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Aus der Neuen Solidarität Nr. 41/2006 |
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Neulich landete im E-Mail-Briefkasten der Redaktion eine Anfrage bei der Bürgerrechtsbewegung Solidarität von vier Schülern:
"Wir besuchen die 10. Klasse des Skisportgymnasiums Klingenthal. Derzeit arbeiten wir im Fach GRW (Gemeinschaftskunde, Rechtserziehung, Wirtschaft) an einem Projekt, in welchem wir Hintergründe und Lösungsmöglichkeiten des Konfliktes zwischen dem Islam und der westlichen Welt aufdecken und erläutern wollen. Sie würden uns sehr helfen, wenn Sie eine Einschätzung zu diesem Thema aus Sicht der BüSo abgeben könnten."
Es folgen Auszüge aus unserer Antwort:
Zunächst muß man sich klarwerden, was man meint, wenn man vom "Konflikt zwischen dem Islam und der westlichen Welt" spricht. Der Islam ist eine Religion, der Westen zunächst einmal eine Himmelsrichtung, und wer ist "die westliche Welt"? Mit vereinfachenden Klischees kommt man hier nicht weiter, im Gegenteil.
Der Problembereich, mit dem Ihr Euch befassen wollt, betrifft eine höchst gefährliche politische und wirtschaftliche Krisenlage, bei der sich viele Probleme überlagern:
1. Das größte Problem sind die Leute - vor allem im neokonservativen Lager in den USA, England und anderswo - , die nach dem Untergang der Sowjetunion "den Islam" zum neuen Feindbild erkoren haben (siehe Samuel Huntingtons Propagandabuch "Kampf der Kulturen"). Aus dieser Ecke kommen solche Provokationen wie die "Mohammed-Karikaturen" (www.solidaritaet.com/2006/7/shultz.htm) oder jüngst die verfälschte Darstellung der Rede von Papst Benedikt XVI. in den Medien, um die Gemüter aufzuheizen (siehe Neue Solidarität Nr. 39/2006).
2. Der eigentliche, reale Weltkonflikt wird genährt durch das ungerechte Weltwirtschaftssystem der Globalisierung, bei dem die Macht privater "Global Players" die Macht der Regierungen aushebelt. So wird das Gemeinwohl der Völker und Nationen mißachtet und infolgedessen die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer. Das ist der Nährboden für Krieg, Bürgerkrieg, Flüchtlingsströme usw. Und dagegen bilden sich legitimerweise soziale Bewegungen, die dieses System ändern wollen. Da es aber in der Weltöffentlichkeit übel aussähe, wenn einfach so Militär und private Söldnerarmeen (www.solidaritaet.com/2006/14/larouche.htm) gegen mehr oder weniger kämpferische Bewegungen, die für eine neue gerechte Weltwirtschaftsordnung eintreten, eingesetzt würden, braucht man dazu einen Vorwand: Nichts anderes ist der sogenannte "Krieg gegen den Terror", sozusagen die konkrete Ausformung des künstlich aufgebauten Feindbildes "Islam".
3. Was der "Krieg gegen den Terror" ist und wozu er führt, haben wir in Afghanistan und im Irak gesehen. Sogar in einem Bericht des amerikanischen Kongresses ist man jetzt zu der Auffassung gelangt, daß der Irakkrieg die Bedrohung durch Terroristen stark vergrößert hat (wobei man allerdings auch noch streng unterscheiden muß zwischen einheimischem Widerstand gegen die Besatzung im Irak oder auch in Afghanistan und terroristischen Anschlägen im Ausland, gegen die natürlich vorgegangen werden muß, was aber der "Krieg gegen den Terror" immer schwieriger macht).
4. Ein weiterer Aspekt ist der Konflikt um das iranische Atomprogramm, den man durchaus auf dem Verhandlungsweg lösen könnte (www.solidaritaet.com/neuesol/2006abo/14/iran.htm). Die Regierung Bush/Cheney will das aber nicht, vielmehr mehren sich die Warnungen, daß es noch im Oktober 2006, vor den Novemberwahlen in den USA, zu einem Luftkrieg gegen den Iran kommen könnte (siehe Neue Solidarität Nr. 40). Immer mehr Leute sehen nur noch eine Möglichkeit, dies zu verhindern: eine Amtsenthebung von Bush und Cheney durch den amerikanischen Kongreß.
5. Nicht zu vergessen der 60 Jahre alte Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, der aber auch nicht unlösbar ist. Gerade jetzt gibt es neue Friedensvorschläge von arabischer (Arabische Liga) und israelischer Seite (Jossi Beilin, www.solidaritaet.com/neuesol/2006/34/libanon.htm).
BüSo und Neue Solidarität haben immer betont: Wesentliche Bedingungen zur Lösung der politischen Konflikte sind die Abkehr von der globalisierten Kasinowirtschaft, die Reform des bankrotten Weltfinanzsystems und die Errichtung einer neuen gerechten Weltwirtschaftsordnung. Die friedliche Zusammenarbeit an wirtschaftlichen Entwicklungsprojekten, die allen Beteiligten nützen und vor allem die Hoffnung der Menschen auf baldige Verbesserung ihrer Lebensbedingungen stärken, ist der wichtigste Garant für jeden Friedensvertrag (siehe "Oasenplan", www.schiller-institut.de/seiten/wirtschaft/wirt4_0.htm)
Das Problem im Irak, Afghanistan, im Libanon und des israelisch-palästinensischen Konflikts erfordert eine regionale Gesamtlösung, bei dem der Iran, Syrien und die übrigen Länder Südwestasiens konstruktiv eingebunden werden müssen. Entweder es wird bald eine solche regionale Paketlösung geben, als Ergebnis einer neuen Friedenskonferenz wie 1991 in Madrid, oder es wird zu einem schrecklichen Krieg kommen. (www.solidaritaet.com/neuesol/2006/34/libanon.htm)
An der Amtsenthebung der US-Regierung führt kein Weg vorbei, wenn ein Krieg gegen den Iran mit unabsehbaren Folgen für uns alle verhindert werden soll. (Ich sehe allerdings ein, daß dies kein Thema für die 10. Klasse ist.)
Womit man sich aber sehr gut in der Schule beschäftigen könnte, ist der:
Es gibt nämlich im Grunde keinen Konflikt zwischen den großen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Gewaltsame Entgleisungen hat es in jeder Religion gegeben. Unrühmliche Beispiele sind z.B. die im Namen Christi geführten Kreuzzüge oder die Vertreibung der Juden und der Muslime aus Andalusien (darüber hat Heinrich Heine eine Tragödie Almansor geschrieben). Zu solchen Entgleisungen kommt es, wenn man unter religiösem Deckmantel Machtpolitik betreibt und Feindbilder schürt.
Die Dichter und Weisen hingegen, die den universellen Sinn der eigenen Religion erfassen, haben sich immer gut verstehen und verständigen können. Zu diesem Dialog der Kulturen zwischen den drei großen Religionen gibt es wunderschöne, interessante Sachen zu lesen, wie z.B.:
Raimundus Lullus, Vom Heiden und den drei Weisen; Nikolaus von Kues, Über den Frieden im Glauben; G.E. Lessing, Nathan der Weise; Text des Schiller-Instituts über Friedrich Rückert, Weltpoesie allein ist Weltversöhnung; Text des Schiller-Instituts über türkische Dichtung, Meine Liebe geht über's Herz hinaus; herzig ist auch Rafik Schamis Buch, Der geheime Bericht über den Dichter Goethe.
Außer auf die Webseite der Neuen Solidarität mit Archiv und bequemer Suchfunktion verweise ich auf eine weitere interessante Seite: www.wlym.de.
Gabriele Liebig
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Lesen Sie hierzu bitte auch:
Wie wir den Dialog der Kulturen verstehen LaRouche organisiert Dialog für neue Weltwirtschaftsordnung |
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