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Aus der Neuen Solidarität Nr. 46/2006 |
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Seit dem 24. Januar 2006 ist auf Halliburtons eigener Webseite zu lesen, daß sie für bis zu 385 Millionen US-Dollar Internierungslager bauen wird. Halliburtons Tochtergesellschaft KBR soll diese Lager im Auftrag der US-Regierung errichten und betreiben. Die Einwanderungs- und Zollbehörde (Immigration and Customs Enforcement, ICE) benötigt nach offiziellen Angaben diese Lager, um zukünftige Massen an Immigranten aufzufangen. Die Lager sollen es der US-Regierung auch ermöglichen, in einer Notsituation Teile der Bevölkerung zu versetzen und unterzubringen.
Inoffiziell sind diese Lager nichts anderes als moderne Konzentrationslager. In Kombination mit dem erweiterten Patriotgesetz (Patriot Act II) hat Präsident Bush die alleinige Befugnis zu entscheiden, wie diese Lager benutzt werden sollen. Dieses Antiterrorgesetz, das in einer Notlage aktiviert werden soll, erlaubt es dem Präsidenten als Alleinherrscher das Land zu regieren. In dieser Lage könnte noch nicht mal der US-Kongreß intervenieren, um den Präsidenten der Macht zu entheben. Eine Unterschrift des Präsidenten würde ausreichen, um alle Bürgerrechte aufzuheben, Bürger zwangsmäßig zu versetzen, Bürger zwangsmäßig zu enteignen, Bürger unter Zwang arbeiten zu lassen und alle Medien, Transportwege, Flughäfen, Krankenhäuser usw. unter die Kontrolle der US-Regierung zu bringen.
Die Frage, die man sich stellt: Warum lesen wir dies nicht in unseren Zeitungen? Alle offiziellen Nachrichtenagenturen dürfen sich nur von den offiziellen Medien der USA bedienen; aber da alle Medien in Amerika durch fünf Firmen kontrolliert werden, die wiederum Tochtergesellschaften von noch größeren Firmen sind, sind die Nachrichten in Amerika größtenteils Erzeugnisse der PR-Agenturen. Das bedeutet, daß keine echten Nachrichten Europa erreichen. Nur über sogenannte Nonprofit-Nachrichtendienste kann man sich noch über die Geschehnisse in Amerika informieren. Diese Nonprofit-Dienste überleben nur durch Spenden und können dadurch viel kritischer sein als die auf Profit basierenden Nachrichtenagenturen.
Mehr und mehr Amerikaner benutzen das einzig noch unkontrollierte Medium, nämlich das Internet, um sich zu informieren. Über das Internet kommunizieren die US-Bürger miteinander und versuchen zu verstehen, was verkehrt gelaufen ist. Viele amerikanische Berühmtheiten versuchen durch selbstfinanzierte Filme zu erklären, was passiert ist. Unter ihnen ist Aaron Russo, der Regisseur von "The Rose". Sein Film "From Freedom to Fascism" bekam eine stehende Ovation beim Filmfestival von Cannes.
Wenn man seine eigene Vergangenheit nicht versteht, besteht die Gefahr, daß sich die Geschichte wiederholt. Man muß konkret und detailliert alles durchnehmen, um zu begreifen, was wir unter Geschichte verstehen, denn nur dann können wir die nötigen Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, daß wir in Frieden weiterleben können.
Johannes Kiel
Der Autor vertritt in diesem Artikel (siehe Neue Solidarität Nr. 43) zwei Hauptthesen:
1) Die Probleme unserer heutigen Zeit sind auf oligarchische Wortverdreher zurückzuführen, die verneinen, daß es ein Wissen gibt und statt dessen Beliebigkeit propagieren, um das Volk klein zu halten. 2) Platon hat genau den gleichen Kampf geführt, nur daß sich der Gegner damals "Sophist" nannte.
Der ersten Aussage wird man sicherlich zustimmen. Bei der zweiten Aussage handelt es sich um eine unreflektierte Übernahme des Standpunkts von Platon, den ich an dieser Stelle doch mal in Frage stellen möchte. Es geht mir nicht darum, die erste Aussage zu schwächen; diese ist sehr leicht zu belegen. Ich möchte statt dessen zum Nachdenken und Hinterfragen anregen, auch wenn es sich um Aussagen eines so großen Autors wie Platon handelt.
Wenn man etwas über einen Autor erfahren möchte, dann ist es ein guter Anfang, einen Text des Autors zu lesen. Bei den Sophisten gestaltet sich dies schwierig, da nur sehr wenige primäre Quellen existieren. Die Sophisten einzig anhand ihres größten Kritikers Platon kennenzulernen hat doch, spitz formuliert, ein wenig etwas von dem Unterfangen, die BüSo anhand der Aussagen der Grünen über die BüSo kennenzulernen. Ist es wirklich so einfach, daß die Sophisten die Handlanger der Oligarchie waren und daß sie deshalb per se zu verdammen sind? So pauschal kann diese Aussage nicht richtig sein, da Sophisten wie Protagoras großes Ansehen während der demokratischen Phase Athens besaßen und beispielsweise mit der Formulierung von Verfassungen in anderen Städten beauftragt wurden. Auch danach wurde er sehr positiv rezipiert, so z.B. durch Nikolaus von Kues in seiner Abhandlung über den Beryll.
Um nicht nur etwas über Platons Kritik an den Sophisten, sondern wirklich etwas über sie selbst zu erfahren, wäre es wichtig, die Begriffe "logos", "physis", "nomos" und den wichtigsten Begriff der Sophisten, "arete", in ihrer Begriffsgeschichte zu erforschen. Zusätzlich gilt es, all die Okkupationen des sophistischen Gedankenguts aus über 2500 Jahren offen- und vor allem abzulegen, da man niemandem vorwerfen kann, wenn er in der Zukunft für irgendetwas anderes mißbraucht wurde.
Um all dies ging es dem Autor offenbar nicht, da er unreflektiert Platons Kritik wiederholt. Er glaubt damit einer unsicheren und mithin also höchstens wahrscheinlichen Aussage. Wenn wir Platon als Vorbild nehmen, dann muß es auch uns darum gehen, Wahrheit zu finden und nicht nur das Wahrscheinliche zu glauben. Im Falle der Sophisten wird damit nur eine Schublade mit der Aufschrift "Sophisten" geschaffen. Der Begriff selbst bleibt schwammig und er spricht nur unsere negativen aber unreflektierten Assoziationen zu diesem Begriff an. Dies ist natürlich praktisch, weil man so jemanden oder etwas nur sophistisch nennen muß und sofort, ohne Nachdenken, alles bezüglich der Sache oder Person geklärt ist. So machen das auch alle unsere Gegner, indem sie uns faschistisch oder antisemitisch nennen.
Nur bedient man sich auf diese Weise genau der Form von verklärender, weil einzig die Gefühle ansprechende Rhetorik, die Platon, meines Erachtens zu recht, in seinen Dialogen angegriffen hat. Dies haben vielleicht unsere Gegner nötig, da sie uns auf der Ebene der Wahrheit nicht beikommen können. Globalisierung nützt eben nur einer kleinen Gruppe und nicht allen Menschen. Das kann man wissenschaftlich beweisen. Wir brauchen diese verklärende Rhetorik nicht und sollten auch nicht anfangen, sie zu nutzen.
Patrick Grete
Es ist für mich nicht immer verständlich, wie man sich zuweilen an Nebensächlichkeiten abarbeitet, wenn über das Christentum geredet wird. Ich vertrete z.B. die Ansicht, daß es für die Heilsgeschichte völlig ohne Belang ist, daß neben den jüdischen Hohenpriestern sicherlich auch Rom an der Niederschlagung sozialer Bewegungen, welche die eigene Macht gefährdeten, interessiert war. Viel öfter sollte man über die Bedeutung reden, welche die Hinrichtung Jesu für das Christentum bis heute hat. Ökumene und Dialog sind gewiß wichtig; es kann aber nicht richtig sein, wenn man vielleicht aus Angst vor Streit wichtige Fragen lieber unter den Tisch fallen läßt - jedenfalls dann, wenn der Dialog zur Wahrheit hinführen soll.
Die Hohenpriester hätten am Auftreten Jesu erkennen müssen, daß er der verheißene Messias ist. Aber dies einzugestehen, hätte sie wohl eine zu große Überwindung gekostet. Es war in ihren Augen viel wahrscheinlicher, daß er ein Gotteslästerer war, der sich für den Mensch gewordenen Sohn Gottes ausgab, als daß sich dies Weltereignis vor ihren Augen zutragen sollte. Ihn hinzurichten, damit wähnten sie sich auf der sicheren Seite. Und so ähnlich geht es uns doch auch meistens, wenn wir Farbe bekennen müssen!
Ich denke da nur an die armen Buchhalterseelen in den heutigen globalisierten Unternehmen, wenn wieder Leute entlassen werden müssen, damit das Unternehmen nicht Gefahr läuft, "unrentabel" zu werden. Wer würde sich - auf die Gefahr hin, sich unbeliebt zu machen - öffentlich dagegenstellen und sagen "Hört lieber auf Lyndon LaRouche - der weiß, wie Wirtschaft wirklich funktioniert"? Für diese Leute - und auch für uns, denn wir sind meist selbst nicht besser - ist Jesus am Kreuz gestorben. Es handelt sich also nicht um eine Tragödie, sondern mehr um ein Geschenk für uns. Denn wir können nicht in den Himmel gelangen, wenn wir törichterweise versuchen, unsere Schuld selber zu bezahlen.
Und weil Jesus wußte, daß er allein diese Aufgabe vollbringen konnte, hat er sich auch nicht gegen die Anschuldigungen verteidigt. Johannes gibt den Dialog zwischen Pilatus und Jesus wieder: "Da sagte Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, daß ich Macht habe, dich loszugeben, und Gewalt habe, dich zu kreuzigen? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre; darum liegt größere Schuld bei dem, welcher mich dir überliefert hat."
Hagen Lorenz
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