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Aus der Neuen Solidarität Nr. 41/2005

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"Unter Bush und Cheney heben die USA keine Chance"

In den USA ist jetzt ein "Regimewechsel" notwendig

Am 29. September 2005 gab Lyndon LaRouche Jack Stockwell vom Radiosender KTKK in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah wieder einmal ein umfassendes Interview. Berühmt geworden war LaRouches Auftritt in Stockwells Sendung am Morgen des 11. September 2001, während der Anschläge in New York und Washington, die LaRouche spontan als eine Art Putschversuch in den USA bezeichnete. Es folgen Ausschnitte aus der zweistündigen Sendung.

LaRouche: Das ist ein völlig neues Phänomen. Es fing 1987 an. Im Oktober 1987 kam der Börsenkrach, der mit 1929 vergleichbar ist. An dem Punkt schied der damalige Vorsitzende der Federal Reserve Paul Volcker aus, und Alan Greenspan trat die Nachfolge an. Und Greenspan sagte: "Halt! Tut nichts, wartet ab. Jetzt komme ich, und ich habe eine Idee."

Seine Idee war, Nebenwetten als legale Wertpapiere zu benutzen. Wie bei Nebenwetten auf der Straße: Da sitzen ein paar finstere Gestalten beim Würfelspiel, und daneben stehen andere, die wetten darauf, wer gewinnt - das sind Nebenwetten. Und jetzt ist das Geld, das bei den Nebenwetten gemacht wird, Teil der Realwirtschaft, als wäre es die Hauptsache.

Mit dieser Methode förderte man seit George Bush senior von amerikanischer Seite unter Greenspans Führung die sogenannten "Finanzderivate" - was eigentlich nur ein schicker Name für Nebenwetten auf allen möglichen internationalen Märkten ist.

In letzter Zeit hat sich das so ausgeweitet, daß größere Finanzinstitute wie Banken, Versicherungen usw. alle eigene Hedgefonds haben, zusätzlich zu den anderen Hedgefonds, die es schon gibt, und sie spekulieren mit Finanzderivaten aller Arten. Wir sprechen hier von einem Umsatz von vielen Billionen Dollar an diesem Spielgeld, ähnlich Monopolygeld, das jetzt als Teil der Wirtschaft mitgerechnet wird. Greenspan ist einer der wichigsten Förderer davon.

Dann geschah folgendes: In diesem Frühjahr spielten diese Hedgefonds ein sehr riskantes Spiel. Das hat sich in den Jahren hochgeschaukelt. Wir hatten die Krise 1999-2000 und die Krise 1997-98 mit dem Hedgefonds LTCM. Doch es wuchs weiter. Unter George W. Bush wuchs es schneller als unter Clinton. Jetzt haben wir eine Bruchstelle erreicht, wozu teilweise die Dummheit der Regierung George W. Bush beigetragen hat. In diesem Frühjahr sind die Hedgefonds, die ein großes Risiko eingingen und sich auf falsche Berechnungen stützten, international eingebrochen. Viele Hedgefonds mußten einfach sang- und klanglos aufgeben. Wir sprechen hier von Orten wie den Cayman-Inseln, wo sich das konzentiert.

Gleichzeitig ging in den letzten Jahren die Diversifizierung in der Erdölbranche verloren. Man sieht es bei der weltweiten Vermarktung des Erdöls. Das hat mit dem Nahen und Mittleren Osten nichts zu tun. Von dem Zeitpunkt an, wenn ein Faß Erdöl den Nahen Osten verläßt, bis es auf dem Markt in den USA eintrifft, werden damit vielleicht sieben oder zehn Geschäfte gemacht. Die Leute machten sich zunutze, daß eine kleine Gruppe von Menschen, eine Finanzgruppe, das Monopol über Erdöl und ähnlichen Einfluß bei anderen wichtigen Rohstoffen besitzt. Das nutzten sie aus, um den Erdölpreis während des Sommers und bis in den Herbst hinein hyperinflationär nach oben zu treiben. Es ist mit der Inflation in Deutschland 1923 vergleichbar.

So stecken wir jetzt in einer Hyperinflation in verschiedenen Bereichen, u.a. Erdöl, Gold, Kupfer, Zink und anderen Rohstoffen. Bei allen herrscht Hyperinflation. Nicht wegen Angebot und Nachfrage, denn die Nachfrage ist gesunken. Das Angebot bei Erdöl und anderen Rohstoffen übertrifft die Nachfrage bei weitem.

LaRouche: Ja. Aber es kommt noch etwas hinzu. In den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Australien gibt es Spekulation mit Immobilien, eine Spekulation mit Hypothekenschulden, wofür in den USA Fannie Mae typisch ist. Und die Banken sind massiv daran beteiligt. Die Banken handeln mit gewaltigen Summen an hypothekengedeckten Wertpapieren.

In bestimmten Gegenden der USA wie Kalifornien und der Umgebung von Washington sind die Preise sehr hoch, während andere Teile der USA wie Michigan, Ohio, Indiana, Illinois und die Präriestaaten entvölkert werden. Während dort die Bevölkerung schrumpft, konzentriert sie sich in bestimmten Ballungsräumen. Im Süden liegen die traditionell ärmeren Gebiete, wo die Löhne niedrig sind. Dort werden viele Wohnungen gebaut, aber mit Hypotheken. Da gibt es Buden, die sind mit Hypotheken von einer Million Dollar belegt, sind aber eigentlich höchstens 150 000 Dollar wert. Und die Menschen lassen sich das bieten.

Die Leute, die diese Häuser kaufen, sind nicht nur solche, die selbst darin wohnen wollen. Es gibt inzwischen einen großen Markt für Leute, die die Häuser zu verrückten Bedingungen kaufen, um sie zu vermieten.

Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, an dem das zusammenbricht. Stellen Sie sich so ein Papphäuschen vor, nur mit Tackernadeln zusammengehalten. Es sieht von außen schick aus, hält aber kaum einen Sturm aus. Und die kosten in bestimmten Gegenden 800 000 bis eine Million Dollar. Das sind sie niemals wert. Leute wollen nun diese Dinger kaufen, ohne Anzahlung und erst auch ohne Tilgung. Das ist die schlimmste Form.

Das steht nun kurz vor dem Platzen. Die Weltmärkte stehen wegen dieser Entwicklungen bei Rohstoffen, der Spekulation mit Immobilien und hypothekenfinanzierten Wertpapieren vor der Explosion. Wir spüren nun die Wirkung auf die Weltmärkte. Das ist nicht genauso wie 1923, aber es ist mit dem Sommer und Herbst 1923 in Deutschland durchaus vergleichbar...

Dieses hyperinflationäre Potential wurde bisher stets durch die Ausweitung dieser fiktiven Wirtschaft im Zaum gehalten. Ähnlich war es in Deutschland von 1921 bis 1923. Die Deutschen druckten Geld, um die Reparationen zu zahlen. Bis zu einem bestimmten Punkt hatte man es unter Kontrolle, aber Ende Frühjahr 1923 brach es aus...

Jetzt ist das System außer Kontrolle geraten, wie in Deutschland 1923. Die Lage unterscheidet sich insofern, daß es damals keine Finanzderivate gab. Man mußte das Geld wirklich drucken. Heute macht man es virtuell im Glasfaserkabel...

Es wird jetzt sehr gefährlich. Denn in solchen Zeiten brechen häufig Kriege aus.

LaRouche: Es ist im Grunde wenig mysteriös. Es sind keine kleinen grünen Männchen unter dem Fußboden, die so etwas anzetteln. Es sind wohlbekannte Leute. Sie sind meine Feinde, die mich für sehr gefährlich halten. Das ist schon seit Dezember 1971 so, als ich einige Äußerungen machte, die zeigten, daß ich ihnen auf der Spur war. Es handelt sich um eine Gruppe internationaler Finanzinteressen. Das gab es schon in der Vergangenheit. Es gab einflußreiche Finanzinteressen hinter den Regierungen, die mächtiger als die Regierungen waren. Das war ein Merkmal des Mittelalters und ein Merkmal Europas unter britischem Einfluß. Dagegen haben wir [Amerikaner] seit 1763 gekämpft, als mit dem Sieg im Siebenjährigen Krieg England bzw. die britische Ostindiengesellschaft ein Empire wurde.

Wir haben das bekämpft und ein System aufgebaut, das sich eher außerhalb dieses europäischen Systems des Wuchers befand... Der Unterschied besteht im wesentlichen hierin: Im britisch-europäischen System befanden sich, von einigen zeitweiligen Ausnahmen abgesehen, die Regierungen immer unter der Herrschaft von Privatbanken bzw. einem System von Privatbanken. In jüngerer Zeit nannte man das "die unabhängigen Zentralbanken" - unabhängig bedeutet, daß es privaten Interessen untersteht und nicht der Regierung. Solange dieses System in der täglichen Praxis herrschte, waren diese Finanzinteressen mächtiger als die Regierungen.

Laut Verfassung haben wir in den USA eigentlich ein Nationalbanksystem, d.h. die Bundesregierung entscheidet über die Schaffung von Währung und Kredit, der gegen die geschaffene Währung aufgenommen wird. Das entscheiden die Exekutive und das Repräsentantenhaus. Es ist im Kern ein Nationalbanksystem. Das bedeutet nicht, daß es keine privaten Banken gäbe - die gibt es. Aber das Bankenwesen und alles, was mit Geld zu tun hat, untersteht der Aufsicht der Bundesregierung. Das ist die Quelle des Kredits. Die Bundesstaaten können keinen Kredit schöpfen, das kann nur die Bundesregierung.

Das wurde geändert, als unter Teddy Roosevelt und Woodrow Wilson die Federal Reserve eingeführt wurde. Franklin Roosevelt kehrte dann in den 30er Jahren wieder auf den Boden der Verfassung zurück. Mit seiner Goldpolitik versuchte er, die Aufsicht der amerikanischen Regierung über die Kreditschöpfung wiederherzustellen und dies zu benutzen, um die Wirtschaft wieder aufzubauen. Es hat funktioniert.

Heute hat man es mit internationalen Finanzinteressen zu tun, die als Gruppe klinisch irre sind. Diese Leute sind Babyboomer, d.h. sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg geboren und wuchsen in dieser Zeit auf. Sie denken nicht wie ernsthafte Bankiers es taten, als wir noch eine agro-industrielle Wirtschaft und keine "Dienstleistungsgesellschaft" waren...

Wir könnten das internationale Bankensystem vor dem Totalkollaps bewahren, indem wir es einem Konkursverfahren unterziehen und wieder zum Nationalbanksystem zurückkehren, wie es unsere Verfassung vorschreibt, wo die Bundesregierung die Kreditschöpfung bestimmt und regelt. Wir können die privaten Banken, insofern sie wesentliche Funktionen erfüllen, erhalten. Wir können Kredit schöpfen, um die Wirtschaft so weit aufzubauen, daß sie wieder in die Gewinnzone kommt. So könnten wir in der Welt wieder an Format gewinnen, wie wir es seit langem nicht mehr hatten.

Aber da sind die verrückten Privatbankiers, mit einer Geisteshaltung wie Enron, die einen Großteil der Unternehmensstruktur und Teile unseres politischen Systems steuern. Beispielsweise die Wall Street. Sie sind verrückt. Sie behaupten, keine Regierung dürfe mächtiger sein als die Privatbanken. Die Banken müßten die Welt regieren. Es gab ein solches System schon einmal, das mittelalterliche System, das im 14. Jh. in einem "finsteren Zeitalter" unterging. Diese Leute heute sind noch dümmer als die Bankiers, die das System im 14. Jh. zusammenbrechen ließen.

LaRouche: Ganz so ist es nicht, und auch hier gibt es Veränderungen, jedenfalls bei den traditionellen Wählerschichten der Republikaner... Sie sehen, was für einen Ruf Bush und Cheney haben. Und die Parole heißt: "Für eine andere Regierung ohne DeLay" [der zurückgetretene Kongreßsprecher Tom DeLay - engl. delay heißt "Verzögerung"]. Es gibt im Senat, besonders seit dem 23. März, eine Tendenz zur überparteilichen Zusammenarbeit.

LaRouche: Er hatte schon immer Rückgrat. Aber jetzt hat er als Vorsitzender der Minderheitsfraktion auch die Möglichkeit und die Notwendigkeit, dies zu zeigen...

LaRouche: Das System reagiert. Die Leute wissen, daß das Land unter George W. Bush und Cheney keine Chance hat. Sie müssen abtreten. Unter den passenden Umständen würden einige hochrangige Republikaner mit dem Segen der Demokraten zu Dick Cheney gehen - wahrscheinlich auch zu George W. Bush, aber zuerst zu Cheney - , und ihm sagen: "Dick, Sie können aus dieser Sache herauskommen, ohne ins Gefängnis zu gehen." Es wäre im wesentlichen das gleiche Vorgehen, das gleiche Angebot wie an Richard Nixon in den 70er Jahren. Cheney würde gehen. Dann würde auch Bush gehen. Und dann könnten wir Ordnung in die Sache bringen...

LaRouche: Das ist ein Problem, und die Sache ist noch nicht geklärt. George W. Bush kontrolliert noch nicht die Mehrheit des Obersten Gerichts, selbst nicht nach der Ernennung von Roberts. Roberts wurde nicht ernsthaft geprüft. Er ist so durchgeschlittert. Die entscheidende Frage lautet: Wie hältst du es mit der Präambel der Amerikanischen Verfassung, mit dem Gemeinwohl? Wie kann ein Mann Vorsitzender des Obersten Gerichtes werden, wenn er dieses allerhöchste Gesetz der Vereinigten Staaten nicht anerkennt?...

LaRouche: Die Regierung ist nicht einmal das Hauptproblem, das sind Handlanger... Eine Fraktion der internationalen Finanzinteressen will mit allen Mitteln sicherstellen, daß sie erfolgreich aus dieser Krise herauskommt und die Regierungen untergehen. Sie sind fest entschlossen, viele Regierungen auf der Welt ganz auszuschalten. Und die Regierungen, die sie nicht ausschalten, wollen diese Bankeninteressen völlig ihrer Herrschaft unterwerfen und als ihre Laufburschen benutzen.

Aber klug sind sie nicht, eigentlich sind sie ziemlich dumm. Verglichen mit der Macht der Banken, der Finanzinteressen vorangegangener Generationen, sind diese Leute wirklich dumm. Sie können nichts richtig machen. Sie können nicht gewinnen, aber sie können die Welt kaputtmachen. Nehmen wir als Beispiel den Irak: Den Krieg dort kann man nicht gewinnen. Das wußte man von Anfang an. Aber was viele Menschen nicht verstanden haben, ist: Die Leute hinter Cheney wollten den Krieg gar nicht gewinnen! Sie wollten Asien in Brand stecken. Mit anderen Worten: Sie wollten einen Krieg im Irak, den keiner gewinnen kann, und das haben sie geschafft. Jetzt wollen sie anderswo mehr Kriege dieser Art.

Zur Lage im Irak selbst. Machen wir uns ein klares Bild. Die Vereinigten Staaten haben nicht mehr genug Bodenstreitkräfte, um das Territorium im Irak zu kontrollieren - ganz zu schweigen von weiteren Ländern. Eine konventionelle Kriegführung, wie wir sie bisher kannten - die Truppen marschieren ein, gewinnen, erklären den Sieg und verlassen das Land wieder - , das ist in dieser Situation nicht mehr möglich. Diese Idioten haben die denkbar schlimmste Situation herbeigeführt: Trotz unserer Kernwaffen usw. können wir keinen Krieg im herkömmlichen Sinne mehr gewinnen. Wir können nur noch Unruhe stiften, und am Ende wird uns das Chaos, das wir gesät haben, verschlingen.

Sicherlich benötigen wir Mittel zu unserer Verteidigung. Aber wir müssen solche Probleme diplomatisch lösen. Nehmen wir den Fall Iran: Der Iran wurde provoziert, und seine Reaktion, mit dem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag zu drohen, war vorhersehbar. Wollen wir das? Wer andere zum Äußersten zwingt, der bekommt eben das Äußerste.

Oder die Probleme mit Nordkorea. Viele dieser realen Probleme könnte man mit dem richtigen diplomatischen Vorgehen beilegen. Aber wir tun es nicht. Wir hatten und haben erfahrene Diplomaten, die wissen, wie man so etwas macht. Es gibt kein Problem auf dieser Welt, das sich nicht erfolgreich bewältigen läßt, ohne sich totzuschießen.

Terrorismus ist ein anderes Beispiel. Das jetzige Vorgehen ist verrückt. Man muß das Problem austrocknen, indem man aufhört zu provozieren. Man darf nicht immer Öl ins Feuer gießen. Man muß Verbündete suchen, um die Lage zu stabilisieren und dieses Problem zu isolieren. Mit Hilfe wirtschaftlicher Entwicklung können wir das tun.

Aber die derzeitige amerikanische Regierung ist unzurechnungsfähig. Und die Bankiers hinter ihr sind es ebenfalls, jedenfalls die mächtigsten unter ihnen. Die Lage ist nicht hoffnungslos, wie man an den überparteilichen Vorstößen im Senat erkennen kann. Trotz aller Mängel unserer Bevölkerung haben wir in unserem Land immer noch den Charakter und die Fähigkeit, in solchen Krisen die Entscheidungen zu treffen, mit denen man die Lage meistern, gute Arbeit leisten und für die internationalen Probleme den Rest der Welt um uns sammeln kann...

LaRouche: Sicher, das ist gut. Es gibt auch Rückschläge. Immer wenn etwas Gutes geschieht, stelle ich am folgenden Tag fest, daß es einen Rückschlag gibt. Aber wir kämpfen weiter. Das hält uns jung...

Ich versuche, meiner Verantwortung als Patriot gerecht zu werden. Ich bin 83 Jahre alt, ich werde keine 20 Jahre mehr haben, und ich tue, was ich tun muß. Und es macht mir Freude! Ich bin glücklich damit. Ich strebe nicht nach schneller Belohnung, körperlicher Unsterblichkeit oder Reichtum oder dergleichen. Ich freue mich an dem, was ich tue, denn ich bin glücklich, der zu sein, der ich bin.

LaRouche: Ganz sicher. Wir sind unsterblich - nicht unsere Leiber, aber wenn man an den Unterschied zwischen Mensch und Tier denkt, weiß man den Unterschied. Der Mensch ist ein Lebewesen mit einem tierähnlichen Körper. Aber wenn man die Bedeutung des Menschen erfaßt - die wissenschaftlichen Entdeckungen, die Ideen und so weiter - und die Geschichte der Menschheit über Jahrtausende betrachtet, was sieht man da? Es geht um die Geschichte von Ideen, die Geschichte sozialer Prozesse, die sich um Ideen drehen. Und man erkennt: Was man zurückläßt ist das, was man in Bewegung gesetzt hat, insbesondere die Ideen, die man mit geschaffen oder vermittelt hat.

Es ist so, wie es Raffael Sanzio im Vatikanischen Museum, dem früheren Papstpalast, auf dem Fresko Die Schule von Athen dargestellt hat. Die Figuren darauf stehen für viele Generationen, auch die von Raffael selbst, der sich dort abgebildet hat. Man erkennt, daß das eine Zusammenstellung von Menschen ist, die alle in einer zeitlosen Unsterblichkeit leben - jeder an einem anderen Ort und in einer anderen Zeit. Wir alle beeinflussen uns gegenseitig, und das ist die Menschheit. Das ist unsere Kultur. Wenn man bewußt Bürger dieser Kultur wird, das ist Glückseligkeit.

LaRouche: Wenn man zurückblickt ins 14. Jh., und wenn man die Leute heute mit denen von damals vergleicht, kommt man zu dem Schluß: "Nein, das würden sie nicht tun. So klug sind die nicht. Sie sind im Grunde töricht." Viele Menschen meinen, weil diese Leute so viel Macht haben, hätten sie irgendwelche besonderen Kräfte oder Fähigkeiten. Das haben sie nicht. Sie sehen die Zeichen an der Wand nicht...

LaRouche: Wie Sie wissen, stehe ich in Verbindung mit Kreisen in Europa, von denen einige ziemlich einflußreich sind. Die wissen, was ich tue, und sie stimmen mit mir überein: Die USA müssen sich mit bestimmten Kräften in Europa auf bestimmte Vorgehensweisen verständigen, damit wir aus dieser Krise herauskommen können. Das ist möglich. Darüber ist man sich bewußt.

Dieses Land wurde zum Großteil von Europäern aufgebaut. Einer meiner Vorfahren war ein Algonquin-Indianer, aber sonst waren fast alle Europäer. Wir haben hier etwas aufgebaut, weil Europa damals gescheitert war. Wir hofften, wenn wir hier ein Land aufbauen, würde das auf Europa zurückstrahlen, und Europa würde die gleichen Ziele verfolgen wie wir. Aber die Europäer haben dieses Land erst möglich gemacht. Wir sind vornehmlich von Europa geprägt. Das ist unsere Kultur.

Gebildete Menschen in Europa wissen das, es gibt eine Affinität. Die Vereinigten Staaten sind eine besondere Nation, und die Europäer sind darauf angewiesen, daß wir das sind. So denken sie. So denke ich. Ich zähle darauf, daß sie das verstehen, und ich möchte meine Landsleute dazu bringen, es auch zu verstehen.

 

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