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Aus der Neuen Solidarität Nr. 45/2006

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Vergessene Kunst: Wie man aus Feinden Freunde macht

Vor 250 Zuhörern in Berlin und vielen weiteren Gästen in Washington erläuterte Lyndon LaRouche auf seinem Internetforum in Berlin die Weltlage wenige Tage vor den US-Kongreßwahlen und entwarf als Gegenkonzept zur Kriegspolitik der USA die Vision einer neuen Weltordnung kooperativer Entwicklung.

Die internationale Internet-Pressekonferenz von Lyndon LaRouche am 31. Oktober in Berlin stellte schon allein deswegen einen sichtbaren Unterschied gegenüber dem Internetforum am 6. September dar, weil diesmal dreimal so viele Gäste kamen - Vertreter von politischen Institutionen und aus der Wirtschaft, Diplomaten und viele Bürger aus Berlin, die LaRouche einmal persönlich reden hören wollten. Nur wenige Tage vor den amerikanischen "Zwischenwahlen" am 7. November war natürlich das Interesse groß, von einem amerikanischen Politiker wie LaRouche selbst etwas darüber zu hören, ob es Aussichten auf eine bessere amerikanische Politik gebe. Das gestiegene Interesse an LaRouche ist aber auch ganz wesentlich das Ergebnis der Aktivitäten der LaRouche-Jugend (LYM) im und nach dem Berliner Wahlkampf, bei denen enorme Mengen von politischem Informationsmaterial an die Bürger Berlins verteilt wurden.

Die einleitende Rede LaRouches und seine darauffolgenden Ausführungen in der mehr als zweistündigen Diskussion hielten zunächst einmal einige unbequeme Wahrheiten bereit: Die Eliten sämtlicher Länder seien, wenn überhaupt, schlecht vorbereitet auf den absehbaren, vollen Ausbruch der Weltwirtschaftskrise. Es gebe in Europa und Asien immer noch die Illusion, man könne auch ohne die USA nach einem Kollaps des Dollars zurechtkommen, sagte LaRouche. Vor allem jene Länder mit hohen Reserven in Dollar würden aber durch einen Dollarverfall um 30% sofort in den Abgrund gerissen.

Weiterhin gebe es die Illusion von scheinbar cleveren Arrangements im Falle der großen Krise, womit jedoch der Herausforderung, tragfähige, langfristige Lösungen, etwa für die nächsten 50 Jahre zu finden, ausgewichen werde. Solche Lösungen könnten nur gefunden werden, indem man Programme für die Reindustrialisierung, durch Abkommen zwischen Regierungen abgesichert, entwerfe und in Gang setze, sagte LaRouche. Das große Problem mit den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern von heute sei aber, daß sie sich aus Vertretern der 68er Generation zusammensetzten, denen jegliche Fähigkeit der Staatskunst abgehe. Das Interesse am Gemeinwohl, am Wohlergehen anderer, fehle. Diese Leute wollen keine produktive Arbeit, keine Wissenschaft, keine Industrie. Im Grunde sei ihnen völlig egal, wie es anderen Leuten gehe, für sie zähle letztlich nur, was ihnen selbst nütze. Die von diesen Leuten propagierte "Freiheit", sagte LaRouche, sei von der Art, wie man sie in Berlin hautnah erleben könne: die "Freiheit", keine Arbeit zu haben.

Die Generation künftiger Entscheidungsträger, denen vor allem die Entwicklung anderer am Herzen liege, müsse erst neu aufgebaut werden, und das sei die Mission der LaRouche-Jugendbewegung. "Ich habe mit diesen jungen Leuten gearbeitet, und ich habe sie Dinge tun gesehen, von denen die ältere Generation nicht einmal träumen würde", sagte LaRouche in Berlin. Er erläuterte wiederholt in seinen Antworten die Wichtigkeit, daß Leute aller Altersgruppen etwas dafür tun, um die noch unverdorbenen Jugendlichen der Altersgruppe 18-30 Jahre in die Lage zu versetzen, ihr geistig-moralisches Potential zu entwickeln. Man dürfe nicht zulassen, daß die Jugend an Universitäten, an denen degenerierte Varianten von "Wissenschaft" gelehrt würden, korrumpiert werde, vielmehr sei es wichtig, daß sie in der Beschäftigung mit den Werken von Kepler, Gauß und Riemann das begreifen können, was wesentlich für ein Verständnis der modernen Wissenschaft ist.

Ebenso, auch das betonte LaRouche mehrfach in Berlin, sei für junge Leute die Beschäftigung mit J.S. Bach, vor allem mit dessen Chorwerken, wichtig, denn Bach habe universelle Prinzipien der Musik wiederentdeckt, die bereits die Pythagoreer vor 2500 Jahren in ihrer wissenschaftlichen Arbeit erkannt hätten. Eine ganz wesentliche Qualität wirklicher Staatsführer sei, so LaRouche weiter, die Fähigkeit zur Agape, wie sie von Nikolaus von Kues im 15. Jh. bei seinem Bemühungen um den Dialog zwischen den Religionen ausgearbeitet und dann im Westfälischen Frieden von 1648 niedergelegt wurde: die Orientierung darauf, die Entwicklung und das Wohlergehen des Anderen bestmöglich zu fördern. Diese besondere, aus der christlichen Tradition heraus entwickelte Idee sollte besonders die Europäer antreiben, die Zusammenarbeit mit anderen Kulturen und Religionen zu vertiefen, zum Guten der ganzen Menschheit, sagte LaRouche.

Eine besondere Herausforderung sei es, den wissenschaftlichen Sprung in eine ganz neue Rohstoffwirtschaft zu machen, führte LaRouche weiter aus. Die weltweite Versorgung mit Trinkwasser und mit Energie sei mit der bisherigen Fixierung auf die Ausbeutung bereits vorhandener, fossiler Ressourcen nicht möglich. Eine Lösung finde sich nur in der Erzeugung neuer Ressourcen, im Übergang zur "Trans-Uran-Ära", mittels Atom- und Fusionstechnik.

Hier komme gerade Rußland eine besondere Rolle zu, wo sich seit den ersten Modernisierungsschritten unter Peter dem Großen eine besonders intensive Beschäftigung mit der Rohstofffrage, mit Geologie, vor allem durch die Beiträge des Wissenschaftlers Wernadskij, entwickelt habe, sagte LaRouche in der Beantwortung von Fragen aus Rußland.

Dieses Thema wurde in Berlin auch von Viktor Krupnow aufgegriffen, eines seit mehr als zehn Jahren mit dem Denken LaRouches vertrauten Wissenschaftlers, der vor kurzem eine neue politische Bewegung, die Partei der Entwicklung, gegründet hat. Krupnow führte aus, die Würde des Menschen und eine menschenwürdige Existenz könnten ohne das Bekenntnis zur produktiven Industrie, ohne "industrielle Mentalität" nicht gesichert werden. Deshalb müßten Bewegungen wie seine eigene und die von LaRouche zusammenarbeiten. Krupnow wies besonders auf die Rolle eines reindustrialisierten Berlin bei der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung der Länder Eurasiens hin.

LaRouche äußerte auch eine Reihe von Wahrheiten über die USA, die gerade für diejenigen, die in eine amerika-pessimistische Haltung verfallen sind, lehrreich sein sollten. Daß viele Leute von den USA heute nicht viel hielten, habe vor allem mit der katastrophalen Politik der Bush-Administration der vergangenen sechs Jahre zu tun - einer Politik, die überhaupt nicht zum Vorteil der Amerikaner sei. Diese Politik gehe auf den Einfluß anglo-holländischer Finanzoligarchien zurück, auf Leute wie George Shultz, der bereits eine Schlüsselrolle bei der Zerstörung des "alten Bretton Woods" nach 1971 gespielt habe, sagte LaRouche. Das Interesse dieser Kreise sei die politische und wirtschaftliche Zerstörung der USA, denn seit Ende des 18. Jh. bildeten die USA die Hauptkraft für anhaltenden Widerstand gegen die Kräfte, welche heute die "Globalisierung" vorantreiben. Ohne die USA mit ihren besonderen, verfassungsmäßigen Handlungsmöglichkeiten als nicht-oligarchischer Staat würde der Widerstand anderer Staaten in Europa und Asien gegen die vollständige Globalisirung zusammenbrechen, erläuterte LaRouche.

LaRouche führte in Beantwortung von Fragen an ihn aus der Clinton-Stiftung am Fall des Sudans aus, in welches Schlamassel die US-Politik diese Region Afrikas hineingestoßen habe. Zweifellos hätten unfähige Berater Präsident Clintons Afrikapolitik in schwerwiegende Probleme hineingetrieben, aber zu einem riesigen Desaster sei die Sudanfrage erst durch die Regierung Bush geworden. Wer durch politische und militärische Interventionen von außen am staatlichen Bestand Sudans rüttle, stelle das sudanesisch-ägyptische Abkommen über die Nutzung des Nilwassers in Frage. Damit werde auch Ägypten destabilisiert, warnte LaRouche.

Gerade weil es in den USA möglich sei, das Blatt zu wenden, sei er optimistisch hinsichtlich dessen, was er und die LaRouche-Jugendbewegung durch ihre politische Arbeit bewirken werden. Bush und Cheney müßten unverzüglich aus dem Amt enfernt werden, weil ihr Verbleiben im Amt katastrophale Folgen für die USA und die Welt hätte, während ohne sie auch die schwersten Probleme lösbar sind.

Rainer Apel

Lesen Sie hierzu bitte auch:
Die Weltkrise am Vorabend der amerikanischen Kongreßwahlen - Neue Solidarität Nr. 45/2006
"Argentinien hat weniger Illusionen als Europa" - Neue Solidarität Nr. 45/2006
"Die Regierung Bush wurde eingesetzt, um die USA zu zerstören" - Neue Solidarität Nr. 45/2006
LaRouche im Dialog mit Rußland - Neue Solidarität Nr. 45/2006
Was LaRouche wirklich sagt - Erklärungen zur aktuellen politischen Lage - Internetseite der Bürgerrechtsbewegung Solidarität
Schriften von Lyndon H. LaRouche 1981-2006 - Internetseite des Schiller-Instituts

 

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