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Aus der Neuen Solidarität Nr. 22-23/2006 |
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Von Lyndon LaRouche
Diese grundlegende wirtschaftstheoretische Schrift entstand im Dezember 2005. Wir veröffentlichen sie in mehreren Teilen. Es folgt die erste Hälfte des 3. Kapitels.
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Einleitung
2. Der Preis hat nichts zu sagen! 3. Das jetzt benötigte Sofortprogramm 4. Die Biosphäre über einen langen Zeitraum |
Der gegenwärtige Zusammenbruch
3.1 Die Notwendigkeit der nationalen Wiederbelebung
Das Äquivalent zum Börsencrash von 1929 ereignete sich im Oktober 1987, genau wie ich es im Frühjahr davor prognostiziert hatte. Als Antwort auf diesen Crash wurde unter dem Chef der US-Notenbank Federal Reserve Alan Greenspan und US-Präsident George H.W. Bush, die beide damals ihr Amt antraten, die wahrscheinlich schlimmste Kombination aller vorhandenen langfristigen Perspektiven gewählt. Das, was in den 90er Jahren in dieser Hinsicht geschah, bedeutete nicht nur die schlimmstmögliche Wahl für die USA selbst, sondern auch für Europa und die ganze Welt.
Der Geschichte dieser Angelegenheit läßt sich im wesentlichen folgendermaßen darstellen:
Im Februar 1983 warnte ich den Vertreter der sowjetischen Regierung, mit dem ich in vertraulichen Gesprächen die Perspektive der von Präsident Reagan später so genannten "Strategischen Verteidigungsinitiative (SDI)" erörtert hatte: Wenn Präsident Reagan den Sowjets diesen Vorschlag unterbreiten würde und die sowjetische Regierung ihn zurückweisen sollte, dann würde das sowjetische System innerhalb von fünf Jahren wirtschaftlich zusammenbrechen. Der Präsident machte dieses öffentliche Angebot am 23. März 1983, woraufhin die sowjetische Regierung unter Andropow es auf entschiedene, dumme und ziemlich unflätige Art und Weise ablehnte. Einige Wochen später wiederholte ich meine Warnung, diesmal öffentlich, als erste von mehreren Voraussagen, daß es höchstwahrscheinlich bis etwa 1988 zu einer sowjetischen Wirtschaftskatastrophe kommen werde.
Etwa fünf Jahre später warnte ich in einer im US-Fernsehen ausgestrahlten Rede am 12. Oktober 1988 vor der unmittelbar bevorstehenden kettenreaktionsartigen Desintegration des sowjetischen Systems, die wahrscheinlich in Polen beginnen werde. Ich warnte vor einem sich daraus ergebenden unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Comecon-Systems, woraus die Möglichkeit einer deutschen Wiedervereinigung entstehe, und Berlin sei dazu bestimmt, wieder deutsche Hauptstadt zu werden.
Die vorbereitete mündliche Erklärung, die ich bei der Pressekonferenz in Berlin abgab, wurde für das Fernsehen aufgezeichnet und später im selben Monat in einer amerikanischen Fernsehsendung in Gänze ausgestrahlt. Im folgenden Jahr setzte der kettenreaktionsartige Zusammenbruch des Ostblocks ein, er begann in Polen und griff von dort auch auf Ostdeutschland über. Als dann die Berliner Mauer fiel, war Präsident George H.W. Bush bereits seit Beginn des Jahres 1989 im Amt.
Zu diesem Zeitpunkt entwarfen meine Frau Helga und ich gemeinsam mit einem kleinen Kreis von Mitarbeitern ein Programm zur Neuordnung der europäischen Wirtschaft, den sie "Europäisches Produktives Dreieck" nannte (Fig. 4). Wir einigten uns auf den Namen "Produktives Dreieck Paris-Wien-Berlin", weil sich nur in wenigen anderen Regionen der Welt ein solches produktives Potential konzentrierte wie um das dort vorhandene Schienen- und Wasserstraßensystem.
Etwas später erweiterte sich diese Entwicklungsperspektive um den Vorschlag, den sie und andere als "Eurasische Landbrücke" bezeichneten. Darin ging es um die Absicht, Magnetschwebebahnen für Fracht- und Passagiertransport von der Region des Europäischen Produktiven Dreiecks zu den großen Küstenstädten Chinas einzusetzen. Als Gast der chinesischen Regierung nahm sie später an Konferenzen in China teil, bei denen dieser Vorschlag diskutiert wurde.
Leider wurde diese optimistische Möglichkeit sabotiert, und zwar vor allem auf Betreiben der Clique von Deutschlandhassern, die damals die Regierungen Großbritanniens und Frankreichs kontrollierten. Vieles von dem damals in Zentraleuropa vorhandenen Wirtschaftspotential gibt es nicht mehr, weil es in großem Stil der räuberischen Politik zum Opfer fiel, die die britische Premierministerin Margaret Thatcher und Frankreichs Präsident François Mitterrand in Gang gesetzt hatten. Diese Ausplünderungspolitik gegen Deutschland setzte sich in der Durchsetzung des mittlerweile berüchtigten Maastrichter Vertrages fort.
Inmitten dieser Entwicklungen hatte die amerikanische Regierung von Präsident George H.W. Bush eingegriffen, um den Plünderungswahn von Thatcher und Mitterrand etwas zu mäßigen, aber er verwies Thatcher und Mitterrand nicht entschieden genug in ihre Schranken. Hätten die USA angemessen gehandelt und Frankreich dazu gebracht, die Richtung von de Gaulle und Adenauer für ein "Europa vom Atlantik zum Ural" einzuschlagen, wären die schlimmsten wirtschaftlichen Probleme, die seither aufgetreten sind, vermeidbar gewesen.
Aber noch schlimmer: Anstatt das physische produktive Potential des früheren Ostblocks in die europäische Wirtschaft einzubinden, nutzte man den Zeitraum von 1990 bis 1998, um die früheren Sowjetrepubliken auszurauben, die Völker Polens, der Slowakei, Ungarns, der Balkanstaaten und andere brutal auszuplündern sowie auf andere Weise zu ruinieren. Wirtschaftlich betrachtet befinden sich praktisch alle früheren Comecon-Staaten in einem geplünderten Zustand und auf einem weit niedrigeren Niveau als 1988.
Die Fehler, an denen sich die USA während dieses Zeitraums von 1989-1992 beteiligten, sind integraler Bestandteil der jetzigen weltweiten Finanz-, Währungs- und Wirtschaftskrisen.
Wir in den USA und auch in Westeuropa leiden heute in verheerender Weise unter den Auswirkungen der durch nichts zu rechtfertigenden Vergehen unserer Regierungen an den Volkswirtschaften des Comecon und anderer Nationen im Stile übelsten politischen Abenteurertums. In gleicher Weise agierte die deutsche Regierung gegen Deutsche auf dem Gebiet der früheren Deutschen Demokratischen Republik, dem "Land von Mielke und Honi", und zwar im wesentlichen auf britische und französische Anweisung.
Um jedoch diese Angelegenheit richtig zu beurteilen, müssen wir erkennen, daß die Bosheit, mit der Thatcher und Mitterrand handelten, nicht bloß charakterlich bedingt war. Diese und ähnliche Entscheidungen von damals spiegeln bis heute die Form des internationalen Währungs- und Finanzsystems wider, seit das ursprüngliche Bretton Woods-System 1971-72 zerbrochen war. Das Ende des Systems von Bretton Woods lag im Interesse eines globalen Syndikats privater Finanzinteressen mit Zentrum in Europa, das gegenwärtig noch immer die Kontrolle über das heutige Weltwährungs- und Finanzsystem ausübt. Dieses Syndikat ist derselben "Synarchistischen Internationale" zuzurechnen, die der Welt zwischen 1922 und 1945 Hitler bzw. die anderen faschistischen Tyranneien bescherte.
Natürlich ist das, was den Nationen unter den erzwungenen Bedingungen der 90er Jahre widerfuhr, nicht im strengen Sinne mit der Ausplünderung der besetzten Gebiete unter den Nazis gleichzusetzen, aber der Gestank derselben Synarchistischen Internationale, die die europäischen faschistischen Regimes von 1922-1945 an die Macht brachte, ist dennoch unverkennbar. Die Ironie der Geschichte liegt darin, daß wir in den USA und Westeuropa uns jetzt selbst vieles von dem zugefügt haben, was wir nach 1989 dem früheren Ostblock angetan haben!
Unter den Bedingungen von 1987-1990 wären die finanziellen Auswirkungen, die der Zeit nach dem "Hoover"-Aktiencrash entsprechen, schon viel früher eingetreten, hätte man nicht die Ausplünderung von Gebieten des Comecon mit einer Spielart von "John Law"-Finanzblasen kombiniert, die gemeinhin als "Finanzderivate" bekannt sind, wodurch der endgültige "Zahltag" für mehr als ein Jahrzehnt hinausgeschoben wurde.
Die beiden Schaubilder der "Kollapsfunktion", die ich seit 1995 benutzt habe, illustrieren den entscheidenden Punkt (siehe Abbildung). Das Verhältnis zwischen der Ausweitung von Geld- und Finanztiteln pro Kopf und pro km2 zum physischen produktiven Ausstoß beschreibt das Ausmaß der zunehmenden Hyperinflation. Wenn dieser Prozeß sich fortsetzt, erreicht er einen Punkt, an dem das Wirtschaftssystem als solches zusammenbricht, und zwar entweder in einem deflationären Kollaps der Preise oder einer hyperinflationären Explosion ähnlich der, die 1923 Weimar-Deutschland ereilte. In diese Phase sind wir jetzt eingetreten.
Ganz allgemein gesprochen kann niemand in mechanischer Weise genau den Tag bestimmen, an dem ein solcher Zusammenbruch stattfinden wird. Aber das heißt nicht, daß keine treffende Voraussage solcher Entwicklungen möglich wäre. Ich habe eine beträchtliche Anzahl solcher erfolgreichen Wirtschaftsprognosen verfaßt. Es mag uns nur in sehr seltenen Fällen möglich sein, ein bestimmtes Ereignis auf den Tag genau vorherzusagen. Was wir hingegen im Sinne wissenschaftlicher Gewißheit bestimmen können und müssen, ist der Eintritt in einen treffend als "Grenzbedingung" bezeichneten Zustand, wie das hier die beiden "Dreifachkurven" veranschaulichen. Typisch für solche Grenzbedingungen ist eine ausgeprägte Veränderung hin zu einem Zustand, dessen erforderliche Korrektur zu diesem Zeitpunkt nur durch Handlungen aufgeschoben werden kann, welche die Situation qualitativ verschlechtern.
Der "freie Wille" mag den sprichwörtlichen "Tag der Abrechnung" noch weiter hinauszögern können, nachdem der Eintritt in diese Grenzbedingung stattgefunden hat, aber in solchen Fällen hat die Verzögerung ihren Preis. Der Kreis der zur Auswahl stehenden Möglichkeiten verengt sich in vorherbestimmbarer Weise, aber, wie wir in den letzten Jahrzehnten feststellen mußten, verschlimmert sich die Lage qualitativ mit jeder Verzögerung des nötigen Kurswechsels. Allgemein gilt die Regel: je erfolgreicher der Zusammenbruch vorübergehend verhindert wird, desto tödlicher wird der Kollaps letztlich ausfallen.
Als Illustration mag das faktische Verschwinden ganzer Rentenversicherungssysteme dienen, von denen weite Teile der Bevölkerung lange ihr Einkommen bezogen. Die Blasen der sich hochschraubenden Immobilienspekulation in den USA, Großbritannien, Spanien und anderen Ländern drücken diese Tatsache in düsterer Weise aus. So, wie die Dinge seit Oktober 1987 verschleppt wurden, haben wir es jetzt nicht mehr nur mit der Gefahr einer Depression wie in den 30er Jahren des 20. Jh. zu tun, sondern mit einer allgemeinen, globalen Zusammenbruchskrise, die dem "Finsteren Zeitalter" des 14. Jh. in Europa gleicht.
Es könnte verhindert werden, daß die gegenwärtig heranstürmende Krise zu einer solchen "allgemeinen Zusammenbruchskrise" wird, vorausgesetzt, wir schaffen das gegenwärtige Weltwährungs- und Finanzsystem ab und kehren mit einer unter Regierungsaufsicht durchgeführten Konkursreorganisation zu einem Zustand zurück, der dem ursprünglichen System von Bretton Woods nahekommt.
Dafür muß man nicht nur das gegenwärtige IWF-System flexibler Wechselkurse von 1971-72 über Bord werfen. Es bedeutet vor allem, die monetaristisch ausgerichteten Konzepte zu beseitigen, auf denen das heutige IWF-System beruht. Um der jetzt heranstürmenden globalen Zusammenbruchskrise unseres heutigen Weltwirtschaftssystems zu entkommen, müssen wir vor allem zu den Prinzipien des Amerikanischen Systems der Politischen Ökonomie zurückkehren, mit denen Präsident Franklin Roosevelt die amerikanische Erholung von dem verheerenden Erbe bewerkstelligte, das die Regierungen von Calvin Coolidge und Herbert Hoover hinterlassen hatten.
Die gegenwärtigen Finanzverbindlichkeiten des Systems könnten jedoch niemals "rechtzeitig", wie man heute zu sagen pflegt, zurückbezahlt werden. Zur Zeit des Börsencrashs im Oktober 1987 wäre es noch möglich gewesen, das System in geordneter Weise zu reorganisieren. Heute besteht das Problem in der Anhäufung einer Riesenmenge glücksspielartiger Nebenwetten, auch "Finanzderivate" genannt (siehe Abbildung). Diese müssen auf ordentliche Art und Weise eliminiert werden. Die Schulden, die sich aus Finanzderivaten herleiten, müssen entweder einfach gestrichen oder bis auf weiteres eingefroren werden, bis die Angelegenheit im Laufe der Zeit bereinigt werden kann.
Manch einer wird sich lautstark und unbändig beschweren, solche Maßnahmen gegen wichtige Finanzinteressen seien "unmoralisch", "Vertragsverstöße", "Verletzungen der Aktionärsinteressen" und ähnliches Gejammere. Zweifelsfrei liegen jedoch gegenwärtig alle notwendigen Nachweise vor, daß das ganze Arrangement insbesondere seit 1971 ein einziger gigantischer Betrug war. Das moralische Prinzip, welches wir hier zu verteidigen haben, lautet: Das, was wir als falsch erkannt haben, und was außerdem von den Haupturhebern des heutigen Weltwährungs- und Finanzsystems in böser Absicht durchgeführt wurde, muß wiedergutgemacht werden. Die entscheidende Regel heißt, den angerichteten Schaden zu beheben.
Die Einwände gegen diese Handlungsweise werden heftig und sogar bösartig ausfallen; sollten aber diese Einwände die Oberhand behalten, so wird die Zivilisation, wie wir diesen Begriff bisher verstanden haben, untergehen, und zwar weltweit.
Zum Teil besteht das Problem darin, daß die heutigen Vertreter der internationalen räuberischen globalen Finanzinteressen im Vergleich zu ihren Vorfahren aus der Zeit des Versailler Vertrages der 20er Jahre in der Regel eine unglaubliche Dummheit in Wirtschaftsfragen an den Tag legen. Sie sind von der nachindustriellen "Dienstleistungswirtschafts"-Ideologie, dem Markenzeichen der Unternehmensmanager zwischen 55 und 65 Jahren, selbst zutiefst durchdrungen. Ihre Vorgänger in den 20er Jahren waren noch bis nach 1950 von der Realität überzeugt, daß die Gesellschaft vom Aufbau und dem Erhalt grundlegender Wirtschaftsinfrastruktur und dem Anstieg der Produktivität agro-industrieller Unternehmen abhängt.
Aber seit 1987-1992, als gleichzeitig mit dem Wegfall der konkurrierenden Sowjetunion die ,Baby Boomer'-Generation in führende Positionen oder sogar Schlüsselpositionen im Finanz- und Regierungssektor aufstieg, hat in diesen Institutionen eine Mentalität wie bei den "John-Law"-Spekulationsblasen Anfang des 18. Jh. um sich gegriffen. Die führende Schicht, die während der 90er Jahre das Ruder übernahm, bestreitet im allgemeinen hysterisch, daß man vor dem Verlust agro-industriellen technologischen Fortschritt Angst haben sollte. Der Effekt dieser Veränderung ist mit einer weltweiten Massenpsychose führender sozialer Schichten vergleichbar, vor allem in den heutigen USA und Westeuropa.
Erst seit kurzem hat ein wachsender Teil der Bevölkerung in führenden Regierungspositionen auf dem amerikanischen Kontinent und in Europa zu einem Mindestmaß an Verständnis für die Bedeutung der physischen Realitäten von Infrastruktur, Landwirtschaft und Industrie zurückgefunden, wie dies bis zum kulturellen Paradigmenwandel der späten 60er und 70er Jahre in der wirtschaftlichen und politischen Führung der USA gang und gäbe war. Dieser entscheidende Teil der Führung unseres Landes macht sich vor allem in dem zunehmenden Widerstand bemerkbar, den der amerikanische Kongreß sowie andere wichtige Stellen dem gegenwärtigen Wahnsinn der Bush/Cheney-Präsidentschaft entgegensetzt.
Gegenwärtig befindet sich unser verfassungsmäßiges Regierungssystem in großer Gefahr. Denn unsere Nation und mit ihr die gesamte Welt ist in eine Periode akuter existentieller Krise eingetreten, während nominell an der Spitze der Nation ein bedauernswerter, geistig gestörter Weichling als Präsident steht, der in seiner bösartigen Extravaganz und unter dem ihn kontrollierenden Einfluß des Vizepräsidenten Charakterzüge des römischen Kaisers Nero (mitsamt ihren Konsequenzen) zur Schau trägt.
Dieser Zustand zeigt nicht nur die geistigen und moralischen Defekte dieses Präsidenten und seiner Regierung, sondern beleuchtet auch, zu welchem Grad die amerikanische Bevölkerung und ihre Institutionen dieselbe Dekadenz und Sophisterei übernommen haben wie das alte Athen, als es sich mit dem Peloponnesischen Krieg ins Unglück stürzte. Diese Art des Sophismus hat unsere Regierungsinstitutionen kopflos durch die letzten vier Jahrzehnte taumeln lassen.
Die erforderliche Führungsqualität in unserem Regierungssystem, besonders in unserer Exekutive, ist die Art von Kommandofähigkeit, wie man sie sonst bei intellektuellen Menschen findet, die sich mit der kreativen wissenschaftlichen und künstlerischen Entdeckung wichtiger und wirksamer universeller Prinzipien beschäftigen. Entweder sollte der Präsident selbst diese Qualität von Urteilsfähigkeit und Charakter besitzen, oder er muß sich angewöhnen, enge Berater hinzuzuziehen und einzusetzen, die darüber verfügen.
Eine kompetente Regierungsführung besteht darin, Entscheidungen zu treffen, die neben ihren kurzfristigen Effekten langfristige Auswirkungen für die ganze Gesellschaft über einen Zeitraum des nächsten Jahrzehnts oder noch länger haben. Führung, wie wir sie von einem in kompetenter Weise ausgewählten Präsidenten der Republik erwarten müssen, hat im Gegensatz zur Auffassung der Wegelagerer von der "Federalist Society" nichts mit Willkür zu tun - als ob es dem "Eisernen Willen" von Carl Schmitts Adolf Hitler, "hart wie Kruppstahl", nachzueifern gelte. Ganz im Gegenteil drückt sich in republikanischer Führung die Demut eines Menschen aus, dem bewußt ist, daß er oder sie eine Entscheidung fällt, die das Gemeinwohl, und vielleicht sogar die weitere Existenz der Republik auf Jahrzehnte hinaus bestimmen wird.
Daher erfordert das Amt des Präsidenten häufig dieselbe Qualität, auf einzigartige und individuelle Weise Entscheidungen zu fällen, wie wir sie auch von dem Entdecker eines grundlegenden wissenschaftlichen Prinzips erwarten. Das trifft besonders in Krisenzeiten zu, wie es Präsident George Washington erfahren mußte, der sich die einsame Verantwortung mit Finanzminister Hamilton teilte, nachdem ein großer Teil der in seiner Regierung aktiven Gründerväter der Nation, darunter Jefferson und Adams, in einer verrückten Reaktion auf die Französische Revolution im Juli 1789 und den nachfolgenden Terror völlig vom Kurs abkamen. Vor solchen Herausforderungen standen auch ihre Nachfolger wie die Präsidenten Monroe, John Quincy Adams, Lincoln und Franklin Roosevelt.
Die Qualität von Führung, die ein präsidiales Regierungssystem im Gegensatz zu einem immer anfälligen parlamentarischen System erfordert, ist von derselben Art, wie man sie auch von einem Wissenschaftler oder großen klassischen Künstler erwartet. Oder von jemandem, der in der Lage ist, in anderen, auf die er oder sie sich stützt, solche kreativen Fähigkeiten zu erkennen. Wir brauchen einen Mann oder eine Frau von Prinzipien, keinen Pragmatiker, und ganz gewiß kein so furchtbar geistesschwaches Wesen wie den gegenwärtigen Präsidenten.
Ein nationales Eisenbahnsystem ist kein Ereignis; es ist ein Prinzip, und zwar eines, das die törichten Amerikaner aufgegeben und damit beinahe zerstört haben. Als Prinzipien bezeichne ich Naturgesetze im Sinne von Johannes Keplers einzigartiger Entdeckung der allgemeinen Schwerkraft als Prinzip des physischen Universums. Wasserversorgungs-, Energie-, elektronische Kommunikationssysteme etc. sind nicht einfach Objekte; in ihnen drückt sich ein relativ universelles Organisationsprinzip des Staates und der sozialen Beziehungen der jeweiligen Gesellschaft aus. Sie sind als Prinzipien ebenso charakteristisch für bestimmte Gesellschaftsformen wie die Gravitation als Prinzip des Universums insgesamt.
Wir haben also mit der Zerstörung der vor 1968-72 existierenden landwirtschaftlich-industriellen Wirtschaftsform samt ihrer lebenswichtigen Infrastruktur nicht einfach Dinge zerstört, sondern wir haben die Prinzipien ausgerottet, auf denen die Existenz unserer Nation, ihre sozialen und physischen Prozesse einmal beruhten. Das Resultat, wie wir mittlerweile deutlich erkennen sollten, ist der Ruin unserer Gesellschaft durch den Verlust lebenswichtiger Prinzipien, von denen ihre frühere höhere Entwicklungsstufe als gesellschaftliche Gattung abhängig war. Um uns von der Katastrophe zu erholen, die unsere Gesellschaft unter der Bezeichnung "Dienstleistungsgesellschaft" ergriffen hat, müssen wir unsere Nation auf dem qualitativ höheren Organisationsniveau wiederbeleben, von dem aus wir in den heutigen, zunehmenden Ruin abgestiegen sind.
Wir dürfen es auch nicht dabei belassen, das Prinzip wesentlicher wirtschaftlicher Infrastruktursysteme wiederherzustellen. Wir müssen erkennen, daß auch der Werkzeugmaschinenbau in der Luftfahrt und Autoindustrie, die wir gegenwärtig zugrunderichten, ein solches Prinzip darstellt. Ein Land, dessen produktive Prozesse sich nicht durch ein funktionierendes "Werkzeugmaschinen"-Prinzip auszeichnen, stellt physisch und moralisch eine niedrigere Gattung des modernen Lebens dar als eines, das über ein solches prinzipielles System verfügt.
Diese Prinzipien, wie sie der grundlegenden wirtschaftlichen Infrastruktur als auch der Produktion konkreter Güter zugrundeliegen, sind alle relativ langfristiger Natur. Sie drücken sich typischerweise in einer Spanne einer oder mehrerer Generationen aus, wobei jede ein Vierteljahrhundert umfaßt. Das Prinzip selbst hat normalerweise eine Lebensdauer von Jahrhunderten.
Das verpflichtet uns dazu, die Denkannahmen zu untersuchen, mit denen unsere Nation dazu veranlaßt wurde, die Prinzipien aufzugeben, auf denen unser früherer relativer Wohlstand pro Kopf und pro km2 Fläche basierte. Diese Annahmen waren die Übeltäter, die einen großen Teil unserer Bevölkerung dazu verleiteten, die Fähigkeit unserer Nation zum Erhalt und zur Verbesserung unseres Wohlstands zu zerstören. Diese Annahmen treten am klarsten in der Sophisterei des Existentialismus und des Kongreß für kulturelle Freiheit zutage. Ebenso wie der Kult des Sophismus das antike Athen in die Selbstzerstörung führte, löste der anhaltende und sich verschlimmernde sophistische Kult der Zeit nach Roosevelt die dekadente Rutschpartie in die Verderbnis aus, sodaß man ab Mitte der 60er Jahre mit großer Leidenschaft in die "nach-industrielle Gesellschaft" oder "Dienstleistungsgesellschaft" aufbrach oder auf den "Ökotrip" ging.
Individuen und soziale Schichten machen sich Denkannahmen zueigen, die sie, ob richtig oder falsch, als Grundsätze behandeln. Diese wirklichen oder scheinbaren Prinzipien bestimmen dann die Reaktion der Gesamtbevölkerung oder einiger Teile davon auf bestimmte Reize, ganz so, als wären sie Folgen von Definitionen und Axiomen der Schulgeometrie.
Deshalb sollte klar sein, daß wir das Verhalten einer ganzen Gesellschaft nicht erklären können, indem wir individuelle Reaktionen auf einen von bestimmten Objekten verursachten Reiz untersuchen. Wir müssen die grundsätzlichen Einflüsse, die die typische Reaktion eines Individuums auf ein besonderes Objekt beherrschen, zutagefördern; Einflüsse, die die Form wirklicher oder vermuteter universeller Prinzipien annehmen, wie mutmaßliche Definitionen oder Axiome eines weitreichenden Systems, das als System auf das Verhalten vieler Individuen oder sogar über mehrere Generationen hintereinander wirkt.
Die Vorstellung, es gäbe "eine individuelle Wahlfreiheit", ist mehr als nur stark übertrieben. Dieser Begriff kommt im Mäntelchen vielfältiger wahrer oder falscher Meinungen einher, die sich prinzipiellen Charakter anmaßen, als wären sie universelle Naturgesetze. Durch solche inkompetenten Glaubenssätze wird dann tatsächlich das kollektive Verhalten vieler Menschen, und zwar über lange Zeiträume und in großen geographischen Räumen, geprägt.
Anders gesagt: um die Natur der heutigen Krise zu verstehen, muß unterstrichen werden, daß die Idee, man hätte eine "freie Wahl", normalerweise stark übertrieben ist. Nur solche Menschen äußern tatsächlich einen freien Willen, die bewußte Veränderungen an den Prinzipien vornehmen, von denen ihre Verhaltensweisen bestimmt sind. In dem Augenblick, wenn jemand sagt: "Aber bei uns ist das so üblich...", hört man jemanden sprechen, der sich einen Grad an "freiem Willen" zuschreibt, der in seinem üblichen Verhalten als Ausdruck wahrer Freiheit nicht vorkommt. Stattdessen werden solche Leute oft zum Sklaven ihrer fetischartigen Zwänge, die sie häufig als "Traditionen" bezeichnen, und die bei ihnen die Stelle einnehmen, an der eigentlich die Vernunft herrschen sollte.
Werden wir uns jedoch über das tragische Element in der vorherrschenden öffentlichen Meinung der USA klar, so haben wir den ersten Schritt getan, uns selbst wirklich in Freiheit zu setzen. Das verlangt, die notwendige Entwicklung unserer nationalen Ökonomie als eine Folge von Prinzipien zu betrachten, und zwar als Prinzipien in dem Sinne, wie dieser Begriff in Keplers einzigartig ursprünglicher Entdeckung des Gesetzes der allgemeinen Schwerkraft zum Ausdruck kommt.
Das Problem, das wir verstehen und lösen müssen, um unser impulsives Verhalten nicht länger von Fetischen bestimmen zu lassen, sondern an wahren Prinzipien auszurichten, besteht darin, daß die Opfer dieser Fixierung von ihrer kleingeistigen und verkürzten Auffassung über die Bedeutung des individuellen menschlichen Lebens kontrolliert werden. Sie sind beherrscht von der Enge und Kurzsichtigkeit ihrer Sicht dessen, was sie zu ihrem unmittelbaren Eigeninteresse erkoren haben, oder dem irgendeiner entsprechenden gesellschaftlichen Gruppe oder Kaste von Leuten. Eine übersteigerte Objektfaszination hat von ihnen Besitz ergriffen, die wir als dieselbe psychische Beeinflußbarkeit erkennen sollten, auf die die meisten Werbekampagnen abzielen.
Modestile, Markennamen, sogar ganze Objektkategorien verschwinden im Laufe der Zeit, z.B. Peitschen für Pferde-Einspänner, die früheren Automarken Jordan, Packard und Pierce-Arrow, und sogar das "geheiligte" Coca-Cola. Die Prinzipien jedoch, denen einfache vergängliche Dinge, die kommen und gehen, dienen, überdauern die Objekte. Sind sie dauerhaft, so reichen sie über den Zeitraum des individuellen sterblichen Lebens und über die Grenzen hinaus, die eine gesellschaftliche Gruppe von der anderen trennt. Die Wahrheit liegt in dem Prinzip, das sich nach unserem Tod mittels notwendiger Objekte zur Wirklichkeit gestaltet und das unseren eigenen, nationalen Erfahrungshorizont übersteigt.
Am direktesten stellt sich das Problem bei den Spielarten des sogenannte "fundamentalistischem" Fetischismus, die in dummer und populistischer Weise echten religiösen Glauben ersetzen sollen. Diese armen fehlgeleiteten Leute verlangen nach einem Gefühl der sofortigen Befriedigung in den Grenzen ihrer normalerweise trostlosen persönlichen Lebenssituation und der ihrer Familie, anstatt eine wirkende Absicht in ihrem Leben zu erkennen, die wirksam die räumlichen und zeitlichen Grenzen ihrer kurzen sterblichen Existenz überwindet. Sie sind abgeschnitten von den entfernten und zukünftigen Räumen, in denen die eigentliche Frucht ihrer vorübergehenden sterblichen Existenz geerntet werden wird. Sie haben kein Verständnis dafür, welche Bedeutung für heute und für die Zukunft die Entdeckung universeller physikalischer und klassischer künstlerischer Prinzipien hat, die vor Jahrhunderten von unseren Vorfahren eingeführt wurden. Da ihnen ein wirksamer, aufgabenorientierter Sinn dafür fehlt, die Rolle der Gegenwart für Vergangenheit und Zukunft zu erkennen, suchen sie sich tröstendes Blendwerk aus, um die Bedeutungslosigkeit zu verbergen, die sie indirekt für ihr kurzes sterbliches Leben gewählt haben.
Wir verkörpern eine besondere Gattung in unserem Universum. Wir sind eine uns selbst entwickelnde Gattung, die ihre Kraft steigern und die Auswirkungen ihrer Existenz im Universum und für das Universum, das wir besiedeln, erweitern kann. Als Gattung haben wir das von uns bewohnte Universum verändert, und zwar aufgrund der Qualität des souveränen schöpferischen Willens, der dem lebenden Individuum seiner Natur gemäß zu Diensten steht. Wir sind das, was wir als Wissen und als Wohltaten der Entdeckungen universeller physikalischer und kultureller Prinzipien von Tausenden oder mehr Generationen vor uns ererbt haben, und was wir als Beiträge zur Gestaltung der Zukunft des gegenwärtig von uns bewohnten Universums weitergeben werden.
So wie Cotton Mather über die moralische Dekadenz klagte, die die Massachusetts Bay Colony im Sog der Machtergreifung Wilhelm von Oraniens ergriffen hatte, sind auch wir heute intellektuell und moralisch wieder einmal fast zum Nichts geschrumpft.12
Die folgende Illustration soll als Fallbeispiel dienen. Man denke über die kürzliche Rede der Abgeordneten Nancy Pelosi vor der Harvard-Universität nach. Sie drückte dabei im Prinzip die Entschlossenheit in der Demokratischen Partei und einiger wichtiger Industrieller aus, einen Wiederaufbau der amerikanischen Wirtschaft in Gang zu setzen. Diese Rede war als Startschuß gedacht, dem in den ersten Monaten des Jahres 2006 eine weitere Ausarbeitung dieser allgemeinen Perspektive folgen soll.
Anmerkung
12. Cotton Mather, Essays To Do Good (1710). Vgl. H. Graham Lowry, How the Nation Was Won: America's Untold Story 1620-1754, EIR, Washington D.C., 1988, S.112-115. Cotton Mather (1696): "Es scheint ein schmachvoller Schrumpfungsprozeß Männer der verschiedenen Arten ergriffen zu haben; statt der Größe und Güte, die unsere Vorfahren zierte, werden wir in jeder Hinsicht zu Zwergen; in unseren bürgerlichen Angelegenheiten; in unseren militärischen Angelegenheiten; in unseren kirchlichen Angelegenheiten; wir schwinden hinweg, zum Nichts." Zit. nach Lowry, S. 50.
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