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Aus der Neuen Solidarität Nr. 41/2005 |
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Am 29. September 2005 gab Lyndon LaRouche Jack Stockwell vom Radiosender KTKK in Salt Lake City im US-Bundesstaat Utah wieder einmal ein umfassendes Interview. Berühmt geworden war LaRouches Auftritt in Stockwells Sendung am Morgen des 11. September 2001, während der Anschläge in New York und Washington, die LaRouche spontan als eine Art Putschversuch in den USA bezeichnete. Es folgen Ausschnitte aus der zweistündigen Sendung.
Ich habe in meinen Sendungen in letzter Zeit mehrfach darüber gesprochen, daß die explosive Preissteigerung - nicht nur bei Treibstoff, sondern allem, was mit Erdöl zusammenhängt, aber auch bei Immobilien, ja selbst beim Laib Brot - nicht mehr viel mit Angebot und Nachfrage zu tun hat, sondern daß damit jetzt eine sehr düstere Periode unserer Geschichte bevorsteht: eine Spirale der Hyperinflation, wie man sie in der Vergangenheit in verschiedenen Ländern gesehen hat. Ich frage mich, ob nicht gerade das jetzt bei uns passiert - damit würde ich gerne unsere Sendung anfangen.
Seine Idee war, Nebenwetten als legale Wertpapiere zu benutzen. Wie bei Nebenwetten auf der Straße: Da sitzen ein paar finstere Gestalten beim Würfelspiel, und daneben stehen andere, die wetten darauf, wer gewinnt - das sind Nebenwetten. Und jetzt ist das Geld, das bei den Nebenwetten gemacht wird, Teil der Realwirtschaft, als wäre es die Hauptsache.
Mit dieser Methode förderte man seit George Bush senior von amerikanischer Seite unter Greenspans Führung die sogenannten "Finanzderivate" - was eigentlich nur ein schicker Name für Nebenwetten auf allen möglichen internationalen Märkten ist.
In letzter Zeit hat sich das so ausgeweitet, daß größere Finanzinstitute wie Banken, Versicherungen usw. alle eigene Hedgefonds haben, zusätzlich zu den anderen Hedgefonds, die es schon gibt, und sie spekulieren mit Finanzderivaten aller Arten. Wir sprechen hier von einem Umsatz von vielen Billionen Dollar an diesem Spielgeld, ähnlich Monopolygeld, das jetzt als Teil der Wirtschaft mitgerechnet wird. Greenspan ist einer der wichigsten Förderer davon.
Dann geschah folgendes: In diesem Frühjahr spielten diese Hedgefonds ein sehr riskantes Spiel. Das hat sich in den Jahren hochgeschaukelt. Wir hatten die Krise 1999-2000 und die Krise 1997-98 mit dem Hedgefonds LTCM. Doch es wuchs weiter. Unter George W. Bush wuchs es schneller als unter Clinton. Jetzt haben wir eine Bruchstelle erreicht, wozu teilweise die Dummheit der Regierung George W. Bush beigetragen hat. In diesem Frühjahr sind die Hedgefonds, die ein großes Risiko eingingen und sich auf falsche Berechnungen stützten, international eingebrochen. Viele Hedgefonds mußten einfach sang- und klanglos aufgeben. Wir sprechen hier von Orten wie den Cayman-Inseln, wo sich das konzentiert.
Gleichzeitig ging in den letzten Jahren die Diversifizierung in der Erdölbranche verloren. Man sieht es bei der weltweiten Vermarktung des Erdöls. Das hat mit dem Nahen und Mittleren Osten nichts zu tun. Von dem Zeitpunkt an, wenn ein Faß Erdöl den Nahen Osten verläßt, bis es auf dem Markt in den USA eintrifft, werden damit vielleicht sieben oder zehn Geschäfte gemacht. Die Leute machten sich zunutze, daß eine kleine Gruppe von Menschen, eine Finanzgruppe, das Monopol über Erdöl und ähnlichen Einfluß bei anderen wichtigen Rohstoffen besitzt. Das nutzten sie aus, um den Erdölpreis während des Sommers und bis in den Herbst hinein hyperinflationär nach oben zu treiben. Es ist mit der Inflation in Deutschland 1923 vergleichbar.
So stecken wir jetzt in einer Hyperinflation in verschiedenen Bereichen, u.a. Erdöl, Gold, Kupfer, Zink und anderen Rohstoffen. Bei allen herrscht Hyperinflation. Nicht wegen Angebot und Nachfrage, denn die Nachfrage ist gesunken. Das Angebot bei Erdöl und anderen Rohstoffen übertrifft die Nachfrage bei weitem.
In bestimmten Gegenden der USA wie Kalifornien und der Umgebung von Washington sind die Preise sehr hoch, während andere Teile der USA wie Michigan, Ohio, Indiana, Illinois und die Präriestaaten entvölkert werden. Während dort die Bevölkerung schrumpft, konzentriert sie sich in bestimmten Ballungsräumen. Im Süden liegen die traditionell ärmeren Gebiete, wo die Löhne niedrig sind. Dort werden viele Wohnungen gebaut, aber mit Hypotheken. Da gibt es Buden, die sind mit Hypotheken von einer Million Dollar belegt, sind aber eigentlich höchstens 150 000 Dollar wert. Und die Menschen lassen sich das bieten.
Die Leute, die diese Häuser kaufen, sind nicht nur solche, die selbst darin wohnen wollen. Es gibt inzwischen einen großen Markt für Leute, die die Häuser zu verrückten Bedingungen kaufen, um sie zu vermieten.
Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, an dem das zusammenbricht. Stellen Sie sich so ein Papphäuschen vor, nur mit Tackernadeln zusammengehalten. Es sieht von außen schick aus, hält aber kaum einen Sturm aus. Und die kosten in bestimmten Gegenden 800 000 bis eine Million Dollar. Das sind sie niemals wert. Leute wollen nun diese Dinger kaufen, ohne Anzahlung und erst auch ohne Tilgung. Das ist die schlimmste Form.
Das steht nun kurz vor dem Platzen. Die Weltmärkte stehen wegen dieser Entwicklungen bei Rohstoffen, der Spekulation mit Immobilien und hypothekenfinanzierten Wertpapieren vor der Explosion. Wir spüren nun die Wirkung auf die Weltmärkte. Das ist nicht genauso wie 1923, aber es ist mit dem Sommer und Herbst 1923 in Deutschland durchaus vergleichbar...
Dieses hyperinflationäre Potential wurde bisher stets durch die Ausweitung dieser fiktiven Wirtschaft im Zaum gehalten. Ähnlich war es in Deutschland von 1921 bis 1923. Die Deutschen druckten Geld, um die Reparationen zu zahlen. Bis zu einem bestimmten Punkt hatte man es unter Kontrolle, aber Ende Frühjahr 1923 brach es aus...
Jetzt ist das System außer Kontrolle geraten, wie in Deutschland 1923. Die Lage unterscheidet sich insofern, daß es damals keine Finanzderivate gab. Man mußte das Geld wirklich drucken. Heute macht man es virtuell im Glasfaserkabel...
Es wird jetzt sehr gefährlich. Denn in solchen Zeiten brechen häufig Kriege aus.
Wir haben das bekämpft und ein System aufgebaut, das sich eher außerhalb dieses europäischen Systems des Wuchers befand... Der Unterschied besteht im wesentlichen hierin: Im britisch-europäischen System befanden sich, von einigen zeitweiligen Ausnahmen abgesehen, die Regierungen immer unter der Herrschaft von Privatbanken bzw. einem System von Privatbanken. In jüngerer Zeit nannte man das "die unabhängigen Zentralbanken" - unabhängig bedeutet, daß es privaten Interessen untersteht und nicht der Regierung. Solange dieses System in der täglichen Praxis herrschte, waren diese Finanzinteressen mächtiger als die Regierungen.
Laut Verfassung haben wir in den USA eigentlich ein Nationalbanksystem, d.h. die Bundesregierung entscheidet über die Schaffung von Währung und Kredit, der gegen die geschaffene Währung aufgenommen wird. Das entscheiden die Exekutive und das Repräsentantenhaus. Es ist im Kern ein Nationalbanksystem. Das bedeutet nicht, daß es keine privaten Banken gäbe - die gibt es. Aber das Bankenwesen und alles, was mit Geld zu tun hat, untersteht der Aufsicht der Bundesregierung. Das ist die Quelle des Kredits. Die Bundesstaaten können keinen Kredit schöpfen, das kann nur die Bundesregierung.
Das wurde geändert, als unter Teddy Roosevelt und Woodrow Wilson die Federal Reserve eingeführt wurde. Franklin Roosevelt kehrte dann in den 30er Jahren wieder auf den Boden der Verfassung zurück. Mit seiner Goldpolitik versuchte er, die Aufsicht der amerikanischen Regierung über die Kreditschöpfung wiederherzustellen und dies zu benutzen, um die Wirtschaft wieder aufzubauen. Es hat funktioniert.
Heute hat man es mit internationalen Finanzinteressen zu tun, die als Gruppe klinisch irre sind. Diese Leute sind Babyboomer, d.h. sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg geboren und wuchsen in dieser Zeit auf. Sie denken nicht wie ernsthafte Bankiers es taten, als wir noch eine agro-industrielle Wirtschaft und keine "Dienstleistungsgesellschaft" waren...
Wir könnten das internationale Bankensystem vor dem Totalkollaps bewahren, indem wir es einem Konkursverfahren unterziehen und wieder zum Nationalbanksystem zurückkehren, wie es unsere Verfassung vorschreibt, wo die Bundesregierung die Kreditschöpfung bestimmt und regelt. Wir können die privaten Banken, insofern sie wesentliche Funktionen erfüllen, erhalten. Wir können Kredit schöpfen, um die Wirtschaft so weit aufzubauen, daß sie wieder in die Gewinnzone kommt. So könnten wir in der Welt wieder an Format gewinnen, wie wir es seit langem nicht mehr hatten.
Aber da sind die verrückten Privatbankiers, mit einer Geisteshaltung wie Enron, die einen Großteil der Unternehmensstruktur und Teile unseres politischen Systems steuern. Beispielsweise die Wall Street. Sie sind verrückt. Sie behaupten, keine Regierung dürfe mächtiger sein als die Privatbanken. Die Banken müßten die Welt regieren. Es gab ein solches System schon einmal, das mittelalterliche System, das im 14. Jh. in einem "finsteren Zeitalter" unterging. Diese Leute heute sind noch dümmer als die Bankiers, die das System im 14. Jh. zusammenbrechen ließen.
Was ist aus der Republikanischen Partei geworden? Früher war das die Partei der Mittelständler in den kleinen Städten. Heute hat man den Eindruck, die Politiker in der Republikanischen Partei gehören der Erdgas- und Erdölindustrie.
Aber klug sind sie nicht, eigentlich sind sie ziemlich dumm. Verglichen mit der Macht der Banken, der Finanzinteressen vorangegangener Generationen, sind diese Leute wirklich dumm. Sie können nichts richtig machen. Sie können nicht gewinnen, aber sie können die Welt kaputtmachen. Nehmen wir als Beispiel den Irak: Den Krieg dort kann man nicht gewinnen. Das wußte man von Anfang an. Aber was viele Menschen nicht verstanden haben, ist: Die Leute hinter Cheney wollten den Krieg gar nicht gewinnen! Sie wollten Asien in Brand stecken. Mit anderen Worten: Sie wollten einen Krieg im Irak, den keiner gewinnen kann, und das haben sie geschafft. Jetzt wollen sie anderswo mehr Kriege dieser Art.
Zur Lage im Irak selbst. Machen wir uns ein klares Bild. Die Vereinigten Staaten haben nicht mehr genug Bodenstreitkräfte, um das Territorium im Irak zu kontrollieren - ganz zu schweigen von weiteren Ländern. Eine konventionelle Kriegführung, wie wir sie bisher kannten - die Truppen marschieren ein, gewinnen, erklären den Sieg und verlassen das Land wieder - , das ist in dieser Situation nicht mehr möglich. Diese Idioten haben die denkbar schlimmste Situation herbeigeführt: Trotz unserer Kernwaffen usw. können wir keinen Krieg im herkömmlichen Sinne mehr gewinnen. Wir können nur noch Unruhe stiften, und am Ende wird uns das Chaos, das wir gesät haben, verschlingen.
Sicherlich benötigen wir Mittel zu unserer Verteidigung. Aber wir müssen solche Probleme diplomatisch lösen. Nehmen wir den Fall Iran: Der Iran wurde provoziert, und seine Reaktion, mit dem Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag zu drohen, war vorhersehbar. Wollen wir das? Wer andere zum Äußersten zwingt, der bekommt eben das Äußerste.
Oder die Probleme mit Nordkorea. Viele dieser realen Probleme könnte man mit dem richtigen diplomatischen Vorgehen beilegen. Aber wir tun es nicht. Wir hatten und haben erfahrene Diplomaten, die wissen, wie man so etwas macht. Es gibt kein Problem auf dieser Welt, das sich nicht erfolgreich bewältigen läßt, ohne sich totzuschießen.
Terrorismus ist ein anderes Beispiel. Das jetzige Vorgehen ist verrückt. Man muß das Problem austrocknen, indem man aufhört zu provozieren. Man darf nicht immer Öl ins Feuer gießen. Man muß Verbündete suchen, um die Lage zu stabilisieren und dieses Problem zu isolieren. Mit Hilfe wirtschaftlicher Entwicklung können wir das tun.
Aber die derzeitige amerikanische Regierung ist unzurechnungsfähig. Und die Bankiers hinter ihr sind es ebenfalls, jedenfalls die mächtigsten unter ihnen. Die Lage ist nicht hoffnungslos, wie man an den überparteilichen Vorstößen im Senat erkennen kann. Trotz aller Mängel unserer Bevölkerung haben wir in unserem Land immer noch den Charakter und die Fähigkeit, in solchen Krisen die Entscheidungen zu treffen, mit denen man die Lage meistern, gute Arbeit leisten und für die internationalen Probleme den Rest der Welt um uns sammeln kann...
Ich versuche, meiner Verantwortung als Patriot gerecht zu werden. Ich bin 83 Jahre alt, ich werde keine 20 Jahre mehr haben, und ich tue, was ich tun muß. Und es macht mir Freude! Ich bin glücklich damit. Ich strebe nicht nach schneller Belohnung, körperlicher Unsterblichkeit oder Reichtum oder dergleichen. Ich freue mich an dem, was ich tue, denn ich bin glücklich, der zu sein, der ich bin.
Es ist so, wie es Raffael Sanzio im Vatikanischen Museum, dem früheren Papstpalast, auf dem Fresko Die Schule von Athen dargestellt hat. Die Figuren darauf stehen für viele Generationen, auch die von Raffael selbst, der sich dort abgebildet hat. Man erkennt, daß das eine Zusammenstellung von Menschen ist, die alle in einer zeitlosen Unsterblichkeit leben - jeder an einem anderen Ort und in einer anderen Zeit. Wir alle beeinflussen uns gegenseitig, und das ist die Menschheit. Das ist unsere Kultur. Wenn man bewußt Bürger dieser Kultur wird, das ist Glückseligkeit.
Dieses Land wurde zum Großteil von Europäern aufgebaut. Einer meiner Vorfahren war ein Algonquin-Indianer, aber sonst waren fast alle Europäer. Wir haben hier etwas aufgebaut, weil Europa damals gescheitert war. Wir hofften, wenn wir hier ein Land aufbauen, würde das auf Europa zurückstrahlen, und Europa würde die gleichen Ziele verfolgen wie wir. Aber die Europäer haben dieses Land erst möglich gemacht. Wir sind vornehmlich von Europa geprägt. Das ist unsere Kultur.
Gebildete Menschen in Europa wissen das, es gibt eine Affinität. Die Vereinigten Staaten sind eine besondere Nation, und die Europäer sind darauf angewiesen, daß wir das sind. So denken sie. So denke ich. Ich zähle darauf, daß sie das verstehen, und ich möchte meine Landsleute dazu bringen, es auch zu verstehen.
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