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Aus der Neuen Solidarität Nr. 19/2006

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Aus Wissenschaft & Technik


Transrapid: Gütertransport durch die Wüste
Aufruf zu einem industriellen Kernfusionsprogramm

10 000 000:1 für Fusionsenergie

Kirchner kündigt Hochgeschwindigkeitsstrecke an

Neues Wissenschaftsprogramm für Argentinien

Transrapid: Gütertransport durch die Wüste

Der Siemens-Konzern ist bei einer möglichen Transrapid-Güterverkehrsvariante in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Rennen. Anfang Mai soll bereits das Ergebnis entsprechender Studien und Vorarbeiten als Grundlage für die Festlegung der weiteren Vorgehensweise präsentiert werden. Dies berichtet die Tageszeitung Nürnberger Nachrichten unter Berufung auf ein Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Siemens-Verkehrstechnik Transportation Systems (TS) in Erlangen, Hans M. Schabert. Kurz vor dem Abschluß stünden demnach Verhandlungen über eine Machbarkeitsstudie für eine rund 150 Kilometer lange Transrapidstrecke zwischen Qatar und Bahrain. Kurz vor dem Abschluß stehe auch der Liefervertrag für mehrere Hochgeschwindigkeitszüge auf der Strecke Moskau-St. Petersburg, so wie es auf der Hannover Messe 2005 vereinbart wurde.

Insgesamt habe der Bereich Verkehrstechnik von Siemens eine ordentliche Substanz, versicherte Schabert. Während man noch im letzten Sommer eher über eine Kapazitätsanpassung nachgedacht habe, suche man jetzt in einzelnen Ingenieurbereichen neues, qualifiziertes Personal. Inzwischen schreibe TS seit sechs Quartalen wieder schwarze Zahlen, im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 42 Millionen Euro.

Aufruf zu einem industriellen Kernfusionsprogramm

Das britische Magazin Nuclear Engineering International berichtet optimistisch über einen beschleunigten Zeitplan zur kommerziellen Stromerzeugung mit Fusionsenergie. Dazu kommentierte Lyndon LaRouche: "Ich bin voll dafür!"

Einer detaillierten Studie der britischen Atomenergiebehörde (AEA-UK) in Culham zufolge soll der Bau eines Prototyps namens DEMO (für Demonstration) des ersten Fusionskraftwerks 2023 beginnen und ab 2032 Strom erzeugt werden. Innerhalb weiterer zehn Jahre wäre dann mit dem Bau kommerzieller Fusionsreaktoren zu rechnen. Die Konzipierung und Planung des DEMO soll sofort beginnen, wobei man die Erfahrungen beim Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktor (ITER) nutzen will, der jetzt im französischen Cadarache unter Beteiligung der EU, Japans, Rußlands, der USA, Chinas und Südkoreas gebaut wird.

In der Studie der AEA-UK wird zur schnellen Entwicklung der Fusion aufgerufen. Nuclear Engineering vermutet sogar, daß es schneller gehen könnte, "wenn man größere Risiken auf sich nähme, beispielsweise indem man mit dem Bau des DEMO beginnt, bevor die Tritiumbildung in situ demonstriert wurde. [Fusionsreaktoren "brüten" ihren Brennstoff Tritium selbst, wenn schnelle Neutronen eine Transmutation des Lithiums in der Reaktoreinfassung auslösen.] Die Risiken könnten durch den parallelen Bau mehrerer Maschinen auf jeder Stufe vermindert und der Zeitplan vielleicht beschleunigt werden."

In dem Magazin wird betont, daß ein anderer Ansatz als bisher erforderlich ist: "Um den Zeitplan einzuhalten, muß die ,Fusionsgemeinde' ihren Fokus ändern und sich auf eine projektorientierte ,industrielle' Herangehensweise orientieren, natürlich in Verbindung mit dem notwendigen politischen Rückhalt und Finanzierung." Letztlich, so das Magazin weiter, werde die Arbeit an alternativen magnetischen Eindämmungskonfigurationen wie Sphäromaks und Stelleratoren zum Erfolg beitragen. Genau diesen Ansatz hatte das Fusions-Energie-Forum (FEF) schon vor 25 Jahren gefordert.

10 000 000:1 für Fusionsenergie

Die Energieausbeute einer Fusionsreaktion ist etwa zehnmillionenmal größer als die fossiler Energieträger. Um 1 GW elektrischen Stroms zu erzeugen, benötigt ein Fusionskraftwerk 1 kg Deuterium-Tritium-Gemisch pro Tag, ein Kohlekraftwerk dagegen 10 000 000 kg Kohle.

Bei der Kernfusion werden die zwei Wasserstoffisotope H2 (Deuterium, D) und H3 (Tritium, T) verschmolzen: D + T = He4 + Neutron + Energie. Deuterium wird aus einfachem Wasser gewonnen. Mit 45 l Wasser (einer halben Badewanne) kann man den britischen Pro-Kopf-Verbrauch für die nächsten 30 Jahre decken. Das Lithium einer Laptopbatterie enthält genug Rohmaterial für das dafür benötigte Tritium. Der amerikanische Pro-Kopf-Verbrauch an Strom liegt mit etwa 1 kWh pro Person und Tag zwischen 1/3 und 1/2 über dem der Europäer.

Um jedem der sechs Mrd. Menschen auf der Erde täglich 1 kWh Strom zukommen zu lassen, braucht man 6 000 Kraftwerke mit einer installierten Leistung von je 1 GWe. 1 kWh Strom kostet etwa 6,4 Eurocent, d.h. 1,536 Euro pro Tag, und dieser Preis dürfte bei ökonomischem Kraftwerksbau mit Brennstoffkreislauf sinken. Dazu müssen nur die Rohatyns dieser Welt abgelöst, die Kreditflüsse reorganisiert und der Bau von Atom- und dann von Fusionskraftwerken erlaubt werden, um die Menschheit mit dem Nötigen auszustatten.

Kirchner kündigt Hochgeschwindigkeitsstrecke an

Der argentinische Präsident Néstor Kirchner kündigte bei einer Veranstaltung im Präsidentenpalast am 27. April eine Ausschreibung unter der Projektbezeichnung "Circuvalar" für den Bau einer Reihe von Eisen- und Autobahnen an. Dabei soll eine Umgehungsbahn um die wichtige Hafen- und Industriestadt Rosario in der Region Santa Fé am Parana nordwestlich von Buenos Aires gebaut werden, um die Straßenverbindungen zu den Hafen- und Bahnanlagen der Stadt zu entlasten. Dies sei ein strategisches Projekt des Staates, das Rosario zu einem argentinischen Sáo Paulo machen werde - aber ohne die Probleme dieses brasilianischen Industriezentrums. Kirchner bekannte sich als "entschiedener" Unterstützer des Projekts, aber er habe auch noch einen anderen Traum: den einer Hochgeschwindigkeitsbahn von Buenos Aires nach Rosario mit einer Reisezeit von nur 90 Minuten gegenüber derzeit vier Stunden. Für später sei auch eine schnelle Verbindung südwärts nach Mar del Plata geplant. In Verbindung mit den geplanten Autobahnen trügen diese Projekte zur "wirtschaftlichen Transformation" des Landes bei. "Wir müssen beginnen, ein anderes Land aufzubauen", sagte Kirchner.

Neues Wissenschaftsprogramm für Argentinien

Mit der Sparpolitik, die in den 80er und 90er Jahren Tausende Wissenschaftler zwang, Argentinien zu verlassen und anderswo ein Auskommen zu finden, hat die Regierung Kirchner jetzt Schluß gemacht. Sie kündigte eine drastische Steigerung der Ausgaben für die Gehälter der Wissenschaftler und die Stipendien des Nationalen Rats wissenschaftlicher und technologischer Forschung (CONICET) an. Erziehungsminister Daniel Filmus berichtete am 28. April, CONICET-Arbeiter, Forscher und Stipendiaten würden jetzt 19 % mehr verdienen. Seit Kirchner 2003 sein Amt antrat, habe die Regierung mit Blick auf die Jugend, die Gehälter der CONICET-Angestellten bereits um 141 % erhöht. Die jungen Leute in Wissenschaft und Technologie auszubilden, sei entscheidend für die Ausweitung des argentinischen Kernenergieprogramms. Zur Zeit werde der seit 1994 stillstehende Bau des dritten Meilers Atucha II zum Abschluß gebracht. Schon letztes Jahr im Mai hatte Energieminister Daniel Cameron darauf hingewiesen, daß Argentinien mit der Vernachlässigung des Energiesektors seit Ende der 80er Jahre zwei Generationen von Wissenschaftlern, Fachleuten und Arbeitern verloren hat. Das Durchschnittsalter der Wissenschaftler, die noch in diesem Bereich arbeiten, liegt bei 54 Jahren.

 

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