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Aus der Neuen Solidarität Nr. 3/2006 |
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Es ist wohl am besten, nüchtern, ohne jede Beschönigung, darauf hinzuweisen, daß das Fach Griechisch an den Gymnasien, an den Universitäten, in der öffentlichen Wahrnehmung, in einem bedenklichen Zustand ist. Die Sprache, in der Homer, Sappho, das strahlende Dreigestirn Aischylos, Sophokles, Euripides, der unbegreifliche Sokrates, der göttliche Platon und sein berühmter Schüler Aristoteles gedichtet, gedacht und geschrieben haben, kämpft in Deutschlands Schulen, Universitäten - und wohl nicht nur dort! - um ihr Überleben. Die so ungemein wichtige Tradierung an die nächste Generation ist ungesichert - ein aufregendes, bedenkenswertes Schauspiel?
Griechisch braucht Nachwuchs: Die Sprache der alten Griechen - ich möchte sie nicht ohne Grund die "Muttersprache Europas" nennen - bedarf dringend der Hilfe, der begeisterten Lehrer, der Freunde der Antike, der tatkräftigen, einflußreichen Förderer der Kultur, die in der Öffentlichkeit werben für ihre Schönheit, ihre Musikalität, ihre Anschaulichkeit, ihre Treffsicherheit, für die unschätzbaren kulturellen Schätze, die in ihr, einem kostbaren Gefäße gleich, aufbewahrt sind.
Die altgriechische Sprache bedarf der Wortführer, die mit der ganzen Kraft ihrer Persönlichkeit für sie eintreten: mutig, überzeugt, mitreißend. Wer sind unsere Ansprechpartner? Wer denn sonst, wenn nicht die Schüler und die Studenten, die für Griechisch motiviert werden sollen, ihre Eltern, die für die kulturelle, sinnstiftende Bedeutung des Faches gewonnen werden müssen und natürlich alle Medien: die Zeitungen, der Rundfunk, das Fernsehen, die ein aufgeschlossenes, günstiges Klima schaffen, die anschaulich, kenntnisreich, überzeugend darauf hinweisen sollen, wie in seiner Fülle reich, in seiner Bedeutung überwältigend, unverzichtbar für uns alle, der Beitrag der Griechen für die Grundlagen Europas geworden ist, daß wir Nachgeborenen ein kostbares Erbe, das unvergleichliche Vermächtnis der Antike - und die altgriechische Sprache ist ein unveräußerlicher Teil! - zu bewahren, zu pflegen und weiterzugeben haben.
Oder sind wir etwa - was einem Offenbarungseid gleichkäme - zu schwach, zu nachlässig, zu wenig würdig, das kostbare Erbe anzutreten, das unsere Vorfahren, von seinem hohen Wert überzeugt, uns zu treuer Bewahrung übergaben?
Was wären doch wir, die Enkel, für ein erbärmliches Geschlecht, das, in einem unverzeihlichen Akt der Selbstschädigung, eine zukünftige Begegnung mit der Kultur der Griechen erschwert, verhindert, indem wir das Wissen und die Erforschung der Antike auslöschen! Als ob wir die Mahnworte vergessen könnten: "Sorge nicht um Geld, Ansehen und Ehre, sondern daß deine Seele so gut wie möglich werde!", die Plato in der Apologie dem Sokrates in den Mund legte, dem "Vater des Abendlandes".
Die Begegnung mit der Antike ist fruchtbar: Diese Kultur der Antike hat doch wiederholt und für jeden einsichtig erwiesen, wie fruchtbar in der Vergangenheit diese Begegnungen für Europa ausgefallen sind, wenn sie in Notzeiten Türen öffneten zu neuen geistigen Strömungen, ja ganzen Epochen, welche die Entwicklung des Geistes, das Antlitz Europas, entscheidend prägten bis auf den heutigen Tag. Dazu gehören die Epoche der Renaissance, der Wiedergeburt, Wiederbesinnung auf antike Tugenden, um eine nationale Erneuerung einzuleiten, die Epoche des Humanismus, der die Antike als Urbild verehrt und die Würde des Menschen betont, die Aufklärung, die aus sorgfältiger Pflege der antiken Überlieferung die Vernunft des Menschen und das Gebot der Toleranz herausstellt sowie die Weimarer Klassik mit Christoph M. Wieland, Johann G. Herder und den Dichterfürsten Friedrich Schiller und Johann W. von Goethe, die der literarische Höhepunkt der deutschen Dichtung ist.
Als Johann W. Goethe 1786 fluchtartig Weimar verließ, unter fremdem Namen, "im Zeichen einer Krise auf Leben und Tod" - worauf Walter Jens in seinem bedeutenden Vortrag: "Goethes Visionen der Antike", Passau, 1999, aufmerksam machte - , empfand er auf seiner Italienreise die Begegnung mit der Antike als eine "Läuterung an Haupt und Gliedern, einen Neubeginn, eine Wiedergeburt". Seine dichterischen Kräfte, die in Weimar versiegt schienen, so daß das Publikum ungeduldig wurde, strömten reichlich aufs neue: Die Versfassung der Iphigenie entsteht, der Egmont wird abgeschlossen, der Plan eines Trauerspiels, die Begegnung des Odysseus mit Nausikaa, treibt ihn um. Wie glücklich fühlt er sich in Rom, "auf heiligem Boden". Ein anderer reiste nach Italien, verzweifelt, von den Musen verlassen, ein anderer kehrte zurück nach Weimar, in der Begegnung mit der Antike gereift, wird ihm in Sizilien Homers Odyssee zum ersten Mal ein lebendiges Wort, ein Schlüsselerlebnis! Mit seiner Iphigenie auf Tauris in Versen wagte Goethe den poetischen Wettstreit mit dem gleichnamigen Werk des Euripides - um 412 v.Chr. in Athen uraufgeführt - , verkündete er neue Kunstideale "die naturhafte Schönheit, Klarheit, Harmonie, das rein Menschliche, die Humanität". Die Italienreise, 1786-1788, markierte eine tiefgreifende Zäsur nicht nur in Goethes Leben, sondern auch in der deutschen Literaturgeschichte. Sie leitete die klassische Epoche der deutschen Literatur ein.
Wenn nun, wie zu folgern ist, seit über 2 000 Jahren die Beschäftigung mit der Antike, vor allem mit dem entscheidenden Beitrag der Griechen, so überaus fruchtbar ist - für Johann W. von Goethe wurde sie zur fast wundertätigen Arznei! - , so ist es ein Gebot der Klugheit, sich nicht weniger, sondern mehr mit der Antike zu beschäftigen, jetzt und für die Zukunft, die Voraussetzungen, die günstigen Bedingungen für eine Begegnung mit der Kultur der Antike zu erhalten, zu pflegen, zu verbessern. Hinzu kommt - worauf der Deutsche Altphilologenverband nicht müde wird hinzuweisen - : Griechisch ist ein europäisches Grundlagenfach. Es führt ein in grundlegende Gattungen der europäischen Literatur und in die griechische Mythologie. Es macht bekannt mit den Grundlagen der abendländischen Philosophie und den großen Philosophen: Ihre ethischen Standpunkte können in Diskussionen erfahren werden. Es klärt die historischen Grundlagen der politischen Systeme und öffnet den Zugang zu gesellschaftlichen Problemen. Es führt heran an wichtige Grundlagen der bildenden Kunst und Architektur. Es ist die Ursprache des Neuen Testaments und bietet somit eine Verständnishilfe für die Fundamente christlicher Religion und die zahlreichen Grundbegriffe des Christentums. So begründet der Deutsche Altphilologenverband, überzeugend, daß es gerade heute notwendig ist, die Sprache der alten Griechen zu lernen und zu bewahren - ein kostbares Erbe!
Es wohnt dem Griechischen der Zauber einer beglückenden Begegnung inne, eine zeugende Kraft, ein Agens des Prüfens, des Wettkampfes, ein Glaube an die Kraft der Vernunft, der Besonnenheit, der Freiheit, der Befreiung des Geistes. Wie könnte Europa, ja die Welt, je darauf verzichten?
Eugen E. Ungerer, 70374 Stuttgart
Der folgende Brief ging an den Vorsitzenden von Erneuerbare Energien, Herrn Dr. Herman Schair, MdB und Mitglied der SPD:
"Gestatten, es ist mir ein riesiges Rätsel, wie ein Mann wie Sie einen solch wichtigen Posten im Deutschen Bundestag einnehmen kann. Atomenergie und Uran; das in der Tat führt in einen Kollaps. Und wer spricht eigentlich nur von Uran, wenn er von Atomenergie spricht? Davon in der Tat sprechen nur die Amerikaner und die Russen; beides Völker der Atombombe (Hiroshima, Nagasaki). Wie dem auch sei, der deutsche Hochtemperaturreaktor aus Jülich (Aachen) wird nicht mit Uran betrieben, sondern mit Thorium. Natürlich ist Thorium (Th90) in unbegrenzter Menge in unbegrenzter Zeit zu erhalten. Natürlich kann man mit Thorium keine Bombe bauen. Das macht das Metall so uninteressant für die Bombenbauer. Natürlich kann mit Thorium kein GAU erfolgen. Das sollte uns besonders interessieren. Die neu gebauten Reaktoren in Finnland, in China und in Südafrika sind deutsche Th-Hochtemperaturreaktoren. Die Sperrung in Deutschland selbst muß also einen anderen Grund haben. Das alles sollte einem Mann von Ihrem Einfluß bekannt sein. Ich habe Ihre Aussagen heute morgen im Radio 5 gehört. Welch ein Schwachsinn!"
Dagobert R. Forner, 50169 Kerpen
Sehr geehrte Frau Tennenbaum, als Abonnent der Neuen Solidarität und Familienvater habe ich Ihre Artikel aus der Erziehungsreihe mit großem Interesse verfolgt. Ich bin vollkommen Ihrer Meinung. Aus diesem Grund schreibe ich an Sie. Unser Kind geht zur Zeit zum Kindergarten und wurde gerade fünf Jahre alt. Als Eltern versuchen wir, im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten, unser Kind so gut wie möglich zu erziehen und ihm die notwendigen Werte zu vermitteln. In der letzten Zeit werden wir allerdings mit Veränderungen konfrontiert, die auf die Bildungsreform zurückgehen und sogar vor dem Kindergarten nicht halt machen.
Hier eine kurze Beschreibung: Erstens werden wir unser Kind nicht schon vorzeitig ein Jahr früher in die Schule schicken, denn unseres Erachtens ist das für die meisten Kinder noch zu früh. Unser zweites Kind wird hier leider keine Wahl haben. Zweitens hat die Verwaltung unseres bis jetzt sehr gut geführten Kindergartens ein Schreiben von der zuständigen Behörde erhalten, in dem sie unter Androhung der Aussetzung von Zuzahlungen aufgefordert wird, darauf zu achten, daß die Kinder, die nicht an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen wollen, dies auch nicht müssen und sich alleine zu beschäftigen haben. Grob gesagt sollen die Kinder machen und tun, worauf sie Lust haben, und keiner darf ihnen dazwischenreden. Es soll also darauf hinauslaufen, daß sie in keinster Weise gefordert, erzogen und auf die Schule vorbereitet werden. Dafür aber werden sie vorzeitig in die Schule geschickt, auf die sie im Kindergarten nicht vorbereitet werden durften.
Die Erzieherinnen des Kindergartens haben jetzt eine Elternvertreterversammlung einberufen. Es wird wahrscheinlich darum gehen, ob die Elternvertreter mit der neuen Umerziehung einverstanden sind. Falls die Elternvertreter ebenfalls gegen die neuen Maßnahmen sind, müssen wir uns überlegen, wie wir gegen die Behörde vorgehen. (Die Zuschläge sind für unseren Kindergarten natürlich überlebenswichtig.)
Die o.g. Probleme sind Ihnen sicherlich bestens bekannt. Aus diesem Grund hoffe ich, daß Sie mir ein paar Anregungen bzw. Informationen zusammenstellen können, die man den Eltern unterbreiten könnte, um sie über die Gefahren der neuesten Erziehungspolitik zu informieren. Man muß aber dabei bedenken, daß die meisten Eltern leider über die Unterwanderung durch die Frankfurter Schule etc. nichts wissen wollen bzw. diese Informationen für Verschwörungstheorien halten und dann jede Diskussion abblocken. Die Aufklärungsaufgabe ist also für einen Laien wie mich nicht einfach.
Dariusz Erfurt, 14467 Potsdam
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