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Aus der Neuen Solidarität Nr. 47-48/2006 |
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Vor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit, beim Auftritt von Herrn LaRouche in Berlin dabei zu sein und war sehr von ihm und seinen Ausführungen beeindruckt. Obwohl meine Englischkenntnisse besser sein könnten, konnte ich seiner Rede doch folgen und kann ihm nur zustimmen.
Gestern (14.11.) traf ich vor dem Bahnhof Berlin-Schöneweide einige Ihrer sehr engagierten jungen Leute, die "Die Gedanken sind frei" und andere Lieder sangen, die Amtsenthebung von Präsident Bush verlangten und Material von BüSo und LaRouche verteilten und bei den vielen Passanten auf manche Resonanz stießen - besonders mit der Forderung nach einer neuen Wirtschaftspolitik.
Schöneweide war einmal ein wichtiger industrieller Standort in Berlin. Heute sind die Werke geschlossen und in den anliegenden Straßen die Geschäfte mit Brettern vernagelt, Schaufensterscheiben zugeklebt.
Ihre Neue Solidarität lese ich mit wachsendem Interesse.
Dr. Rudolf Turber, Berlin
"Ich stehe nicht auf der Seite der Henker!" Ein klares Wort. Drei Fragen suchen eine Antwort: Wer ist das Ich? Wer ist der Scharfrichter, der, besoldet, Todesurteile vollstreckt? Wer sind die Opfer? Vor uns steht Jean Ziegler, Prof. der Soziologie, aufrecht und verehrungswürdig. Er hält dem Neoliberalismus, dem Raubtierkapitalismus den Spiegel vor, dessen Fratze uns angrinst - abscheulich, menschenfeindlich, die Geißel der Völker. Offen spricht er die Wahrheit aus, auch gegen die amerikanische Regierung: Die US-Regierung "zertrümmert im Kampf gegen Terrorismus prinzipielle Errungenschaften der Menschheit, sie führt in der internationalen Politik wieder das Faustrecht ein."
Uralt ist die Frage - nachzulesen in Platons Gorgias - : Wer soll herrschen? Das Naturrecht des Stärkeren? (483 d) Die Sophisten! Oder Recht, Gesetz, Gerechtigkeit, wie Sokrates fordert? Ein Rückfall in vorgeschichtliche Barbarei? Wo bleibt der Fortschritt?
Die Utopie einer glücklichen Welt: In den letzten Jahrzehnten entstanden unglaubliche Reichtümer auf der Erde; seit 12 Jahren hat sich der Welthandel mehr als verdreifacht, das Welt-Bruttosozialprodukt hat sich fast verdoppelt! Sind das nicht verheißungsvolle Vorzeichen für die Zukunft des Menschengeschlechts? Der Mangel ist zum ersten Mal besiegt! Aber neue Herrscher betreten die Weltbühne - nicht Häuptlinge, Fürsten, Könige, Länder mit republikanischer Verfassung, sondern die multinationalen Konzerne, die Banken: "Eine Refeudalisierung" finde statt wie im Mittelalter mit Untertanen, Hörigen, Leibeigenen. Aber diese Herrscher "sind mächtiger, zynischer, brutaler und gerissener".
Ihre Gesetzestafeln sind der "Washingtoner Konsensus" von 1989, maßgeblich vorbereitet von Milton Friedman. Er ist die Galionsfigur des Neoliberalismus und beeinflußt mit seiner Wirtschaftstheorie des Monetarismus bis auf unsere Tage weitgehend die Entwicklungspolitik, obwohl seine Theorie bei den Dritte-Welt-Ländern katastrophale Auswirkungen zeigte. Sein Credo: Privatisierung bringt den Völkern Wohlstand - man fragt sich nur wo - , der Markt regelt alles besser. Friedmans Gott ist die Profitmaximierung!
Wer sind die Henker? Prof. Jean Ziegler, UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, nennt die Welthandelsorganisation WTO und den IWF menschenmörderische Organisationen, die aufgelöst werden müssen. Ihre Funktionsweise? John Perkins, einst im Dienst der amerikanischen Wirtschaftsmafia unterwegs, packt aus: Wir verlocken durch übertrieben optimistische Prognosen zu überdimensionierten Technikprojekten, zu Großkrediten - zum Instrumentarium gehören gezinkte Prognosen, Schmiergelder, Erpressung und Mord. Wenn, wie geplant, die Staaten die Kredite nicht zurückzahlen können, erhalten sie einen Absichtsbrief, und ihre Wirtschaft wird in unserem Sinn manipuliert: Das ganze Volksvermögen wird privatisiert, denn Hunger und Verschuldung sind die Herrschaftsinstrumente der Konzerne.
Wer sind die Opfer der Raubtierkapitalisten? Hier steigt der Profit astronomisch, dort bittere Armut, quälender Hunger! Die Folgen sind entsetzlich: Von rd. 6 Mrd. Menschen hungern 852 Mio. Im Jahre 2005 sind an jedem Tag 100 000 Menschen an Hunger oder seinen Folgen gestorben: Laut Welternährungsbericht ist alle 5 Sek. ein Kind unter 10 Jahren verhungert. Jean Ziegler urteilt: "Ein Kind, das heute verhungert, wird ermordet", auch 12 Mrd. Menschen, die doppelte Anzahl, könnte die Weltlandwirtschaft problemlos ernähren, vorausgesetzt die Nahrungsmittel würden gerecht verteilt.
Weltweiter Widerstand entwickelt sich: Die Völker der Welt wachen auf, in Demonstrationen, Straßenblockaden und Straßenschlachten fordern sie gerechte Welthandelsregeln nach den Prinzipien von Fairness und Transparenz. In Weltsozialforen kämpfen sie gegen GATT, gegen die WTO, gegen die Weltbank und den IWF. Samir Amin urteilt: Der Neoliberalismus ist als Weltsystem selbstmörderisch und kriminell!
OStR a.D. Eugen E. Ungerer, 70374 Stuttgart
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