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Aus der Neuen Solidarität Nr. 37/2005

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"Sind die Vereinigten Staaten noch eine Nation?"

Von Lyndon LaRouche

Als nach der Katrina-Katastrophe in Washington noch ein politisches Vakuum herrschte, gab LaRouche die Marschrichtung an, indem er präzise darlegte, worin die Regierung Bush-Cheney versagte und was nun zu tun ist. Am 3. September veranstaltete LaRouche zu dem Thema eine Internet-Sonderkonferenz. LaRouches einführende Rede wurde leicht gekürzt.


Sind die USA noch eine Nation?
Eine Politik des Gemeinwohls

Ein Krieg gegen die Not

Die meisten Menschen verstehen die Natur der gegenwärtigen Lage nicht, weil sie sie nicht so betrachten, wie es ein amerikanischer Präsident in einer Zeit wie dieser tun sollte. Dies ist vor allem eine von Menschen verschuldete Krise, die zu einer ansonsten beherrschbaren, allerdings schweren Naturkatastrophe hinzukam. Diese von Menschen gemachte Katastrophe ist das Hauptproblem, vor dem wir stehen und mit dem wir fertig werden müssen. Es wäre anders, wenn die Regierung richtig reagiert hätte, als am 2. oder 3. August bekannt wurde, daß ein Hurrikan der Stärke 4-5 bevorstand, auf den das betroffene Gebiet nicht vorbereitet war. Das Gebiet wurde von einem Hurrikan heimgesucht, der mit Stärke 4 ankam und zeitweilig fast Stärke 5 erreichte, es war aber nicht einmal darauf vorbereitet, einem Hurrikan der Stärke 3 standzuhalten.

Sobald wir wußten, daß ein großer Hurrikan der Stärke 4 oder 5 auf die Südküste der Vereinigten Staaten zukommen würde, wußte jeder in Washington, der auf Draht war, daß ein großer Notstand bevorstand und sofort Notmaßnahmen ergriffen werden mußten für den Fall, daß uns ein solcher Hurrikan träfe. Das hätte bedeutet: Pläne und Vorbereitungen für Evakuierungen und andere Notmaßnahmen, um die Wirkung des Sturms abzumildern. Alles das hätte man tun sollen, aber es geschah nichts.

Deshalb gibt es statt vielleicht einigen Tausend Verletzten und wenigen Toten nun Tausende von Todesopfern, und durch Komplikationen kann die Zahl sogar auf Hunderttausend oder mehr Tote in diesem Gebiet steigen, wenn wir nicht richtig handeln. Denn wegen dieser Fahrlässigkeit besteht jetzt ein Potential für Krankheiten, die durch Wasser oder Insekten übertragen werden und die epidemisch werden können, darunter die sog. Vogelgrippe und ähnliches. Wir müssen etwas unternehmen, oder wir werden viele Menschen verlieren.

Vergleichen Sie damit, was beispielsweise am 11. September 2001 geschah: Die Wirkung dieser Katastrophe war weitgehend auf den Anfang, auf den ersten Tag begrenzt. Es gab Nachwirkungen, aber diese schwanden rasch, und die Wirkung war weitgehend auf den Zeitpunkt der Anschläge und die beiden Orte - in geringerem Maße Washington und in größerem Maße New York - beschränkt.

Das hier ist eine andere Lage: Wegen der Fahrlässigkeit, der mangelnden Vorbereitungen und zu langsamen Reaktion gibt es eine menschliche Katastrophe, die sich immer schneller ausweitet, seitdem uns der Hurrikan getroffen hat! Es wird jetzt ständig schlimmer. Das ist unser erstes Problem.

Sind die USA noch eine Nation?

Das andere ist: Es ist jetzt in Frage gestellt, ob die Vereinigten Staaten noch eine richtige Nation sind. Ob überhaupt noch jemand zuständig ist. Ob wir eine Nation bleiben werden oder ob aus der ehemaligen Supermacht nur noch ein abstoßender Witz wird. Das ist die Krise. Die Einzelheiten sind nicht entscheidend ... Wir haben bereits Leute, die die Lage verstehen. Sie sind bereit, zu handeln. Es sind Regierungsmitarbeiter, die wissen, was zu tun ist...

Wichtig ist: Wir brauchen ein zentralisiertes Herangehen von oben. Warum? Weil wir die Amerikaner und die anderen Nationen davon überzeugen müssen, daß diese Nation noch eine Großmacht ist, die ihrer Verantwortung nachkommen kann. Das Vertrauen in die Vereinigten Staaten und ihre Regierung ist jetzt das Wichtigste bei dieser menschlichen Katastrophe...

Deshalb müssen wir hier die Verantwortung der souveränen Regierung der USA, praktisch als Supermacht, erfüllen. Die Sache muß von oben in Ordnung gebracht werden!

Einige Angaben dazu:

Zunächst müssen wir alle Menschen schnell aus diesem Gebiet evakuieren und an sichere Orte bringen. Viele sind schon krank wegen der Umstände, denen sie ausgesetzt waren. Bei anderen hat sich der Gesundheitszustand wegen der fehlenden Behandlung verschlechtert. Wir müssen sie vor allem aus dem Gebiet von New Orleans herausbringen, denn das ist eines der Krankheitszentren. Seuchen können jeden Augenblick ausbrechen. Wir müssen die Menschen in eine sichere Umgebung bringen.

Diese Sportstadien und ähnliches sind ein völlig falscher Ort. Was man tun sollte: Es gibt in der Nähe mehrere Militärbasen. Wir müssen die Menschen schnell in diese Stützpunkte oder in improvisierte Einrichtungen ähnlicher Art bringen. Es gibt große Militärstützpunkte im Süden Mississippis. Sie sind langfristig nicht ideal, aber wir müssen die Menschen aus New Orleans und diesen Orten wegbringen.

Es gibt diese Militärstützpunkte. Bringen wir sie dorthin und kümmern wir uns um sie. Wir werden die Familien so weit als möglich zusammenlassen. Aber einige von diesen Leuten werden sehr krank sein und eine besondere Behandlung brauchen. Viele von ihnen wird man isolieren müssen, weil sie gefährliche ansteckende Krankheiten haben, die sie sich unter diesen Umständen zugezogen haben: Cholera, Vogelgrippe, durch Wasser und über Insekten übertragene Krankheiten. New Orleans ist jetzt ein Alptraum. Wir müssen sie aus den ansteckenden Gebieten herausholen. Wir werden sie aufteilen. Gute Triage, keine schlechte. Familien, in denen es Krankheiten gibt, bringen wir in Gebiete, wo sie eine angemessene medizinische und sonstige Behandlung erhalten. Und gleich danach kommt die übliche soziale Arbeit: Man stellt sicher, daß wir wissen, wer die Menschen sind, wo sie sind, zu welcher Familie sie gehören, mit wem man sich in Verbindung setzen muß.

Dazu müssen wir vor allem unsere Militärstützpunkte nutzen, die häufig stillgelegt, aber immer noch funktionsfähig sind. Vergessen wir den Stillegungsplan der Regierung (BRAC). Erhalten wir diese Basen, bis wir genug Kapazitäten haben, um das ganze Gebiet versorgen zu können. Wir werden die Menschen später wieder zurückbringen, aber zunächst müssen wir sie in Sicherheit bringen ...

Dann beginnt der Wiederaufbau.

Das ist weitgehend eine Sache für das Militär. Wir müssen das ganze Pionierkorps aktivieren und ausrüsten. Das wird viel Geld kosten. Der Kongreß hat jetzt 10,5 Mrd. Dollar bewilligt. Das wird helfen, reicht aber nicht. Wir werden bis zu 100 Mrd. Dollar brauchen, allein an unmittelbaren Kosten. Nur so können wir die Menschen am Leben erhalten! Da klagt man nicht über die Kosten. Keine Angst vor Summen wie hundert Milliarden Dollar. Natürlich muß man realistisch sein. Aber uns muß klar sein: Wenn wir das nicht schaffen, dann ist Amerika keine Nation mehr.

Wir können dann nicht mehr als Nation handeln, und das genau zu der Zeit, wenn die ganze Welt kurz vor der größten Finanzkrise steht, von der je ein Mensch gehört hat. Wir dürfen die USA nicht untergehen lassen! Denn andere Teile der Welt können ohne uns nicht mit diesem globalen Problem fertig werden. Wir können das Problem als Nation nicht ganz allein lösen, aber umgekehrt kann die übrige Welt das Problem auch nicht ohne uns lösen.

Eine Politik des Gemeinwohls

Lassen Sie mich ein Beispiel anführen: Viele Menschen glauben an eine Legende. Sie glauben, Amerika sei ein kaputtes Land, und der Beweis dafür sei, daß wir Waren in China und Indien statt in den USA selbst produzieren lassen, und ähnliche Formen der Auslagerung und Globalisierung. Das ist ein Märchen. Warum lagern wir aus? Weil die anderen besser sind? Nein! Sie sind nicht besser als wir! Sie haben keine Politik für das Gemeinwohl! In Indien sind 700 Millionen Menschen extrem arm. Es gibt sehr viele Arme in China. Dabei geht es Indien und China im Vergleich zu den meisten asiatischen Nationen noch gut. 70 Prozent sind bitterarm, aber das ist noch Luxus gegenüber den meisten Nationen Asiens. Nationen in Mittel- und Südamerika gehen zugrunde, vor allem wegen unserer Politik von Globalisierung und Freihandel.

Diese Nationen produzieren vor allem für die USA. Sie benutzen einen Teil ihrer Arbeitskraft, um für uns statt für sich selbst zu produzieren. Warum? Wir haben ein Gesundheitswesen, eine Politik des Gemeinwohls. Wir unterstützen unsere Menschen, wir schützen sie. Wir kämpfen für ihre Krankenversorgung, für ihre Versicherung, ihre Rente. Diese Länder haben das nicht. Sie haben keine Infrastruktur. Deshalb können sie billiger produzieren - aber um welchen Preis? Indem sie 70% ihrer Bevölkerung oder mehr hungern lassen.

Sie sind nicht besser als wir. Wir sind dumm, daß wir uns auf so etwas einlassen. Wir freuen uns, daß wir billige Waren aus China bekommen, aber denken nicht an die armen Menschen in China, die zu Preisen produzieren, die für die Bedürfnisse Chinas als Nation nicht ausreichen. Dasselbe gilt für Indien und für die Länder der Dritten Welt südlich unserer Grenzen. Wissen Sie, was wir Mexiko, Mittelamerika und Südamerika mit dieser Politik der billigen Exporte antun?

Und gleichzeitig zerstören wir die Vereinigten Staaten! Wir haben unsere Industrie zerstört! Nehmen Sie eine Karte der Vereinigten Staaten und betrachten Sie einen Landkreis nach dem anderen in den letzten 30 Jahren: Wir haben die USA zerstört! Erinnern Sie sich noch daran, als bei Ihnen am Ort noch eine Fabrik war, eine funktionierende Stadt? Das gibt es nicht mehr! Wir drücken unsere Menschen auf die Ebene der Dritten Welt herab, mit Jobs und Löhnen und Einkommen auf Dritte-Welt-Niveau ...

Die Krise in Louisiana, Mississippi und Alabama ist deshalb so groß, weil wir die Politik der Förderung des Gemeinwohls, zu der uns die Verfassung verpflichtet, aufgegeben haben. Deshalb haben wir Kosten gesenkt, am Gemeinwohl gespart. Sogar die Sozialversicherung sollte geplündert werden. Wir haben den Lebensstandard nicht aufrechterhalten. Wir sparten an den Bereichen, die uns in die Lage versetzt hätten, viele dieser Probleme zu lösen: Die USA haben das, was in und um Louisiana, Mississippi und Alabama nötig gewesen wäre, nicht getan, obwohl wir wußten, daß es nötig war - weil wir das Geld dafür nicht ausgeben wollten. Wir wollten am Sozialen und an Renten sparen, um z.B. Krieg im Irak zu führen oder einen neuen Krieg gegen den Iran.

Die Not unserer Mitbürger vor allem in diesen drei Bundesstaaten wirft jetzt eine noch viel größere Frage auf: Sind wir noch eine Nation? ...

Ein Krieg gegen die Not

Die meisten meiner Zuhörer heute sind junge Menschen. Ihr habt noch gute zwei Generationen vor Euch, 50 Jahre oder mehr. Eure Eltern nicht. Eure Eltern treten jetzt als Generation in das letzte Vierteljahrhundert ihres aktiven Lebens ein. Sie werden weniger. Die Zukunft gehört Euch - im guten wie im schlechten. Wenn Ihr dieses Problem nicht löst, werdet Ihr den Rest Eures Lebens nichts haben ... Deshalb muß Eure Generation für ihre Zukunft kämpfen. ...

Das ist wie ein Krieg, auch wenn er nicht mit Gewehren geführt wird. Wir müssen kämpfen, als wären wir im Krieg. ...

Wir stehen in Verbindung mit einer Gruppe von Senatoren aus beiden Parteien. Es gibt andere Leute in der Regierung und ihrem Umfeld, Generäle und Oberste außer Dienst usw., die freiwillig viele der notwendigen Aufgaben übernehmen können.

Wir können diese Nation retten! Wir können ihr ihre Würde zurückgeben. Wir können die Menschen, die wir wegen dieser Pflichtvergessenheit der Regierung verloren haben, nicht wieder lebendig machen. Aber wir können dieses Land retten. Dann können wir sagen: Wir haben diesen Krieg gewonnen. Es hängt an Euch.

Wir müssen herangehen, als wären wir in einem Krieg. Offiziere, aktiv oder außer Dienst, werden eine Schlüsselrolle spielen, denn sie wissen, wie man eine solche Mobilisierung schnell organisiert. Sie wissen, wie man über Nacht ein Militärlager aufbaut, und wir werden mehr Lager für die Menschen brauchen. Sie wissen, wie man von heute auf morgen große Menschenmassen transportiert. Sie werden freiwillig helfen, sie warten nur darauf. Sie warten nur auf die Anweisung zum Handeln, und sie werden handeln. Also müssen wir dafür mobilisieren, als sei es ein Krieg. Wir sagen: "Wenn man es realistisch betrachtet, dann brauchen wir sofort 100 Milliarden Dollar, um das in Ordnung zu bringen, um in Würde daraus herauszukommen."

Und um vor allem dem amerikanischen Volk das Gefühl zu geben, daß wir eine Nation sind, daß wir immer noch eine Großmacht sind. Daß das immer noch in uns steckt, auch wenn einige unserer Institutionen versagt haben. Um der Welt zu zeigen, daß wir immer noch eine führende Macht auf der Welt sind. Wir sind nicht weg. Unser Land wird sich nicht auflösen. Und wir werden zum Ursprung zurückkehren müssen, um unsere Fehler wiedergutzumachen: zur Präambel der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Wir müssen erkennen, daß das Grundgesetz dieser Nation in der Präambel steht: Es geht nicht nur um die Landesverteidigung, sondern auch um die Förderung des Gemeinwohls der Lebenden und der Nachwelt.

Wir haben dieses Prinzip, die Nation zu schützen, verletzt! Schamlos! Und wir haben schamlos gegen das Gemeinwohl verstoßen. Wir verurteilen uns selbst dazu, verachtet zu werden, wenn wir nicht umkehren und die Förderung des Gemeinwohls der Lebenden und ihrer Nachkommen wieder zur Grundlage der Regierung machen.

 

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