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Felix Rohatyn & die Zerschlagung des Autozulieferers Delphi

Dokumentation. LaRouches Aktionskomitee LPAC verbreitet derzeit eine Massenbroschüre über die Rolle des Bankiers Felix Rohatyn als Schlüsselfigur bei der Zerschlagung des größten amerikanischen Autozulieferers Delphi. Diese Broschüre enthält u.a. den folgenden Artikel.


Chronologie der Ereignisse
Erhaltet die Fabriken, entlaßt Rohatyn

Aus Gerichtsdokumenten über das Konkursverfahren des größten amerikanischen Autozulieferers Delphi geht eindeutig hervor, daß der synarchistische Bankier Felix Rohatyn - "Königsmacher" der Demokratischen Partei und Erzfeind LaRouches - persönlich am 1. Mai 2005 den Plan zur Produktionsauslagerung des Delphi-Konzerns ins Ausland, zur Vernichtung seiner Arbeitsplätze in den USA und zur Nichterfüllung seiner Rentenverpflichtungen abzeichnete. Diese und andere Dokumente belegen, daß die Firmen Rohatyn Associates und Rothschild, Inc. Delphis totale "Globalisierung durch Konkurs", wie es die Business Week am 24. April bezeichnete, planten.

Dieser Auslagerungs- und Bankrottierungsplan - der intern unter dem Kodenamen "Nordstern" gelaufen sein soll - ist Auslöser einer Welle weiterer Bankrotte und Werksschließungen im US-Autosektor und anderer Unternehmen. Er wurde vom Chefunterhändler der Elektriker-Gewerkschaft Henry Reichard, der am 6. Juni 2006 überraschend starb, als das "Ende der Autoindustrie und der amerikanischen Mittelschicht" bezeichnet. Auch wenn die Öffentlichkeit den Plan bisher mit dem Konkursverwalter von Delphi, Robert "Steve" Miller, verbindet, stammt er eigentlich von Felix Rohatyn, der dafür sorgte, daß Miller zum Chef von Delphi berufen wurde, um den Plan im Rahmen des Konkursverfahrens umzusetzen.

Darüber hinaus intervenierte Rohatyn 2005 wiederholt im US-Kongreß mit seinem Plan "privatisierter Infrastrukturunternehmen", um dadurch LaRouches Initiativen, im Kongreß ein Notgesetz zur Rettung des Automobilsektors durch Notkredite des Kongresses zum Schutz und zur Umrüstung der Autoindustrie für Infrastrukturprojekte durchzusetzen, auszuhebeln.

Das Delphi-Debakel öffnete Tür und Tor für die Zerstörung des gesamten verbliebenen Automobilsektors in den Vereinigten Staaten, u.a. durch die Versteigerung ganzer Fabrikausrüstungen und Fabriken, die seit April im Internet stattfindet - praktisch Industriedemontage über eBay. Innerhalb von 45 Tagen wurden 30 000 Produktionsarbeiter entlassen, ohne daß ein Ende in Sicht ist. Der Kongreß "reagierte" bisher durch die Bildung von Ausschüssen - über den Autosektor und die US-Industrie. Aber wirksame Maßnahmen, um die rasante Zerstörung des Autosektors zu stoppen, wurden bislang nicht eingeleitet.

Wir machen für diese möglicherweise fatale Untätigkeit des Kongresses Felix Rohatyn und jene Mitglieder des Kongresses verantwortlich, die Rohatyn dummerweise immer noch als "führenden Demokraten" betrachten und nicht als synarchistischen Bankier. LaRouches Maßnahmen im Stile Franklin Delano Roosevelts würden die Autoindustrie retten und die US-Infrastruktur wiederaufbauen. Rohatyn jedoch sträubte sich wiederholt und öffentlich gegen eine Rückkehr zur "Politik von FDR" oder den "Methoden der RFC" [Reconstruction Finance Corporation, US-Vorbild der Kreditanstalt für Wiederaufbau in den 30er Jahren], wie Rohatyn sie bezeichnet.

Chronologie der Ereignisse

LaRouches Aktionskomitee LPAC hat eine Chronologie veröffentlicht, die zeigt, wie die Strategie von Rohatyn und Rothschild im Lauf der letzten anderthalb Jahre Schritt für Schritt umgesetzt wurde.

Am 1. Mai 2005 - unmittelbar, nachdem LaRouche am 13. April in seinem Memorandum über "Notmaßnahmen des Senats" dem Kongreß erklärt hatte, er müsse in die Autokrise intervenieren, die durch die Herabstufung auf "Ramsch" der Schulden von General Motors sichtbar geworden war - legte Felix Rohatyn als Vertreter seiner Finanzfirma Rohatyn Associates und der Konkursabteilung des Finanzhauses Rothschild Inc. den Entwurf einer Strategie vor, Delphi durch Auslagerung, Fusionen und Konkursverfahren zu "entwickeln", die daraufhin von der Delphi-Geschäftsleitung beauftragt wurden, einen "strategischen Plan" auszuarbeiten. Dieser von Rohatyn ausgearbeitete Plan wurde dann angenommen. Weiter wurde vereinbart, daß Rohatyn persönlich sich "zurückziehen" und Rothschild die "Beratung" alleine weiterführen würde, sobald Delphi seinen Konkursantrag gestellt hätte.

Aufgrund dieser Strategie wurde am 1. Juli 2005 Steve Miller zum Vorstandsvorsitzenden von Delphi berufen. Miller selbst schreibt in seinem Konkursantrag: "[Delphi] glaubt, daß im Rahmen des [Insolvenz-]Verfahrens nach Kapitel 11 ein substantielles Segment der Geschäftsoperationen von Delphi in den Vereinigten Staaten abgestoßen, konsolidiert oder abgewickelt werden muß... Unterdessen wird das Unternehmen das strategische Wachstum seiner nichtamerikanischen Operationen erhalten und fortsetzen und seine Prominenz als erster Automobilzulieferer der Welt beibehalten." Das ist Globalisierung und Auslagerung mit Hilfe eines "strategischen Bankrotts".

Wie aus dem Kongreß verlautete, wurde parallel dazu im Mai und Juni 2005 demokratischen Abgeordneten "nahegelegt", sie sollten sich von LaRouches Memorandum für legislative Maßnahmen zur Rettung des Autosektors "fernhalten", da "Lyndon LaRouche die Nationalisierung der Automobilindustrie vorschlage". Ab Anfang Juni 2005 veröffentlichte Felix Rohatyn seine Vorschläge für einen "Nationalen Infrastrukturfonds", die er dem Kongreß vorlegte. Dafür sollte der Kongreß lächerliche 50 Mrd. $ an Krediten aufnehmen, die von einer "Nationalen Kommission" unter der Führung von Bankiers wie ihm selbst verwaltet werden sollten. Diesem Vorschlag schlossen sich Senator Warren Rudman und andere an.

Der Plan, den Delphi von Rohatyn und Rothschild übernahm, sah außerdem vor, daß im Falle einer Insolvenz viele der amerikanischen Delphi-Werke, die für die Industriebasis der Vereinigten Staaten von strategischer Bedeutung sind, als "de minimis"-Werte, also faktisch als wertlos, zu betrachten seien und über das Internet versteigert werden sollten. Genau dies geschieht seit Anfang April 2006 aufgrund einer Anordnung des Konkursgerichtes vom 28. Oktober 2005. Der Zweck dieser Versteigerungen wurde unmißverständlich ausgesprochen: Die Erlöse fließen direkt in einen Sonderfonds zur Rückzahlung eines 2 Mrd. $-Kredites der Banken JP Morgan Chase und Citicorp, den Rohatyn und Rothschild noch vor dem Konkursantrag vermittelt hatten.

Gerade die Werke der Autozulieferer sind es und ihr vielseitiges Maschineninventar, die nun aufgegeben werden, die, wie LaRouche in seinem Notgesetz darlegt, vom Kongreß in eine staatliche Auffanggesellschaft eingebracht werden müssen, um diese unersetzlichen Kapazitäten zum Bau dringend benötigter Infrastrukturen für den Eisenbahnverkehr, die Strom- und die Wasserversorgung zu nutzen.

Nun ist nachgewiesen, daß Felix Rohatyn den Plan, nach dem Delphi diese Fabriken versteigern läßt, ersonnen hat, als wären sie Ramschware, um Bankschulden zurückzuzahlen. Dem Vernehmen nach gehen viele, wenn nicht die Mehrzahl der versteigerten Maschinen an ausländische Unternehmen. Aber nicht nur Delphi, sondern auch andere Autokonzerne haben diese Praxis übernommen, die das technologische Potential und die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten ruiniert. Wenn diese Zwangsversteigerungen nicht gestoppt werden, verwandeln sich die USA industriell in ein Land der Dritten Welt.

Last but not least enthält Rohatyns strategischer Plan für Delphi auch den sogenannten Kompensationsplan für wichtige Mitarbeiter, demzufolge insgesamt 400 Mio. $ an Zusatzzahlungen an bestimmte Delphimanager verteilt werden sollten, während die Gehälter der Beschäftigten in der Produktion um die Hälfte gekürzt wurden, sofern sie nicht gleich entlassen wurden.

Rohatyns "Rückzug" als Delphi-Berater am 8. Oktober 2005 - dem Tag des Konkursantrags - hat möglicherweise mit einer weiteren Rolle zu tun, die in den Unterlagen des Insolvenzverfahrens eingeräumt wird: Rohatyn ist an "due diligence"-Bemühungen privater Anlagefirmen bezüglich Delphi beteiligt, mit anderen Worten, er dürfte Anlagefirmen und Hedgefonds beim Kauf dessen beraten, was nach der "Globalisierung durch Konkurs" von Delphi übrig ist.

Erhaltet die Fabriken, entlaßt Rohatyn

Wenn der Kongreß nicht handelt, wird er für die geplante Zerstörung der industriellen und technologischen Kapazitäten der Vereinigten Staaten verantwortlich gemacht werden. Wenn er dies nicht verhindert, trägt der Kongreß Verantwortung für den Verlust hunderttausender qualifizierter und produktiver Arbeitsplätze und dem Gehalts- und Leistungsverzicht, der den amerikanischen Arbeitern, die in den Überresten der amerikanischen Autoindustrie verbleiben, aufgezwungen werden.

Die Beweise sind eindeutig, daß der gleiche "Demokrat", der die Parteiführung unter Druck gesetzt hat, auf jegliche Krisenreaktion im Sinne FDRs zu verzichten, selbst eine ganz zentrale Rolle bei Abbau und Auslagerung der amerikanischen Industrie spielt, durch den diese Krise überhaupt erst herbeigeführt wurde.

Rohatyn ist kein Demokrat, sondern ein synarchistischer Finanzier in der Tradition der transatlantischen Bankengruppe Lazard Frères, bei der er Karriere machte. Lazard Frères spielte in den 30er und 40er Jahren in Europa eine zentrale Rolle im Synarchismus, der hinter dem Faschismus von 1922-45 stand.

Für mehrere hunderttausend amerikanische Automobilarbeiter ist es eine unmittelbare Existenzfrage, daß der kriminelle Schaden, den Rohatyns "strategischer Plan" für Delphi angerichtet hat, wiedergutgemacht wird.

Lesen Sie hierzu bitte auch:
Von Vichy zu Rohatyn - Neue Solidarität Nr. 24/2006
Eine Geschichte von zwei Schaumschlägern: Wie man keinen Aufschwung schafft - Neue Solidarität Nr. 51-52/2005
Die Privatisierung der Nationalen Sicherheit - Neue Solidarität Nr. 14/2006

 

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