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Aus der Neuen Solidarität Nr. 35/2006
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Wir kämpfen um unsere Zukunft
Daniel Buchmann (24), kandidiert auf Platz 1 der BüSo-Landesliste bei der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses am 17. September. Er ist außerdem Direktkandidat in Marzahn-Hellersdorf. Am 23. August gab er Gabriele Liebig in "Radio Solidarität" (www.bueso.de) ein Telefoninterview. Wir bringen Auszüge.
Wie ich höre, ist der Wahlspot der BüSo gerade fertig geworden. Worum geht es darin?
Daniel Buchmann: Wir machen in dem einminütigen Spot einen dicken Punkt: daß die etablierten Parteien und die Regierung nichts tun angesichts der Krise, was eigentlich zum Himmel schreit. Dann entwickeln wir in aller Kürze die Lösung: Berlin wieder zur Industriemetropole zu machen, mit moderner Verkehrstechnik, Transrapid, Großflughafen Sperenberg, um Berlin eine Zukunft zu geben als Tor zu Eurasien und zur Eurasischen Landbrücke.
Was müßte passieren, um die Reindustrialisierung Berlins in Angriff zu nehmen?
Daniel Buchmann: Es muß erst einmal der Wille dazu formuliert werden! Im Moment sagen ja Leute wie Wowereit: Berlin ist eine nachindustrielle Stadt, wir werden nie wieder Industrie haben, bestenfalls noch in Nischen. Das ist für Firmen, die sich hier vielleicht ansiedeln würden, eher abschreckend, wenn der Berliner Bürgermeister so etwas sagt. Insofern sind seine Äußerungen neulich in der Financial Times desaströs! Wenn man sich anschaut, daß Berlin 1989 noch 300 000 Industriearbeitsplätze hatte, von denen jetzt zwei Drittel weg sind, dann ist eigentlich offensichtlich, daß genau da angeknüpft werden muß. Es gibt deutschlandweit einen Investitionsstau von mittlerweile einer Billion Euro. Wenn wir diesen Investitionsstau abbauen, können wir wieder massenhaft Arbeitsplätze schaffen, und zwar produktive Arbeitsplätze.
Der Artikel in der Financial Times hatte die Überschrift "Berlin muß sich von seiner industriellen Vergangenheit loslösen" (siehe Neue Solidarität Nr. 34/2006). Was hat Wowereit denn noch gesagt?
Daniel Buchmann: Er betonte auch, Berlins Chance liege darin, daß Berlin ein viel, viel niedrigeres Einkommensniveau habe als andere Großstädte Deutschland. Er sieht das als Standortvorteil, was natürlich absurd ist, weil er damit eigentlich sagt: wir wollen den Niedriglohnsektor ausbauen und legen keinen Wert auf gutbezahlte, hochqualifizierte Industriearbeitsplätze.
Man könnte also die Grundfrage in diesem Wahlkampf so zuspitzen: Wie stellt Wowereit sich die Zukunft der Stadt und Deutschlands vor, und wie stellt Daniel Buchmann sich die Zukunft vor?
Daniel Buchmann: Das ist eigentlich keine schwere Wahl, denn Wowereit hat sich die Sympathie der Berliner durchaus verspielt; er ist bekannt dafür, daß er auf irgendwelchen Partys herumturnt und kaum wirklich eine Politik für die Zukunft der Stadt macht. Wir setzen hier ein genau entgegengesetztes Thema mit dem Plakat: "Jugend will eine Zukunft - Industrie für unsere Hauptstadt". Wir sind viele junge Kandidaten, die sehen: Zur Zeit haben wir eigentlich keine Zukunft, weder hier in Berlin noch in Deutschland noch in anderen Teilen der Welt - wenn man sich die soziale Situation, die wirtschaftliche Situation und die strategische Krise anschaut. Und wir sagen: Wir wollen etwas anderes, wir wollen nicht zusehen, wie irgendwelche 68er ihre spinnerten Fantasien in Regierungspositionen ausleben, sondern hier geht es wirklich um die Zukunft, und um die kämpfen wir.
Wie ist denn die Lage der Jugendlichen in Berlin, und wie reagieren junge Leute auf die BüSo und die LaRouche-Jugendbewegung?
Daniel Buchmann: Wir haben hier in Berlin mittlerweile ein extremes Problem mit Jugendarmut. Familien sind auf die Hilfe gemeinnütziger Hilfsorganisationen angewiesen, weil natürlich Hartz-IV-Einkommen nicht ausreichen, um eine Familie anständig zu ernähren und ein würdiges Leben zu führen. Ich glaube, es gibt jetzt etwa 2,5 Millionen arme Kinder und Jugendliche in Deutschland. Und Berlin ist natürlich einer der Brennpunkte. Viele Jugendliche bekommen keinen Ausbildungsplatz, und dieses Problem ist noch viel extremer bei Bürgern mit Migrationshintergrund, d.h. Jugendlichen, deren Eltern aus der Türkei kommen, aus arabischen Ländern, aus Afrika, aus Osteuropa. Und da trifft unser Programm, produktive Vollbeschäftigung zu schaffen, genau den Punkt. Auch viele andere Probleme, wie Probleme mit Drogen und Kriminalität, die man der Jugend so zuschreibt, würden sich, wenn es wieder Arbeitsplätze und eine ordentliche Bildung gäbe, mehr oder weniger von selbst lösen.
Was haben denn die BüSo und die LaRouche-Jugendbewegung den Jugendlichen direkt anzubieten, gerade was Kultur und Bildung betrifft?
Daniel Buchmann: Wir holen natürlich viele Leute mit in unser Boot hinein. Die Jugendbewegung ist dabei, zu wachsen. Wir haben jede Woche Vorträge, wir haben unseren Chor, und wir verstehen uns ausdrücklich auch als eine Bildungsbewegung, weil man ja an den Schulen und Universitäten heute kaum noch eine wirkliche Bildung bekommen kann. Wir studieren z.B., was Wirtschaft wirklich ist, von dem Standpunkt, den LaRouche definiert, vom Standpunkt der physikalischen Ökonomie, vom Standpunkt des Gemeinwohls. Und da spielt auch die Arbeit an den wissenschaftlichen Entdeckungen von Platon über Kepler und Gauß, die Arbeit in der Musik von Bach, Mozart und Beethoven mit hinein. Nötig ist eine scharfe Polemik gegen die MTV, Viva-Jugendkultur, die Menschen im wesentlichen als Konsumobjekte und als Sexobjekte behandelt, und wir sagen den Leuten: ein Mensch ist etwas ganz anderes. Ein Mensch ist eigentlich ein kreatives Wesen, und jeder einzelne Mensch ist wichtig, weil jeder einen Beitrag zur Entwicklung der Menschheit leisten kann. Das setzt dem natürlich ein ganz anderes Menschenbild und Kulturverständnis entgegen, und selbst wenn nicht alle Leute sofort alles hinschmeißen und mitmachen, zeigt sich doch, daß wir hier für Berlin eine Form von Programm und Bewegung darstellen, die es sonst nicht gibt.
Leute, die zu Besuch nach Deutschland kommen, besonders junge Leute, stellen fest, daß viele Deutsche irgendwie zukunftslos erscheinen und sich überhaupt nicht vorstellen können oder wollen, wie eine moderne Zukunft aussehen soll. Auf der Webseite der LaRouche-Jugendbewegung (www.wlym.de) fiel mir das Bild eines ganz modernen Magnetbahnzuges namens "Supratrans" auf...
Daniel Buchmann: Wie weit dieses Projekt ist, weiß ich noch nicht, aber die Idee ist, eine Magnetschwebebahn zu bauen, bei der Supraleiter das Magnetfeld generieren. Es ist eine Kombination aus Supraleitern und Magnetschwebetechnik, was darauf hindeutet, den Transport überhaupt auf völlig neue technologische Grundlagen zu stellen, eben wegzukommen von Autos und ölbasierten Treibstoffen und hin z.B. zu elektrisch betriebenen Magnetschwebefahrzeugen. Das erfordert natürlich Investitionen, um die Infrastruktur komplett zu erneuern, d.h. die alte marode Infrastruktur durch eine neue, moderne zu ersetzen. Das wäre gleichzeitig der Weg, um Universitäten und Zuliefererbetrieben eine neue "Mission" zu schaffen. Ich glaube, Kulturoptimismus hängt immer sehr stark mit solchen Projekten zusammen. Wenn wir keine Vision und keine Projekte haben, dann gibt es auch keinen Kulturoptimismus.
Die BüSo setzt sich schon viele Jahre für die Eurasische Landbrücke ein. Helga Zepp-LaRouche hat in den 90er Jahren schon in Beijing auf Regierungskonferenzen darüber gesprochen, aber wie muß man sich die Rolle Berlins bei der Eurasischen Landbrücke vorstellen?
Daniel Buchmann: Man muß ja sehen, Berlin ist eine Millionenstadt mit einer noch verhältnismäßig guten Infrastruktur. Es gibt in der Welt, auch gerade in Asien, sehr viele Millionenstädte, die so gut wie keine Infrastruktur haben, wo die Leute in bitterer Armut leben und sich das fast noch wünschen würden, was wir hier Armut nennen. Unser Vorschlag ist daher, in Berlin genau die Technologien zu bauen und anzuwenden, die nötig sind, um diese Hunderte von Millionenstädten ins 21. Jahrhundert zu bringen und dort ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. Das wird auf der Grundlage von Kohle und Öl und traditionellen Wirtschaftsformen nicht möglich sein, denn dann würden wir sehr schnell eine Rohstoffknappheit auf der Erde erleben. Wir brauchen also völlig neue Technologien, z.B. Treibstoffe auf Wasserstoffbasis. Und das heißt, daß wir auch in Kernkraft investieren müssen, weil Wasserstoff kein primärer Energieträger ist.
Berlin wäre sicherlich einer der Orte, wo man anfangen kann, diese Projekte durchzuführen, diese Investitionen in solche Technologien zu leisten. Berlin hat ja eine große Tradition als "Elektropolis", das hat einmal Berlins Größe als Industriestadt ausgemacht und kann es auch wieder ausmachen. Denn man darf nicht vergessen: Viele Städte in Afrika oder Ostasien haben zur Zeit nicht einmal das Potential, eine solche Industrialisierung auf der technologischen Grundlage, wie ich sie vorschlage, durchzuführen, sondern brauchen Hilfe von Ländern wie Deutschland. Und deswegen müssen wir hier anfangen.
Ich glaube, viele Leute, die das jetzt gehört haben, werden sehr froh darüber sein und Hoffnung schöpfen. - Was steht denn noch an großen Veranstaltungen im Berliner BüSo-Wahlkampf an?
Daniel Buchmann: Wir haben am 24. August eine Veranstaltung zur Reindustrialisierung mit Lothar Komp und Frank Hahn. Es geht um die Grundlagen eines neuen weltweiten Finanzsystems, denn diese Frage stellen die Leute früher oder später doch: Wie sollen diese Sachen finanziert werden? Dann werden wir am 6. und 7. September ein paar ganz gewaltige Veranstaltungen haben. Herr LaRouche wird in Berlin einen Webcast machen, also eine Ansprache halten, und dazu werden viele Leute aus Deutschland, Europa und z.B. auch aus Rußland vorbeikommen. Das ganze wird direkt nach Washington übertragen. Und es wird genau um die Frage gehen: Was ist die Rolle Berlins als Tor nach Eurasien? Der andere Punkt wird sein: Wie können wir mit einer neuen gerechten Weltwirtschaftsordnung die strategische Krise lösen? Einen Tag später, am 7. September, werden wir hier in Berlin eine Podiumsdiskussion mit unseren jugendlichen Kandidaten durchführen und dazu auch junge Kandidaten der anderen Parteien einladen. Es geht darum, eine Perspektive für die nächsten 50 Jahre zu entwickeln.
Alle Leute, die Interesse haben, sollen sich einfach melden und mitmachen (BüSo Berlin 030/8023405, Jugendtelefon in Berlin 030/46605971).
Das ganze Interview können Sie hören auf www.bueso.de, wenn Sie in der linken Spalte auf "Radio Solidarität" klicken.