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Aus der Neuen Solidarität Nr. 35/2006 |
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Im Rahmen ihres dritten Fachgesprächs in Berlin diskutierte die BüSo mit Vertretern der Berliner Wirtschaft, Politik und Wissenschaft über Zukunftsindustrien.
Der Berliner Wahlkampf der Büso hat viele Facetten - neben den herzhaft-erfrischenden Straßenaktionen der LaRouche-Jugendbewegung (LYM) hat sich quasi als Institution das Fachgespräch zur Reindustrialiserung Berlins mit Vertretern aus Verbänden, Unternehmen und der Verwaltung herausgebildet. Das dritte Fachgespräch dieser Art fand am 23. August auf dem Flughafen Tempelhof statt. Dieser Ort war bewußt gewählt, um ein Zeichen für die Erhaltung dieses traditionsreichen Berliner City-Airports zu setzen. Immerhin sind hier bahnbrechende Konzepte verwirklicht worden - wie z.B. der direkte Eisenbahn-Gleisanschluß zu den Abfertigungshallen, so daß die Leute trockenen Fußes vom Zug ins Flugzeug umsteigen könnten. Die Gleise sind gebaut worden und existieren immer noch, das Konzept wurde aber wegen der Kriegswirren und mangelnder Entschlossenheit danach nie umgesetzt. Heute gibt es Überlegungen, daß Flugpassagiere in Tempelhof einchecken, dann von dort mit der Bahn nach Schönefeld fahren und direkt ohne weitere formale Prozeduren dort das Flugzeug besteigen.
Aber der Berliner Senat will Tempelhof unbedingt im Jahre 2007 schließen - und das, obwohl sich das Passagieraufkommen in den letzten beiden Jahren verdoppelt hat! Es kann also gar keine Rede davon sein, daß Tempelhof rote Zahlen schreibt. Ganz abgesehen davon stünden im Flughafengebäude (dem drittgrößten Gebäudekomplex der Welt) über 300 000 m2 an Produktionsfläche für kleine und mittlere Unternehmen der Luft- und Raumfahrtbranche zur Verfügung.
Insbesondere der Regierende Bürgermeister Wowereit - auch bekannt als "Tourismus-Klaus" - will unbedingt an der Schließung Tempelhofs festhalten. Auch die zahlreichen Investoren, die sich bereits für die Nutzung des Gebäudes interessiert haben, ließ Wowereit schlicht abblitzen.
Mehrere Teilnehmer machten ihrer Empörung darüber Luft, daß Wowereit als typischer Vertreter der Spaßgesellschaft überhaupt kein Interesse an wirtschaftlichen oder technischen Fragen hat. Mitarbeiter des Senats berichten, daß der Regierende Bürgermeister nach mancher durchzechten Nacht schon mal morgendliche Termine ausfallen läßt. Neben Investitionen im Flughafen Tempelhof soll Wowereit es auch verhindert haben, daß General Electric seine Forschungszentrale in Berlin-Adlershof aufbaut, und weitere ähnliche Fälle dieser Art sind bekannt.
Natürlich wäre es ein methodischer Fehler, die Sabotage der Berliner Industrieansiedlungspolitik allein Klaus Wowereit anzulasten. Vielmehr muß man die geopolitischen Motive internationaler Finanzkreise, für die exemplarisch die ehemalige Treuhandchefin Birgit Greuel und der ehemalige US-Botschafter John Kornblum (heute Deutschland-Vertreter des Bankhauses Lazard) stehen, als ursächlich für den industriellen Verfall Berlins in den letzten Jahren analysieren. Genau diese Thematik hat die BüSo sehr offensiv als einzige Partei in den Wahlkampf hineingetragen.
Die eigentliche Thematik des Abends aber war die Frage nach dem Aufbau der Zukunftsindustrien, mit denen Hunderttausende neuer, produktiver Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Beim vorherigen Fachgespräch einige Wochen zuvor wurden Zweifel daran laut, daß mit modernsten Technologien überhaupt eine "Massenproduktion" und damit die Schaffung von massenhaft Arbeitsplätzen möglich sei.
Darauf ging der Wissenschaftsberater der BüSo, Dr. Jonathan Tennenbaum, in einem Kurzvortrag über die "Isotopenwirtschaft" ein. Dieses Thema ist in der Öffentlichkeit noch so gut wie unbekannt. Ohne in die komplexen Einzelheiten zu gehen, sei hier soviel gesagt: Unsere gesamte materielle Produktion beruht bisher auf der Anwendung der 92 natürlich vorkommenden chemischen Elemente. Alle diese Elemente haben aber nun Isotope, die zwar chemische Ähnlichkeiten zu den stabilen Elementen aufweisen, aber in ihrer Kernstruktur ganz verschieden sind, also andere physikalische Eigenschaften haben. 3 000 solcher Isotope sind bisher bekannt - und das eröffnet eine solche Vielzahl an neuen Anwendungsmöglichkeiten, die 100mal größer sind als in der bisherigen Chemie. Die "Rohstofffrage" wurde damit völlig neu gestellt, im Plasmaverfahren können durch Ionisierung und Aufspaltung der Elemente beliebige Stoffe erzeugt werden. Es liegt auf der Hand, daß dadurch eine Vielzahl ganz neuer Industriezweigen mit enormer Arbeitsintensität für die Produktion und Anwendung neuer Elemente und "Rohstoffe" entstehen wird.
Ein besonders aufregendes Beispiel ist dabei z.B. die industrielle Nutzung des Atommülls. Wie Dr. Tennenbaum sagte: "Der Atommüll ist wertvoller als der Strom, der durch die Kernenergie erzeugt wird." Denn im Atommüll finden sich überaus wertvolle Elemente wie Rhodium und Palladium, die in der Natur nur ganz selten vorkommen. Rhodium sei wertvoller als Gold, so Tennenbaum, es werde u.a. für die Herstellung von Katalysatoren verwendet - und in Japan gäbe es bereits ganze Industriekomplexe, in denen neben der Gewinnung des Rhodium aus Atommüll auch sogleich die Katalysatoren-Produktion stattfinde.
Tennenbaum wies darauf hin, daß aufgrund der stürmischen wirtschaftlichen Entwicklung Chinas und Indiens die Welt gezwungen sei, sich intensiv mit der Lösung der Rohstoff- und Energieprobleme zu beschäftigen, was jahrzehntelang vernachlässigt worden sei.
Berlin als Ausgangspunkt der Eurasischen Landbrücke muß hier neben den Bereichen Verkehr und Logistik auch als industrieller Brückenkopf Eurasiens eine Schlüsselrolle übernehmen. Die Isotopenwirtschaft wird neben Projekten wie Transrapid und Raumgleitern, die in Berlin und Umgebung produziert werden sollten, dabei eine ganz entscheidende Funktion haben.
Es war für die Vertreter der Berliner Wirtschaft selbst sehr überraschend und neu, diesen Ausblick in die Zukunft dargestellt zu bekommen. Es wurde angeregt, diese Diskussion in weitere Kreise von Wissenschaft und Wirtschaft hineinzutragen, um, wie es ein Teilnehmer formulierte, endlich das Paradigma der "postindustriellen" Gesellschaft zu überwinden.
Da dies mit Wowereit als Regierenden Bürgermeister nicht gelingen wird, ist die BüSo mit ihrem Spitzenkandidaten Daniel Buchmann gerade auch für den Mittelstand, die technische Intelligenz und jeden wissenschaftlich interessierten Menschen die einzige Alternative.
Frank Hahn
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Lesen Sie hierzu bitte auch:
Wiederaufbau ist eine Generationenfrage Ein welthistorischer Moment Wir kämpfen um unsere Zukunft Wowereit und Pflüger: Thema verfehlt Internetseite der BüSo, Landesverband Berlin |
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