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Aus der Neuen Solidarität Nr. 33/2006

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Hitlers Unterstützer in der deutschen Wirtschaft
Unsere Jugend hat ein Recht auf Zukunft

Hitlers Unterstützer in der deutschen Wirtschaft

Frau Zepp-LaRouche erwähnte im "Thema der Woche" am 12. Juli 2006 industrielle Kreise, die die NSDAP finanzierten. In einem Sonderdruck der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung aus dem Jahr 1960 mit Titel "Die Auflösung der Weimarer Republik" listet Prof. Andreas Hillgruber eine Anzahl Hitler-Unterstützer auf: Der Industriemagnat August Thyssen finanzierte die NSDAP bereits seit 1923 und bezahlte das "Braune Haus" in München. Thyssen war der größte deutsche Montankonzern mit 40 000 Beschäftigten im Ruhrgebiet, in Lothringen und in Frankreich und versprach sich Rückgewinn. Der Industrielle Alfred Hugenberg war DNVP-Vorsitzender und zugleich Vorsitzender im Krupp-Direktorium sowie Inhaber des Hugenberg-Konzerns. Das war der erste Medienkonzern in Deutschland mit Scherl-Verlag, UFA, Telegraphen-Union, ALA-Anzeigendienst etc. Hugenberg hatte den Posten des Wirtschafts- und Ernährungsministers im Kabinett Hitler bis Juni 1933 inne. Er sammelte Geld von Großindustriellen für Hitler u.a. Parteien. 20 % des Geldes ließ er jährlich Hitler zufließen. Emil Kirdorf war der Gründer der Gelsenkirchner Bergwerks AG und führend im Rheinisch-Westfälischen Kohlesyndikat. Er zahlte - so berichtet Hillgruber - 1930 bis 1933 ca. 700 000 Reichsmark an die NSDAP.

Diese Zahlungen ermöglichten Hitler, seine Partei über die Weltwirtschaftskrise hinweg zu erhalten. Friedrich Flick war Gründer einer Eisen- und Stahlunternehmensgruppe, der sog. Flick-AG Düsseldorf, zu der viele Beteiligungen gehörten wie: Auto-Union, DaimlerBenz, Feldmühle-Papier, Dynamit-Nobel etc. Genannt werden ferner Albert Vögler, Gründer und Vorsitzender der Vereinigten Stahlwerke AG und Sir Henry Deterding, Herr des Anglo-Holländischen Shell-Konzerns (Royal Dutch Shell).

Der letzte entscheidende Durchbruch kam am 4. Januar 1933, als Hitler und von Papen im Bankhaus Schröder in Köln empfangen wurden. Hier wurde eine Vereinbarung über Hitlers Regierungsbeteiligung besprochen. Am 27. Januar 1932 hatte Hitler bereits eine zweistündige Rede vor der Crème der deutschen Wirtschaft gehalten: vor dem Industrieklub in Düsseldorf. Hitler machte bei der Elite der Wirtschaft gerade in dieser Rede großen Eindruck, schreibt Prof. Hillgruber. Das einflußreiche Großbürgertum und die Industrie waren also längst auf Seiten Hitlers. Man betrachtete ihn als "Trommler" für ihre Interessen und versprach sich Rüstungsaufträge. Woher sonst hatte Hitler das Geld für seine aufwendigen Wahlkämpfe mit Fahnenmeeren, für die vielen Braunhemduniformen für die SA?

Am 15. Januar 1933 konnte die NSDAP durch ihre geballte Finanzmacht in dem kleinen Ländchen Lippe einen großen Wahlerfolg erringen. Hitler konnte sich den eindrucksvollen Mercedes-Maybach leisten, in dem er stehend die Massen grüßte.

Karl Hermann, 34454 Bad Arolsen


Unsere Jugend hat ein Recht auf Zukunft

Als in Frankreich die Autos brannten, als die vernachlässigte Jugend auf die Barrikaden stieg und drohend die Fäuste ballte, als die Schulen schlossen, als die Regierung wankte, als das öffentliche Leben wie gelähmt schien, sprach ein junger Franzose die so einfachen, so selbstverständlichen Worte: "Ich möchte ein Leben wie meine Eltern leben. Ich habe in der Schule und der Universität gelernt, ich habe Prüfungen abgelegt. Ich fordere jetzt eine Ausbildungsstelle, dann einen sicheren Arbeitsplatz - wie einst meine Eltern." Dies ist der Wunsch junger Menschen, ihre Forderung an die Gesellschaft. Dies ist ihr Recht auf eine sichere Zukunft - wie sollten sie denn sonst eine Familie gründen können?

Aus diesem bedrohlichen Aufstand der Jugend hat die französische Regierung gelernt: Die Jugendlichen erhalten ein Recht auf Ausbildung! Die Regierung erwartet von den Unternehmen, bis 2009 die Ausbildungsplätze von jetzt 350 000 auf 500 000 zu erhöhen. Wird diese Ausbildungsquote nicht erreicht, wird die Ausbildungsumlage weiter aufgestockt. Ist die deutsche Regierung, sind unsere Politiker, unsere Arbeitgeber lernfähig? Wir danken allen Arbeitgebern, die in sozialer Verantwortung den jungen Menschen einen Ausbildungsplatz geben, sie gut ausbilden und sie später als tüchtige Mitarbeiter übernehmen.

Aber dies ist nicht die Regel, wir stecken mitten in einer Ausbildungskrise von beschämenswertem Ausmaß! Da mag Herr Glos, Mühlenbesitzer und Wirtschaftsminister, noch so sehr seine Backen aufblasen, von kolossalen Anstrengungen der Wirtschaft faseln und die Zahlen schönreden: Die Sprache der Wirklichkeit bezeugt die wahren Zahlen. Von den 948 000 Schulabgängern des Jahres 2005 erhielten nur 58 % einen Ausbildungsvertrag, Anfang der 90er Jahre waren es noch über 70 %. Wo sind die 42 %? In Verschiebebahnhöfen und Warteschleifen: gestohlene Lebenszeit, der Steuerzahler zahlt die Zeche! Im Jahresdurchschnitt 2005 waren 612 000 junge Menschen unter 25 Jahren ohne Arbeit bei den Arbeitsagenturen gemeldet. Die Hartz-Reformen waren nutzlos: Schröders Milliardengrab! "Die Lehrstellennot, Jugendarbeitslosigkeit und Ersatzmaßnahmen der Bundesagentur betreffen eine Million Jugendliche." Von Jahr zu Jahr bilden Firmen weniger Jugendliche aus. Kaum ein Viertel der Betriebe, weniger als 25 %, schließen noch Ausbildungsverträge ab. Die Jugendarbeitslosenquote von 12,4 % liegt höher als die allgemeine Arbeitslosenquote von 11,7 %.

Hier hilft kein Vertuschen der Schuldigen, kein lügenhaftes Verschleiern: Diese Zahlen sind ein offener Skandal, dies ist eine eiternde Wunde am Körper der Gesellschaft, eine Versündigung an unserer Jugend, ein Offenbarungseid, der die Zukunft unseres Volkes gefährdet. Es ist nicht verantwortbar, es ist nicht mehr hinnehmbar. Es muß sich jetzt ändern. Auch wenn es lobenswerte Arbeitgeber gibt, die unserer Jugend eine Chance geben, eine gute Zukunft - es ist ihre Pflicht nach dem Urteil des BVerfG von 1988 - , so zeigt doch das DGB-Schwarzbuch Ausbildung in 77 Beispielen, daß es nicht wenige Fälle gibt, bei denen Menschen übel behandelt werden: mit Überstunden, ausbleibendem Lohn, Mobbing, sexueller Belästigung. "Besonders viele Probleme gibt es nach der DGB-Einschätzung im Einzelhandel, in Büroberufen, in der Medienbranche, sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe." Hier ist mehr zu prüfen. Im Notfall muß den Arbeitgebern die Ausbildungsberechtigung entzogen werden.

Fassen wir zusammen: Was ist der Ausbildungspakt der Wirtschaft? Ein Scherbenhaufen. Die goldenen Versprechungen der Wirtschaft sitzen auf der Anklagebank. Wie in Frankreich muß endlich per Gesetz eine Ausbildungsumlage geschaffen werden: Gerechtigkeit für die Firmen, die ausbilden. Wir Bürger/Innen fordern gebieterisch, wir sind der Souverän im Staat: Unsere Jugend hat ein Recht auf Ausbildung, auf ihre Zukunft. Es ist unser aller Zukunft, die wir gemeinsam mit der Jugend verteidigen müssen, jetzt und heute.

OStR a.D. Eugen E. Ungerer, 70374 Stuttgart

 

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