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Aus der Neuen Solidarität Nr. 18/2006 |
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Die LaRouche-Jugendbewegung und die BüSo in Berlin wollen im Wahlkampf die Bürger für eine wirkliche Lösung der heutigen Wirtschafts- und Finanzkrise mobilisieren.
"Keine Agitation, ums Himmels willen keine Agitation! Agitation um keinen Preis! Auch zu den besten Zwecken keine Agitation!", rief eine süddeutsche Zeitung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angesichts der damaligen Unruhe unter süddeutschen Industriellen aus. Die Aufregung war wegen eines Vertrages entstanden, der es den englischen Produzenten erlaubte, Deutschland ohne jeden Schutzzoll mit Billigwaren zu überschwemmen, worauf viele Firmen bankrott gingen.
Damals war die Zeit der Revolutionen und Verfassungsbewegungen. Deutsche Studenten kämpften im Befreiungskrieg gegen Napoleon. Friedrich List schrieb sein Buch über Das nationale System der politischen Ökonomie, das eine der Grundlagen für die Entstehung der heutigen Industrienationen bildete. Überall sollten Nationalstaaten im Sinne der USA entstehen, und Royalisten hatten ihre liebe Not, die Unruhen zu erdrücken. Doch es half alles nichts, die Monarchie lag im Sterben.
Auf der einen Seite war es eine Zeit vieler Umwälzungen und Neuerungen, aber auf der anderen Seite hatten auch die damaligen Patrioten und Neuerer ihre liebe Not mit den Menschen. Hier ein paar Auszüge aus Friedrich Lists Zollvereinsblatt von 1843:
"Von Leidenschaften, nämlich denen der edleren Gattung, muß der gesellschaftliche wie der physische Körper in Bewegung gesetzt sein, soll er zumal in Zeiten großer Katastrophen seine Bestimmung erfüllen ... Das Erwachen edlerer Leidenschaften in der Nation hat Deutschland befreit (von der Napoleonischen Herrschaft) ...
Unter allen zivilisierten Nationen gibt es jedoch keine, die, so ausschweifend sie ist in der Theorie, in praktischen Dingen so sehr zum Niederlegen und Einschlafen geneigt wäre wie die Deutsche. Wir sind eine phlegmatische, eine an Förmlichkeiten hängenden, dilatorische, prokrastinierende, bedächtliche, umständliche Nation ..., die sich gegen alles weiter hinausliegende förmlich verschanzt und in großen Dingen nur mit Mühe zu dem Entschluß zu bringen ist, einen Fuß vor den andern zu setzen ... Hier liegt die Gefahr im Einschlafen, im Eintrocknen, im Versteinern des Geistes und der Formen. Es war von jeher nur jugendliche Torheit oder eitle Besorgnis, wenn man in einer solchen Nation eine Revolution für möglich hielt."
Das bestätigt uns auch Heinrich Heine in mehreren seiner Schriften, hier aus Ludwig Börne über das Hambacher Fest 1832:
"... Jeder sah ein, es sei der rechte Moment zu dem großen Wagnis, und die meisten setzten gerne Glück und Leben aufs Spiel ... Was war es aber, was die Männer von Hambach abhielt, die Revolution zu beginnen? Ich wage es kaum zu sagen, denn es klingt unglaublich ... Als die Frage der Kompetenz zur Sprache gekommen, als man darüber stritt, ob die zu Hambach anwesenden Patrioten auch wirklich kompetent seien, im Namen von ganz Deutschland eine Revolution anzufangen, da seien diejenigen, die zur raschen Tat rieten, durch die Mehrheit überstimmt worden, und die Entscheidung lautete: 'Man sei nicht kompetent'.
O Schilda, mein Vaterland! ... Es ist die beste Geschichte, die ich je auf dieser Erde erfahren habe. Wenn ich daran denke, vergesse ich alle Kümmernisse dieses irdischen Jammertals ... Ich möchte sie jedenfalls in Verse bringen und in Musik setzen lassen, damit sie großen Königskindern als Wiegenlied vorgesungen werde ... Ihr könnt ruhig schlafen, und zur Belohnung für das furchtheilende Lied, das ich euch gesungen, Ihr großen Königskinder, ich bitte Euch, öffnet die Kerkertüren der gefangenen Patrioten ... Ihr habt nichts zu riskieren, die deutsche Revolution ist noch weit von Euch entfernt, gut Ding will Weile und die Frage der Kompetenz ist noch nicht entschieden ... O Schilda, mein Vaterland!"
Die hier beschriebene Mentalität ist wohl auch heute noch nicht überwunden, egal, ob man sich die wirtschaftliche Seite oder den Charakter anschaut. Der Mittelstand stirbt aus oder wird von Heuschrecken übernommen, welche dann die Produktionsstätten in Deutschland schließen, um in Billiglohnländern produzieren zu lassen. Die von Friedrich List benannten produktiven Kräfte, die das Potential eines Landes zum Wohlstand und ausreichendem Lebensstandard beschreiben, schwinden immer mehr. Das Weltfinanzsystem steht kurz vor dem totalen Bankrott. Lyndon LaRouche gibt dem System noch 90 Tage. Wo bleibt da die Unruhe unter den Menschen?
Die charakterliche Eigenschaft, leidenschaftlich für eine Nation und Wirtschaft in einem Land zu kämpfen, ist hier in Europa durch unsere supranationale, imperiale Oberregierung in Brüssel nicht vorgesehen, und die jeweiligen Landesregierungen ziehen brav mit. Daß das aber nicht immer funktioniert, sieht man momentan an Frankreich. Obwohl nicht gerade friedlich und gut koordiniert, versuchen die Franzosen wenigstens, sich nicht noch das letzte Gramm Butter vom Brot nehmen zu lassen.
Doch die Deutschen sind da eher gemächlicher. Wenn bei uns etwas derartiges passiert, wird vielleicht ein kleiner Streik oder eine Demonstration veranstaltet, aber im Nachhinein wird doch von den Lösungsmöglichkeiten, die uns heute vorgesetzt werden und die alle dasselbe bieten, das kleinere Übel gewählt, anstatt die grundlegenden Bedingungen zu ändern.
Am Informationsstand der LaRouche-Jugendbewegung und der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) wurden wir letzte Woche mit dieser Mentalität direkt konfrontiert. In der Berliner Innenstadt fand der 18. deutsche Bankentag statt, also tauchten wir mit einem großen Banner "Zentralbänker in Panik, Weltfinanzsystem in der Krise" und Infotisch dort auf. Die Friedrichstraße in Berlin ist eine der führenden Adressen für gutsituierte Menschen aus Berlin und der Welt. Es liefen also nicht nur Besucher des 18. deutschen Bankentags vorbei, sondern auch Vertreter des Mittelstands und diverser Institutionen.
Fast jede Person, die irgendetwas mit Finanzen zu tun hat, bestätigte die Krise im internationalen Finanzsystem. Die Lösungen aber, worauf diese Vertreter bestanden, waren erschreckend. Einer bestand darauf, weniger Staat sei die einzige Möglichkeit, man müsse weiter und immer weiter deregulieren. Andere, die selbst einen Hedgefonds leiten, sagten: "Es gibt zwei verschiedene Arten von Menschheit, und der Islam ist der Feind aller Menschen!" Eine weitere Person zischte: "Die Banken werden die Krise schon bewältigen, nicht ihr." Es kam uns vor, als wollte man noch neoliberaler sein als alle Heuschrecken der Hedgefonds zusammengenommen. In einem Geschichtsbuch über die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts bemerkte mal einer: "Die Royalisten waren royalistischer als der Royalismus, und diese brachten die Monarchie zu Fall".
Einige Rentner blieben stehen und sagten, ihre Eltern hätten die Inflation von 1923 miterlebt. Sie gaben zwar zu, daß wir jetzt in erheblichen Schwierigkeiten stecken, aber auch sie wollten nicht über die heutigen Anzeichen einer neuen Hyperinflation nachdenken. Und wenn es diese Inflation denn gäbe - man könnte ja eh nichts dagegen tun! (Sie, liebe Leser, wissen natürlich, daß dies nicht stimmt).
Eine BüSo-Kollegin versuchte es mit Humor und flüsterte den Passanten zu: "Sie wissen doch, daß George Bush ins Irrenhaus gehört?" Dies brachte so manchen Berliner zum Lachen - und zum Stehen. Oft hilft die Ironie einer Aussage, daß man den anderen dazu bringt, nicht länger zu verdrängen, sondern über die Schrecklichkeit der heutigen Lage zu lachen.
Das bewies die These von Herrn LaRouche: Wenn man den Menschen von den positiven Entwicklungen erzählt, welche die LaRouche-Jugendbewegung in den USA bewirkt, denken die Menschen über die Lage nach. Das zeigte uns, daß es heute nicht anders ist als damals. Und wir von der LaRouche-Bewegung haben beschlossen, die Kompetenzfrage zu entscheiden. Denn damals wie heute gibt es eine Lösung für die wirtschaftlichen wie die finanziellen Probleme. Wir müssen uns nur an die großen Geister wie G.W. Leibniz, Friedrich List, Alexander Hamilton usw. erinnern.
LaRouche macht das und schlägt vor, das Weltfinanzsystem zu ändern und dadurch wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung, wie ihn z.B. Franklin Delano Roosevelt durch seinen New Deal in Gang gesetzt hat, zu erzeugen. Wir brauchen nicht dem Untergang des Finanz- und Wirtschaftssystems zuzusehen, wir können und müssen jetzt das Finanzsystem verändern und dadurch unsere Produktivkräfte erhalten.
Unseren "phlegmatischen Charakter" müssen wir durch Agitation verändern. Unsere Demonstrationen müssen einheitlich auf Veränderung zielen und dürfen nicht in verschiedenen, kleinen "Ich will keine Kürzung"-Demos verenden. Wir, die LaRouche-Jugendbewegung in Berlin, fangen damit an. Jeder muß mitmachen, und durch die Senatswahlen in unserer Hauptstadt werden wir zeigen, wo wir hin müssen. Also kommt alle nach Berlin und unterstützt uns in unserem Kampf!
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Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei,
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Jessica Tremblay und Matthias Kraume
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