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Aus der Neuen Solidarität Nr. 33/2006

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"Heuschrecke" Lone Star gehört
zu Bushs Unterstützerkreisen in Texas

Finanzhaie. Warum läßt der Gesetzgeber in Deutschland es eigentlich zu, daß ausländische "Heuschrecken" deutsche Hypotheken kaufen und dann willkürlich die Zinsen heraufsetzen? Die BüSo-Vorsitzende Helga Zepp-LaRouche nimmt den jüngsten Immobilienskandal aufs Korn.


Was ist Lone Star?

Die amerikanische Beteiligungsgesellschaft Lone Star und der mit ihr zusammenhängende Hypothekenmakler Hudson Advisors sind laut Spiegel derzeit dabei, Tausende von Hausbesitzern um ihr Haus zu bringen, und zwar auch solche, die bei der Bedienung ihrer Immobilienkredite niemals in Verzug gekommen sind. Die Methoden, mit denen diese Raubtierkapitalisten Wucherzinsen verlangen, Zwangsversteigerungen durchziehen und "für 35 000 Euro mein Leben zerstören", wie ein Opfer klagte, sind höchstwahrscheinlich gesetzwidrig, auf jeden Fall aber absolut unmenschlich. Skandalös, aber nicht überraschend ist, daß Lone Star und Hudson Advisors mit Finanzkreisen in Texas verbunden sind, die zum Umfeld der Familie Bush gehören.

Als die zur HypoVereinsbank gehörende Hypo Real Estate im Jahre 2004 die Kredite von vielen tausend Hausbesitzern an Lone Star verkaufte - insgesamt wurden von deutschen Banken in dieser Zeit Verbindlichkeiten von 250 Milliarden Euro an solche Beteiligungsgesellschaften verkauft - , überließ sie damit die bisher betreuten Kunden einer der aggressivsten und skrupellosesten Heuschrecken überhaupt. Die Betroffenen waren ahnungslos, und nach Ablauf der vom deutschen Gesetz vorgeschriebenen Schutzfrist von zwei Jahren erzwangen Lone Star und ihre Schwesterfirma Hudson Advisors zum Teil um 50% verteuerte Hypothekenraten in dem offensichtlichen Versuch, Zwangsversteigerungen zu erreichen und die Besitzer so um ihr Haus zu bringen.

Betroffen sind Tausende von Hausbesitzern und Kleinanlegern in den alten, vor allem aber in den neuen Bundesländern. Hudson Advisors, die laut Spiegel für Lone Star die "Schmutzarbeit" machen, gehen bei der Abwicklung vor wie die Berserker. Sie nutzen die mangelhafte Rechtskenntnis der Opfer aus - oder deren Unvermögen, sich rechtzeitig einen teuren Anwalt zu nehmen - , lassen Konten pfänden, schicken den Gerichtsvollzieher oder den Zwangsvollstrecker. Bis der Rechtsweg erschöpft ist, ist der Schaden längst angerichtet, das Haus verkauft und die Heuschrecken längst weitergezogen.

Der deutsche Chef von Lone Star, Karsten von Köller, ehemaliger Präsident des Verbandes deutscher Hypothekenbanken, beschrieb im vergangenen Jahr in einem Vortrag in Frankfurt am Main die Geschäftsmethoden der Beteiligungsgesellschaft so: "Die Karawane zieht nach einer Abarbeitungsphase von drei bis vier Jahren weiter." Und in der Tat, Lone Star machte in den 90er Jahren bei der Abwicklung fauler Kredite in den USA zweistellige Rendite, zog dann nach Japan und Südkorea und plündert jetzt deutsche Immobilienbesitzer.

Daß selbst Wucherzinsen und Zwangsversteigerungen diesen Finanzhaien nicht genug sind, wurde in Südkorea deutlich, wo der Chef und Gründer von Lone Star, John Grayken, sich bemüßigt sah, 100 Millionen Won zu spenden - als "Wiedergutmachung dafür, daß der ehemalige südkoreanische Manager von Lone Star, Steven Lee, Millionen von Dollar veruntreut und Steuerhinterziehung begangen hatte, für die nachträglich 750 Mio. Won auf einem Konto deponiert werden, bis die endgültige Steuersumme feststeht.

Grayken widersprach hingegen dem Vorwurf der koreanischen Untersuchungsbehörden, daß Lone Star im Kontext des Verkaufs der Korea Exchange Bank an die Kookmin Bank Dokumente gefälscht habe. Lone Star war zusammen mit mehreren Fonds während der Asienkrise von 1997/98 nach Korea gekommen, hatte in Schwierigkeiten befindliche Firmen zu Schleuderpreisen aufgekauft und mit hohem Profit wieder verkauft. Dabei machte Lone Star allein in Korea rund 4,4 Mrd. Dollar Profit, was die Bevölkerung um so mehr gegen diese Heuschrecke aufbrachte, als sie mit Hilfe von Tochtergesellschaften Steuerparadiese ausnutzte, um dem koreanischen Staat Steuern vorzuenthalten.

"Die öffentliche Wut ist so groß, daß die Regierung aus dem Amt gejagt werden könnte, wenn sie nicht einen Weg findet, die Steuern einzutreiben", so jedenfalls die Meinung von Professor Chun Sam Hyun von der Soongsil Universität kürzlich in einem Interview. Die nächsten Präsidentschaftswahlen in Südkorea finden 2007 statt. Eine Kostprobe dieser Wut erhielt Grayken auf jeden Fall, als er die Pressekonferenz verließ, bei der er die Spende verkündet hatte. 20 Gewerkschafter der Korea Exchange Bank empfingen ihn draußen mit dem Chor: "Laßt uns die ausländischen Aasgeier-Fonds zerstören!" Auf Postern stand geschrieben, daß Korea mit der Grayken-Spende keine "Trinkgelder" akzeptieren und damit die Untersuchung verwischen lassen solle.

Was ist Lone Star?

Lone Star und Hudson Advisors haben ihren Sitz im 22. und im 21. Stockwerk desselben Bürohochhauses in Dallas. Ihr Gründer, John Grayken, ist laut Business Week ein Protegé des texanischen Milliardärs Robert Bass. Die Bass-Brüder gehören zu der sog. "Bushliga" in Texas und haben z.B. die Ölbohrungen für George W. Bush in Bahrein finanziert. Ihr oberster Vermögensverwalter war, bis er sich selbständig machte, Richard Rainwater, einer der ersten Investoren in die Baseballmannschaft Texas Rangers, wo George W. einst einen Job gefunden hatte. Als Rainwater 1970 das Management für die Bass-Brüder übernahm, verfügten diese über ein Erbe von 50 Mio. Dollar. Als er das Management abgab, war das Vermögen auf über vier Milliarden angestiegen.

Ähnlich wohltuend war die Zusammenarbeit mit Rainwater für George W., dem der Job bei den Texas Rangers 15 Millionen einbrachte. Als Bush zum erstenmal zum Gouverneur gewählt wurde, stammten 60 % seines Einkommens aus Geschäften, bei denen er und Rainwater Partner waren. So steht es in seinen Einkommensangaben von 1994, die man beim Center for Public Integrity nachlesen kann. Eine von Rainwaters ersten Unternehmungen, nachdem er Bass Enterprises verlassen hatte, war die Gründung der berüchtigten HMO (Billigmedizinunternehmen) Columbia/HCA, Inc.

Lone Star ist gegenwärtig der Marktführer der aggressiven Beteiligungsgesellschaften in Deutschland, deren Kernkompetenz darin besteht, zu "filetieren, abzuspalten, auszupressen und weiterzuverkaufen", wie der Spiegel es ausdrückt. Die HypoVereinsbank war beim Verkauf von Krediten ebenso beteiligt wie die Bankgesellschaft Berlin. Auf der Käuferseite haben durchschnittliche Profitraten von 22 % inzwischen andere Investoren wie Credit Suisse, Goldman Sachs, aber auch Deutsche Bank und Commerzbank angezogen.

Der Angriff von Lone Star und Hudson Advisors auf Tausende von Hausbesitzern ist derzeit nur ein Teil einer beispielhaften Attacke auf Sachwerte in Deutschland, bei der ähnliche Heuschrecken alles auffressen, dessen sie irgendwie habhaft werden können: mittelständische Betriebe, Sozialwohnungen, Rentenfonds, private Krankenversicherungen, kommunale Infrastruktur wie Elektrizität, Wasser, Abwasser, Müllabfuhr, sogar Schlösser. Dahinter stehen sogenannte synarchistische Finanzinteressen, die sich diese Werte unter der netten PR-Worthülse "Public-Private Partnership" unter den Nagel reißen - mit dem garantierten Effekt, daß die Kosten für die Bevölkerung massiv ansteigen und die Lebenserwartung der einkommensschwächeren 80 % der Bürger verkürzt wird. Wenn alles privatisiert wird, dann ist dies ein Rückschritt zum Feudalismus, die Zeit, bevor der Staat die Verteidigung des Gemeinwohls übernahm.

Und warum lassen die im Bundestag vertretenen Parteien diesen beispiellosen Raubbau am öffentlichen Wohl zu? Warum machen sie Gesetze, die diesen Raub gerade ermutigen? So schwer ist die Antwort nicht. Als Hudson Advisors z.B. 2004 das Immobilienpaket von der HypoVereinsbank übernahm, wurden sie von der amerikanischen Anwaltskanzlei "Mayer, Brown, Rove & Maw" beraten, die im gleichen Jahr den CDU-Politiker Friedrich Merz als Partner rekrutierte.

Die Geschäfte der Berliner Bankgesellschaft z.B. dürfen im Berliner Wahlkampf für das Abgeordnetenhaus, das am 17. September neu gewählt wird, keine Rolle spielen - darüber sind sich jedenfalls alle dort jetzt vertretenen Parteien von CDU bis Linkspartei einig. Die BüSo ist da anderer Meinung.

Helga Zepp-LaRouche

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