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Aus der Neuen Solidarität Nr. 37-38/2006 |
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Am 6. September veranstaltete Lyndon LaRouche erstmals in Berlin ein Live-Internetforum, bei dem auch ein Publikum in Washington zugeschaltet war (www.larouchepac.com). Thema war die Zusammenbruchskrise des Weltfinanzsystems und eine Entwicklungsperspektive für die kommenden 50 Jahre als Lösung.
"Der welthistorische Zyklus, der in diesen Monaten an sein Ende kommt, begann im April 1945 mit dem Tod Präsident Franklin D. Roosevelts", mit diesen Worten eröffnete Lyndon LaRouche am 6. September seine Rede in Berlin, die via Internet auf der ganzen Welt verfolgt wurde. LaRouche griff in seiner Rede nicht nur die Vorstellung an, Geschichte sei durch Extrapolation gegenwärtiger Ereignisse - sogenannter Trends - vorhersagbar, er stellte auf dramatische Weise die Entwicklung der Welt seit dem zu frühen Tod jenes amerikanischen Präsidenten dar, dank dessen politischer Führung die Nazis besiegt werden konnten. Die eigentliche Aufgabe, die Schaffung einer Gemeinschaft souveräner Nationalstaaten zum Besten aller Völker der Welt, erlitt mit Roosevelts Tod einen schweren Rückschlag.
LaRouche forderte sein Publikum heraus, zu verstehen, daß dem Abwurf der Atombomben 1945, der Ermordung Kennedys, dem Vietnamkrieg und den heutigen Greueltaten der von George Shultz geschaffenen US-Regierung ein und dieselbe Intention und Politik zugrunde liegt. So stellte er auch klar, daß es den heutigen Kriegstreibern um US-Vizepräsident Cheney nicht im geringsten darum geht, ob der Iran im Besitz von Atomwaffen ist oder nicht. Sie wollen die gesamte Region Südwestasiens durch asymmetrischen Krieg und Chaos verwüsten. Jeder Versuch, dort Frieden zu schaffen, ohne dieser Tatsache Rechnung zu tragen, sei zum Scheitern verurteilt.
Doch wie LaRouche angekündigt hatte, sollte sich die seiner Ansprache folgende Diskussion vor allem um eine positive strategische Perspektive für die nächsten 50 Jahre drehen. Angesichts des drohenden Zusammenbruchskrise des Weltfinanz- und Wirtschaftssystems und der sich verschärfenden strategischen Krise sollte diskutiert werden, in welche Zukunft die Welt gehen soll. LaRouche verwies auf seine Prognose von 1983, das Sowjetsystem werde in etwa fünf Jahren zusammenbrechen, und zeigte einen Ausschnitt aus seiner Rede im Berliner Hotel Kempinski im Oktober 1988, als er die Wiedervereinigung Deutschlands prognostizierte. Die kurzfristigen Prognosen, so LaRouche, seien nur von der Perspektive langfristiger Zyklen zu verstehen und bei deren Voraussage habe er sich nie getäuscht - von seiner dunklen Ahnung 1945, daß der Tod Roosevelts nichts Gutes für die Welt bedeuten würde, bis hin zu seiner Voraussage im April dieses Jahres, daß bei Weiterführung der Politik der USA und Europas unter den heutigen Umständen hyperinflationärer Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten ein Zusammenbruch des weltweiten Wirtschaftssystems im September sehr wahrscheinlich wird.
In der Diskussion stellte er nochmals klar, daß der Kollaps physischer Natur ist - "keine Depression oder Finanzkrise, sondern ein Zusammenbruch der physischen Wirtschaft, der sich durch den Paradigmenwandel zu Ungunsten der physischen Wirtschaft seit den späten 60er Jahren langsam aufbaute. Die 68er konnten für lange Zeit von nachindustrieller Gesellschaft träumen, doch heute sind wir an dem Punkt angelangt, wo mehr und mehr Menschen klar wird, daß die vielbesungenen neuen Kleider des Kaisers aus dünner Luft bestehen. "Wenn Menschen klar wird, daß sie nicht länger so weitermachen können wie bisher, daß es keine Möglichkeit gibt, unter diesem System zehn oder auch nur noch fünf oder zwei Jahre zu leben, dann ist ihnen klar, daß sie sich verändern müssen! Das sind Zeiten, in denen Revolutionen stattfinden", so LaRouche.
Die Reaktion auf die Worte LaRouches war überwältigend. Teilnehmer an dem Internetforum hatten sich in Mexiko City, der Nationalen Pädagogischen Universität in San Pedro Sula, Honduras, zwei Universitäten in Bolivien, der Technischen Universität und einer weiteren Hochschule in Lima in Peru, in Argentinien und in Bogota, Kolumbien versammelt. Auch hohe Vertreter aus Rußland und China nahmen teil. Vor allem das Fernostinstitut der Russischen Akademie der Wissenschaften, die Russische Industrie- und Handelskammer und das chinesische Institut für gegenwärtige internationale Beziehungen - eine offizielle Denkfabrik der Regierung Chinas - trugen wesentlich zur Diskussion bei. Fragen und Diskussionsbeiträge kamen auch vom staatlichen Wernadskij-Museum für Geologie in Rußland, vom Kurtschatow-Institut, von verschiedenen Akademikern der arabischen und asiatischen Welt sowie aus Kreisen deutscher Ministerien.
Ein großes Thema war die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). Gerade die russischen und chinesischen Teilnehmer betonten das Gewicht und den Umfang dieser strategischen Partnerschaft hauptsächlich zwischen China, Indien und Rußland. LaRouche reagierte mit einer Herausforderung. Die Probleme Asiens könnten im asiatischen Rahmen allein nicht gelöst werden. Bereits während seiner Rede hatte er es betont:
"Wir sind an einen Punkt gelangt, wo der Monat September ein sehr wahrscheinliches Datum für einen kettenreaktionsartigen Kollaps des Systems darstellt. Das betrifft [...] auch Asien, es betrifft Indien und China, denn diese Länder hängen von dem Markt ab, der von schnellem Geld, über Nacht, von Japan abhängt, das in Geldoperationen in Europa und Amerika fließt. Wenn dieses System kollabiert, dann kollabieren auch die chinesischen Exporte, dann kollabieren auch die Exporte Indiens. Es gibt keine asiatische Lösung!"
Die Lösung müsse sich an einer Perspektive für die nächsten ein bis zwei Generationen, 25 bis 50 Jahre, und vor allem an der europäischen Tradition des Werkzeugmaschinenbaus orientieren. "Think outside the box!" - Man muß außerhalb des Rahmens des Problems suchen, um eine Lösung dafür zu finden, lautete LaRouches Herausforderung in jeder seiner Antworten und Kommentare.
Natürlich drehten sich auch viele Fragen um Südwestasien. Wie wird es Frieden und Stabilität für Entwicklung geben können? Auch hier lehnte LaRouche jeden Ansatz, die Krise innerhalb der arabischen oder asiatischen Welt lösen zu wollen, strikt ab. Diese Krise sei künstlich erzeugt worden und halte an, weil die anglo-holländischen Liberalen nicht wollen, daß sie aufhört. Dabei verwies er auch auf die Krise innerhalb der USA. Die strategische und wirtschaftliche Krise der Welt könne nicht gelöst werden, wenn die der USA nicht gelöst wird: "Das ist unsere Aufgabe. Wir müssen den Sukkubus in unserer Regierung loswerden und die Kontrolle über ihre Dynamik zurückgewinnen."
Verstehen könne man das nur vom Standpunkt langfristiger Zyklen der Geschichte. In der Entwicklung seit dem Pariser Vertrag 1763, als die Unabhängigkeit der USA zur Notwendigkeit wurde, sei es entscheidend, den Zyklus, welcher der Ermordung McKinleys und vor allem dem Tod Franklin Roosevelts folgte, zu verstehen. Die USA waren seit dem Sieg Lincolns über die vom britischen Imperium finanzierten Konföderierten Staaten von außen nicht mehr zu bezwingen. Nur Korruption und Sophismus können die USA von innen zerstören, betonte LaRouche und verwies auf die Geschichte des Untergangs des klassischen Athen. Es war der Sophismus, der die Athener in den selbstmörderischen Peloponnesischen Krieg trieb.
Auch heute ist der Ansatz des Westfälischen Friedens von 1648 unabdingbar. So sagte LaRouche: "Die Alternative zu einem westfälischen Ansatz ist der Hobbessche Ansatz, der zu ewigem Konflikt führt. Das heißt, es gibt keine Alternative zum Westfälischen Frieden." Und zu der Idee, daß der Westfälische Friede aus irgendwelchen technischen Gründen funktioniert habe, meinte er: "Nein! Es ging nur aus einem Grund: durch Führung, eine Initiative, um einen Krieg zu beenden, den niemand hatte stoppen können." Die Politik des Westfälischen Friedens sei eine Frage von Prinzip und Naturrecht, sagte LaRouche, und sei daher niemals "veraltet".
Es war das erste Internetforum diesen Formats, und es wurde deutlich, daß diese Diskussion über die vier Stunden am 6. September hinaus weitergehen muß. Von den Fragen, Kommentaren und Grußbotschaften konnte nur ein Bruchteil überhaupt bei der Konferenz erwähnt werden. LaRouche betonte vehement, der Zyklus seit Roosevelts Tod 1945 komme an sein Ende. Innerhalb der bisher geltenden Rahmenbedingungen zu denken, zu planen und zu versuchen, zu handeln, sei daher zum Scheitern verurteilt. Die Welt brauche ein neues Paradigma, und das müsse sich am Gemeinwohl aller Menschen auf der Erde orientieren. "Es gibt entweder globale Lösungen oder keine Lösungen", unterstrich LaRouche.
Ein internationaler Dialog auf dieser konzeptionellen Ebene ist sicher ein Novum in der neueren Geschichte. LaRouches eigene unermüdliche kreative Arbeit als Wirtschaftswissenschaftler wurde von den Konferenzteilnehmern gewürdigt, doch waren es diese hochrangigen Vertreter von Akademien, aus Politik und Wirtschaft, deren Teilnahme ebenjenes Niveau dieser Diskussion möglich machten. Sie muß weitergeführt, ausgeweitet und intensiviert werden.
Stefan Tolksdorf
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Lesen Sie hierzu bitte auch:
Zur natürlichen Arbeitsteilung in Eurasien SCO: Baustein eines neuen Weltwirtschaftssystems Großverschiebung der Weltpolitik |
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