|
Aus der Neuen Solidarität Nr. 30/2006
| |
Wie lange noch bis zum Systemkollaps?
Beim strategischen EIR-Seminar in Berlin erläuterte Prof. Wilhelm Hankel, warum das hochlabile System der globalisierten Wirtschaft spätestens dann, wenn es zusammenbricht, durch ein verläßliches, berechenbares System fester Wechselkurse ersetzt werden muß.
Die "Globalisierung" beschreibt der ehemalige volkswirtschaftliche Leiter der Kreditanstalt für Wiederaufbau, Prof. Wilhelm Hankel, als anarchisches "Gefälle von gesetzlich geordneten Staatswesen zu gesetzlich ungeordneten", wobei "die gesetzlich ungeordnetsten Standorte für globale Banken und Kapitalanleger die attraktivsten sind". Als Folge dessen habe sich "der Graben zwischen Reichen und Armen vertieft wie noch zu keinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte".
Die chaotische Weltwirtschaft sei geprägt von einem höchst labilen "Gleichgewicht der Ungleichgewichte": Dies sei auf globaler Ebene das gigantische Leistungsbilanzdefizit der USA, dem sich auftürmende Dollarreserven vor allem in Japan und China gegenüberstehen. Ein ähnliches Ungleichgewicht herrsche in der Eurozone, wo alle europäischen Defizite durch Deutschlands Exportüberschüsse finanziert werden. Beide Prozesse hätten eine objektive Grenze. "Wie lange kann es sich China leisten, große Teile seines Volksvermögens als totes Kapital zu behandeln und zu verschwenden," fragte Hankel. "Und wie lange halten die eurogeschädigten Länder noch still und opfern ihre Prosperität auf dem Altar eines Europas der Eurogewinner?"
Hankel sieht daher eine große Weltkrise kommen, schlimmer als in den 30er Jahren nach dem Schwarzen Freitag von 1929. Aber wie LaRouche halte er die Katastrophe nicht für unabwendbar. "Es gibt keine Alternative zu einem verläßlichen, berechenbaren und kontrollierten Weltwährungssystem", stellte Hankel fest. "Es geht um die Wiederherstellung nationaler Währungssouveränität, aber eingebettet in ein System fester Wechselkurse auf Grundlage einer abstrakten Verrechnungseinheit."