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Aus der Neuen Solidarität Nr. 37-38/2006

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Leserforum


Zum Israel-Libanon-Krieg
Was ist gegen Globalisierung einzuwenden?

Afrikanische Klagen

Zum Israel-Libanon-Krieg

Ich hoffe, daß bei Ihnen auch ein Platz für Lesermeinung vorhanden ist.

Ihre Ansichten reduzieren diesen Krieg zu einem Kampf der Mächte mit Israel als Spielball. Dabei wird vergessen, daß Israel immer noch um seine Existenz kämpft und ernsthaft bedroht wird.

Daß der iranische Präsident Israel ganz offiziell mit Vernichtung gedroht hat, ist ein Fakt. Er versorgt die Hisbollah mit Waffen, die großen Schaden einrichten. Das ist auch Fakt. Was die Hisbollah ist, weiß mittlerweile jeder.

Das alles ist eine konkrete Bedrohung jetzt, und sie war es auch seit Jahren. Nur war die UNO zu beschäftigt, immer Israel zu kritisieren, statt zu kontrollieren, was unter ihrer Nase die Hisbollah anschafft, und deren feindliche Aktionen wie auch die anderer radikaler Organisationen zu verharmlosen.

Europa war trotz der Selbstmordattentate meist für die Palästinenser (dank der Öl-Mächte) und hat diese mit genügend Geld zum Waffenverkauf versorgt, ohne Kontrolle. So wurden radikale Organisationen bestätigt und gestärkt. Dadurch haben UNO und Europa die Gelegenheit für Frieden verpaßt.

Die Raketen sind eine echte Bedrohung und haben auch erheblichen Schaden bei Besitz und Menschen, in Israel eingerichtet.

Die Theorie, daß die USA wieder mal als Teufel dastehen, und das sogar zusammen mit Netanjahu, kommt bei mir nicht an. Konstruktive Kritik ist nur gut, wenn man sich auch selber kritisieren kann.

Nitza Medina, 10709 Berlin

Antwort der Redaktion

Sie geben in Ihrem Brief die Ansicht der israelischen Regierung wieder, die allerdings auch keine Antwort darauf hat, wo das alles hinführen soll. Die neokonservative Kriegsfraktion, die das Osloer Friedensabkommen hintertrieben hat, will einen "Krieg gegen den Terror" ohne Ende, einen asymmetrischen Krieg, in dem auch der Ersteinsatz von Atomwaffen erlaubt sein soll. Ist das in Israels Interesse? Ist nicht diese Armageddon-Politik die eigentliche Bedrohung für Israel, die ganze Region und uns alle?

Es gibt keine vernünftige Alternative zu einer umfassenden Friedenslösung im Nahen und Mittleren Osten, deshalb unterstützen wir den Vorschlag des israelischen Abgeordneten Jossi Beilin für eine Madrid-II-Friedenskonferenz. Zu einer solchen Friedenslösung gehört die gleichberechtigte Existenz von Israel und einem selbständig lebensfähigen Palästinenserstaat, der Rückzug aller ausländischen Truppen aus dem Irak im Rahmen einer regionalen Lösung, die Syrien und den Irak mit einschließt.

Funktionieren kann das nur in einer Atmosphäre des Neuanfangs wie beim Westfälischen Frieden von 1648, wenn Rücksicht auf die Interessen der anderen genommen wird, und mit einer konkreten Perspektive wirtschaftlicher Entwicklung, die allen beteiligten Völkern berechtigte Hoffnung auf ein besseres Leben und eine Zukunft in Frieden gibt.

Im übrigen legen wir bei unserer Berichterstattung über Israel betreffende Entwicklungen immer größten Wert darauf, die Auseinandersetzung in Israel und auch innerhalb der jüdischen Gemeinde in Deutschland wiederzugeben.

Gabriele Liebig


Was ist gegen Globalisierung einzuwenden?

Ich versuche herauszufinden, was Sie, Herr LaRouche und die BüSo wollen. Wer informiert mich kurz und klar?

- Was beklagen Sie bei weltweiter Arbeitsteilung = Globalisierung?

- Unwirtschaftliche Produktionskapazitäten in einem Land werden geschlossen, Arbeitsplätze entfallen, entstehen in einem anderen Land neu (z.B. China). Wie können wir das verhindern? (Durch neue Zölle?)

- Freie Wechselkurse zeigen, wie die internationalen Finanzmärkte die Kraft einer Volkswirtschaft einschätzen. Was spricht dagegen?

Hans-Jürgen Seibt, 83556 Griesstätt

Antwort der Redaktion

Sie wollten eine kurze Antwort:

1. Der Prozeß der Globalisierung bedeutet die zunehmende Entmachtung der nationalen Regierungen. Eine relativ kleine Gruppe sog. "Global Players" verfolgt ihre Interessen und Profitvorstellungen ohne Rücksicht auf die Folgen für die betroffenen Menschen. Dabei hinderliche Gesetze, Verfassungsprinzipien und Gemeinwohlinteressen der einzelnen Staaten werden ignoriert, umgangen oder abschafft.

"Arbeitsteilung" ist die Globalisierung nur in dem Sinne, daß die Güterherstellung in Länder verlegt wird, wo Sklavenlöhne gezahlt werden, während die alten Industriestaaten "Dienstleistungsgesellschaften" werden sollen, wo die Zukunftsbranchen Tourismus, Altenpflege und Unterhaltungsindustrie heißen und auf Dauer Massenarbeitslosigkeit herrscht.

Das kann nicht gutgehen, denn wo konsumiert, aber nicht produziert wird, entsteht ein gigantisches Handels- und Leistungsbilanzdefizit - siehe USA. Gleichzeitig wird der Lebensstandard dramatisch gesenkt.

Das heutige System der Globalisierer funktioniert nicht und erweist sich als genauso absurd wie der Titel des Globalisierungspropagandabuches "Die Erde ist flach", wobei der Auto Thomas Friedman "flach" für etwas Positives hält. Wir hingegen sind überzeugt, daß die Erde aus guten Gründen rund ist, und daß wir ein Wirtschaftssystem brauchen, daß diesem naturgesetzlichen Tatbestand Rechnung trägt.

2. "Freie Wechselkurse": Die Zeiten, in denen man am Kurs einer Währung die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft ablesen konnte, sind lange dahin. Schon vor zehn Jahren hatte nur mehr ein winziger Prozentsatz aller Währungstransaktionen mit realem Güterhandel zu tun, der Rest waren spekulative Geldgeschäfte. Die ausufernde Spekulation mit immer riskanteren Operationen und gewagteren Finanzderivaten hat das Weltfinanzsystem von Tag zu Tag instabiler gemacht, bis eines Tages irgendeine Fehlkalkulation den Einsturz verursacht - oder vernünftige Regierungen sich zusammensetzen und das unanhaltbare System durch ein neues ersetzen.

Bei den heutigen Geldmachtverhältnissen - die Hedgefonds verfügen angeblich über 700 Mrd. Dollar an gesammeltem Kapital und können mit dem Kredithebel mehr als 3 Billionen Dollar kurzfristig umlagern - sind freie Wechselkurse vor allem ein Risiko für die nationalen Volkswirtschaften, da eine Landeswährung durch Marktmanipulationen jederzeit zugrunde gerichtet werden kann (wenn sich z.B. die betreffende Regierung gegenüber der Oligarchie der Globalisierer unbotmäßig verhält).

3. Zölle: Schutzzölle haben sich - namentlich in den Vereinigten Staaten, die sich gegen den ehemaligen Kolonialherren behaupten mußten - als protektionistisches Instrument beim Aufbau einer eigenen Industrie zwar durchaus bewährt. Aber weit wichtiger ist heute die Einigung zwischen Nationen auf ein Prinzip Entwicklung: und zwischenstaatliche Vereinbarungen, die im gegenseitigen und gemeinsamen Interesse geschlossen werden.

Gabriele Liebig


Afrikanische Klagen

Das Baby weinte leise,
Dann weinte es nicht mehr;
ihm fehlte etwas Speise,
wird essen nimmermehr.

Der Bruder starb an Fieber,
Ein Mittel gab es nicht
Gelebt hätt er viel lieber,
Der arme kleine Wicht.

Im Arm da hält die Mutter
Das kleine Schwesterlein,
Fährt bange mit dem Kutter
Ins weite Meer hinein.

Es fahren viele Tausend,
Wer schwach ist, bleibt zurück,
Das Meer erhebt sich brausend.
Es kommt zum Schiffsunglück.

Es treiben viele Leichen
Wohl an den Küsten an;
Mein Gott, man hat dergleichen
Nicht drin im Urlaubsplan.

Die Küstenwachen streifen
Küstab und auch küstauf,
Sind ganz erpischt zu greifen,
Zu säubern den Menschenhauf.

Die Mutter schaffts zum Strande
Das Schwesterlein ist tot.
Doch im gelobten Lande,
Da wartet noch mehr Not.

Sie muß ins "Auffanglager",
So nennt man die wohl heut,
Dort wartet sie ganz hager,
Und hofft auf gute Leut.

Sie muß jetzt in ein Lager?
"So wills die Politik!"
So spricht der News-Ansager,
Und weist Kritik zurück.

Ein wenig Arbeit für Alle,
Was ist denn schon dabei,
Es gilt in jedem Falle,
Die Arbeit, die macht frei!

Stefan Nolten, Berlin

 

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