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Aus der Neuen Solidarität Nr. 17/2005

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Notstandsplan für Aufschwung: Wiederaufbau der Wirtschaft

Wie man einen weltweiten Aufschwung finanziert

Von Lyndon LaRouche

Anfang April veröffentlichte Lyndon LaRouche einen Aufsatz zur internationalen Krise, dessen Schlußteil wir im folgenden abdrucken. Im ersten Teil seiner Ausführungen kritisiert LaRouche vor allem die Haltung vieler, die existentielle Krise des Finanz- und Währungsystems nicht zur Kenntnis zu nehmen.


Die neue Rolle des US-Dollar

Eine finanzielle Erholung aus dem gegenwärtigen Zustand - praktisch dem Bankrott des weltweiten Währungs- und Finanzsystems - wird in zwei sich überschneidenden Phasen erfolgen. Gewisse begrenzte Überbrückungsmaßnahmen muß man noch innerhalb der Grenzen des gegenwärtigen Währungs- und Finanzsystems ergreifen; das unterscheidet sie von einem umfassenderen Vorgehen, für das es erforderlich ist, das vorhandene System insgesamt einem Konkursverfahren zu unterziehen und unter Konkursverwaltung zu stellen.

Nehmen wir den akuten Fall, um den es kurzfristig geht: Den laufenden Zusammenbruchs einer Unternehmensgruppe, die man als "General-Motors-Komplex" bezeichnen kann. Wir dürfen nicht leichtfertig zulassen, daß diese wertvolle produktive Kapazität beseitigt wird. Deshalb müssen wir eine "Decke" schaffen, unter der dieser Komplex der Konkursverwaltung einer von der amerikanischen Bundesregierung eingerichteten Behörde unterstellt wird, um sicherzustellen, daß lebenswichtige Produktionsstätten und ihre Mitarbeiter als produktive Kapazität erhalten werden.

In diesem Fall wird die Absicht darin bestehen, bestimmte neue Projekte in Angriff zu nehmen - etwa im Bereich der lebenswichtigen Infrastrukturbedürfnisse der Nation. Darin werden diejenigen Teile des vorhandenen Produktionspotentials eingesetzt, die man nicht für die laufenden Produktlinien des Gesamtkomplexes braucht. Eine vorgeschlagene Alternative zu diesem Zweck wäre ein landesweites Programm etwa zur Verlagerung des Personen- und Gütertransports von der Straße auf die Schiene und ähnliche Verkehrsmittel. Ich wähle dieses Beispiel, weil es eine mögliche Option für baldiges Handeln ist. GM vereint mehrere Schlüsselelemente einer Vielfalt von Möglichkeiten, den nationalen Güterausstoß allmählich zu erhöhen, bis die Volkswirtschaft in ihrer Leistungsbilanz wieder positiv wird.

Besonders reizvoll an dieser Option ist, daß man dabei erstklassiges, lebenswichtiges Hochtechnologiepotential als Speerspitze eines Wachstumsprogramms einsetzt: Man beschäftigt einen für das Land lebenswichtigen Teil der Arbeitskraft - hochqualifizierte Leute aus dem Maschinen- und Anlagenbau - in einem Programm, das Beschäftigungsmöglichkeiten für eine weit höhere Zahl qualifizierter sowie an- und ungelernter Arbeitskräfte schafft - und zwar in denselben Bereichen, in denen diese hochqualifizierten Kräfte tätig sind. Mit derartigen Programmen setzen wir Zukunftstechnik am Beginn eines Produktionsprogramms und dann abgestuft an weiteren Stellen des Produktionsablaufes ein, bis das beabsichtigte Endprodukt erreicht ist. Dies erleichtert die stetige Einführung verbesserter Technik im Ablauf des Produktionsprozesses.

Diese Option hat auch nützliche Multiplikatoreffekte für Zulieferer und andere, deren wirtschaftliche Aktivitäten sich mit der Hauptachse des Produktionsverlaufes überschneiden. Die bewußte Beschleunigung technischer Verbesserungen im Verlauf des Produktionsprozesses sorgt für eine vorhersehbare hohe wirtschaftliche Leistungssteigerung, die notwendig ist, um das Vorhaben zu einer nationalen Aufgabe erster Wahl zu machen.

Man entscheidet sich bewußt für ein solches Pionierprojekt - wie man es braucht, um zu verhindern, daß aus der Krise um General Motors eine Katastrophe für die ganze Volkswirtschaft wird - , um damit ein Vorbild zu schaffen, nach dem man andere Programme entwirft, die maximalen Nutzen versprechen.

Parallel zu dieser Option für den Fall GM gibt es zahlreiche Fälle, in denen bereits im einzelnen durchgeplante Infrastrukturprojekte, z.B. für das Ingenieurkorps der US-Armee, dringend begonnen werden müssen.

Eines der wichtigsten Motive für solche Vorhaben - einmal abgesehen von dem Notfall GM - besteht darin, das Konzept hinter dem Programm für einen Wirtschaftsaufschwung allgemein ökonomisch glaubwürdig zu machen. Man kann es das Prinzip "rechtzeitig aufstehen" nennen: Wenn Hans morgens rechtzeitig aus dem Bett kommt, dürfen wir vermuten, daß es wahrscheinlicher ist, daß er an diesem Tag auch zur Arbeit erscheint. Wir als Volk, als Regierung, müssen uns selbst und andere davon überzeugen, daß wir ernsthaft einen allgemeinen Wirtschaftsaufschwung haben wollen, statt nur herumzusitzen und darüber zu jammern, daß wir vermeintlich nichts gegen den ständigen Aderlaß unter der Regierung Bush tun können. Für den Aufschwung werden wir riesige Mengen langfristigen Kredits brauchen, ein erheblicher Teil davon mit einer Laufzeit von einem Vierteljahrhundert oder länger. Wenn wir uns nicht selbst ganz sicher sind, daß wir diese Arbeit angehen und erfolgreich beenden wollen, wird unsere Fähigkeit, diesen dazu notwendigen Kredit zu schaffen, gegen Null fallen. Die Reise anzutreten, ist der erste wesentliche, politisch-psychologische Schritt, um unser Ziel zu erreichen.

Einiges, wie das eben skizierte, kann und muß sofort begonnen werden - selbst unter den gegenwärtigen internationalen Finanz- und Währungsverhältnissen. Aber um diese vorläufigen Schritte zu verwirklichen, müssen wir fest darauf vertrauen, daß wir auch zu einer grundlegenden Reform des nationalen und internationalen Systems entschlossen sind. Wir müssen jetzt handeln, um uns selbst davon zu überzeugen, daß wir auf lange Sicht Erfolg haben wollen - aber um Vertrauen in solche unmittelbaren Handlungen zu schaffen, müssen wir auch sicher sein, daß wir für die Reise zu unserem Ziel - eine oder mehr Generationen in der Zukunft - einen geeigneten langfristigen Plan haben.

Ob wir die notwendige große Menge an langfristigem Kredit für eine allgemeine Reorganisation und Gesundung der Weltwährungsordnung schaffen können, hängt davon ab, ob wir gewillt sind, die Ablösung des gegenwärtigen, inhärent bankrotten Währungssystems freier Wechselkurse durch ein System fester Wechselkurse durchzusetzen, das mit den wesentlichen Eigenschaften des ursprünglichen Bretton-Woods-Systems übereinstimmt.

Es gibt vier wesentliche Unterschiede zwischen damals und heute.

Erstens: Die USA können das neue System mit festen Wechselkursen nicht mehr in der Weise tragen, wie es der US-Dollar als Stütze des alten Bretton-Woods-Systems tat. Es muß ein Konsortium von Garanten des Systems geben.

Zweitens: Das Wachstum der Weltbevölkerung und andere qualitative Veränderungen - wie etwa eine neue Sicht der Herausforderung, genug Rohstoffe bereitzustellen - stellen uns vor Probleme, die es in dieser Form und in diesem Maße vor einem halben Jahrhundert nicht gab. Vor allem wegen der derzeitigen Spekulationsmanie bezüglich der künftigen Kontrolle über die wesentlichen Rohstoffvorkommen der Erde brauchen wir heute als Vorbedingung für eine stabile neue Weltwährungsordnung neue Regulierungsmaßnahmen, um die Rohstoffspekulation zu beenden.

Drittens: Das Verhältnis zwischen West- und Mitteleuropa einerseits und der eurasischen Gruppe um das Dreieck Rußland-China-Indien andererseits wird der entscheidende Faktor eines erfolgreichen neuen Weltwährungssystems werden. Diese Aussicht für ganz Eurasien ist jetzt der Dreh- und Angelpunkt, an dem sich eine vernünftige Gestaltung der Beziehungen innerhalb der Weltwirtschaft ausrichten muß. Als ein Nebeneffekt davon wird sich die Zusammensetzung des Welthandels nach und nach vom Schwerpunkt Fertigprodukte auf grenzüberschreitenden Handel mit Warenkomponenten verlagern.

Viertens: Der Handel zwischen Nationen wird praktisch auf grundlegenden, langfristigen Handelsabkommen zwischen Nationen mit einer Dauer von zwei Generationen beruhen. Eine der wichtigsten Erwägungen dafür, warum langfristige Handelsabkommen auf einem Zyklus von 50 Jahren beruhen sollten, wird die Notwendigkeit höherer Kapitalintensität sein, um ein sicheres ausreichendes Angebot für eine deutlich erhöhte Nachfrage nach Rohstoffen zu haben. Eine ähnliche Wirkung hat der steigende Anteil langfristiger Kapitalinvestitionen in Hochgeschwindigkeitsverkehr von Personen und Gütern zu Lande - nicht nur quer durch Kontinente, sondern auch über mehrere Kontinente hinweg, wie die Verbindung zwischen Asien und Nordamerika über die Beringstraße zeigt.

Die neue Rolle des US-Dollar

Betrachten wir nun die unverzichtbare künftige Rolle des US-Dollar im Rahmen dessen, was ich bisher beschrieben habe.

Das gegenwärtige Weltwährungs- und Finanzsystem beruht auf dem US-Dollar als Reservewährung. Jeder schnelle steile Fall des Dollars, ob spontan oder abgesprochen, führte unmittelbar zu einem kettenreaktionsartigen Absturz des ganzen Planeten in ein neues finsteres Zeitalter - vergleichbar Europas "kleinem dunklen Zeitalter" Mitte des 14. Jahrhunderts. Ein Ausweg aus der gegenwärtigen Weltlage - dem unmittelbar drohenden allgemeinen Zusammenbruch des gesamten Systems - ist nur möglich, wenn man den Wert des US-Dollar ungefähr auf dem gegenwärtigen Stand festschreibt und parallel dazu den Maßstab für Goldreserven in einem System fester Wechselkurse festlegt. Derzeit gibt es zu diesen Maßnahmen keine sinnvollen Alternativen.

Wenn man beispielsweise berücksichtigt, welche gewaltigen Summen an Dollarguthaben gegenwärtig in Nationen wie China, Japan, Korea u.a. gehalten werden, würde jeder verfrühte kettenreaktionsartige Einbruch des Dollar schon an sich - wie er unter den gegenwärtigen Verhältnissen unausweichlich scheint, wenn man ihn denn zuließe - alle Teile des Planeten in eine ausweglose Lage bringen.

Der einzige Weg, einen weltweiten Absturz in eine Art "neues finsteres Zeitalter" zu verhindern, ist die Schaffung eines neuen Weltwährungssystems mit festen Wechselkursen und Goldreservestandard, bei dem am Anfang der Preis praktisch aller wichtigen Währungen ungefähr auf dem gegenwärtigen Stand festgeschrieben ist. Dazu muß man im wesentlichen sofort dafür sorgen, daß alle kurz- bis mittelfristigen, rechtlich und moralisch gerechtfertigten Forderungen gegen den Dollar quasi automatisch in langfristige Forderungen gegen den Dollar umgewandelt werden; dieser Dollar dient dann in einem System mit festen Wechselkursen, und das auf Goldreservestandard gestützt ist, als Reservewährung. Dieses System wäre dem 1944-45 vereinbarten ursprünglichen festen Wechselkurssystem vergleichbar.

Deshalb muß die amerikanische Wirtschafts-, Finanz- und Währungspolitik jetzt geändert werden, damit sie den Anforderungen, dieses allgemeine Währungsabkommen abzustützen, gerecht wird. Jede vernünftige amerikanische Regierung würde dem bereitwillig zustimmen und erkennen, daß dies das einzig verfügbare Mittel ist, um zu verhindern, daß die Weltwirtschaft, einschließlich der US-Wirtschaft, in einen Abgrund der Verzweiflung stürzt.

Dies muß mit wirtschaftspolitischen Reformen innerhalb der USA und zwischen Nationen einhergehen, die geeignet sind, die Verpflichtungen, die diese veränderte Rolle des US-Dollar als weltweite Reservewährung mit sich bringt, zu erfüllen. Es bedeutet auch, daß die Handels- und Zollabkommen zwischen Nationen allgemein so abgeändert werden müssen, daß an die Stelle der jetzigen "globalisierten" oder "Freihandelsordnung" eine Ordnung des "fairem Handels" treten kann. Überlebenswillige Nationen werden diese Veränderung unterstützen, einfach weil ihr Überleben davon abhängt, daß man solche neuen Abkommen schließt und richtig umsetzt.

Diese Reformen werden dieses Weltsystem mit Reservewährung nur dann langfristig werthaltig machen, wenn die wichtigsten Länder der Erde untereinander entsprechende Handels- und ähnliche Kooperationsabkommen schließen. Die Grundlage dieser Abkommen muß die Absicht sein, über ein Viertel- bis halbes Jahrhundert hinweg eine weltweite Basis für die langfristige Bildung von Realkapital in der grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur zu schaffen. Etwas Neues, aber inzwischen Unverzichtbares, was hinzukommen muß, ist eine weltweite Entwicklungspolitik zur Gestaltung von Angebot und Preisen.

Ein Vorbild für solche sich ergänzenden finanziell-monetären und wirtschaftlichen Reformen entsteht mit der wachsenden langfristigen Mitarbeit der wichtigsten Industrieländer West- und Mitteleuropas an der langfristigen eurasischen Entwicklungsperspektive, die in der wachsenden Anbindung westeuropäischer Nationen an die Pläne um das Dreieck Rußland-Indien-China stillschweigend eingeschlossen ist. Dieselben Grundsätze müssen auf Afrika, insbesondere südlich der Sahara, auf die koordinierte Entwicklung auf dem gesamten amerikanischen Kontinent und auch anderswo angewandt werden. Indem sich solche langfristigen Entwicklungsabkommen häufen, entsteht die Grundlage dafür, die notwendige langfristige Werthaltigkeit des neu reformierten Systems abzusichern.

Ohne diese Notstandsmaßnahmen zur umgehenden Neuregelung der Weltordnung wird jedes Handeln, das auf einem anderen Ansatz beruht, unausweichlich zu einem langen neuen finsteren Zeitalter auf der ganzen Erde führen.

 

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