|
|
|
|
|
| Kernthemen | Suchen | Abonnieren | Leserforum |
|
Aus der Neuen Solidarität Nr. 44/2006 |
|
|
|

Mit der Darstellung der Verurteilung Jesus, die nicht ursächlich durch den Statthalter des Römischen Reiches erfolgte, bin ich nicht einverstanden. Der theokratische Staat der Juden, der Jesus Christus wegen "Gotteslästerung" töten wollte, hatte nicht die Macht der Rechtsprechung und ausführenden Gewalt, so daß man Jesus Christus bei Pontius Pilatus unterstellte, er wolle sich zum weltlichen König Judäas machen. Pontius Pilatus wollte Jesus Christus freilassen ("Ich finde keine Schuld an ihm!"), aber die Menge der Zuschauer vor dem Gerichtsgebäude wählte Barrabas, als man ihr anbot, nach altem Brauch, einen zum Tode Verurteilten am Passah-Fest freizulassen.
Irmi Flemmerer, Starnberg
Die höchste Macht im römisch besetzten Judäa lag beim römischen Prokurator Pontius Pilatus, der sich auf den von Rom ernannten Hohenpriester Kajaphas und dessen Partei stützte. Kajaphas war 18 n.Chr. vom damaligen römischen Prokurator Valerius Gratus eingesetzt worden und wurde von Pilatus' Nachfolger 37 n.Chr. wieder abgesetzt. Einstweilen half er den Römern, das jüdische Volk niederzuhalten und auszubeuten.
Jesus griff die korrupten Kirchenführer an: "Auf dem Stuhl des Mose sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Alles nun, was sie euch sagen, das tut und haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr euch nicht richten; denn sie sagen's zwar, tun's aber nicht. Sie binden schwere und unerträgliche Bürden zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern; aber sie selbst wollen nicht einmal einen Finger dafür krümmen." (Mt. 23, 2-4) Die Heuchler seien "im Innern voller Raub und Gier", und um das wichtigste Gesetz kümmerten sie sich nicht, "nämlich um das Recht, die Barmherzigkeit und den Glauben!" (Mt. 23, 23)
Einmal fragte ein Pharisäer Jesus nach dem wichtigsten Gebot im jüdischen Gesetz. Jesus antwortete mit zwei Zitaten von Moses: "'Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinem Verstand' [5. Mose 6, 5]. Dies ist das größte und wichtigste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: 'Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst' [3. Mose 19, 18]. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten." (Mt. 22, 37-40)
Jesus predigte öffentlich über diese Dinge und stieß auf wachsende Zustimmung in der jüdischen Bevölkerung. Immer mehr Leute kamen zu seinen Versammlungen. Und als er vor dem Passahfest auf der Eselin mit dem Füllen nach Jerusalem hineinritt, empfingen ihn die Juden wie einen König. (Mt. 21, 8-11) "Alle Welt läuft ihm nach", schimpften die Pharisäer. (Joh. 12, 19)
Johannes berichtet am detailliertesten über das Treffen der Hohenpriester, bei dem beschlossen wurde, Jesus zu töten: "Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und fragten: Was sollen wir machen? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Lassen wir ihn gewähren, so werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute. Aber einer von ihnen, Kajaphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war, sagte zu ihnen: Ihr wißt nichts; ihr denkt ja auch nicht daran, daß es besser für euch ist, wenn ein Mensch für das Volk stirbt, als wenn das ganze Volk umkommt." (Joh. 11, 47-51)
Wie Jesus verraten, gefangengenommen, vor den Hohen Rat zu Kajaphas geführt und von diesem gefesselt dem römischen Statthalter Pontius Pilatus überstellt wurde, ist hinreichend bekannt. Pontius Pilatus wird von den Historikern als grausam und herrschsüchtig geschildert, die Evangelisten zeichnen ihn als gerissenen Taktiker und Manipulator. So schickt er den gefangenen Jesus zuerst zum König Herodes von Galiläa, der sich auch gerade in Jerusalem aufhielt - wohlwissend, daß Herodes schon Johannes den Täufer im Gefängnis hatte enthaupten lassen. Aber diesmal spielt Herodes nicht den Henker und schickt Jesus wieder an Pilatus zurück. (Lk. 23, 6-12)
Als die Hohenpriester mit ihrem verhetzten Mob bei Pilatus erscheinen und dieser die berühmte Frage stellt, ob er ihnen Jesus oder den Mörder Barabbas freigeben soll, da ist im Grunde klar, wie die Antwort ausfallen wird - zumal er der Meute Jesus in einem Purpurmantel mit einer Dornenkrone präsentiert und provozierend fragt: "Seht, das ist euer König! Soll ich euren König kreuzigen?" Der Tumult endet ganz im Sinne der Obrigkeit, indem die Hohenpriester versichern: "Wir haben keinen König außer dem Kaiser." (Joh. 19, 1 ff).
Matthäus berichtet auch, daß Pilatus sich während dieser Szene demonstrativ die Hände wäscht und behauptet, unschuldig an Jesu Hinrichtung zu sein. Aber die Nachwelt nahm ihm das nicht ab. Noch heute bedeutet "seine Hände in Unschuld waschen", daß man nur die Verantwortung abschieben will.
Gabriele Liebig
"Hättest du geschwiegen, wärest du Philosoph geblieben", dieser weise Spruch der ollen Römer kam mir nach der Lektüre des Artikels "Warum 'Humboldt durch die Hintertür' nicht geht" (Nr. 41, S. 10-11) in den Sinn.
Meine Absicht ist es, nun doch einmal eine Lanze für den armen Herrn Grete zu brechen. Wenn ich die Quintessenz des oben genannten Beitrags richtig verstanden habe, lautet sie folgendermaßen: Alle Versuche, die Welt durch "kleine Schritte" stetig immer etwas besser machen zu wollen, sind zum Scheitern verurteilt aufgrund der deprimierenden Tatsache, daß die Gesellschaft "an sich" kulturell degeneriert und korrumpiert ist. Daher kann sie nur mit Hilfe "holistischer Sozialtechniken", d.h. als totales Ganzes bis auf das kulturelle Fundament hin vollständig umgewandelt und verbessert werden.
Das ist eine gewagte und nicht ungefährliche These, wenn man sich etwa die realen Hinterlassenschaften des real gewesenen Sozialismus vor Augen führt, der auf materialistischer Grundlage methodologisch ähnlich argumentiert und agiert hat.
Aber hat die Geschichte der letzten 150 Jahre nicht gezeigt, daß die sozialdemokratische Reformbewegung der "kleinen Schritte" mehr für die Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen getan hat als sein revolutionär-sozialistischer Konkurrent? Eine andere interessante Frage ist, welche objektiven Kriterien oder Bildungsparameter eigentlich erfüllt sein müssen, bis man von einer konsequent an Humboldt geschulten und gebildeten Gesellschaft sprechen kann. Fragt man zehn Pädagogen, gibt es dazu zehn unterschiedliche Antworten. Humboldt selbst etwa grübelte darüber nach, ob Handwerker des Altgriechischen mächtig sein sollten!
Man sieht schon: Die Dinge sind nicht so einfach, wie sie scheinen, und stereotype Worthülsen und wiedergekäute Topoi im alltäglichen politischen Sprachgebrauch machen sie bestimmt nicht klarer.
Wir sollten jedenfalls heute jedem Lehrer, Wissenschaftler usw. dankbar sein, wenn er mit idealistischem und enthusiastischem Schwung dazu beiträgt, bei einigen Jugendlichen doch so etwas wie ehrliche Begeisterung für naturwissenschaftliche Vorgänge zu entfachen. Wer weiß, wer weiß: Vielleicht ist ja ab und an auch einmal ein junger Leibniz darunter! Und am Ende gilt immer noch ein Wort Konfuzius': "Es ist besser, ein kleines Licht anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen!"
Thomas Steingräber, Hamburg
Seit dem 24. Januar 2006 ist auf Halliburtons eigener Website zu lesen, daß sie für bis zu 385 Millionen US-Dollar bauen wird. Halliburtons Tochtergesellschaft KBR soll diese Lager im Auftrag der US-Regierung ausbauen. Die "Immigration and Customs Enforcement" (ICE) benötigt nach offiziellen Angaben diese Lager, um zukünftige Massen an Immigranten aufzufangen. Diese Lager sollen es der US-Regierung auch ermöglichen, in einer Notsituation Teile der Bevölkerung zu versetzen und unterzubringen.
Inoffiziell sind diese Lager nichts anderes als moderne Konzentrationslager. In Kombination mit dem erweiterten Patriotgesetz (Patriot Act II) hat Präsident Bush die alleinige Befugnis zu entscheiden, wie diese Lager benutzt werden sollen. Dieses Antiterrorgesetz, das in einer Notlage aktiviert werden soll, erlaubt es dem Präsidenten als Alleinherrscher das Land zu regieren. In dieser Lage könnte noch nicht mal der US-Kongreß intervenieren, um den Präsidenten der Macht zu entheben. Eine Unterschrift des Präsidenten würde ausreichen, um alle Bürgerrechte aufzuheben, Bürger zwangsmäßig zu versetzen, Bürger zwangsmäßig zu enteignen, Bürger unter Zwang arbeiten zu lassen und alle Medien, Transportwege, Flughäfen, Krankenhäuser usw. unter die Kontrolle der US-Regierung zu bringen.
Die Frage die man sich stellt: Warum lesen wir dies nicht in unseren Zeitungen? Alle offiziellen Nachrichtenagenturen dürfen sich nur von den offiziellen Medien der USA bedienen; aber da alle Medien in Amerika durch fünf Firmen kontrolliert werden, die wiederum Tochtergesellschaften von noch größeren Firmen sind, sind die Nachrichten in Amerika größtenteils Erzeugnisse der PR-Agenturen. Das bedeutet, daß keine echten Nachrichten Europa erreichen. Nur über sogenannte Nonprofit-Nachrichtendienste kann man sich noch über die Geschehnisse in Amerika informieren. Diese Nonprofit-Dienste überleben nur durch Spenden und können dadurch viel kritischer sein als die auf Profit basierenden Nachrichtenagenturen.
Mehr und mehr Amerikaner benutzen das einzig noch unkontrollierte Medium, nämlich das Internet, um sich zu informieren. Über das Internet kommunizieren die US-Bürger miteinander und versuchen zu verstehen, was verkehrt gelaufen ist. Viele amerikanische Berühmtheiten versuchen durch selbstfinanzierte Filme zu erklären, was passiert ist. Unter ihnen ist Aaron Russo, der Regisseur von "The Rose". Sein Film "From Freedom to Fascism" bekam eine stehende Ovation beim Filmfestival von Cannes.
Wenn man seine eigene Vergangenheit nicht versteht, besteht die Gefahr, daß sich die Geschichte wiederholt. Man muß konkret und detailliert alles durchnehmen, um zu begreifen, was wir unter Geschichte verstehen, denn nur dann können wir die nötigen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, daß wir in Frieden weiterleben können.
Johannes Kiel
|
|
| Kernthemen | Suchen | Abonnieren | Leserforum |