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Aus der Neuen Solidarität Nr. 42/2005 |
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Von Lyndon LaRouche
Am "Columbus-Tag", dem 12. Oktober 2005, hielt Lyndon LaRouche vor mehr als 200 Zuhörern in Washington eine Rede, die wir hier in Auszügen wiedergeben. Sie wurde im Internet live übertragen und ist weiterhin abrufbar unter www.larouchepac.com. Das Internet-Forum begann mit einem Videofilm von LaRouches Berliner Pressekonferenz vor 17 Jahren, als er die deutsche Wiedervereinigung vorausgesagt hatte.
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Vor 17 Jahren, am 12. Oktober 1988, sagte Lyndon LaRouche auf einer Pressekonferenz im Berliner Hotel Bristol Kempinski: "Viele Menschen sind heute der Meinung, daß unter den richtigen Bedingungen die Zeit gekommen ist, erste Schritte hin zu einer baldigen deutschen Wiedervereinigung einzuleiten. Es ist offensichtlich, daß Berlin dann wieder die deutsche Hauptstadt werden sollte."
LaRouche schlug vor, Washington solle der Sowjetunion Unterstützung bei der Bewältigung der verheerenden Versorgungskrise im gesamten Ostblock zusagen und dafür als Gegenleistung Konzessionen hinsichtlich der Westbeziehungen Polens und der deutschen Wiedervereinigung verlangen. Die gesamte Rede finden Sie abgedruckt in dem von Helga Zepp-LaRouche herausgegebenen Buch Die verpaßte Chance von 1989-90, Dr. Böttiger Verlag, Wiesbaden 1999, S.126-134 (als Text-CD zum Preis von 10 Euro erhältlich beim Verlag), oder auch im Internet. |
Die meisten Menschen, die Vorhersagen machen, konnten mir in dieser Hinsicht in den letzten 40 Jahren bei langfristigen Prognosen nicht das Wasser reichen. Meine Vorhersagen waren so treffend oder noch treffender als die in meiner Rede im Kempinski Bristol Hotel in Berlin vor 17 Jahren...
Meine Aufgabe heute ist, Ihnen zwar nicht gerade eine Vorhersage im engeren Sinne zu geben, aber doch eine Vorhersage in dem Sinne, daß ich beschreibe, welche Bedingungen und Realitäten wir berücksichtigen müssen, wenn wir uns vor dem bevorstehenden größten Finanzkrach der Neuzeit retten wollen. Dies ist keine Depression. Wir hatten eine Depression der Börsen schon im Oktober 1987 - ich habe das damals vorhergesagt, und es kam so. Inzwischen sind wir auf eine neue Art von Wirtschaft umgestiegen, die sich auf Derivate stützt, auf Spielgeld. Diese hyperinflationäre Spielgeldwirtschaft befindet sich jetzt in einem Grenzbereich, wo sie zusammenbrechen muß. Man kann nicht mechanisch vorhersagen, an welchem Tag sie einstürzen wird. Aber wir wissen, daß diese Wirtschaft zusammenbrechen wird, wenn sie so weiterläuft, und das bald. Es wird viel mehr als eine Depression sein: Die ganze Weltwirtschaft wird sich auflösen...
Vor allem muß man erkennen, daß als Folge des Falls der Mauer und des völligen Zusammenbruchs des Sowjetsystems in den beiden darauffolgenden Jahren die Weltwirtschaft in der früheren Sowjetunion, in Europa und in Nord- und Südamerika seither eingebrochen ist. Physisch betrachtet befindet sich die Wirtschaft heute auf einer viel niedrigeren Stufe als noch 1989.
Jeder einzelne größere wirtschaftspolitische Maßnahme in Westeuropa und den Amerikas, insbesondere in den Vereinigten Staaten, war ein dummer Fehler mit katastrophalen Folgen. Die Lebensverhältnisse für die ärmeren 80% unserer Haushalte sind heute viel schlechter als damals, und Verzweiflung macht sich breit. Wir verloren Fabriken. Wir verloren Infrastruktur. Wir verloren die Gesundheitsversorgung. Wir verloren alles, worauf wir einmal stolz waren, weil es unsere Volkswirtschaft stark und nützlich machte.
Das gleiche geschah in Europa: Sämtliche Teile Europas arbeiten heute realwirtschaftlich unter der Gewinnzone. Alle Volkswirtschaften Europas sind zum Untergang verurteilt, wenn sie auf dem gegenwärtigen Weg weitermachen! Außerdem wird das Weltfinanz- und Währungssystem, wenn es nicht so verändert wird, wie ich es beschreiben werde, nicht nur zusammenbrechen, sondern es wird sich in einer Hyperinflation auflösen. Wir sind jetzt schon auf dem Weg dorthin.
Deshalb müssen wir jetzt die Politik ändern. Nicht nur, um alle die Schwierigkeiten, die wir schon 1988-89 hatten, zu überwinden. Wir haben jetzt einen Punkt erreicht, wo wir nicht überleben werden, wenn wir die Denkweise, der wir in den letzten Jahren seit 1989 gefolgt sind, nicht aufgeben...
Hat unser Volk noch die moralische Kraft zum Überleben? Sind wir fähig, unsere Fehler zu berichtigen? Oder sind wir dermaßen überzeugt, wir könnten nicht mehr zurück, daß wir tatenlos zusehen, wie sich das ganze System auflöst und wie die Weltbevölkerung von heute mehr als sechs Milliarden Menschen innerhalb von etwa einer Generation auf weniger als eine Milliarde zurückfällt? Das sind die Aussichten. Das ist unsere Wahl.
Oberflächlich betrachtet würde ich sagen - so wie ich die Politiker kenne, so wie sich die Regierungen verhalten, wie Wahlen ausgehen, wie die Menschen reden: Diese Zivilisation ist moralisch nicht mehr überlebensfähig.
Aber als ein eher optimistischer Mensch und auch mit gutem Grund sage ich: Es ist durchaus möglich, daß [Vizepräsident] Cheney gehen muß. Und es kann auch ein paar andere Verbesserungen dieser Art geben, nicht nur personelle Verbesserungen in unserer Regierung, sondern auch eine Befreiung der Regierung von einer bestimmten Art von Wahnsinn, die erst ermöglichte, daß Cheney in dieses Amt gelangen konnte...
Blicken wir zurück in die Geschichte, wie Amerika zu einer kontinentalen Macht wurde. Es begann am Meer. Die Zivilisationen kamen von den Weltmeeren, nicht aus dem Binnenland. Und die Zivilisation bewegte sich von den Ozeanen ins Landesinnere, angefangen mit Siedlungen an den Küsten. An den archäologischen Funden kann man städtische Strukturen erkennen: Die Zivilisationen stützten sich auf Küstenstädte, die gegen das Landesinnere hin befestigt waren, um die Zivilisation vor dem weniger zivilisierteren oder kulturell unterlegenen Landesinneren zu schützen. Und mit ihrem Fortschreiten bewegte sich die Zivilisation entlang der großen Flüsse nach innen. Sie fand Wege, sich mehr in das Landesinnere auszubreiten.
Im Zuge dessen änderte sich der Charakter der Zivilisation. Ursprünglich war es eine Seefahrerkultur, weil man für fortgeschrittenes menschliches Leben auf die Meere und die Ozeanschiffahrt angewiesen war. Die älteste Wissenschaft kam nicht vom Land, sondern vom Meer. Sie entwickelte sich aus der astronomischen Navigation, die die Bestimmung des Standortes unter zu Hilfenahme von Sternenbeobachtungen sowie die Navigation ermöglichte.
Das gilt besonders für die Eiszeit, etwa in den letzten 200 000 Jahren, bis etwa 19 000 oder 17 000 vor Christus. In dieser Zeit bewegte sich die Zivilisation hauptsächlich auf den Ozeanen. Selbst in Indien, das nicht unter Eis lag, lag die Küste natürlich viel weiter draußen als heute. Der Meeresspiegel war 100-120 Meter niedriger als heute. Die Menschen lebten hauptsächlich in Städten und Siedlungen entlang den Küsten und waren Seefahrerkulturen. Natürlich war die Bevölkerung nicht so groß wie heute. Aber der fortgeschrittenere Teil überlebte mit Hilfe des Studiums der Sterne für die Ozeanschiffahrt. Die Ägypter lehrten einige Völker auf den Inseln Polynesiens die Navigation, diese besiedelten danach Neuseeland und wurden Maoris. Diese Entwicklung ergab sich aus dem Wissen, daß die Ägypter ihnen um 200 v.Chr. vermittelt hatten.
Im Falle Europas und der Vereinigten Staaten wurden dann auch die Binnenwasserwege ausgebaut. Das begann in Europa unter Karl dem Großen mit dem Plan, über die Flüsse sämtliche Teile Europas miteinander zu verbinden, damit man das Landesinnere Europas in höherem Maße wirtschaftlich entwickeln konnte.
Das gleiche geschah in den Vereinigten Staaten. Wir suchten nach Verkehrsmitteln, mit deren Hilfe wir die Wirtschaft und das Land, auf dem wir lebten, entwickeln konnten. Ein Teil davon war das Ringen um die Überwindung der Allegheny-Berge, um auf die andere Seite zu gelangen und eine kontinentale Zivilisation aufzubauen, die europäische Einwanderer aufnehmen konnte. Wir bauten eine Volkswirtschaft auf. Die Zugangspunkte waren die Großen Seen, die Küsten und die großen Flüsse. Das größte Flußsystem war das des Mississippi, es umfaßt das ganze Gebiet von den Rocky Mountains bis zu den Alleghenies, ausgehend vom Westen Pennsylvanias...
Nach der Hundertjahrfeier der USA 1876 wurde die Wirtschaft Europas revolutioniert, angefangen mit Deutschland 1877-87. Wie? Indem sie die Vereinigten Staaten nachahmten. Der deutsche Sozialstaat wurde eingeführt von Bismarck, der begriffen hatte, daß das Gemeinwohlprinzip die Grundlage des Aufbaus einer modernen agro-industriellen Wirtschaft ist.
Rußland entwickelte die Transsibirische Eisenbahn und begann nach den gleichen Grundsätzen die Industrie auszubauen. Die Vereinigten Staaten verwandelten Japan von einer Feudalgesellschaft in eine moderne Industriegesellschaft. Frankreich entwickelte sich nach dem Vorbild der Vereinigten Staaten. Süd- und Mittelamerika begannen wirtschaftlich zu wachsen, weil sie von den USA und dem, wofür sie standen, inspiriert wurden.
Aber seit Mitte der 60er und Anfang der 70er Jahre haben wir diese Nation zerstört. Das waren keine Ausländer, keine Fremden unter uns. Sie kamen nicht aus dem Weltraum - obwohl man sich wünscht, man könnte diese Leute dorthin schießen.
Dieses Land hat sich selbst zerstört. Das Schlimmste kam nicht von anderen, die uns das als Besatzungsmacht angetan hätten. Das ist das Schlimmste: daß wir Amerikaner uns das selbst angetan haben!...
Wir haben die amerikanische Volkswirtschaft zerstört. Wir beendeten die Regulierung, auf die wir für unseren Wohlstand angewiesen waren. Wir wandten uns dem Freihandel zu, der uns kaputtmachte. Wir setzten auf Billiglöhne, die uns kaputtmachten. Wir gingen zur Globalisierung über, die uns kaputtmachte. Wir sagten: "Technik ist etwas Schlechtes", was eine Lüge ist! Auch das trug dazu bei, das Land zu zerstören. Indem wir diese Vorstellungen übernahmen und sie im Laufe dieser Jahre zu den herrschenden Vorstellungen in unserer Regierung und den maßgeblichen politischen Schichten machten, haben wir uns selbst zerstört.
Deshalb hängt das Überleben dieser Nation angesichts der Gefahr, der wir uns gegenübersehen, jetzt davon ab, ob wir gewillt sind, uns zu ändern. Daß wir die öffentliche Meinung ändern, statt uns an sie anzupassen! Denn es ist diese öffentliche Meinung, die uns zerstört hat. Sie wurde zum Werkzeug dazu. Es ist ein Fall nationalen moralischen Selbstmords. Wenn wir dieses Land retten wollen, müssen wir zu unseren früheren Werten zurückkehren - abgesehen von Truman und ähnlichem - , zu den Werten, auf denen das Land und sein Wachstum fußte. Das ist die Tradition, die wir heute im wesentlichen im Erbe von Präsident Franklin Roosevelt ausmachen...
Die Menschen haben keine Ahnung von Wirtschaft. Der Grund dafür ist das, was man "Liberalismus" nennt. Der Liberalismus ist nicht "liberal". Er ist nicht lieb, er ist bösartig. Er ist wie Wucher: Das ist nicht nett!
Das alte Herrschaftssystem Venedigs, das sich in gewisser Form in der Neuzeit gehalten hat, war ein Wuchersystem: Im Mittelalter, von etwa 1000 n.Chr. bis ins 15. Jahrhundert hinein, herrschte in Europa ein Bündnis der venezianischen Seemacht - weitgehend eine Finanzoligarchie, die auf den Weltmeeren ihr Unwesen trieb - mit einer Bande von Schlächtern, der "normannische Ritterschaft". Sie führten die Kreuzzüge, wie etwa die Verfolgung der Albigenser oder der normannische Kreuzzug bzw. die normannische Invasion Englands, in der die christlichen Sachsen umgebracht wurden (und seither ward dort kein Christ mehr gesehen).
Diese Kreuzzüge sollen verhindern, daß repräsentative Regierungen wie etwa Regierungen von Nationalstaaten entstehen. Dieser Streit in dem Zeitraum von 1000 bis zum 15. Jahrhundert ging darum, zugunsten einer Herrschaft des Wuchers die Entstehung von Nationalstaaten zu unterdrücken... Als Folge davon brach die europäische Zivilisation im 14. Jahrhundert zusammen und stürzte in ein "finsteres Zeitalter".
Die Renaissance des 15. Jahrhundert, in deren Mittelpunkt das große ökumenische Konzil in Florenz stand, schuf eine neue Ordnung, auf die man praktisch schon seit der griechischen Antike, seit Solon von Athen und Platon, hingearbeitet hatte: Es war der Gedanke eines Nationalstaates, in dem der Staat an sich keine Autorität über das Volk hat wie ein Unterdrücker, sondern wo der Staat die Verantwortung und die Macht hat, das Gemeinwohl aller Menschen und ihrer Nachkommen zu fördern.
Dieser Gedanke zeichnet das Beste an der europäischen Zivilisation aus, und er war verbunden mit der Bewegung der Klassik im antiken Griechenland um Männer wie Solon und Platon. Solons Brief und Platons Dialoge und Briefe waren die Grundlage der europäischen Zivilisation und sind es bis heute. Darum ging der große Kampf.
Europa hat diese Ideen immer bewahrt. Auch das Christentum, etwa des Apostel Paulus, ist stark davon geprägt.
Aber lange Zeit herrschte die Auffassung vor, ein Staat sei ein imperialer Staat, in dem irgendein Tyrann bestimmt, was Recht ist, und alle anderen unterstehen dem Gesetz, das der Tyrann erlassen hat. Oft nannte er sich in Anlehnung an die römischen Cäsaren "Kaiser" oder etwas ähnliches. Das war das System: ein System des Wuchers, wo eine Minderheit über das Geld bestimmt und es als Werkzeug benutzt, um die breite Bevölkerung auszubeuten. Ihr zur Seite stand eine Mafia, die Kreuzritter oder normannischen Ritter.
Aber das änderte sich mit der Renaissance des 15. Jahrhunderts. Denn hier wurde das Prinzip begründet, daß der Nationalstaat notwendig ist, weil der Mensch eine Regierung haben muß, die moralisch dafür verantwortlich ist, das Gemeinwohl aller Menschen und deren Nachkommen zu fördern: d.h. ihre kulturelle Entwicklung, ihr Allgemeinwohl, die Verbesserung des Landes usw. ...
Der erste Nationalstaat in dieser Form entstand in Frankreich unter Ludwig XI. An dessen Hof lebte auch ein Engländer namens Heinrich Tudor, der Earl of Richmond. Er ging nach England zurück, stürzte Richard III. und gründete als Heinrich VII. in England eine an einem Gemeinwohl orientierte Gesellschaft. Sein Sohn Heinrich VIII. ruinierte das wieder, aber die Grundlage war geschaffen. Das war der moderne Nationalstaat. Das hatte es bis zum 15. Jahrhundert in keinem Teil der Welt gegeben! Und das ist der Kern der politischen Zivilisation Europas.
Aber die Venezianer gaben nicht klein bei. Sie hatten sich selbst mit dem "finsteren Zeitalter" als Folge ihrer Politik geschadet, aber sie kehrten zurück. Und mit dem Fall von Byzanz und anderen Entwicklungen bekamen sie wieder mehr Macht. Sie richteten die Inquisition in Spanien ein. Sie waren für die Vertreibung der Juden aus Spanien 1492 verantwortlich, und das war der Beginn einer Zeit der Religionskriege, die erst mit dem Westfälischen Frieden 1648 endete. Dann begann Europa sich zu entwickeln.
Aber die Venezianer kamen wieder, in neuem Gewande. Sie nahmen einen neuen Namen an und gingen nach Norden, nach England und den Niederlanden...
So entstand Mitte des 17. Jahrhunderts die Fraktion der anglo-holländischen Liberalen. Sie breitete sich in organisierter Form über die holländische Ostindiengesellschaft nach England aus, besonders durch die Besetzung 1688-89. Als Folge des Krieges, den die anglo-holländischen Liberalen in Europa anzettelten, erlangten 1763 die anglo-holländischen Finanzinteressen die Vorherrschaft in Europa. Mit dem Pariser Vertrag 1763 kam die weltweite Vorherrschaft der britischen Ostindiengesellschaft. Eine Seemacht beherrschte den ganzen Welthandel: die britische Ostindiengesellschaft. Es war ein Weltreich.
Dagegen richtete sich die Amerikanische Revolution. Die Amerikanische Revolution ging darum, die Idee der Republik im Sinne Solons, Platons, der Renaissance des 15. Jahrhunderts, des Westfälischen Friedens usw. zu verwirklichen - gegen den Widerstand des britischen Systems, des Reiches nach dem Vorbild Venedigs, das durch seine Kontrolle über Geld und Währungen die Welt beherrschte...
Mit der Amerikanischen Revolution wurde dieses System nicht endgültig besiegt. Aber wir schufen einen Präzedenzfall dagegen: den Protektionismus. Wie reguliert man die Geldmenge? Durch Protektionismus. Man schützt die produktive Wirtschaft gegen den Handel mit Billiggütern. Wir ermutigen zu sinnvollen Investitionen, indem wir dafür Steuervorteile gewähren und weniger sinnvolle Dinge höher besteuern. Wir fördern Investitionen in Dinge, die wir brauchen.
Zum Beispiel: Etwa die Hälfte einer modernen Volkswirtschaft besteht aus grundlegender wirtschaftlicher Infrastruktur. Die hat nichts mit den Märkten als solchen zu tun, indirekt schon, aber nicht unmittelbar. Das sind öffentliche Versorgungsbetriebe, staatliches Bildungswesen, Wasserversorgung, öffentlicher Verkehr, solche Dinge. Eine gesunde Volkswirtschaft beruht zu 50 Prozent auf Infrastruktur, das sind weitgehend langfristige Investitionen in die Verbesserung des Territoriums und der Lebensbedingungen. Die andere Hälfte sind Produktion oder Dienstleistungen, die sich auf produktive Bereiche beziehen, in der privaten Wirtschaft.
Man steuert die Wirtschaft über Steuern und andere Mechanismen, um sicherzustellen, daß Kapital fließt, um den Aufbau und Erhalt dieser 50 Prozent der Wirtschaft im öffentlichen Sektor zu tragen. Das gilt für den öffentlichen Sektor unter der Bundesregierung, den Bundesstaaten und der Städte und Gemeinden: unsere örtliche Wasserversorgung, Polizei, Schulen usw. Diese Dinge sollten öffentlich finanziert werden.
Ein Teil davon kann in private Hände gelegt werden, was auch geschieht. Zum Beispiel war es früher so: Es gibt in einem Bundesstaat ein öffentliches Vorhaben. Sagen wir, man will ein Kraftwerk bauen. Die Landesregierung oder die Bundesregierung richtet eine entsprechende Behörde ein und baut das Kraftwerk. Dann gründet sie ein Unternehmen, das reguliert ist, einen öffentlichen Versorgungsbetrieb.
Die Menschen können dort ihre Ersparnisse investieren, denn im allgemeinen erhalten sie eine garantierte Rendite. So können öffentliche Versorgungsbetriebe ein vielversprechender Weg sein, Vermögen anzulegen, indem die Menschen direkt Anleihen staatlicher Unternehmen kaufen oder indirekt über Bankeinlagen investieren. In einem guten System legen die Banken einen Großteil der Einlagen ihrer Kunden in staatlichen Einrichtungen an. Man vertraut sein Geld der Bank an, die ihrerseits einen Teil davon in staatliche Einrichtungen investiert, die gewisse Sicherheiten bieten. Das waren unter dem alten regulierten System die sichersten Anlagen auf lokaler Ebene.
Das haben wir kaputt gemacht! Wir wollten lieber "freien Handel" und kürzten alles, was für die Arbeitgeber vor Ort uninteressant war. Etwa die Schulen, die wurden privatisiert. Man kümmerte sich wenig um die Interessen der Gesamtbevölkerung und privatisierte einen Teil des früher öffentlichen Schulwesens...
In einer gesunden Volkswirtschaft mißt man die Wirkung des Geldes daran, inwieweit das Währungssystem bestimmte realwirtschaftliche Zwecke erfüllt oder nicht. Solche Zwecke sind etwa die Erschließung des Landes, die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen, des Gesundheitswesens, die Förderung des Gemeinwohls. Funktioniert das monetäre System? Tut es das nicht, muß man es re-regulieren oder anpassen.
Heute erleben wir einen Zusammenbruch der amerikanischen Wirtschaft. Unsere Wirtschaft erreicht nicht mehr die Rentabilitätsschwelle...
Wir müssen also unsere Industrie wieder aufbauen. Woher soll das Geld dafür kommen? Unsere Verfassung sieht vor, daß die Bundesregierung mit Zustimmung des Repräsentantenhauses Schulden in Form von Gelddrucken oder der Ausgabe von Geld aufnehmen kann. Wir könnten es machen wie Roosevelt: Wir schöpfen Kredit über die Bundesregierung, die nach Maßgabe unserer Verfassung die einzige Stelle ist, die rechtmäßig Geld schaffen kann. Die Federal Reserve und besonders Alan Greenspan betrügen in der Hinsicht, aber den können wir ohnehin bald aus dem Verkehr ziehen...
Das System, in dem wir jetzt sind, ist hoffnungslos. Das derzeitige Währungssystem ist am Ende. Greenspans Machenschaften mit der Federal Reserve seit 1987 haben einen riesigen Berg von Schulden, von Finanzderivaten, "Hedgefonds-Schulden" und ähnlichem geschaffen, den man niemals bezahlen kann. Wir sprechen von einer Weltwirtschaft in einer Größenordnung von nicht mehr als 60 Billionen Dollar. Dem gegenüber stehen Zahlungsverpflichtungen im Zusammenhang mit Finanzderivaten von etlichen Billiarden, vielleicht mehreren hundert Billiarden Dollar. Das kann und wird niemand zurückzahlen!...
Deshalb müssen wir die Volkswirtschaft und das Bankenwesen der Vereinigten Staaten einem Konkursverfahren unterziehen. Praktisch die ganze Welt muß sich einem solchen allgemeinen Konkursverfahren unterziehen...
Dabei übernimmt die Bundesregierung entsprechend der Verfassung treuhänderisch die Federal Reserve, denn die ist bankrott. In dem Fall ist die Regierung zuständig. Es gibt keine andere rechtmäßige Einrichtung, die mit einem Bankrott der Federal Reserve umgehen kann.
Wie gehen wir vor? Wir stellen sicher, daß die Wirtschaft weiterläuft. Wie tut man das? Genauso wie bei jedem Konkursverfahren: Man setzt eine Insolvenzverwaltung ein. Die entscheidet, was bezahlt wird und was nicht. Und eines wissen wir jetzt schon sicher: Verpflichtungen aus Derivatgeschäften werden nicht bezahlt. Sonst ist es aussichtslos. Wenn wir diesen parasitären Bereich beseitigen, haben wir eine Chance.
Was als nächstes? Man muß versuchen, die Sparguthaben schützen. Man will sich nicht zu sehr in das Privatleben der Menschen, vor allem der einfachen Bürger einmischen. Man will dafür sorgen, daß ihre Spareinlagen sicher sind, zumindest bis zu einem bestimmten Betrag. Man sorgt dafür, daß die örtlichen Betriebe weiterarbeiten können wie vorher. Es muß ausreichend Kredit bereitstehen, um das aufrechtzuerhalten. Die Regierungen der Bundesstaaten und Kommunen müssen funktionieren. Aber sie dürfen keine Währung ausgeben. Daher steht die Bundesregierung in der Verantwortung. Wer reguliert? Die Bundesregierung mit Zustimmung des Repräsentantenhauses.
Man kann Kredite schöpfen, so wie Roosevelt das tat, um die Wirtschaft in die Gewinnzone zu bringen...
Zusätzlich dazu braucht neue Vorhaben in den Spitzenbereichen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, die gleichzeitig auch eine enorme Kapitalverbesserung bedeuten. Wir brauchen Energie. Wissen Sie, wie viele Kraftwerke und Stromnetze erneuert und ersetzt werden müssen? Das bedeutet Arbeitsplätze für viele Menschen und wird viel Wachstum anregen. Wissen Sie, was wir für ein gutes landesweits Verkehrsnetz brauchen - wo Schiene und Flugzeug eine Einheit bilden, damit Güter und Personen von Küste zu Küste gelangen, wie man in der Wirtschaft braucht? Das müssen wir aufbauen. Das ist ein riesiges Projekt. In vielen Teilen des Ostens der USA bekommt man kein sauberes Trinkwasser mehr aus dem Wasserhahn. Wir müssen die dazu erforderlichen Wasserversorgungs- und Wasseraufbereitungssysteme wieder aufbauen...
Es gibt also viele Investitionen, die dringend geboten sind...
Wir müssen den wirtschaftlichen Zusammenbruch aufhalten, in Amerika, in Europa und weltweit, und einen Wiederaufbau beginnen...
Unter diesen Bedingungen wird sich die Welt verändern; nicht nur eine Verbesserung der Technik, sondern allgemein. Etwa seit dem 15. Jahrhundert, besonders aber seit dem 17. Jahrhundert, gründet sich die Weltgeschichte auf Europa, auf die europäische Zivilisation. Dies schließt die Vereinigten Staaten, den ganzen amerikanischen Kontinent ein. Der Rest der Welt hatte noch nie ein Regierungssystem, das wirklich auf dem Prinzip des Gemeinwohls gründete. Es gab und gibt in verschiedenen Ländern Bemühungen um die Verbesserung der Lebensumstände der Menschen. Aber die Vorstellung einer Regierung, die sich dem Gemeinwohl der gegenwärtigen und zukünftigen Generationen verpflichtet, das gibt es nicht.
Ein Beispiel: Indien gilt als eine starke Volkswirtschaft, sie ist es aber nicht. 70 Prozent der Inder leben unter schrecklichen Lebensbedingungen. Das einer Gründe, warum das Land so viel in die USA exportiert: Sie zahlen ihrer eigenen Bevölkerung nicht genug, um leben zu können. 70 Prozent der Bevölkerung müssen darunter leiden, daß die Preise für die Güter und Dienstleistungen, die sie den Vereinigten Staaten und Europa liefern, so niedrig sind.
In China ist die Lage ähnlich. China hat andere problematische Eigenschaften als Indien. Aber beide sind ähnlich in dem Sinne, daß beide Länder asiatische Kulturen verkörpern, denen im allgemeinen das Verständnis des Gemeinwohls als wirtschaftspolitisches Konzept der Staatskunst fehlt. Das ist in der Weltgeschichte eine einzigartige Errungenschaft der europäischen Zivilisation, seit Solon und Platon, insbesondere aber seit der europäischen Renaissance des 15. Jahrhunderts...
Aber wir sind inzwischen in einer Phase, in der die Bevölkerung vor allem in Asien schnell wächst. Und daher stehen wir nicht nur vor der Herausforderung, wirtschaftlich wieder rentabel zu arbeiten, sondern auch, eine eurasische Kultur zu erreichen: d.h. wir müssen den wirtschaftlichen Wiederaufbau in Amerika und Europa mit den Hoffnungen und Bedürfnissen einer wachsenden asiatischen Bevölkerung zusammenbringen. Es muß sich ein gegenseitiges Verständnis zwischen den europäischen Ländern und den Ländern asiatischer Kulturen entwickeln, das eine neue kulturelle Einstellung schafft: von der Auffassung, daß die europäische Kultur den Planeten beherrscht, hin zum Gedanken einer eurasischen Erde.
Wenn uns das gelingt, können wir uns auch Afrika zuwenden. Im Afrika südlich der Sahara gibt es Völkermord. Das kommt aus einer Politik systematischen Völkermords an Afrikanern, die 1492 von der spanischen Inquisition begonnen wurde...
Seit den 70er Jahren besteht gegenüber Afrika eine Politik, die - wie Henry Kissinger ausdrücklich verkündete - auf die Entvölkerung der Region südlich der Sahara abzielt. Afrika sollte nicht den Afrikanern gehören. Seit Mitte der 70er Jahre betreiben die anglo-holländisch-amerikanischen Interessen gegenüber Afrika diese völkermörderische Politik...
In bestimmten Wohngebieten kommen HIV-Infektionen und andere Kofaktoren in einer enormen Massierung zusammen. AIDS verbreitet sich massiv, weil jeder es an jeden überträgt. Den Mittelpunkt davon bilden oft die Gefängnisse. In einem Gefängnis vollzieht sich die Konzentration der Seuchen und Krankheiten der eingelieferten und entlassenen Insassen nicht nach einem statistischen, sondern einem dynamischen Modell. Eine Analyse eines solchen dynamischen Modells zeigt einen Vorgang, den man in einem bestimmten Stadtteil findet: sterbende Menschen, die an vielen Krankheiten zugleich erkrankt sind, und dabei verbreiten sie AIDS, Tuberkulose und andere Infektionen an viele andere Menschen weiter.
Manche Leute suchen nun nach einem bestimmten Erreger oder einem bestimmten Übertragungsweg, aber sie vernachlässigen die Gesamtheit des Problems. Sie sehen nicht, daß die Armut die Krankheit ist, der Dreck, die schrecklichen Lebensumstände...
Wir sind aber alle Menschen, wir sind eine Menschheit. Und wenn wir es schaffen, für eurasische Entwicklung und die Entfaltung einer eurasischen Kultur zusammenarbeiten, müssen wir uns diesem schrecklichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Afrika stellen. Wir müssen in diese Gebiete mit derartigen Krankheiten und diesen Lebensbedingungen hineingehen, in denen die Sterberate so hoch ist, daß die Familienstrukturen zerstört werden. Das verstehe ich unter einer eurasischen Politik...
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