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Aus der Neuen Solidarität Nr. 31-32/2006
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Interesse der Menschheit - ein "Nebeneffekt"
Ein Bundeswehroffizier und zwei UN-Diplomaten zur Vorgeschichte des Irakkrieges
Pressestimme. Heiko Flottau rezensiert Jürgen Hübschens Die Zukunft des Irak - Pax Americana? zusammen mit den Büchern von Scott Ritter und Hans von Sponeck in der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juli 2006.
... Das umfangreichste dieser drei Werke ist jenes von Hübschen. Auf 640 Seiten gibt er einen eindrucksvollen Überblick der Entwicklung, die von der Besetzung Kuwaits am 2. August 1991 bis zum vorerst letzten Irakkrieg des Jahres 2003 geführt hat. Vollkommen zu Recht sieht der Autor die Besetzung durch amerikanische und britische Truppen nicht als isoliertes Ereignis. Vielmehr stellt er den Krieg in den größeren Zusammenhang der regionalen Entwicklung.
Von vornherein läßt der Autor keinen Zweifel an seiner eigenen Haltung: Er wirft den USA Unilateralismus, einseitige Interessenvertretung vor. Gleich zu Beginn bringt er Zitate von Präsident George Bush senior und von Condoleezza Rice. Ihre Worte, wonach die USA im Interesse aller handelten, wenn sie ihre eigenen nationalen Interessen verfolgten, kann als leidvoller Leitsatz der US-Außenpolitik gelten - zumindest dann, wenn man diese Politik aus der Perspektive anderer Staaten sieht. Ehrlicherweise fügte Rice hinzu: "Es ist sicherlich nicht verkehrt, etwas zu tun, was der gesamten Menschheit zugute kommt. Allerdings ist das in gewisser Weise ein Nebeneffekt zweiter Ordnung."
Überhaupt ist Hübschens Buch voller überraschender Zitate. Sein umfangreiches Werk wird dadurch lesbar, daß man fast überall einsteigen kann und sofort einen Einblick in den Verlauf der Ereignisse bekommt. Hübschen hat ein gut strukturiertes, ein fast enzyklopädisches Buch vorgelegt, das voll von Daten und Fakten ist. Inhaltlich setzt sich der Fachmann Hübschen deutlich von der amerikanischen Politik ab. Zu Recht moniert er, daß die nach 1991 aufrechterhaltenen Sanktionen gegen den Irak praktisch eine Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln waren. Und ebenfalls zu Recht moniert er, daß das Ausbleiben des Versuches, eine allgemeine Friedens- und Sicherheitsordnung in der Region aufzubauen, zwangsläufig zum Irakkrieg des Jahres 2003 führen mußte.
Allerdings ist fraglich, ob eine solche Friedensordnung mit einem Regime wie dem Saddam Husseins möglich gewesen wäre. Dabei war Saddam einst ein nützliches Werkzeug der USA gegen den Iran des Ayatollah Chomeini; und deshalb blockierten zum Beispiel die USA 1986 eine Resolution des Weltsicherheitsrates, in welcher der Irak wegen des Einsatzes von Senfgas gegen den Iran verurteilt werden sollte. Die Lösung der Irakkrise sieht der Autor im Zusammenhang anderer Krisen - etwa mit der Lösung des israelisch-arabischen Konfliktes. Hier zitiert er den Friedensplan, den der saudische König Abdallah bereits 2002 auf der arabischen Gipfelkonferenz in Beirut vorgelegt hat...