USA: gerade heute ein leuchtendes Vorbild für die Welt!

In Montgomery wird ein Boykott der Busse beschlossen. Er dauert 381 Tage. Die Schwarzen gehen, fahren Rad, organisieren Mitfahrgelegenheiten - die Omnibusgesellschaft geht Bankrott! Am 13. November 1956 macht das Oberste Bundesgericht der USA der unsäglichen Rassentrennung ein Ende. Enttäuscht, in ohnmächtiger Wut, schießen weiße Rassisten als Heckenschützen in Busse, die vorwiegend von Schwarzen besetzt sind. Sie schießen in Kirchen, wo Schwarze beten, entzünden Bomben in M.L. Kings Haus und in Gotteshäusern. Auch das Verbrechen läuft sich tot.

Auf dem friedlichen Marsch nach Washington, am 26. August 1963, steht Martin Luther King an der Spitze des Zuges mit 250 000 Teilnehmern. Er hält seine berühmte Rede: "Ich habe einen Traum, daß eines Tages die Söhne der früheren Sklavenhalter gemeinsam mit uns am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können. Ich habe einen Traum..."

Auch wir BürgerInnen in Deutschland haben einen Traum, daß die von uns gewählten Abgeordneten entscheiden - ihrem Amtseid gemäß und dem allgemeinen Wohl verpflichtet - und nicht der Raubtierkapitalismus, nicht die neoliberale Denkfabrik der Bertelsmann-Stiftung - sie haben keine demokratische Legitimation - , daß im Staat nicht das sogenannte "Naturrecht des Stärkeren" herrscht, sondern Recht, Gesetz und Gerechtigkeit, wie Sokrates in Platons Dialog Gorgias fordert: ein Gebot gerade heute!

Was sagt doch A. Augustinus: "Ein Staat ohne Gerechtigkeit ist nichts anderes als eine große Räuberbande!"

Eugen E. Ungerer, 70374 Stuttgart


Die Fehler der Globalisierung

Die Globalisierung ohne Grenzen, wie sie von unseren Politikern heute leider für richtig gehalten wird, hat zu einer Orgie des Kapitals und zur Verarmung großer Bevölkerungsteile in den Industrienationen geführt. Deutschland ist wegen seiner zusätzlichen Belastung aus der Einheit noch stärker belastet. Zusätzlich führen Fehler bei der Erweiterung Europas zu großen Kaufkraftverlusten der Arbeiter in den Industrienationen. Der Wegfall von Arbeitsplätzen in Deutschland und das umfangreiche Lohndumping bedingt den enormen Kaufkraftverlust. Die Renten sollen nur noch erhöht werden, wenn die Löhne im Mittel über 1,5 % steigen. Da die Löhne infolge des immer weiter fortschreitenden Lohndumpings eher sinken werden, ist damit zu rechnen, daß die Renten eher sinken werden.

Das alles soll nun in der nächsten Legislaturperiode zur Belebung der Binnenwirtschaft führen. Früher hat Gott den Leuten, denen er ein Amt gegeben hat, auch den Geist gegeben, dieses zu verwalten. Offenbar haben unsere Politiker keine guten Beziehungen zum lieben Gott. Wenn Arbeiter, die mindestens 12 Euro pro Stunde netto verdienen müssen, um eine Familie zu ernähren, konkurrieren müssen gegen Arbeiter, die für 1/5 bis 1/30 dieses Betrages arbeiten, kann das für die 12-Euro-Verdiener nur in eine Katastrophe führen. Auf dem Wege befinden wir uns. Die Mittel- und Kleinbetriebe, die mit ihrer Produktion nicht in Billiglohnländer ausweichen können werden zum Lohndumping getrieben oder in den Konkurs. Die reine Marktwirtschaft ist menschenfeindlich.

Den Arbeitenden Lohnzuschüsse zu zahlen, damit diese ihre Familien ernähren können, ist auch keine soziale Marktwirtschaft. Die Globalisierung muß so gesteuert werden, daß die arbeitende Bevölkerung in den Industrienationen nicht verarmt, wie das heute schon der Fall ist. Deutschland ist Weltmeister im Export, aber die Wertschöpfung dafür geschieht in Billiglohnländern.

Ohne Zölle, die die Wirtschaft in den Industrienationen schützen, führt die Globalisierung die Arbeiter in den Industrienationen ins Elend. Eine Globalisierung ohne Zölle ist nur möglich zwischen Ländern mit vergleichbaren Lebensverhältnissen.

Die Voraussetzung für eine Globalisierung ist eine Weltgewerkschaft. Zur Zeit wirtschaftet das Kapital weltweit nur zum eigenen Nutzen. Das Kapital ist zwar wichtig, kann aber letzten Endes nur Mittel zum Zweck sein. Der eigentliche Zweck der Wirtschaft kann doch nur die möglichst ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit den erforderlichen und wünschenswerten Mitteln zum Leben sein.

Der Sozialismus war und ist schlecht für die Bevölkerung, aber die heutige Globalisierung ist schlechter. Unsere Politiker werden zwar vom Volke gewählt und versprechen ja auch, diesem zu dienen, aber in Wirklichkeit dienen sie doch eher den Mächtigen der Wirtschaft. Ich bin zwar nur der sprichwörtliche Frosch, der gegen den Eichbaum springt. Aber ich will versuchen, so viele Frösche wie möglich zum Mitspringen anzuregen, daß der Eichbaum zumindest kräftig zum Schwanken kommt. Wer mir schlüssig beweisen kann, daß ich unrecht habe, den bitte ich, das zu tun.

Hermann Schulze Dipl.Ing., 29379 Knesebeck

 

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