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Aus der Neuen Solidarität Nr. 14/2006

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Absurde Holzverschwendung durch Biomassekraftwerke

Eine für Polen verbindliche Öko-Richtlinie der Europäischen Union schreibt einen über die Jahre wachsenden Biomasseanteil an der Stromerzeugung vor. Anderenfalls drohen dem Land riesige Geldstrafen. Um andere politische Vorteile des EU-Beitritts nicht zu gefährden, beugte sich Polens Regierung den Vorschriften und stellte die Errichtung entsprechender Kraftwerke bzw. die Umrüstung bisheriger Kohlekraftwerke sicher.

Inzwischen wird in diesen Kraftwerken immer mehr Holz verbrannt. Schon reichen minderwertige Holzabfälle nicht mehr aus, um den Bedarf zu decken. Unter der ironischen Überschrift "Wunder des 21. Jahrhunderts" berichtet die polnische Zeitung Rzeczpospolita kürzlich, daß inzwischen, um die Brennstoffnachfrage der Kraftwerke zu decken und die Stromversorgung zu sichern, sogar bestes Bauholz verfeuert wird - Hölzer, die sich zuvor nur die Möbelindustrie im Lande leisten wollte, von der Bauindustrie zu schweigen.

Inzwischen streiten sich Kraftwerksbetreiber, Möbel-, Papier- und Bauindustrie um die knapper werdenden Rohstoffe aus den Wäldern, die nicht so schnell nachwachsen können, wie sie abgeholzt und verfeuert werden. Dieser Raubbau habe die Holzpreise im vergangenen Jahr bereits um 40 % steigen lassen. Das zwinge vor allem die Möbel- und Papierindustrie, ihre Werke ins Ausland zu verlagern. Nun versucht die Möbelfirma Kronowood durch Klage vor Gericht - mit zweifelhaften Erfolgsaussichten - den Holzanteil, der zur Verbrennung freigegeben wird, einschränken zu lassen.

Diese Realsatire zeigt, welchen ökologischen Schaden eine Bürokratie, die sich aus orthodoxen Ökofreaks rekrutiert, von ihren Beamtenstuben aus anrichten kann. Sie hat aus Gedankenlosigkeit und blindem Öko-Fanatismus in Polen - und möglicherweise bald auch anderswo - Energieproduzenten zum preistreibenden Raubbau an den heimischen Wäldern gezwungen. Wehret den Anfängen und steigt aus dem Atomausstieg möglichst rasch wieder aus!

Dr. Helmut Böttiger