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Aus der Neuen Solidarität Nr. 35/2006 |
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Daniel Buchmann, Lothar Komp und Frank Hahn waren die Redner einer Wahlveranstaltung der BüSo in Berlin, bei der die Weltfinanzkrise und der finanzielle Rahmen eines industriellen Wiederaufbaus im Mittelpunkt standen.
Ein weiser Mann sagte einmal: Wenn man die ärmeren 80 Prozent der Bevölkerung ignoriert, hat man keine Chance! Betrachtet man den derzeitigen Zustand der deutschen Politik aus dem Blickwinkel der kommenden Berliner Landtagswahlen, zeigt sich die Wahrheit dieses Gedankens mit aller Deutlichkeit. Kindisches Verhalten, Feigheit und regelrechter Wahnsinn kennzeichnen unsere derzeitige politische Elite, wie sich exemplarisch an den 68ern in der Gesellschaft aufzeigen läßt, deren Verhalten die Sophisten des antiken Griechenlands vor Neid erblassen ließe.
Hier haben wir die deutsche Hauptstadt Berlin, zugleich eine der Metropolen Europas, und die Kandidaten der beiden größten Parteien - SPD und CDU - liefern sich Hahnenkämpfe. Die Diskussion kreist darum, ob Berlin nur arm oder arm und sexy sei. Dabei stehen Stadt und Umland hinter der glitzernden Fassade der "Dienstleistungs- und Fun-Gesellschaft" in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht vor dem Zusammenbruch. Und in Amerika sitzt ein Schwachkopf im Weißen Haus, dessen Hintermänner dabei sind, den Dritten Weltkrieg zu beginnen. Die einzige Lösung liegt, wie LaRouche immer wieder betont, in der heranwachsenden Generation, darin, daß revolutionäre Veränderungen der vorherrschenden kulturellen und politischen Axiome möglich sind.
Das ist das wesentliche Motiv für den Wahlkampf der BüSo und der LaRouche-Jugendbewegung in Berlin mit unserem Spitzenkandidaten Daniel Buchmann, und er zeigt Wirkung, wie man am Erfolg der Wahlkampfveranstaltung am 24. August sehen kann, zu der mehr als 100 Personen, darunter 60 Gäste und viele Jugendliche, gekommen waren. Eröffnet wurde die Veranstaltung wie schon gewohnt mit einer musikalischen Darbietung des Mozart-Kanons Freistädtler, der der politischen Lage entsprechend umgedichtet wurde und sich mit den Phantasien der 68er beschäftigte, sowie einem weiteren Wahlkampfkanon nach der Melodie von Jubilate Deo. Dann stellte sich Daniel Buchmann mit dem gerade fertiggestellten TV-Wahlspot vor, der praktisch zur selben Zeit auf einem regionalen Fernsehsender ausgestrahlt wurde.
Buchmann stellte die Themen, die in dem Wahlspot aufgegriffen wurden, der politischen Bankrotterklärung der etablierten Parteien gegenüber, die alles anzubieten hätten - nur keine Lösungen. Er verwies auf die entscheidende Bedeutung des BüSo-Wahlkampfes, der mit den schon mehr als 400 000 verteilten Wahlbroschüren und Flugblättern, den zahlreichen Informationsständen, den Singauftritten in U- und S-Bahnen und seit kurzem auch dem Lautsprecherwagen immer wieder die Gretchen-Frage des Wahlkampfes in die Öffentlichkeit bringt: die Reindustrialisierung Berlins. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sah sich schon genötigt, im Sprachrohr der Finanzinteressen, der Reibungslos ging es nun zum Vortrag Lothar Komps über, der sich auf sehr pädagogische Weise dem Zusammenbruch des Finanz- und Währungssystems widmete, wobei er erwähnte, daß LaRouche schon 1995 seine berühmte "Kollapsfunktion" vorstellte und auf die zahlreichen schweren Krisen einging, die das Finanzsystem seither erschüttern. Auch der schiere Irrsinn der Finanzderivate und Hypothekenblasen wurde dargestellt und mündete in LaRouches alternativem Konzept eines Neuen Bretton Woods.
Einige Zuhörer waren über das Vorgehen der Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften sichtlich empört und stellten viele Fragen dazu. Einige neu hinzugestoßene Aktivisten, die jetzt im Wahlkampf mithelfen, erklärten später, erst jetzt seien ihnen die Dimensionen der Probleme so richtig klargeworden. Die Moderatorin des Abends, Jessica Tremblay, reagierte auf minimale Korrekturvorschläge innerhalb des Systems und Fragen wie "Aber wie und was wollen Sie denn genau machen?", indem sie den springenden Punkt ansprach: Das Schaffen einer politischen Bewegung, die diese Ideen tatsächlich auch umsetzt. Um das zu erreichen, müsse man die herrschende 68er-Ideologie des "Hier und Jetzt" angreifen, und zwar mittels einer potenten Jugendbewegung, die sich die Zukunft erkämpft, die ihre Eltern ihnen verwehrt hat.
Frank Hahn, der auf Platz zwei der Landesliste kandidiert, erläuterte dann spezifische Aspekte des Wahlprogramms wie den Bau von Magnetbahnsystemen, das Sänger-Projekt und den Hochtemperaturreaktor als drei Beispiele von Großprojekten, die praktisch unmittelbar in Angriff genommen werden könnten, wenn die notwendigen Veränderungen in der allgemeinen politischen Lage durchgesetzt seien und der politische Wille vorhanden sei. Er stellte den Kulturoptimismus der 50er und 60er Jahre der sogenannten "Marktwirtschaft der Knappheit" gegenüber.
Die anschließende Diskussion entfaltete sich zu einem intensiven Dialog zwischen den Podiumsvertretern und dem Publikum. Eine junge Frau, die die BüSo erst vor wenigen Tagen zum ersten Mal getroffen hatte, brachte die Frage der Finanzierung aller dieser Projekte auf. Es entspannte sich eine lebhafte Diskussion, an deren Ende sie sich bereiterklärte, weitere Einladungen und Informationsmaterial für die kommenden Veranstaltungen zu verteilen, zu der auch junge Kandidaten der andere Parteien eingeladen werden sollen.
Die Diskussion über die Frage der Finanzierung bot Gelegenheit, noch einmal das Konzept einer Nationalbank zu erörtern. Lothar Komp erklärte mit Blick auf die enorme Ausweitung der Geldmenge ironisch, das Problem sei heute weniger, daß zu wenig Geld, sondern daß zu viel Geld vorhanden sei. Ein Vertreter der älteren Generation verwies auf die positiven Erfahrungen mit durchaus drastischen Veränderungen des Währungssystems, etwa bei der Umstellung von der Reichsmark auf die Deutsche Mark in der Nachkriegszeit. Diese Umstellung sei aufgrund der wachsenden Produktivkraft der deutschen Wirtschaft relativ problemlos verlaufen.
Am Ende der Veranstaltung griff Daniel Buchmann eine Frage zum Konzept der Eurasischen Landbrücke auf und machte deutlich, daß eine solche, auf zwei Generationen angelegte Entwicklungsperspektive nicht alle Probleme sofort lösen könne, auch ein Wirtschaftswunder brauche seine Zeit. 30 Jahre Mißmanagement ließen sich nicht über Nacht aus der Welt schaffen. Hier gehe es um eine "Generationenfrage" - wie wahr.
Karsten Werner
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