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Aus der Neuen Solidarität Nr. 21/2006 |
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Von Lyndon LaRouche
Diese grundlegende wirtschaftstheoretische Schrift entstand im Dezember 2005. Wir veröffentlichen sie in mehreren Teilen. Es folgt die zweite Hälfte des 2. Kapitels.
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Einleitung
2. Der Preis hat nichts zu sagen! 3. Das jetzt benötigte Sofortprogramm 4. Die Biosphäre über einen langen Zeitraum |
"Infrastruktur"
Eine Lehre von Präsident Kennedy
Animationen als Werkzeug
Damit die Menschheit sich auf unserem Planeten entwickeln konnte, mußten zuvor bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Das Sonnensystem und seine Planeten mußten eine gewisse Entwicklung durchlaufen haben - von der Entwicklung des Systems pflanzlicher und tierischer Lebensformen bis hin zu dem Stadium, wo der Mensch als Erkenntniswesen den Planeten so vorfinden konnte, daß er für die geistige Lebensform unserer Gattung bereit war. So existierten beispielsweise die Vorbedingungen für das erste Auftauchen und die Entwicklung der menschlichen Gattung aus dem "primitiven Urzustand" erst dann, als lebende Prozesse die Ozeane und die sauerstoffhaltige Atmosphäre an der Oberfläche unseres Planeten geschaffen hatten und nachdem die Säugetiere entstanden waren.
Aus praktischen Gründen richten wir unsere Aufmerksamkeit nun vor allem auf die bekannten Bedingungen und Vorbedingungen der Systeme menschlicher Aktivität seit der Zeit, als vor ungefähr 20 000 Jahren die in vielen Phasen über hunderttausende von Jahren entstandene Vereisung auf der nördlichen Halbkugel abschmolz - besonders auf den Zeitraum seit dem Beginn der uns bekannten Zivilisationsgeschichte vor über 10 000 Jahren. Die allgemeine Einsicht in die ableitbaren Prinzipien der physikalischen Wirtschaftswissenschaft veranlaßt uns zu einer Beschäftigung mit den Folgen des Anstiegs des Meeresspiegels, der langen Wellen der Wüstenbildung in Nordafrika, Kleinasien usw. sowie der Veränderungen der sozialen Organisation und der Aktivitäten, die mit einem Anstieg der Lebenserwartung und des Lebensstandards unterschiedlicher Völker in unterschiedlichen Regionen einhergehen. Es geht also darum, die wechselseitige Beziehung der Menschheit zu ihrer Umgebung herauszuarbeiten.
Besonders auffällig an der Vorgeschichte/Geschichte dieser Entwicklungen ist die Tatsache, daß die verhältnismäßig entwickeltsten Kulturen, die wir in jener Frühzeit antreffen, Seefahrerkulturen waren, deren wichtigste Ableger als transozeanische bzw. küstenbesiedelnde Kulturen auftauchen, die sich dann auch flußaufwärts ausbreiteten. Erst mit dem Bau der Eisenbahnen im 19. Jahrhundert ging dies in die noch heute anhaltende Entwicklung der inländischen Gebiete abseits der großen Wasserstraßen über.
Man vergleiche das allgemeine Muster der vergangenen rund 10 000 Jahre mit der geschichtlichen Entwicklung der USA zur ersten transkontinentalen Nation der Welt, vom Atlantischen bis zum Pazifischem Ozean und von der kanadischen bis zur mexikanischen Grenze. Die Nation entstand als einheitliches Staatsgebiet erst durch die Wasserwege, dann durch die Eisenbahnen und später durch die Stromnetze. Ähnliche Entwicklungsmuster findet man in Europa.
Nur durch das Anheben des physischen und kulturellen Lebensstandards und des Ausbildungsniveaus der Jugend erreichten Europa und die Nationen Amerikas den Grad an Fortschritt, dessen sie sich erfreuten, bis sie seit etwa 1971-72 und ganz besonders seit 1977-82 mit wachsender Geschwindigkeit von allgemeinem Niedergang und Dekadenz ergriffen wurden. Seitdem ist der Zusammenbruch der US-Wirtschaft ebenso wie der parallele Niedergang von Organisationsgrad und Kultur in Europa vor allem verbunden mit einer Kombination aus Verschleiß durch Vernachlässigung grundlegender wirtschaftlicher Infrastruktur und sozialer Standards und dem Verzicht auf Weiterentwicklung von Produktion und Ausbildung durch technischen Fortschritt. Bezeichnend ist, wie in den letzten 40 Jahren in Europa, Nord- und Südamerika der früher vorherrschende effiziente produktive Entwicklungsstand des geistigen Potentials der Bevölkerung verschwunden ist. Die 1963 vom Pariser Büro der OSZE erstellte Bildungsstudie veranschaulicht den Trend der moralischen Degeneration in der Geistesentwicklung der europäischen Jugend.
Diese letzten 40 Jahre des Niedergangs der Nachkriegsgesellschaften Amerikas und Europas - angefangen besonders auffällig mit den Folgen der Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy und dem Beginn des Kriegs der USA in Indochina - zeigen anschaulich, welche Bedeutung Entwicklung und Erhalt der "grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur" für den Lebensstandard der Bevölkerung wie für die Produktivkraft pro Kopf und km2 Landfläche haben.
Man betrachte den Niedergang der Realwirtschaft der USA und der anderen Staaten Amerikas sowie Europas seit dem Abrutschen der Volkswirtschaften in eine Kombination aus einem inhärent inflationären Währungssystem freier Wechselkurse mit dem Schwenk der Volkswirtschaften zu "nachindustriellen Dienstleistungsgesellschaften" von 1971-81 (siehe dazu die Abbildungen im Anhang). Dieser Wandel geschah unter dem Einfluß eines langwelligen Prozesses des Abrückens von einer modernen Volkswirtschaft hin zu einer "Globalisierung", die nun schon bald eine Parodie der europäischen Gesellschaftsform im Mittelalter von etwa 1000 n.Chr. bis zum Absturz in ein "neues Finsteres Zeitalter" im 14. Jahrhundert ist.
Bis vor kurzem ließen sich einige der schlimmsten Auswüchse der "nachindustriellen" und "Globalisierungs"-Trends in der Politik von 1971-2004 vorübergehend kaschieren, weil die hauptsächlichen Kapitalinvestitionen in einer gut entwickelten, modernen Volkswirtschaft in den relativ langlebigen und zentralen Kapitalstock von Landwirtschaft, Industrie und grundlegender wirtschaftlichen Infrastruktur erfolgen. Diese Investitionen in Realkapital haben eine realwirtschaftliche Lebensdauer von ungefähr ein bis zwei Generationen von jeweils einem Vierteljahrhundert, oder noch länger. Typische Fälle langfristiger Kapitalinvestitionen, die durch Nichtgebrauch, Verschleiß oder fehlenden Ersatz über schon fast vier Jahrzehnte dahinschwinden, sind der öffentliche Verkehr, Stromerzeugung und -verteilung, das Gesundheits- und Bildungswesen, Wasserwirtschaft, die unabhängige Landwirtschaft, städtische Infrastruktur und allgemein das Niveau der Methoden und Inhalte der Bildung. Nahezu 40 Jahre gewohnheitsmäßig sorgloser bis böswilliger Vernachlässigung, Mißbrauch und schlicht Verschwendung haben insbesondere die Staaten Nord- und Südamerikas und Europas verkommen lassen.
Jahrzehntelang haben sich die närrischen Amerikaner vorgemacht, der Wandel von einer produzierenden Wirtschaft zu einer sog. "Dienstleistungsgesellschaft" sei zulässig, ja sogar erstrebenswert. Nun brechen Vergeudung und Ruin von nahezu 40 Jahren über uns herein, u.a. in Form von Überalterung oder sogar schon Zusammenbruch früher existierenden Realkapitals - die Frucht der Torheit von fast zwei ganzen Generationen. Wenn wir überleben wollen, müssen wir uns darauf vorbereiten, den Preis des Überlebens zu bezahlen; wir müssen wieder ein auf wissenschaftlich-technischen Fortschritt ausgerichtetes Land werden, das offensiv grundlegende Infrastruktur, moderne unabhängige Landwirtschaft und durch Wissenschaft vorangetriebenen Industrie aufbaut. Wir müssen das große Heer der Arbeitslosen verkleinern, indem wir sie dem ersten Arbeitsmarkt zuführen, wir müssen die notwendige grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur, die wir zerstört haben oder verkommen ließen, wiederaufbauen, und wir müssen uns nationale Aufgaben zur Entwicklung von Produkten stellen, die unseren eigenen Bedürfnissen wie auch den besonderen Erfordernissen einer wachsenden und sich entwickelnden Welt dienen.
Was im wesentlichen dabei neu ist, ist das, was ich weiter oben schon betont habe - daß wir noch über die beste realwirtschaftliche Praxis der amerikanischen Geschichte vor 1968 hinausgehen müssen, indem wir das Konzept der grundsätzlichen wirtschaftlichen Infrastruktur erweitern und die langfristige Kapitalbildung durch "Terraforming" mit einschließen. Wie sich aus dem erwähnten Werk Wernadskijs ergibt, können wir nicht länger einfach die Bestände der Biosphäre and Noosphäre aufbrauchen, bis diese natürlichen Rohstoffe endgültig erschöpft sind; wir müssen zunehmend die Verantwortung dafür übernehmen, nicht nur den Planeten so wiederherzustellen, daß das Potential der früher vorhandenen Lager an sog. natürlichen Rohstoffen erneuert wird - wir dürfen uns nicht damit begnügen, die Ressourcen wieder aufzufüllen - , wir müssen das, was die Natur der Menschheit zur Verfügung gestellt hatte, noch weiter verbessern.
Der Investitionsfreibetrag, der in den USA unter Präsident John F. Kennedy eingeführt wurde, ist ein Beispiel dafür, wie sich das Amerikanische System der Volkswirtschaft von den europäischen Modellen des anglo-holländischen liberalen Systems, wo Zentralbankiers über Nationen herrschen, auf lange Sicht unterscheidet.
Das Prinzip des "üblichen" Investitionsfreibetrags ist, daß derjenige Unternehmer, der Gewinne in Kapitalverbesserungen für höhere Produktqualität und zusätzliches Realkapital reinvestiert, eine freundlichere Behandlung vom Finanzamt verdient hat als der Investor, der entweder seinen Gewinn in "ausschweifendem Konsum" verpraßt oder dessen Aktionäre ihren Gewinnanteil abschöpfen und für leichtsinnige Ausgaben oder irgendwelche Spekulationsgeschäfte vergeuden. In unserem Amerikanischen System - seit Benjamin Franklin und Alexander Hamilton - ermutigen wir in den USA unsere Bürger und Unternehmer, ihre Ersparnisse so zu verwenden, daß sie damit die Menge und die Qualität des Investitionskapitals für realwirtschaftlichen Aufbau und Produktivität unserer Volkswirtschaft als ganzer steigern.
So haben wir unter dem Amerikanischen System zu unseren besten Zeiten immer die Macht des Gesetzes eingesetzt - das der Besteuerung eingeschlossen - , um dafür zu sorgen, daß man verhältnismäßig im Vorteil ist, wenn man tut, was dem Gemeinwohl der jetzigen und zukünftigen Gesellschaft als ganzer nützt.
Die gegenteilige Meinung, die mit der fanatischen Tollheit des Lockeschen und vergleichbaren "Shareholder Value" verknüpft ist, besagt, gesund soll nur der sein, der dafür bezahlen kann - eine Politik, die bei ansteckenden Krankheiten und öffentlicher Hygiene mehr als Dummheit ist. Wenn der Gesetzgeber und die leitenden Beamten nicht gerade dieser törichten Lockeschen Einstellung folgen, unterteilt man in unserer Regierungsform die Gesamtwirtschaft im allgemeinen in den Bereich von öffentlicher Infrastruktur und Gemeinwohl in der Zuständigkeit der Regierung über die öffentliche Verwaltung einerseits und in den Bereich der Privatinitiative innerhalb des von der öffentlichen Verwaltung bestimmten größeren Umfeldes andererseits.
Nehmen wir als Beispiel die Immobilienblase in Loudoun County, Virginia, nahe Washington. Der Landkreis Loudoun ist eine Art "Ground-Zero"-Angriffsziel der größten Immobilienblase der modernen Geschichte. Diese Blase, deren Zentrum in den hypothekenfinanzierten Anleihemärkten liegt, ist verwoben mit dem nationalen und weltweiten Finanznetz der Hypothekenrückversicherer Fannie Mae und Freddie Mac. Sie konzentriert sich besonders in einigen Ländern, USA, England, Spanien u.a. Aber der schwächste, überdehnteste Teil der weltweiten Blase ist Loudoun County. Und sie wird bald platzen, wenn nicht regulierende Maßnahmen ergriffen werden, um das wachsende Explosionspotential dieser Blase unter die Kontrolle der Regierung zu bringen.
Denken wir jetzt aber nicht an die "Megatonnen" Sprengkraft dieser finanziellen Blase, sondern daran, wie sie entstanden ist. Man vergleiche die Entwicklung dieser Blase in den ausgedehnten Vororten Washingtons über etwa 35 Jahre mit dem gleichzeitigen Bevölkerungsschwund in der ehemals führenden Industrieregion der USA vom Westen der Staaten New York und Pennsylvania bis nach Michigan, Ohio und Indiana.
Es begann mit dem Nationalen Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski und seinem Programm von der Trilateralen Kommission zur "kontrollierten Auflösung" der US-Wirtschaft. Mit der Verwüstung, die die Deregulierung unter Brzezinskis Führung anrichtete, begann der allgemeine landesweite Verfall, der bis zu dem Mega-Sprengsatz der Immobilienblasen in Gebieten starker Bevölkerungszunahme wie Loudoun County heute führte.
Beispielsweise brachen durch die Deregulierung des Frachtguttransports über Schiene, Straße und per Flugzeug Fluggesellschaften und Eisenbahnen zusammen, und es kam zu dem mörderischen Wettbewerb beim Frachttransport auf den Autobahnen. Die Landwirtschafts- und Industriegebiete außerhalb der großen Wirtschaftszentren, z.B. in Michigan, dem Staat New York, Pennsylvania, Ohio usw. wurden vom gleichwertigen Zugang zur Frachtversorgung abgeschnitten. Genauso wurde die vorher vorhandene Bevölkerungsverteilung und Streuung der Wirtschaftsaktivitäten über die Gesamtfläche der Bundesstaaten und Regionen untergraben. Regelrechte Geisterstädte, wie es nun sogar Detroit zu werden droht, sind das Resultat, wenn die Menschen aus diesen Gebieten in den Wahnsinn der Staus und der Spekulation der Vorstädte ziehen, wie sie etwa rund um die Bundeshauptstadt aus dem Boden sprießen.
Die Nation zerfällt als Folge des Verfalls des Eisenbahnnetzes (Fig. 2) und des transkontinentalen Luftfrachtsystems. Unter den gegenwärtigen Entwicklungstrends kann der Bürger nicht mehr in einem Teil des Landes einen Zug oder ein Flugzeug besteigen und darauf vertrauen, daß er zuverlässig an einen entsprechenden anderen Ort des nationalen Territoriums gebracht wird. Man könnte meinen, wir seien von einem fremden Eroberer systematisch zerstört worden!
Das Merkmal, das dieser gesamten Entwicklung der letzten nahezu 30 Jahre seit 1977 gemeinsam ist, ist der Wandel von einer Produktionsgesellschaft zu einer "Dienstleistungswirtschaft". Die damit einhergehende Veränderung der Beschäftigungsstruktur führte quer durch das ganze Land zu einem Einbruch der durchschnittlichen Familieneinkommen und damit verbunden einem Einbruch des Steueraufkommens - pro Kopf und pro Quadratkilometer - des Bundes und der örtlichen Gemeinden und Regionen.
Zwei aufeinanderfolgende Regierungen, die von Nixon und besonders die Regierung Carter unter Federführung des Trilateralen Brzezinski, richteten zwischen 1968 und 1981 in den USA größeren Schaden an als alles, was man seit der Regierung Hoover erlebt hatte. Höchst erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß das von Kennedy auf den Weg gebrachte bemannte Mondlandeprogramm den größten Anstieg des Produktivitätspotentials in der ganzen Nachkriegszeit auslöste, so daß von jedem investierten Dollar ungefähr zehn Dollar in die Wirtschaft zurückflossen. Wären der Vietnamkrieg und, noch wichtiger, die Politik von Nixon und der Trilateralen Kommission nicht dazwischengekommen, dann hätte Kennedys Raumfahrtprogramm den größten Sprung an Produktivität und Wohlstand auslösen können, den die Welt je erlebt hat.
Was uns ruiniert, ist bis heute vor allem der verheerende Einfluß der zerstörerischen Politik der Regierungen von Nixon und der Trilateralen Kommission. Die Politik von Beratern wie Arthur Burns, George Shultz und Henry Kissinger, die in den Jahren 1971 und 1972 das Weltwährungssystem zerstörte, waren die Richtschnur für die Deregulierung, die den realwirtschaftlichen Zusammenbruch der Volkswirtschaften Europas und der Amerikas zur Folge hatte. Die Deregulierung, die als "kontrollierte Desintegration der Wirtschaft" während Kissingers Amtszeit als Nationalem Sicherheitsberater eingeführt wurde, hat die amerikanische Volkswirtschaft zugrundegerichtet.
Als Folge dieses radikalen politischen Kurswechsels von 1969-81, der sich seit der irrwitzigen weltweiten Aufblähung des Finanzderivathandels unter dem Federal-Reserve-Vorsitz von Alan Greenspan noch verschlimmerte, ist das Bankenwesen in Nord- und Südamerika, Europa und darüber hinaus in seiner derzeitigen Arbeitsweise hoffnungslos bankrott. Ohne Maßnahmen wie ein Eingreifen der US-Regierung, um das bankrotte Federal-Reserve-System zur Reorganisation unter Konkursverwaltung zu stellen, gibt es für die heutige Finanzkrise keinerlei Lösung.
Ein kettenreaktionsartiger Kollaps im Bankensystem ist nicht tolerierbar. Die Banken müssen geöffnet bleiben, und die üblichen Geschäfte müssen mit einem Minimum an Unannehmlichkeiten für die Konteninhaber und anderen Kunden ausgeführt werden. Die Reorganisation unter Aufsicht der Regierung wird eine beträchtliche Zeit in Anspruch nehmen, und solange muß die Federal Reserve praktisch wie eine Nationalbank nach den Prinzipien Alexander Hamiltons arbeiten. Ein System wirksamer Regulierungen muß her, auf dessen Grundlage dann die Investitionen in die grundlegende wirtschaftlichen Infrastruktur enorm auszuweiten sind, um die Gesamtwirtschaft wieder in die Gewinnzone zu bringen.
Dies könnte Erfolg haben, unter der Voraussetzung, daß wir zu einem vernünftigen Abbild des Regulierungssystems zurückkehren, das bei den Maßnahmen für den großen Wiederaufbau während der Regierungszeit Präsident Franklin Roosevelts eingesetzt wurde. Wir müssen die Zerstörung des Systems zwischen 1969 und 1981 wieder rückgängig machen; eine Umkehrung der systematischen politischen Veränderungen unter Nixon, George Shultz, Henry Kissinger und Zbigniew Brzezinskis Trilateraler Kommission wäre ein Anfang, zu dem andere notwendige Maßnahmen hinzukommen können.
Die Herausforderung wird klarer, wenn wir uns die Stellung der USA in der Weltwirtschaft anschauen.
Gegenwärtig sind die Vereinigten Staaten - unter der Voraussetzung, daß sie schnell wieder zu Verstand kommen - die einzige Nation, die es in der Hand hätte, der Welt einen Ausweg aus der unmittelbaren Gefahr zu verschaffen, die noch viel schlimmer ist als eine Weltwirtschaftsdepression. Ohne bestimmte Veränderungen ist eine vollkommene Zusammenbruchskrise der Weltordnung unvermeidlich. Mit angemessenen Änderungen der internationalen Wirtschaftsbeziehungen u.ä., die sich im wesentlichen an F.D. Roosevelts Maßnahmen orientieren müßten, könnte es gelingen, dem Chaos zu entfliehen und eine dauerhafte Erholung in Gang zu setzen.
Dieser weltweite Aufschwung würde in seinen Grundzügen den Vorstellungen Franklin Roosevelts von einem Internationalen Währungsfonds folgen, und nicht dem Zentralbankenmodell von John Maynard Keynes. Er gäbe langfristige Vertragsvereinbarungen mit Laufzeiten über ein Viertel- bis halbes Jahrhundert für die Bereitstellung von internationalem Kredit für ausgewählte realwirtschaftliche Projekte mit einer jährlichen Verzinsung in der Größenordnung von 1-2%. Diese Vereinbarungen zwischen souveränen Staaten würden die Rückkehr zu einem Währungssystem mit festen Wechselkursen voraussetzen. Der Schwerpunkt solcher Vereinbarungen läge auf der Entwicklung Eurasiens, wozu man sich der technischen Unterstützung Europas und der USA bediente, und ähnliche Nord-Süd-Abmachungen gäbe es auf dem amerikanischen Kontinent. Unter der Voraussetzung, daß diese Investitionen im wesentlichen auf Projekte mit hohem technologischem Zuwachs für den infrastrukturellen, landwirtschaftlichen und industriellen Fortschritt ausgerichtet sind, hätte die für diesen Zweck eingegangene zusätzliche langfristige Verschuldung eine gesunde Grundlage, ähnlich wie sich Amerikas Wiederaufbaupolitik im kriegszerstörten Europa in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten bewährt hat.
Dies wäre praktisch das Aus für die gegenwärtige, ruinöse globale Macht der weltweiten Kabalen synarchistischer Finanzinteressen. Die Welt würde zur normalen, regulierten Bankenpraxis zurückkehren; an die Stelle der Zentralbanken träten Nationalbanken der Art, gegen die US-Finanzminister Alexander Hamilton keine Einwände gehabt hätte.11
Das Wirtschaftssystem, um das es hier geht, ist nichts anderes als die Anwendung des ursprünglichen Amerikanischen Systems der politischen Ökonomie auf die heutigen Umstände: die Partnerschaft der Regierung eines souveränen Nationalstaats mit der Initiative des privaten Unternehmers, wobei jeder Partner seine eigenen, spezifischen Fähigkeiten einbringt, um jeder auf seine Weise wissenschaftliche und verwandte Entdeckungen in die Praxis umzusetzen. Dazu müssen wir Systeme von Regulierungen bereitstellen, unter denen nicht die Spekulation, sondern die menschliche Kreativität in der klassischen pythagoräischen Tradition - dem wesentlichsten Ausdruck politischer Freiheit in der Menschheitsgeschichte - die Freiheit erhält, das Schicksal der Nationen und ihrer Bürger zu bestimmen.
In den letzten Jahren habe ich die Entwicklung computerunterstützter Datenanimationen als zeitgemäßes Mittel in Auftrag gegeben, um verständlich zu machen und zu korrigieren, wie sich die US-Wirtschaft im Laufe der letzten 40 Jahre seit dem Beginn des Koreakrieges selbst zerstört hat. Wir haben die Zeit davor in die Vergleiche einbezogen, um klar herauszuarbeiten, welche qualitativen Phasenwechsel während der radikalen Veränderungen der offiziellen US-Politik während der Präsidentschaften des Zeitraums von 1969 bis 1981 stattgefunden haben.
Um eine Grundstruktur für diese Studien zu schaffen, haben wir uns sämtliche Landkreise aller amerikanischen Bundesstaaten angeschaut. Wir benutzten allgemein zugängliche Daten aus öffentlichen oder vergleichbaren Aufzeichnungen für jedes Jahr; Daten, die ausreichen sollten, einen sich von Jahr zu Jahr vollziehenden Veränderungstrend für alle Landkreise in physikalischen Parametern darzustellen. Und obwohl manchmal Finanzdaten verwendet wurden, um die häufig widersprüchliche Beziehung zwischen finanziellen Trends und realen, physischen Veränderungen aufzuzeigen, bezog sich die Herangehensweise stets im wesentlichen auf realwirtschaftliche und damit verbundene Überlegungen, nicht auf finanzielle Statistiken (Fig. 3).
Zu diesem Zweck verwandten wir Animationen nach dem Vorbild der Zeitrafferfotografie, wie man sie bei der Erforschung lebender Prozesse verwendet.
Bei den heutigen Computergeschwindigkeiten und funktionellen Digitalspeichern läßt sich schon mit gegenwärtig gebräuchlichen Laptop-Modellen viel Unverzichtbares beitragen, um aufzudecken, daß die allgemein akzeptierte Meinung darüber, was in der Wirtschaft in den letzten 40 Jahren im Vergleich zu den ersten beiden unmittelbaren Nachkriegsjahrzehnten passiert ist, in Wirklichkeit völlig falsch sind. Allerdings vermieden wir bei diesen Studien den manchmal katastrophalen Fehler, der bei Versuchen, Computermodelle für Wirtschaftsprozesse auf der Grundlage aprioristischer mathematischer Modelle zu entwickeln, oft auftritt. Ich vermied den gewöhnlichen Fehler bei der Erstellung von Wirtschaftsmodellen, als ich dieses Computerprogramm zur bewegten Darstellung realwirtschaftlicher Prozesse in Gang setzte, indem ich Johannes Keplers Methode bei der Entdeckung des Prinzips der universellen Schwerkraft als Vorbild nahm.
Die wichtigste Darstellung solcher Datenserien ist diejenige, welche ein gemeinsames transzendental-funktionelles Muster zeigt, so wie Johannes Kepler dies bei seiner akribisch korrigierten Version der von Tycho Brahe hinterlassenen Datenbestände des Umlaufs von Erde und Mars um die Sonne demonstriert hat. Solchen Beziehungsmustern zwischen historischen Daten kommt, sofern die Fakten diese belegen, besondere Bedeutung zu. Sie offenbaren das Vorhandensein eines transzendentalen Wirkprinzips. Bedeutsam sind solche Muster, die bei der Kombination der wirkenden Prinzipien hinter den realen "wirtschaftlichen "Umlaufbahnen Veränderungen zum Guten oder Schlechten zeigen. Solche "nichtlinearen" Muster stellen, falls und wenn sie auftreten, die wichtigsten zu untersuchenden Fälle dar.
Ich erkläre nun den entscheidenden Punkt bei der Wahl dieser Methode zur Entwicklung von Computeranimationen. Keplers Methode entspricht ebenso wie die hier von mir verwandte dem Ziel von Bernhard Riemanns, eine mathematische Physik der Hypergeometrien zu entwickeln, in der a-priori-Annahmen wie die der Euklidischen Geometrie oder kartesischen Mathematik unzulässig sind. Bei dieser Herangehensweise lassen wir uns von der Natur über die entsprechenden universellen Prinzipien belehren, statt wie Euklid zu versuchen, im voraus eine ganze Serie von künstlichen Definitionen, Axiomen und Postulaten einzuführen.
Bei der kompetenten Zeitrafferfotografie in der Biologie lassen wir den lebenden Vorgang selbst den charakteristischen Ausdruck seines Verhaltens offenbaren, so wie Kepler das Sonnensystem jenes universelle Naturprinzip offenbaren ließ, das wir universelle Gravitation nennen. Wenn wir entsprechend bei realen Wirtschaftsprozessen ausreichend viele der offensichtlichen Faktoren angemessen berücksichtigen, so wie Kepler es mit den periodisch auftretenden Konstellationen von Mars, Erde und Sonne tat, dann werden uns die derart im bewegten Ablauf dargestellten Daten zeigen, wie sich dieser komplexe Prozeß verhält. Und hoffentlich werden sie uns erkennen helfen, welche gesetzmäßigen Eigenschaften das Zusammenwirken vieler der wesentlichen Kombinationen von nichtlebenden, lebenden und menschlichen Geistesprozessen im Rahmen eines gesellschaftlichen Prozesses mit realwirtschaftlichen Eigenschaften bestimmen.
Da wie gesagt die Rolle der Lebensdauerzyklen von Realkapital, gemessen in Generationen, das bestimmende Merkmal einer modernen Volkswirtschaft ist, erfordern aussagekräftige Darstellungen über den Ablauf von Wirtschaftsprozessen Animationen mit Zeitspannen zwischen 25 und 50 Jahren, also zwei heutigen Generationen. Wie ich schon betont habe, beträgt die "Lebenserwartung" langfristiger, notwendiger Kapitalinvestitionen - wie solchen in die grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur, für die die Regierung zuständig ist - in einer modernen Volkswirtschaft nicht weniger als ein bis zwei Generationen. Im übrigen sollte das Studium des Zeitraums von 1925 bis 2005, vom Weg in die Hoover-Depression über den Aufschwung unter Roosevelt, die zwei Jahrzehnte kontinuierlichen Wachstums des Pro-Kopf-Vermögens in der Nachkriegszeit bis hin zum langen Abstieg etwa seit Beginn des Vietnamkriegs, die Grundlage jedes vernünftigen Universitätsprogramms für Wirtschaftswissenschaft darstellen. Man würde Resultate betonen, die sich physikalisch messen lassen, diese aber mit den jeweiligen politischen Entscheidungen, die unter dem meist entgegengesetzten Einfluß rein monetären Denkens fielen, vergleichen.
Ähnlich gelangen wir, wenn wir - angefangen mit ersten Anhaltspunkten im Werk Louis Pasteurs - die Belege für Unterschiede zwischen Biosphäre und Noosphäre betrachten, zu dem Punkt, daß das Verhalten von nichtlebenden, lebenden und Erkenntnisprozessen jeweils verschieden ist, wie dies Wernadskij ab 1935 systematisch gezeigt hat. Wernadskij und seine Mitarbeiter ließen die materiellen Fakten für sich selbst sprechen und das charakteristische Verhalten des betreffenden Vorgangs im Unterschied zu anderen Verhaltensmustern in qualitativ andersgearteten Vorgängen offenlegen. So weisen nichtlebende, nur lebende und kognitive Prozesse jeweils ihr eigenes charakteristisches Verhalten auf.
Die Beweise für das Vorhandensein solcher Unterschiede in diesen animierten Grafiken enthüllen noch nicht die Prinzipien, die diesen zugrundeliegen. Nur die Erkenntnisprozesse des menschlichen Geistes sind fähig, das universelle Naturprinzip, das für die klar erkennbaren Unterschiede im Verhalten verantwortlich ist, zu entdecken und zu meistern. Genau hierin liegt das Verdienst der von uns eingeführten Herangehensweise mit statistischen Animationen der Realwirtschaft: Die Fakten, die man als Animation verarbeitet, sollen den souveränen Geist des einzelnen herausfordern, zu entdecken, welches Prinzip für den qualitativen Unterschied zwischen den verschiedenen Vorgängen verantwortlich ist.
Ein Beispiel: Wie kann man bei bestimmten Fußabdrücken herausfinden, ob die Spur von einem Tier oder einem Menschen stammt? Welche Art von Experiment wäre notwendig, um sicherzugehen, daß die Spur tatsächlich nur von einem menschlichen Geist herstammen kann? Wie können uns beispielsweise ganz bestimmte Arten von Spur zeigen, daß man hier auf das Verhalten eines vernunftbegabten Wesens, eines Menschen schließen muß, und nicht auf eine nichtkognitive Gattung, wie einen Menschenaffen? Im letzteren Fall wäre die Art der Anomalien, nach denen man suchen müßte, in vieler Hinsicht ziemlich offensichtlich.
Die Beschäftigung mit unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen, kulturellen Entwicklungsstadien usw. ist entscheidend für ein tieferes Verständnis der Gesellschaft und ihrer Entwicklung.
Dies eröffnet uns einen einfachen Zugang dazu, über die politische Gestaltung der realwirtschaftlichen Praxis einer Zivilisation und die Eigenschaften ihrer Kultur nachzudenken. Computeranimationen, die dabei helfen, in den solchermaßen wiedergegebenen Daten ausgedrückte Anomalien aufzudecken, sollten die gewöhnlichen Statistiken und besonders die einfachen Finanzstatistiken ersetzen, wenn es darum geht, zu zeigen, wie die politischen Entscheidungen von heute das Los für die Zukunft bestimmen.
Der Schlüssel zu allem, was damit angedeutet ist, ist die einzigartige Bedeutung der menschlichen Vernunft, wie sie bei der Entdeckung eines universellen Naturprinzips zu Tage tritt. Hier liegt der Gegensatz zwischen einer Gesellschaft, die unter dem Einfluß technikfeindlicher Nullwachstumsideen über eine Generation oder länger hinweg umgepolt wird, und einer Gesellschaft mit einer Grundeinstellung, wie sie sich in Kennedys Plan für eine bemannte Mondlandung ausdrückte. Ob wir uns von der heranstürmenden weltweiten Wirtschaftskatastrophe erholen können, hängt davon ab, daß wir den Unterschied zwischen diesen beiden wirtschaftspolitischen Grundeinstellungen verstehen. Es hängt auch davon ab, daß man den maßgeblichen Kreisen in der Gesellschaft wie auch der breiten Bevölkerung klarmacht, welches gewohnheitsmäßige Verhalten bei der Entscheidungsfindung während der letzten vier Jahrzehnte den drohenden tödlichen Absturz der US-Wirtschaft verursacht hat und welches Verhalten auf der anderen Seite zum Aufschwung und zu notwendigem Fortschritt geführt hat. Solche auf Animationen basierte Studien sollen ein qualitativ neues erzieherisches Instrumentarium liefern, mit dem die Politik unserer Nation und der übrigen Welt gestaltet werden kann.
Anmerkungen
a Anm. des Übersetzers: Die englische Kapitelüberschrift The Price Is Never Right!, wörtlich "Der Preis hat nie recht!", ist ein Wortspiel mit dem Titel der Fernsehsendung The Price is Right, in Deutschland Der Preis ist heiß.
11. Man muß unterstreichen, daß Präsident Andrew Jackson sein Amt als Marionette von Martin van Buren übernahm, dem Nachfolger und Zögling des Wallstreet-Bankiers Aaron Burr (einem Agenten von Jeremy Benthams britischem Foreign Office). Jackson vertrat im Wahlkampf van Burens populistische Politik, die Zweite Nationalbank der USA zu schließen und statt dessen van Burens "Landbank-Schwindel" zu betreiben. Die Folge war der Zusammenbruch der amerikanischen Wirtschaft in der Landbank-Panik von 1837, die Historiker mit der "John-Law-Blase" vergleichen. Der Widerstand gegen die amerikanische Nationalbankpolitik ging schon immer von europäischen Finanzkreisen aus und zielte darauf ab, die wirtschaftliche Entwicklung der USA einzudämmen, ja zu zerstören. So auch die Absicht in den 70er Jahren während der Präsidentschaft Nixons und der Politik Präsident Carters unter dem Einfluß Brzezinskis und der Trilateralen.
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